Monarchy Now

Dance Mephisto, Dance Mephisto
Wenn dich erst der Teufel packt
So bist du ausgeliefert nackt
Dance Mephisto, Dance Mephisto
Hit them with your rythm stick
Vollstrecke deinen Psycho-Trick
Dance Mephisto, Dance Mephisto
Nimm die Tänzerin im Takt
Bis es in den Speakern knackt
Dance Mephisto, Dance Mephisto
Schlag mit deinem Pferdefuß
Go on with your Bühnenshow

(Fragen’s mich nicht, wo das jetzt herkommt. Seit Tagen singt der damische Wiener in meinem Kopf rauf und runter.)

Aber es passt zu diesem gspinnerten Januar.
Mitte des Monats beende ich die Twitter-Fastenzeit und merke schon eine Woche später wieder, wie die Aufmerksamkeitsspanne sich verringert, wie die inneren Schwankungen eine größere Divergenz bekommen, weil sich dort sehr lustige und sehr bemerkenswerte mit wahnsinnig dämlichen und eben auch wütend machenden Dingen wild abwechseln.
Noch merke ich, dass ich jetzt wieder 2 oder 3 Stunden lang Dinge tun kann, ohne ins Telefon zu gucken, dass ich meine Existenz auch mal wieder sehr klar als getrennt von einem Netzwerk wahrnehme, gelohnt hat sich die Sache also allemal. Vielleicht ein Ritual draus machen.
Überhaupt, Rituale und Angewohnheiten.

Der gspinnerte Januar treibt an der Stelle die wildesten Blüten. Der Schalter in meinem Kopf, der sich zum Thema Bewegung im Dezember umgelegt hat, liegt immer noch. Ich komme nach Hause, wechsle die Klamotten (Oida, ich muss mir eventuell Sporttextilien kaufen. Dafuq.) und mache Pilates oder Cardio oder was auch immer ich mir in meinen Fitnessblender-Kalender (ja, soweit sind wir schon) gelegt habe. 15 Minuten kommen mir jetzt, nach knapp 4 Wochen etwas wenig vor und ich lege mittlerweile immer ein ordentliches Warm-up vorher dazu. (Ehrlich, ich kann nicht fassen, dass ich das hier schreibe.)
Nach 4 Wochen traue ich mich auch gewisse Beobachtungen zu machen. Beweglichkeit: Korrekt eingeschätzt. Ich komme, solang es meine Balance zulässt, mit allen Körperteilen genauso weit wie es die Trainer tun. Stretching macht Spaß, keinen Schweiß. Kondition: Verschätzt. Ich dachte ich würde ein bisschen was herhalten, hab das aber wohl mit meiner allgemeinen Zähigkeit verwechselt. Aber nach nur 4 Wochen mit fast durchgehend täglicher Bewegung wird’s merklich besser. Ich bekomme langsam eine gewisse Kontrolle darüber wie sehr ich mich reinhängen muss. Ich kann sogar „pushen“, wenn’s sein muss. (Fitness-Vokabular. Das ist der eigentlich abschreckende Teil.) Kraft: Insofern richtig eingeschätzt, als mir klar war, dass keine vorhanden ist. Also gar keine. Ich besitze Muskelgruppen, die wurden sich in den letzten Wochen wohl überhaupt mal wieder ihrer Aufgabe gewahr. Das ist zuerst sehr frustrierend und man kommt sich ein bisschen doof vor, weil es nicht ob der größeren „range of motion“ irgendwo zieht, sondern man einfach Schwierigkeiten hat, die Knie im „table top“ zu halten, denn die Oberschenkel sehen das gar nicht ein.
Es ist der größte Berg, aber ich schätze der lohnenswerteste. Also wird weitergemacht.

Komplett unerwartet: Die inneren Veränderungen. Heißhunger auf Nüsse und Trockenobst, kein Bock auf Alkohol ( I KNOW ) oder Schokolade (was ja nicht heißt, dass ich nicht nach wie vor großer Kuchenfan bin und überhaupt ist Krapfen-Saison!) und wenn ich mich nach dem Büro erstmal mindestens zum Low Impact Cardio Pilates Workout Full Body (Oida) überwunden habe, kann ich oft Abends noch andere Dinge von der To-Do Liste abhaken anstatt nur noch eine Serienfolge zu gucken. Ich meine, die gucke ich meistens trotzdem, aber irgendwie kann ich mich noch zu Papierkram, Emails oder einem Telefonat aufraffen.

Und dann ist da noch die Sache, die man schwer in Worte fassen kann, die bei mir aber langsam Verständnis für Leute aufkeimen lässt, die an schlechten Tagen erstmal Laufen gehen. (Laufen gehen. Komische Formulierung.) Weil der gspinnerte Januar trug noch eine, hoffentlich vorerst letzte Welle, von der großen Dunkelheit mit sich, von Gedanken an Verlorengegangenes und am Ende auch noch möglichen Begegnungen mit alten Geistern. Außerdem ist es dreckskalt und da reagiere ich empfindlich.
Wenn man mal wieder einen Heimweg lang mit solchen Gedanken verbracht hat, nicht mehr einholbares zum xten Mal im Kopf durchspielt, ist es etwas geradezu beruhigend ganz automatisch Daheim schließlich die Yogamatte auszurollen und sich via Video von der netten Trainerin durchs richtige Atmen, ein paar Aufwärm-Posen und schließlich einige schweißtreibende Übungen leiten zu lassen. Da ist kein Platz für die dunklen Dinge und danach muss man erstmal einen Liter Wasser trinken oder Mandeln essen und überhaupt ist einem grade noch eingefallen was man auf die Einkaufsliste schreiben wollte. Die nicht gesagten Dinge, die alten Missverständnisse und alle Verluste müssen draußen bleiben.

Das gilt alles für mich und ist kein Endorsement für irgendwas. Es ist mir auch tatsächlich schleierhaft welcher Schalter da warum umgelegt wurde, weil, Disziplin hab ich keine. Bei nix. Ask anyone.
Vielleicht ist das nur in Vorbereitung auf ein Jahr, das zumindest bereits jetzt ein paar Highlights verspricht, die mich über Wasser halten sollten. Live-Musik, Feiern, Gelegenheiten. Und ein paar Dinge ändern will ich ja eh.
2019 ist womöglich das erste Jahr seit sehr, sehr langer Zeit, das ich ganz egoistisch nur für mich planen kann. Ich muss mir keine existenziellen Sorgen machen, mich um niemand anderen ernsthaft kümmern und selbst die ungeahnten Eventualitäten bewegen sich bis jetzt in machbaren Größenordnungen. (Nennen wir es die Causa Bücherregal.) Wer weiß, vielleicht legt der Fitness-Craze nur die Grundlage für die exzentrischte Bella, die der Planet bisher gesehen hat.

Fragen 526-550

526. Wie aufgeräumt ist es in deinem Kopf?
Ahahahahahahahahahahahaha.

527. Welches Gedicht magst du sehr?
Ich hab’s ja nicht mit Lyrik. „If I should die“ von Emily Dickinson mag ich aber sehr.

If I should die,
And you should live,
And time should gurgle on,
And morn should beam,
And noon should burn,
As it has usual done;
If birds should build as early,
And bees as bustling go,—
One might depart at option
From enterprise below!
’T is sweet to know that stocks will stand
When we with daisies lie,
That commerce will continue,
And trades as briskly fly.
It makes the parting tranquil
And keeps the soul serene,
That gentlemen so sprightly
Conduct the pleasing scene!

528. Bist du ein guter Verlierer?
Nein, aber ich kann gut so tun als ob ich einer wäre.

529. Wer sollte dich spielen, wenn man dein Leben verfilmen würde?
Tilda Swinton und Sabin Tambrea sollten sich die Rolle teilen.

530. Wie viel Zeit brauchst du, um dich für einen festlichen Anlass zu stylen?
Immer so viel, wie ich habe. Es macht halt schon auch Spaß.

531. Wer hat für dich Vorbildfunktion?
Du gute Güte. Ich schätze Menschen, die ihr Leben einer einzigen Sache verschreiben.
(Aus aktuellem Anlass, as of Januar 2019: Nancy Pelosi. #BitchesGetStuffDone)

532. Würdest du etwas stehlen, wenn du nicht dafür bestraft würdest?
Mir fällt zwar grade nix ein, aber bei meiner Schwäche für schöne Dinge – vermutlich.

533. Hättest du gern eine andere Haarfarbe?
Einmal ein richtiger Rotschopf sein, das hätte schon was. Aber so insgesamt, ach, passt schon.

534. Was ist der grösste Unterschied zwischen dir und deinem Partner?
Die Existenz.

535. Wo isst du zu Hause am liebsten?
Wenn ich kann: Auf dem Balkon. Ansonsten ganz klassisch am Esstisch.

536. Wenn alles möglich wäre: Welches Tier hättet du gern als Haustier?
Eine Katze. Moment, nein, zwei Katzen. Mindestens.

537. Auf welche Frage wusstest du in letzter Zeit keine Antwort?
Beruflich ist das beantworten von Fragen so ein bisschen meine Hauptaufgabe und privat…hm. Wobei, da war letztens dieser Moment.
„Änderst du jetzt deswegen dein Leben?“ und ich hab noch nicht fertig darüber nachgedacht.

538. Was ist in deinen Augen die großartigste Erfindung?
Internet ist schon nicht schlecht und ich bin Fan von Kühlschränken, aber ganz ehrlich? Impfstoffe.

539. Wenn du emigrieren müsstet: In welches Land würdest du auswandern?
Grundsätzlich: Schottland. Aber Brexit.
Ansonsten: Italien. Aber Politik.
Im Zweifel: Canada. Aber ziemlich weit weg.

540. Nach welchen Kriterien suchst du einen Film aus?
Das Genre nach Stimmung, ansonsten kann ein bestimmter Drehbuchautor oder Darsteller ausschlagend sein.
„What We Did on Our Holiday“ klang ziemlich seltsam und eher kitschig in der Beschreibung, aber Tennant, Connolly und Rosamund Pike? Yes please.

541. Führst du Tagebuch?
*guckt sich um* Sowas ähnliches.

542. Welche Personen sind auf deinem Lieblingsfoto abgebildet?
Es gibt ein Bild von meiner Taufe, da sind mit Ausnahme meiner Schwester alle Familienmitglieder drauf, die mich am Anfang sehr geprägt haben und sie gucken auf dieses kleine Bündel da in der Mitte und, naja, ich mag wie geschützt sich das Bündel gefühlt haben muss.

543. Hast du häufig unnötigerweise Schuldgefühle?
Oh ja, sowas kann man prima an mich abgeben.

544. Was magst du am Sommer am liebsten?
Die warmen Abende, lange draußen sitzen und sinnieren, reden, Wein trinken.

545. Auf was kannst du am leichtesten verzichten?
Frühes Aufstehen.

546. Wie häufig gönnst du dir etwas?
Ich lebe grundsätzlich gut – kaufe z.B. tendenziell keine sehr billigen Lebensmittel – , darum kommt „gönnen“ entweder sehr regelmäßig oder höchst selten.
Als wirkliches Gönnen empfinde ich eher sowas wie einen freien Tag ohne besonderen Grund oder das eine Bier mehr in guter Gesellschaft, wodurch ich erst einen Zug später nach Hause komme. Vielleicht ist das meine Sorte Exzess.

547. Mit welcher Art von Fahrzeug fährst du am liebsten?
Fernzüge, 1. Klasse. So sollten wir alle reisen, ernsthaft. Das kann die Bahn auch gar nicht so schlecht.

548. Wovon bist du glücklicherweise losgekommen?
Ich neige nicht zum Suchtverhalten… also am ehesten wohl der ein oder andere Mensch, der mir nichts Gutes wollte.

549. Woran denkst du morgens zuerst?
Das mit dem Denken dauert lang, weil ich morgens nur aus Automatismen bestehe. Am ehesten wahrscheinlich „okay, neuer Tag, du und ich können das gemeinsam oder gegeneinander machen. Aber ich würde mich nicht mit mir anlegen.“

550. Was hast du vom Kindergarten noch in Erinnerung?
„Arschloch“ sagt man nicht. Recyclen ist wichtig. Die kleinen Schiffchen mit Teelichtern, die wir an einem Abend auf der Attl ausgesetzt haben. Der große, rotgewandete Nikolaus mit Bischofsmütze draußen auf einem schneebedeckten Feld. Mein Engelskostüm mit den Flügeln. „Spiel doch auch mal mit den anderen Kindern.“

Rückwärts

Neulich beim Blick in den Spiegel leicht erschrocken. Meine linke Gesichtshälfte zeigt langsam an, dass ich nicht mehr 27 bin. Nicht schlimm, alles sehr dezent. Die Nasolabioalfalte, der Mundwinkel, unter den Augen zeichnen sich leichte Vertiefungen ab. Ich kann damit leben. Also, könnte ich, wenn die rechte Gesichtshälfte mitmachen würde.
Aber nein, nichts, alles glatt wie immer. Es gibt auch Mimik-Bewegungen, die kriege ich rechts nicht hin. Die wilderen Ärzte hatten hier und da immer mal die Theorie, dass der kaputte rechte Fuß nur das Ende einer leicht angedätschten rechten Seite ist. Vielleicht hatte ich als Ungeborenes ein kleines Schlagerl oder irgendwas anderes, das zu einer ganz kleinen Seitenlähmung geführt hat.
Nichts was groß jemals aufgefallen wäre. Okay, Handschrift hab ich keine, aber das könnte auch einfach meine Grobmotorik sein.
Aber kaum wartet man 33 Jahre, schon sieht man, dass hier was nicht stimmt. Jetzt denke ich die ganze Zeit darüber nach, ob ich vielleicht nicht nur eine kauzige alte Frau, sondern auch noch eine sehr merkwürdig aussehende werde. Mit einer Gesichtshälfte, die meinem tatsächlichen Alter entspricht und einer, die immer einige Jahre, haha, hinterherhinkt.
Worüber man halt so nachdenkt.

Wie ich da so nachdachte, brach eine von diesen Wellen über mich hinein. Eine von den Erkenntnissen bei der man danach sagt, BOAH, das hättest du wirklich eher sehen können.
Weil: Die Sache mit dem Hinterherhinken ist in meinem Fall ja keine rein metaphorische. Es waren immer alle schneller als ich, sind an mir vorbei gezogen, vorangegangen. Womit ich mich physisch mehr oder minder abfinden kann, aber der Rest ist damit eben nicht einverstanden.
Muss man halt schneller denken und schneller reden und Abkürzungen finden, damit nicht immer alle bei allem schneller, früher da sind.
Was sie aber trotzdem sind. Alle haben eher geknutscht, alle hatten die Tricks im Studium früher raus, gefühlt machen natürlich auch alle schneller Karriere. (I KNOW, ihr fühlt euch auch alle so, aber lasst mich mal meinen Punkt machen.)

Weil, man entwickelt dann so eine fiese Seite. Man merkt sich die wenigen Gelegenheiten wenn jemand hinter einem geblieben ist und die seltenen Momente, wenn jemand stehengeblieben ist und gewartet hat. Oder wenigstens umguckte, wo ich blieb. Sowohl auf der echten Strecke als auch der metaphorischen. Und irgendwann, mittendrin, muss ich eine Dreckspanik bekommen haben, dass ich nicht ankomme. Keine Ahnung warum genau, aber irgendwo war da so eine stille Wut, ein keuchender Ärger darüber, dass alle anderen immer zuerst vorwärts kamen.
Klar, ich hätte ja auch mal stehenbleiben und mich umschauen können, ob ich auf jemanden warten muss (wobei da eigentlich nie jemand drauf Wert legt) oder ob es, wenn ich noch ein bisschen warte, jemanden gibt in dessen Windschatten ich unterwegs sein könnte. (Sie wissen schon, wie beim Biathlon, wenn einer bis kurz vor Schluss hinter dem Führenden zurückbleibt und dann erst kurz vorm Ziel überholt. Wie jetzt, Sie gucken keinen Wintersport?)

Jetzt sind mir schon wieder Schußwaffen dazwischen gekommen – wo war ich? Ach ja, genau, der schleichende Zynismus, der einen ergreift, wenn man selber nicht mal ordentlich schleichen kann. Das klingt jetzt alles schon wieder selbstmitleidiger als beabsichtigt, weil hinaus will ich eigentlich auf die Perspektive. Ich gucke also die meiste Zeit anderen hinterher und komme mir dabei dämlich vor. Einen freien Horizont habe ich immer erst, wenn die anderen schon über den Berg sind und ich grade erst oben stehe. Das ist merkwürdig und kostet Kraft und in diesen Tagen denke ich, hat mich das zu einer ausnehmend anstrengenden Person gemacht.

Schließlich habe ich an dieser Stelle schon durchaus ausführlich darüber geschrieben, wie ich aufgehört habe mich zu vergleichen und vor allem nur noch sehr bedingt Wert darauf lege, was andere von mir denken. Im Kern stimmt das auch. Außer bei denen direkt vor mir auf der Strecke. Das meint weniger Kollegen und Freunde als, so stelle ich fest, Menschen mit ähnlicher Persönlichkeitsstruktur. Also durchaus etwas sperrig und nicht vollends für den einfachen, direkten Weg geeignet. Wenn sogar solche an mir vorbei ziehen, macht das etwas mit mir. Es ist gleichermaßen Kränkung wie Motivation und generell enervierend. (Oh je, jemand hat wieder Bücher gelesen und will jetzt hier staubige Vokabeln unterbringen.)

Vielleicht gibt es einen guten medizinischen Grund für mein asymmetrisch alterndes Gesicht. Vielleicht zeigt sich auch nur, dass die Hälfte von mir, die manchmal eben doch nicht auf sich selbst guckt, sondern anderen hinterher trachtet, schneller altert.
Ich denke nicht, dass Anti ageing Kosmetik da eine Lösung für hat. Aber so wirklich habe ich auch keine. Wenn eine Perspektive so sehr Teil von einem geworden ist, wenn man nichts anderes kennt, seit man auf zwei Beinen steht – kann man das nochmal loswerden? Is there an app for that?

Fragen 501-525 (von hier)

501. Lässt du dich gern überraschen, wenn du essen gehst?
Es gibt zwei Arten von Essen gehen. Nr. 1: Ich will gut essen, etwas neues am besten, gern exotisch und wie ich es nie nachmachen könnte. 2. Ich hatte einen unsagbar blöden Tag und will sofort die Penne dello Chef / die Frühlingsrollen / das richtig scharfe Curry für mein Seelenheil haben. Es überwiegt zwar Variante 1, aber für eine Pauschalaussage langt es natürlich nicht.

502. Was war die beste Entscheidung deiner beruflichen Laufbahn?
Ich habe zwar die Hoffnung, dass die noch kommt, aber bisher – am Ende doch der naive Pitch für den Accelerator. Auch wenn es nicht wurde was sein hätte können, die Monate haben mir neue Horizonte eröffnet und mich neu über mein Berufsleben nachdenken lassen. Das war’s wert.

503. Wie heisst deine Lieblingsblume?
So ein Klischee, aber ich mag Orchideen.

504. Glaubst du, dass man dich hypnotisieren kann?
Eher so mittel.

505. Was musst du endlich wegwerfen?
Diverse Erwartungshaltungen, einige Ansprüche, eine ganze Kiste anhaltender Ressentiments und ach so, ein paar alter Schuhe.

506. Welche Stadt im Ausland würdest du gern besuchen?
Wie lang darf die Liste sein? Aber New Orleans ist aktuell die Stadt, die eigentlich weit oben auf der Wunschliste steht aber auch unerreichbar scheint, weil dieses Amerika ist kein Land in das ich reisen will.

507. Trägst du häufig Lippenstift?
Mittlerweile ja, sehr oft.

508. Wie trinkst du deinen Kaffee am liebsten?
Viel Milch. Guter Kaffee: Nur ein Hauch Zucker. Bürokaffee: ZUCKER.

509. Gehst du gelegentlich auf einem Friedhof spazieren?
Oft und sehr gern. Die alten Namen, die Geschichten, die man aus den Gräbern liest, ich liebe das.

510. Wie viel gibst du maximal für eine gute Flasche Wein aus?
Uiuiui. Das ist so ein Wert, der merklich steigt. Ganz lange waren 15 Euro sehr viel Geld, dann 20. Sehr viel mehr als 20 Euro sind es auch aktuell nur ganz selten, allerdings waren es für eine wirklich, wirklich gute Flasche eben jetzt auch schon mal über 30 Euro. Das ist dann aber auch eine Flasche für einen bestimmten Anlass und nicht für mich allein, sonst könnte ich das mit mir nicht gut ausmachen.

511. Wie würdest du deinen Kleidungsstil beschreiben?
Sophisticated Langeweile.

512. Was ist wahr geworden, wovon du als Teenager geträumt hast?
Noch zu wenig.

513. In welchem Meer bist du zuletzt geschwommen?
Das ist auch schon wieder viel zu lange her. Im Mittelmeer.

514. Kochst du oft Fertiggerichte?
Nein, ich bin viel zu verzogen dafür. Manchmal sind Notfall-Pommes im Haus, für ganz üble Abende auch Ramen, aber mehr niemals.

515. Wo fühlst du dich geborgen?
Am Wasser. Im Wasser. Auf dem Wasser.

516. Was ist dein Schönheitsgeheimnis?
*blickt in den Spiegel*
Schlechte Augen…?

517. Bist du manchmal streng mit dir?
Immer, befürchte ich.

518. Welche Geschichte wird schon seit Jahren immer wieder in deiner Familie erzählt?
Gibt es so viele. Wir sind eine Anekdoten-Sippe. Ich mag die, in der die Clique meines Vaters seinerzeit das Lokalverbot umging, in dem einer sich als Handwerker einschlich, zuerst den Strom abstellte (die Band hat halt weitergespielt. So lang ist das her.), den Rest über die Terrasse nachholte und einer schließlich ein ganzes Tablett vom Kuchenbuffet mitgehen ließ. (Nein, das mit dem Kuchenbuffet klingt zwar nach ihm, er war aber wohl mit einer jungen Dame beschäftigt. Nix ausgelassen. Nix.)

519. Wann bist du zuletzt den ganzen Tag an der frischen Luft gewesen?
Den GANZEN Tag? What is this witchcraft you speak of?

520. Wie schön schreibst du noch mit der Hand?
Genauso hässlich wie immer schon.

521. Welcher Dokumentarfilm hat dich beeindruckt?
Zuletzt? Wild Wild Country, die mehrteilige Reihe auf Netflix. The Act of Killing hängt mir bis heute in den Kleidern. Und Paris is burning ist ein kraftvolles Werk, das auch zeigt wie lang der Weg noch ist.

522. Machst du in der Regel das, was du willst?
In der Regel erst recht nicht, da hat man ja Krämpfe….‘tschullingung, ich hab manchmal so einen Reflex.

Joah, im Allgemeinen schon.

523. Wie weit hast du deine Vergangenheit hinter dir gelassen?
Nicht annähernd weit genug.

524. Was solltest du eigentlich nicht mehr tun?
Über die Vergangenheit nachdenken.

525. Magst du klassische Musik?
Zumindest Opern und einige Konzerte, wenn auch sehr mainstreamig. Die Romantiker, italienische Hysterie, russische Walzer.

Schieflage

Von der eigenen Bibliothek begraben werden – das hielt ich durchaus immer für eine stilvolle Art des Ablebens. Aber doch nicht jetzt schon!

Ich wohne in einer Altstadt. In einem Altstadthaus. An einem Ufer.
Das muss man wissen, um zu verstehen, wie es dazu kam, dass ich letzten Dienstag um ein Haar von einem Bücherregal begraben worden wäre. Weil diese ufernahen Altstadthäuser wurden dereinst ohne Bodenplatte gebaut. Was, solange es noch offene Zugänge gab, dazu führte, dass jedesmal, wenn sich aufgrund eines kleinen Hochwassers das Grundwasser anhob, auch das Haus ein bisschen angehoben wurde. Inklusive des späteren Absinkens. Aber eben nicht gleichmäßig.

Um es kurz zu machen: Wenn man in meinem Wohn- und meinem Schlafzimmer von der Eingangstür zum Fenster geht, überwindet man dabei eine Steigung von über 7cm. Lachen Sie jetzt nicht, das ist viel!
Ich gebe zu, ich war in der Möbelangelegenheit trotzdem etwas naiv. Es hat zwar alles eine ganz kleine Neigung, aber nicht so wild. Und als ich Anfang des Jahres die Gelegenheit hatte, zweieinhalb Meter raumhohes, massiv von einem Schreiner gebautes Bücherregal aufzustellen, hatte ich dafür in meinem Schlafzimmer die passende Lücke.
Eigentlich sollten die Bücher ins Wohnzimmer kommen, aber da habe ich spezifische Vorstellungen wie es aussehen soll und da darf es nicht so tief und auch nicht raumhoch sein.

Jedenfalls wurde der handwerklich begabte, um nicht zu sagen, ausgebildete Bruder vom mehr oder weniger Schwager rekrutiert und innerhalb sehr kurzer Zeit hatten wir die Bretter aufgebaut. Es gab auch diesen Moment, als ich die Schrauben zur Wandbefestigung in der Hand hatte, aber, Sie kennen das, Wandbefestigung von Möbeln, das ist was für Leute mit Kleinkindern oder anderen Problemen. Ansonsten ist das vom Lässigkeits-Level her überhaupt nicht diskutabel. Also wirklich.

Ich räumte grob 250, vielleicht auch 300 Bücher, den ersten Schwung meiner Sammlung ins Regal. Doppelreihen, die peinlichen Sachen nach hinten. In den folgenden Wochen und Monaten zeigte das Regal durchaus, dass es eben auf einer Art Rutsche stand, aber hey, in Pisa funktioniert das seit Ewigkeiten!
In der kleinen Stadt am Inn funktionierte es bis Dienstag. Dann muss es einen Knall gegeben haben, den ich aber in Unterföhring nicht mitbekam.

Als ich an diesem Abend aber nach Hause kam und mich in die Sportklamotten (still with the pilates, this is getting weird) werfen wollte, fand ich mein Schlafzimmer von innen verbarrikadiert vor. Versuchen Sie sich meinen Gesichtsausdruck einfach mal vorzustellen. (Nein, noch viel, viel konfuser.) Die Kommode, sonst ungefähr anderthalb, fast zwei Meter von der Tür entfernt, hatte sich quasi davor geschoben. Dazwischen stand nur der Staubsauger, das arme Ding muss Höllenqualen gelitten haben.
Ich stemmte mich gegen die Tür und erspähte durch den sich langsam öffnenden Spalt, dass sich mein Schlafzimmerboden in eine Art Bücherflohmarkt verwandelt hätte. Noch mehr stemmen und ich konnte zumindest mit eingezogenem Bauch durch die Tür.

Leser, wenn Sie Bücher schätzen, können Sie sich ungefähr den Schmerz vorstellen, der mir durch Mark und Bein fuhr. Ach ja, und das Regal war wohl kaputt.
Ich holte einige Male tief Luft, verschickte erste Bilder der Zerstörung an die Familie und versuchte einen Plan zu fassen.
Dann holte ich eine Flasche Wein und rief meine Mutter an. Eventuell habe ich hysterisch gelacht.

Ich weiß, Plastik ist Satan, aber fucking hell, lang lebe die blaue Ikea-Tasche in all ihrem Volumen und ihrer Unzerstörbarkeit. Ich begann mit den Aufräumarbeiten. Immer mal wieder rutsche natürlich ein Brett nach, fielen Bücher hinterher – vereinzelt natürlich auf mich drauf und ich werde demnächst viele neue, lustige blaue Flecken an mir entdecken. Am Ende hatte ich das ganze Ding bis auf die Bodenplatten abgebaut. Die stehen übrigens immer noch da, wo ursprünglich das Regal positioniert wurde. Gegen Mitternacht lag ich im Bett und fühlte die wenigen Muskelstränge, die vom Fitness-Wahn der letzten Wochen noch verschont geblieben war. It’s a method.

Jetzt verteilen sich die Bücher teilsweise gestappelt, teilweise in Ikea-Taschen quer durchs Wohnzimmer und die Reste vom Regal stehen im Flur.
Kinder, befestigt eure Regale an der Wand, I beg of you!

Das Ramosgroupie warf den klugen Gedanken ein, dass es für Altbauwohnungen einstellbare Mini-Podeste für Möbel geben sollte, um sowas auszugleichen. Vielleicht gründen wir ein Schreinerei-Start-up.
Ich brauch jetzt jedenfalls irgendeinen Schieflagen-Experten, bevor die Bücher-Lieblinge ein neues Zuhause finden können. Ein paar werden wohl aussortiert. Die Ausgabe von „getting things done“ und aus mir unbekannten Gründen alle vier Twilight-Bände auf Englisch (Don’t ask) definitiv.

#NurSchreinerMachenFrauenGlücklich

Das war auch in Sachen Twitter-Abstinenz die vielleicht härteste Prüfung. Can you imagine the thread? #Me&MyBigMitteilungsdrang

Fragen 476-500 (von hier)

476. Findest du es wichtig, an besonderen Jahrestagen inne zuhalten?
Nicht so wichtig, wie es hin und wieder ganz ohne Jahrestag zu tun.

477. Was würdest du in einen Guckkasten kleben?
Ich hatte ja immer vor, das mal mit einem Best-of meiner Röntgenbilder zu machen

478. Welche Cremes verwendest du?
Herrje. Immer im Schrank hab ich einen Pott der Dream Cream von Lush. Der Rest wechselt gern mal vor sich hin.

479. Wärst du gern körperlich stärker?
Ja, definitiv. Manchmal glaub ich, das würde mich vielleicht auch innerlich stärker machen, was aber vermutlich Blödsinn ist.

480. Findest du, dass jeder Tag zählt?
Nicht im großen, philosophischen Carpe Diem Sinn. Aber insgesamt, für die Menschheit, ja.

481. Bei welcher Fernsehsendung schaltest du sofort um?
Alles mit hohem Fremdschämfaktor. Shows wo Menschen mit unterschiedlichem Verzweiflungslevel Partner suchen, im Dschungel sitzen oder versuchen berühmt zu werden.

482. Wann hast du zuletzt jemandem vorgelesen?
Oh, das ist schon eine ganze Weile her, ich bin mir gar nicht sicher wann.

483. Bist du gut in Small Talk?
*zieht Augenbraue hoch*
Du bist neu hier, hm?

484. Welche Nachricht hat dich in letzter Zeit stark berührt?
Ich sollte abstumpfen, es sollten weniger werden, aber das Gegenteil scheint der Fall. Die Bilder aus dem Yemen genauso wie die 23jährige Fußgängerin, die im Nachbarort überfahren wird. Ich weiß nicht, wie ich das finde.

485. Welche Sprache würdest du gerne gut beherrschen?
Italienisch (allein schon, damit ich endlich antworten kann, wenn ich mal wieder für eine ortsansässige gehalten werde). Griechisch. Swahili.

486. Kannst du Kaugummiblasen machen?
Nja.

487. Welcher deiner Geburtstage hat dir am besten gefallen?
Was für eine Frage.

488. Welche Floskel benutzt du zu oft?
Ist OIDA eine Floskel? Wobei neuerdings auch das allumfassende „tja, nun“ ein bissl oft vorkommt.

489. Kannst du dich leicht in Zeichentrickfilme hineinversetzen?
Nein, zu dem Genre fehlt mir der Zugang eher vollständig.

490. Suchst du dein Waschmittel nach dem Duft aus?
Gott nein. Ist that a thing people do?

491. Kommt es dir so vor, als wäre das Gras des Nachbarn immer grüner?
Nö. Mein Gras, mein Garten, das ist was ich selber pflanze, also würd ich es nicht sehr viel anders haben wollen.

492. Welchen gesunden Snack magst du am liebsten?
Sind getrocknete Mangos gesund? Dann die. Gern in ungesunden Mengen.

493. Wie fest ist dein Händedruck?
Woher soll ich das denn beurteilen? Also schon ganz ordentlich, denke ich.

494. Schreibst du häufig etwas auf, damit du es dir besser merken kannst?
Alles, ständig. Was ich aufschreibe wird auch erledigt/besorgt/erinnert.

495. Worauf hast du zuletzt mit Ja geantwortet?
„Wollen wir was trinken gehen?“

496. Welche Mahlzeit am Tag magst du am liebsten?
Immer die, für die genug Zeit ist. Normalerweise das Abendessen, aber wenn ich frei habe kann ein tolles Frühstück den ganzen Tag veredeln.

497. Schläfst du manchmal beim Fernsehen ein?
Soweit ich weiß noch nie passiert. Es muss still sein, damit ich schlafe.

498. Wie stark ist deine Sammelleidenschaft?
Abgesehen von Ohrringen und Büchern (*hüstel*) hält sie sich sehr in Grenzen. Ich mag keine Dinge haben, nur um des Besitzens Willen.

499. Hältst du dich immer an den Plan, den du gemacht hast?
Der Plan hält sich meistens ja schon nicht an den Plan.

500. Welches Kunstwerk hat dich stark beeindruckt?
Wenn es um Gemälde geht, bin ich relativ leicht zu beeindrucken. Weil mich die Technik genauso fasziniert wie die Darstellung.
Das letzte Mal, dass ich mit hängendem Kiefer reagiert habe – und das obwohl ich es noch nicht mal live gesehen habe (Es hängt in, of all places, Detroit), war allerdings eindeutig James McNeill Whistler’s „Nocturne in Black and Gold: The Falling Rocket