Emanzipation & Sauerbraten

Ausnahmsweise ist da ein Hauch von Stolz in ihrer Stimme, als meine Mutter erzählt, wie ihr die alte Freundin bei Kaffee und Kuchen zu ihren fantastischen Töchtern gratuliert hat. Weil die sich ja richtig kümmern, da sind.

Ihr eigener Sohn ist auf Abstand gegangen, als sie dessen Vater endlich Grenzen aufgezeigt hatte. Sie hatte genug Prügel eingesteckt, buchstäblich. Angezeigt hat sie ihn nie, weil sie um ihr Leben gefürchtet hat. Eigentlich ist sie längst in Rente, aber der Ex-Mann hat immer alles durchgebracht was sie sich hätte ansparen können mit ihrer Gärtnerei. Ich erinnere mich an ihre Papageien, die wir mit Nüssen füttern durften. Das graue Mistvieh hat mir irgendwann mal so in den Finger geschnappt, dass meine ganze Hand voller Blut war.

In der kleinen Stadt am Inn ist die alte Freundin oft, sie hat hier eine Nichte oder sowas und mag das pittoreske Eiland natürlich wie so viele, die es hierher verschlägt.

Ich gieße noch etwas Sauerbraten-Soße (3 Tage eingelegt, das Fleisch butterzart, die Soße eine Melange aus Fleischsaft, Brühe, Port, Quittengelee, diversen Gewürzen und noch mindestens 8 Zutaten auf die meine glückliche Zunge nicht kommt)  über die restlichen Spätzle und meine Mutter berichtet von der gemeinsamen Bekannten über die sie auch gesprochen haben. Die kein Handy und keinen Computer haben darf, weil ihr Mann nicht will, dass sie mit falschen Informationen behelligt wird. Er ist großer Fan der AfD.

Wie man so unter der Fuchtel stehen kann im Jahr 2018 – wir begreifen es nicht.

Weg wäre sie gewesen, hätte mein Vater je die Hand erhoben oder ihr irgendwelche Vorschriften gemacht. Und die fantastischen Töchter hätte sie mitgenommen, gar keine Frage. Aber, sagt meine Mutter, das wusste er ja und hätte auch gar niemanden gewollt, der so kuscht. Wütend konnte er werden, sehr wütend. Ein großer, lauter, wuchtiger Kerl der in seinem Zorn noch größer und breiter und lauter wurde. Aber immer nur bis zu einem Punkt. Dann, wenn die Mut schier Besitz von ihm ergriffen hatte, sein Blick etwas Wildes hatte, dann wurde er sich selbst unheimlich. Als wäre er dann vor eine unsichtbare Wand gelaufen, war da plötzlich etwas ein wenig Verzweiflung. Weil er selbst noch erlebt hatte wie Wut und “Disziplin” sich als Erziehungsmethoden manifestieren konnten. Das wollte er nicht. Auf gar keinen Fall. 

Meine Rebellen-Eltern und ihre klammheimlich progressiven Ansichten.

So richtig Links oder Anti-Establishment waren sie nicht, aber andererseits, mit einer wilden, großherzigen und einer angeschlagenen aber cleveren Tochter musste man klarmachen, dass nichts und niemand sich über ihren Willen hinweg setzen durfte, schon gar kein Kerl.

Vor lauter Empörung darüber, dass es dieses Sorte Mann immer noch gibt, fuchtele ich mit der Gabel voller Salat in der Luft rum. Weil die Freundinnen und Studienkolleginnen immer noch oft in „seine“ Stadt ziehen, wegen „seiner“ Karriere und natürlich seinen Namen annehmen. Natürlich hätten meine Kinder auch meinen Namen, so hoch wie die Wahrscheinlichkeit ist, dass ich irgendwann allein mit ihnen bin – also wirklich.

Wie die Kousine F., sagt Mama, da heißen die Kinder nach ihr, das Haus läuft auf sie, das ist alles geregelt. Tjaha, so konservativ der Teil der Sippe in mancher Hinsicht ist, dass der Baugrund nicht irgendwelchen Schwiegersöhnen zu Gute kommt, das ist auch Emanzipation. Gleich 4 so fantastische Töchter, die in der Nähe der Familie geblieben sind und wo die Männer halt kooperieren müssen.

„Für die Gefangenschaft eignen wir uns schon genetisch einfach nicht.“ Hat mal irgendwer aus der Familie gesagt und damit die Frauen gemeint.

Später, bei Stollen-Konfekt und Cognac, überlegen wir wie Allerheilgen und überhaupt der Rest des Jahres werden soll. Der Begriff Essen gehen fällt relativ häufig. Die neuen Traditionen, die auf einer gewissen Freiheit aber natürlich auch Ablenkung vom Fehlenden gebaut sind. Genuss-Eskalation als Trauer-Kompensation. Aber das hätte ihm gefallen, er war selber so verzogen und neugierig.

Es ist auch ein Aufholen, ein Zurückholen des Lebens, das so klein war, während sie meinen Vater gepflegt hat.

Jetzt gilt es erst recht, alles rauszuholen.

Abends schreibe ich E-Mails an die Pegelwichtler und höre wie die Heizung dank der reparierten Pumpe endlich gluckert und sich, haha, warm läuft.

Der Druck auf den Schultern ist wieder da. Knapp zweieinhalb Wochen nach dem Urlaub. Nach den Entwicklungen der letzten Wochen schwant mir woher der diffuse Schmerz, das Ziehen kommt. Zu wenig muss ich mich strecken, immer kleiner wird der Raum zum Entwickeln und Lernen. Nie bin ich unerträglicher als in Momenten in denen ich nicht gefordert werde, wenn keinerlei Auseinandersetzung stattfindet, nirgendwo.

Zuletzt google ich noch einen Namen, zum ersten Mal seit sehr, sehr langer Zeit. Die vormals enge Freundin, die vor einigen Jahren plötzlich allen Kontakt zu  mir abgebrochen hat. Erklärung gab es nie eine. Sie hat ihren Doktor gemacht, war im Ausland. Jetzt leitet sie die Kommunikation an einem großen Institut in der Stadt in der sie studiert hat. Die Frau auf dem Foto in ihrem LinkedIn-Profil erinnert mich an das junge Mädchen, das ich damals kennengelernt hatte, aber nur noch ein wenig. Ich freue mich für sie und mache vielleicht erst in dem Moment Frieden mit der Angelegenheit.

Nicht für die Gefangenschaft und nicht für das Verlassenwerden geeignet.

Fragen 226-250 (von hier)

226. Wann warst du am glücklichsten?

It’s a tie. Das dritte Semester meines Studiums, so 2007/2008 war eine fantastische, berauschende Zeit. Nur getrübt von dem was danach kam. Genauso der Herbst 2017. So viele Tage am Stück, die alle in die Top 100 meines Lebens gehören. Und dann war es vorbei, einfach so.

227. Mit wem bist du gern zusammen?

Ich weiß es wirklich nicht. Das ist nicht gut.

228. Willst du immer alles erklären?

Selbstverständlich. Anders versteht es ja erst recht nie jemand. 

229. Wann hast du zuletzt deine Angst überwunden?

Das sind immer diese kleinen Dinge, die für viele Menschen selbstverständlich sind. Eine E-Mail, eine Einladung, vielleicht sogar um Hilfe bitten.

230. Was war deine größte Jugendsünde?

Dass ich so absurd brav war. Ernsthaft. Die zerschnittene Bettdecke meiner Schwester war weniger Jugendsünde als Ausdruck meiner fehlenden Impuls-Kontrolle und übersteigerten Wut. 

231. Was willst du einfach nicht einsehen?

Dass dieses, mein seltsames, krummes Leben, noch eine gute Pointe bekommt. Dass ich auf bestimmte Fragen wohl nie eine Antwort bekommen werde. 

232. Welche Anekdote über dich hörst du noch häufig?

Die zugeschlagene Wohnzimmer-Tür und der hinter mir her fliegende Milchglas-Einsatz. Mit 8. Ich war eventuell etwas wütend. Oh Gott, this is turning into a theme. 

233. Welchen Tag in deinem Leben würdest du gern noch einmal erleben?

Nee, selbst die guten, die sollen in der Vergangenheit bleiben. Außer ich darf Kleinigkeiten ändern. Dann würde das viel öfter mit Knutschen enden.

234. Hättest du lieber mehr Zeit oder mehr Geld?

Ich hätte gern mehr Geld, um keine Zeit damit zu vergeuden, mir darüber Gedanken zu machen.

235. Würdest du gern in die Zukunft schauen können?

Meine eigene? Nein. Die von anderen? Doch, irgendwie schon.

236. Kannst du gut deine Grenzen definieren?

Mittlerweile zu gut, zu drastisch.

237. Bist du jemals in eine gefährliche Situation geraten?

Hi, my name is DonnerBella and this is… my life. Die ulkigen Verletzungen, die Operationen, das kopflose herumirren – im Nachhinein schon auch bemerkenswert, dass ich halbwegs heil hier sitze.

238. Hast du einen Tick?

Bitch please. Einen? 

239. Ist Glück ein Ziel oder eine Momentaufnahme?

Beides. Wobei es das Ziel sein muss die Momente zu erkennen, egal wie unvorhergesehen. 

240. Mit wem würdest du deine letzten Minuten verbringen wollen?

Irgendwie hoffe ich, dass ich diesen Menschen noch gar nicht kenne.

241. Fühlst du dich im Leben zu etwas berufen?

*sehr, sehr langes Nachdenken*

Puh.

Also.

Nun.

*starrt lange auf blinkenden Curser*

Let’s put a pin in this.

242. Bist du nach etwas süchtig?

Nein, da scheine ich nicht drauf ausgelegt zu sein.

243. Wessen Tod hat dich am meisten berührt?

Ich befürchte, ich bin dem Tod gegenüber zu positiv eingestellt. Ich kann sehr traurig sein, wenn jemand stirbt, aber oft ist es eben auch das Ende eines Leidens.

Als sich im letzten Sommer kurz hintereinander Kate Spade und Anthony Bourdain das Leben genommen haben, da war es ein Strudel, der mich mitgerissen und an die Volatilität des Lebenswillens erinnert hat. Womöglich wollte ich selbst solange nicht mehr leben, dass ich die volle Tragweite dieses Einschnitts bis heute nicht an mich herankommen lasse.

244. Wie würde der Titel deiner Autobiographie lauten?

 Fei scho – grod extra.

245. In welchem Masse entsprichst du bereits der Person, die du sein möchtest?

Du liebe Zeit. Ich..ach. Es gab mal eine Harvard-Studie, wonach sich die wichtigsten Eckpfeiler des Charakters mit ungefähr 7 ausgebildet haben. Wenn einem danach kein großes Trauma widerfährt oder sich die Hirnchemie aus anderen Gründen sehr ändert, ist das schon ziemlich die fertige Persönlichkeit. Ich habe viel Aufwand darin gesteckt jemand anderes zu werden, als mein vorlautes, gleichermaßen selbstbewusstes wie zu tiefst verunsichertes 7jähriges ich. Aber mittlerweile – die war okay so. Sie war natürlich anders, ihr Leben war ja auch schon anders. Klar ist das so geblieben. Gottseidank.

246. Wann muss man eine Beziehung beenden?

Müssen? Natürlich, wenn fürchterliche Dinge passieren, man gedemütigt und schlecht behandelt wird. Alles andere ist kann. Ich befürchte, wir beenden zu oft Beziehungen, Freundschaften, weil wir strafen wollen und denken, so könnten wir dem Schmerz entgehen, der Enttäuschung.

247. Wie wichtig ist dir deine Arbeit?

Es ist der eine Bereich in meinem Leben in dem ich weiß was ich tue. Vielleicht sogar zu wichtig.

248. Was würdest du gern gut beherrschen?

Einerseits: Tanzen. Einfach, weil da eine Freude zu sein scheint, eine Energie, die nicht greifen kann mit meinen kaputten Füßen. Andererseits: So richtig, ernsthaft charmant sein, so, dass man sich aus Dingen windet und Menschen für sich gewinnt? Ich meine, ich wäre ein gefährlicher Soziopath, keine Frage, aber es würde schon auch Spaß machen.

249. Glaubst du, dass Geld glücklich macht?

Natürlich nicht, es eliminiert nur sehr viele potentielle Sorgenmacher.

250. Würdest du dich heute wieder für deinen Partner entscheiden?

*versucht angestrengt nicht an Person aus ihrerVergangenheit zu denken*

Vielleicht.

Sturm, Drang, wildes Fuchteln

Die innere Unruhe, sie pumpt plötzlich sehr aufmüpfig durch meine Venen. Als wüsste ein Teil von mir, dass das Trauerjahr zu Ende geht und neue Ziele her müssen. Beruflich, privat, überhaupt. Fast als hätte nicht nur der Körper, sondern auch der Geist eine eigene Rekonvaleszenzphase.

Das erste Allerheiligen an einem neuen Grab und der Dezember mit seinen vielen dusteren Jahrestagen rücken näher, ich spüre sie wie eine Druckwelle auf mich zukommen. Selbst Weihnachten, mein ewiger Punkt der großen Vorfreude scheint dieses Jahr eventuell so ganz anders zu werden. Ich flüchte in die Wein-Bestellung. Niemand verdirbt mir mein Fest der beschwipsten Familie.

Draußen wird der Inn langsam wieder blaugrün, fast wie das Mittelmeer. Wind zieht auf, aber noch pocht die Sonne auf ihr Recht. Sie spielt ein bisschen mit uns, lacht wahrscheinlich hämisch während wir zwischen Jacken und Füßen ohne Socken wanken.

Wo ich doch in der Kälte besser denken kann. Komm schon, du blauer Hauch aus dem Osten, zieh heran, lass uns schneller gehen und ernster sprechen, wir müssen ein paar Entscheidungen treffen.

Meinem Organismus verlangt es nach Obst, gerade so als wolle er wach bleiben, den nahenden Winterschlaf überlisten. Nein, dieser Herbst ist für die Suche nach neuen Revieren gedacht.

Noch hängen mir die alten Geister in den Kleidern, sie zerren an manchen Tagen so sehr, dass ich keinen Schritt nach vorne tun will. Manchmal bin ich auf die Geister und mich selbst derart wütend, dass ich anfange zu zappeln und nicht mehr weiß, was das alles soll. Stunden wie Treibsand, wenn Nichts meine Aufmerksamkeit genug bannt, dass ich mich daran herausziehen könnte. Also suche ich aktive Ablenkung. #NaNoWriMo klingt genauso unmöglich wie ideal, zum #Pegelwichteln letztendlich auch durchgerungen – einfach, damit etwas in meinem Alltag passiert. Okay, etwas, an dem andere Freude haben funktioniert immer noch besser als alles andere.

Schlecht ist, wenn sich nichts bewegt. Erholung nicht durch Ent- sondern durch Anspannung. Was ist dieser Kopf auch so kaputt.

Dazu kommt Prince vom Plattenspieler. (Frische, sofort geliebte Alben auf Vinyl kaufen ist mein neuester Luxus-Spleen)

Fragen 201-225 (von hier)

201. Wie gut kennst du deine Nachbarn?

Über mir: ziemlich gut, ein älteres Ehepaar, er ist ein bisschen unser Hausmeister. 
Unter mir: Geht so, langt aber auch. Neben mir: Äh.

202. Hast du oft Glück?

Nein.

203. Von welcher Freundin unterscheidest du dich am meisten?

Uff. Ich befürchte ich bin tendenziell eher mit Menschen befreundet, die mir in vielerlei Hinsicht ähnlich sind.

204. Was machst du anders als deine Eltern?

Gar nicht so viel. Aber das ist okay.

Wobei, Pläne. Listen. Organisation. Gott segne sie, aber wie meine Eltern angesichts ihres Widerwillens gegenüber solcher Methoden immer alles geregelt bekamen, wird mir ewig ein Rätsel bleiben.

205. Was gibt dir neue Energie?

Positive Rückmeldung. Weil ich helfen konnte. Oder etwas erklärt habe. Weil man zusammen etwas geschafft hat. Manchmal auch ein wirklich gutes, spezifisches Kompliment.

206. Warst du in der Pubertät glücklich?

Ahahahahahahaha. *holt Luft* hahahahahahaha.

207. Wann hast du zuletzt eine Nacht durchgemacht?

Again, #Donn33rbella , als ich Sonntagmorgen gegen 8 Uhr bei definitiv zu viel Sonnenschein nach Hause kam.

208. Womit beschäftigst du dich am liebsten in deinen Tagträumen?

An guten Tagen: Mit der Zukunft. An schlechten: Mit den Dingen, die in der Vergangenheit nicht so gelaufen sind wie sie sollten.

209. Blickst du oft um?

Dauernd, in alle Richtungen. Vielleicht zu oft.

210. Was wissen die meisten Menschen nicht über dich?

Dass es Momente gibt in denen ich froh wäre, wenn mein Wunsch nach Distanz ignoriert werden würde.

211. Worüber hast du mit deinem Partner immer wieder Streit?

Darüber, dass er nicht da ist…?

212. Worauf freust du dich jeden Tag?

Freuen ist zu viel gesagt. Aber ich bin immer noch auf jeden Tag ein kleines bisschen neugierig.

213. Welche Freundschaft von früher fehlt dir?

Ich weiß es nicht, weil vielleicht sind die Menschen mittlerweile auch ganz anders und es würde alles nicht mehr zusammenpassen.

214. Wie gehst du mit Stress um?

Kommt auf die Art von Stress an. Twitter ist ein böses Ventil, ein Bücherladen ist im Zweifel mein Verderben. Frische Luft hilft tatsächlich. Neuerdings versuche ich diese Yoga-Sache.

215. Gibst du dich gelegentlich anders, als du in Wirklichkeit bist?

Nur auf eine sehr durchschaubare Art. Der sarkastische Humor, die kratzbürstige Art, das sind selbstverständlich die Masken eines Menschen, der eigentlich nur will, dass nicht mehr alles so weh tut, alles so nah an einen heran kommt. 

216. In welchem Punkten gleichst du deinem Vater?

Ahahahahaha. Dinge, die wir nicht gemeinsam haben: Schnurrbart, Fahrstil (ich habe keinen Führerschein.) Der Rest? Same.

217. Kann man Glück erzwingen?

Ach Schmarrn.

218. Welcher Streittyp bist du?

Laut, Verbal, unnachgiebig. Ich höre nicht auf zu reden, zu argumentieren. Wenn ich verletzt wurde, neige ich zur Grausamkeit, wenn ich Angst habe, breche ich ein. (Dinge, die ich mit meinem Vater gemeinsam habe.)

219. Bist du morgens gleich nach dem Aufwachen richtig munter?

Allein schon das Wort ‚munter‘. *zündet alles an*

220. Wie klingt dein Lachen?

Zu laut, zu schrill, wie eine Bühnen-Darstellerin.

221. Gibt es Freundschaft auf den ersten Blick?

Blick? Kann das in meinem Fall ein Satz sein? Weil, dann schon.

222. Gönnst du dir selbst regelmässig eine Pause?

Nicht von mir selbst – und davon brauche ich am ehesten eine Pause.

223. Bist du jemals verliebt gewesen, ohne es zu wollen?

Jedes. Verdammte. Mal.

224. Steckst du Menschen in Schubladen?

Tun wir doch alle bis zu einem gewissen Grad. Aber dafür bin ich sehr gewillt sie da schnell wieder rauszunehmen, wenn ich mich getäuscht habe.

225. Welches Geräusch magst du?

Das ‚Klack‘ beim Aufsperren meiner Wohnung. Das Rauschen des Flusses vor meinem Haus. Wind, der als Ankündigung von Gewitter durch Bäume zieht.

Fall(ing)

Herbst, Herbst, du meine große Liebe du.

Mit deinem Nebel und dem Wechsel von Sonnenstrahlen, die alles vergolden, zu müßiger Dunkelheit und Wind. Tee und heiße Schokolade und Dinge, die so lange auf dem Herd köcheln bis die ganze Wohnung danach riecht.

Du einzige Jahreszeit in der mein Inneres und das Außen herum in Einklang sind. Wenn man sich vor dem Rausgehen noch nicht von den Zehen bis zur Nasenspitze in viele Lagen hüllen muss, um zu existieren, aber man sich beim Zurückkommen auf einen warmen Raum freut.

Die Lieblingsbands veröffentlichen genau die richtigen Alben (St. Paul and the Broken Bones, Chilly Gonzales, Mumford & Sons ), überhaupt, meine Playlists mit den melancholischen Liedern, viel Klavier, alles wogt wie ein Blatt das vom Baum segelt.

Vom Plattenspieler kommt Ottis Redding, ich vergrabe mich in Romanen und Notizbüchern, endlich wandern auch die Gedanken in neue Richtungen. Naja, nicht immer, aber oft. Endlich ist der Raum da, für Nachsicht mit dem eigenen ich. Mit jemandem, der sich so durch dieses Jahr gekämpft hat. Nach Verlusten und Desorientierung zuerst isoliert und apathisch, dann versunken in hysterischer Traurigkeit. Es ist okay. Es gab keinen Weg herum, nur hindurch. Eine Häutung, ein abgelegter weil zu klein gewordener Panzer. Danach stellt man fest, dass man gewachsen ist. Aber auch, dass die neue Haut noch ein wenig sensibel ist. Und alles auch ein wenig dokumentiert. In den Worten hier, woanders, in Gesprächen und mit Eis, das in Gläsern klirrt.

Alles was es gekostet hat. Alles, was versäumt und verspielt wurde. Es ist okay.

Es ist kein verlorenes Jahr, nicht wie sonst. Ausgestreckte Hände, ehrliche Einladungen und wärmende Worte. Der schwarze Obelisk in meinem Brustkorb, auf dem immer eingraviert war, dass man mich nie nirgendwo auch nur ein wenig haben wollen – er brökelt. Trotzdem. Trotz…nein, nicht noch ein Wort dazu. Festhalten an denen, die da sind. Sogar ganz neue, fantastische.

Der Herbstwind weht und ich stehe fester als ich es gedacht hätte.

Alles was ich gelernt habe, verstecke ich nicht länger wie dunkle Kohlestücke in meiner Höhle, sondern trage sie wie schmeichelnde Kastanien mit mir rum. Auch die Dinge, die ich nicht kann, vielleicht nie können werde. Es ist okay.

Ich bin zäh, ziemlich furchtlos und ein bisschen unterhaltsam. Damit kann man viel ausgleichen.

Manchmal bin ich grausam und kalt, ignorant und abweisend. Manchmal weiß ich gar nicht mehr wo mir der Kopf steht und manchmal brauch ich Hilfe. Es ist okay. Ich bin immer noch da.

Fragen 176-200 (von hier)

176. Wie findest du dein Aussehen?

Erträglich.

177. Gehst du mit dir selbst freundlich um?

Selten.

178. Würdest du dich einer Schönheitsoperation unterziehen?

Ich kann es mir zumindest aktuell nicht vorstellen. Befürchte auch, wenn ich es einmal wagen würde, fände ich noch so viel mehr und dann wäre es einfach nur die nächste Maßnahme zur eigenen Optimierung. Nein, lieber unattraktiv bleiben. 

179. Welchen Film hast du mindestens fünf Mal gesehen?

Dirty Dancing, Moulin Rouge, Eine Frage der Ehre, Memento. Eventuell sogar Top Gun. Oh je.

180. Füllst du gern Tests aus?

Ich mag die mit einem hohen Absurditätslevel. „Such eine Pasta-Sorte aus und wir sagen dir in welcher Stadt du leben solltest“ oder so.

181. Würdest du gern in eine frühere Zeit zurückversetzt werden?

Als Frau? Als DENKENDE Frau? BITTE?

182. Wie egozentrisch bist du?

Ich finde mich tendenziell unsagbar langweilig.

183. Wie entspannst du dich am liebsten?

Meine Badewanne is my Nirvana.

184. Fühlst du dich manchmal ausgeschlossen?

Eigentlich immer. Das ist das Default Setting, das ich seit 20 Jahren mit mir rumtrage. Jeder Schritt auf andere zu ist eine Überwindung, weil ich aufdringlich bis unerwünscht sein könnte. Was dazu führt, dass ich nie die Initiative ergreife und Menschen darum denken ich hätte kein Interesse oder wäre entsprechend arrogant. Es ist kompliziert.

185. Worüber grübelst du häufig?

Über Dinge, die sich nicht mehr ändern lassen.

186. Wie siehst du die Zukunft?

Sehr, sehr ambivalent.

187. Wann bist du deinem Partner zuerst aufgefallen?

ALS ICH GEMERKT HABE,DASS FRAGEBÖGEN GERN DAVON AUSGEHEN DER MENSCH WÄRE PER SE VERPARTNERT WAS IM JAHRE DES HERRN 2018 HALT SO GAR NICHT DER FALL IST.

188. Welchem Familienmitglied ähnelst du am meisten?

Man kann von meiner Großmutter durch meinen Vater hindurch zu mir eine Linie ziehen, ohne überhaupt auf die Idee zu kommen, dass da noch anderer Leute Gene mitgespielt hätten. It’s a look. Und eine Attitüde, zugegebenermaßen.

189. Wie verbringst du am liebsten deinen Abend?

Mit einem Glas Wein auf dem Balkon.

190. Wie unabhängig bist du in deinem Leben?

Ich kann grundsätzlich alle Entscheidungen nur in Abhängigkeit von mir und meinen eigenen Möglichkeiten treffen, das ist schon sehr viel. Und mir wichtig. Wobei ich ein Hasenfuss bin, der viel zu gern Familie in der Nähe hat. Nur für den Fall. Zwei Herzen, ach, in meiner Brust – Sie kennen das. 

191. Ergreifst du häufig die Initiative?

Im Zwischenmenschlichen Bereich: Gott nein. Wenn es ums Organisieren oder Delegieren oder überhaupt mal das Wort ergreifen gilt? Zu oft.

192. An welches Haustier hast du gute Erinnerungen?

An alle. Ich bin mit Katzen aufgewachsen und das sind Persönlichkeiten. Aber Sammy, die langhaarige Main Coon/Perser Kätzin mit der unfassbaren Dynamik und einem Hang zur lebend-Beute, die in mein Zimmer geschleppt wurde, war ein Entertainment-Highlight.

193. Hast du genug finanzielle Ressourcen?

Mit den Rücklagen sieht es noch recht mager aus, das ist das nächste Ziel. Aber akut lebe ich ganz ordentlich und kann zB kaputte Dinge in den meisten Fällen ohne größere Probleme austauschen. Ich kenne es auch anders und bin entsprechend vorsichtig, glaube ich. 

194. Willst du für immer dort wohnen bleiben, wo du nun wohnst?

Jein? Ich glaube, ich sollte nochmal raus, weiter weg, um zurückkommen zu können.

195. Reagierst du empfindlich auf Kritik?

Nein, da bin ich ziemlich aus Stahl. Ich habe gelernt, erstmal zuzuhören, nachzudenken und dann abzuwägen, ob das so stimmen kann. Für mich ist es kein Wort mit einer rein negativen Konnotation. Mir ist Kritik im Zweifel auch lieber als Dinge aus der Hand genommen zu bekommen oder einfach gar keine Reaktion zu hören…

196. Hast du Angst vor jemandem, den du kennst?

Vor einem einzelnen Menschen hatte ich noch nie Angst, ich wüsste nicht warum. Angst ist bei mir viel abstrakter.

197. Nimmst du dir oft Zeit für dich selbst?

Zuviel, eigentlich. Aber ich halte mich hat aus und weiß nicht wem das sonst so gehen würde. Ich finde es schon schwer sehr viel nettere Menschen als mich auszuhalten.

198. Worüber hast du dich zuletzt kaputtgelacht?

Als ich via Telefon-Support beim Einrichten eines neuen Multifunktiondruckers half und nun…you had to be there.

199. Glaubst du alles, was du denkst?

Das wäre sehr schlecht. Wo ich doch grade die Grenzen meines Bewusstseins so kennenlerne.

200. Welches legendäre Fest wird dir in Erinnerung bleiben?

#Donn33rbella , of course.