Donnerhall(en)

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Schlagwort: Wettermeldungen (Seite 1 von 11)

365 and counting

Es gibt diese Tage, da starrt man auf den Kalender und irgendwo im Hinterkopf klickt es die ganze Zeit, aber man kommt nicht drauf. Man zieht es einige Stunden so mit sich rum und manchmal kommt man erst Tage oder sogar Wochen später drauf. Und manchmal geht man durch eine Drehtür und hat ein Déjà vu, das einen erstmal Luft holen lässt.

Heute war letzteres. Der 4. , das war letztes Jahr ein Montag. Der war grau und kalt und grässlich, besonders in Unterföhring. Dahin fuhr ich vom kleinen Innenstadt-Büro aus der fröhlichen Accelerator-Bubble zu einem anstrengenden und wenig produktiven Termin. Anschließend wollte ich noch dem Team Hallo sagen und irgendwo dazwischen meinte jemand, ich müsste noch etwas erfahren, es gäbe… Neuigkeiten.

Ein Foto vom grau-verschneiten Medienghetto hatte ich kurz vorher auf Twitter gepostet, durchaus erleichtert darüber sehr wahrscheinlich nicht so bald zurückkehren zu müssen.
Die Sache ging anders aus.
An dem Tag dachte ich darüber nach, dass ich jetzt ein Jahr im Unternehmen bin, mittlerweile sind es 2. Über Zeit und ungeahnte Möglichkeiten. Alles schien… offen.

Was mich selbst im Nachhinein noch verblüfft: So wenig mich die Nachricht über die kurzfristige Schließung des Accelerators geschockt hat (Start-ups härten ab), so sicher war ich mir im selben Moment, dass es erst der Anfang von größeren Veränderungen war. Es lag etwas in der Luft. Vielleicht passten auch zu viele Dinge nicht zusammen.
Genauso wie mir sofort klar war, dass ich vom High des freien Arbeitens an einer eigenen Idee erstmal ganz schön tief fallen würde. Wie tief es durch die spezifischen Umstände und alle Vorkommnisse die erst noch passieren würden sein sollte, davon hatte ich – gottseidank – keine Ahnung.

Quasi mit der Hiobsbotschaft (hätten die Messenger in der Bibel damals auch Bomberjacken getragen, der Mann wäre nicht so stoisch geblieben!) begann mein Kopf auch alles krampfhaft festzuhalten. Wie tausende von Polaroids sind Augenblicke und Details aus den letzten Wochen 2017 immer noch in meinem Kopf. Der Adventskalender auf dem Schreibtisch an den ich dann doch bereits im Januar zurückkehren würde, die plötzliche Stille mit der Zuhause die Tür hinter mir ins Schloß fiel. Der Blick einer Kollegin aus dem Accelerator am nächsten Tag, als ich anmerkte, dass es die schlechten Nachrichten schon vorab zu mir geschafft hatten – sie war schon eine Weile eingeweiht und plötzlich erlaubte sie sich wohl, dass man den Kummer darüber auch auf ihrem Gesicht sah.

Ich weiß noch wer was im Mariandl bestellt hat, erinnere mich an das absurde Gespräch mit dem jungen Founder und der Praktikantin ein paar Tage später, der wir erklärten was der Y2K-Bug war (Ja. So jung sind die jetzt.)
Noch eine Nachricht, noch eine Veränderung, um mich herum plötzlich überall Aufbruchspläne. Was doch so gar nicht sein durfte, nicht jetzt, wo ich wieder gescheitert war. Aber zu mehr als Ambivalenz war ich schon nicht mehr fähig. Das innere Abstumpfen begann schnell, vermutlich präventiv.
Manchmal frage ich mich, wie es gewesen wäre, hätte ich meinen Vater nicht verloren, während ich bereits komplett auf Autopilot lief, sondern womöglich mitten im Hoch nach einem erfolgreichen Pitch.

Wäre die Trauer eine andere gewesen? Andererseits, so konnte ich mich wenigstens nützlich machen.

Aber so weit sind wir noch nicht. Es ist Anfang Dezember und da ist dieses seltsame Vakuum. Man arbeitet an etwas von dem man weiß, dass es quasi keine Zukunft hat. Man bereitet Ergebnisse auf, präpariert einen Pitch, ins leere hinein. So müssen sich Fußballer fühlen, die schon abgestiegen sind.
An Tagen wie heute frage ich mich, ob das alles nur ein Fiebertraum war, ein Hirngespinst, es war ja auch zu gut. Meine Hybris, immer mal wieder zu denken ich wäre für ein größeres Leben bestimmt, in voller Blüte.

Ja, die Melodramatik will ich noch nicht ganz ablegen, es ist… schwierig.

Auch jetzt frage ich mich wieder welcher Teil von mir vielleicht grade auf Automatik umgestellt hat. Der frustrierende Stress der letzten Wochen schlägt sich im und am Körper nieder. Mein Lieblings-Phänomen von Stress –> weniger Essen –> mehr Cortison –> Klamotten sitzen enger hat wieder voll zugeschlagen und es sollte mich nicht so sehr grämen wie es tut. Ich hasse es, wie wenig mir dieser Organismus gehorcht, wie er in Haut und Haaren widerspiegelt, dass hier grade gar nichts stimmt, obwohl die Umstände eigentlich erträglich wären.

Man holt sich seine Dosis an Glücks-Hormonen wo man kann. Wird Mitglied einer Büchergilde, weil schöne, besondere Bände heute noch dieselbe Wirkung auf mich haben wie seit 25 Jahren. Außerdem ein Grund nächstes Jahr mindestens 4 mal in die Schuhkarton-große aber so wundervoll ausgesuchte Buchhandlung zu gehen. Wir brauchen Buchläden, fürs Seelenheil. (Abgesehen davon, dass diese Sachen wirklich, wirklich großartig sind und ich meine Abende momentan mit Mary Shelley verbringe. )
Päckchen schnüren, Geschenke ordern, Weihnachts-Dessert basteln. Ein Teil von mir würde die Wochen bis zum Jahresende gern allein und in Ruhe verbringen, nur beschäftigt damit für andere hübsche Dinge zu machen. Ich muss dann gar nicht dabei sein oder brauche große Gesellschaft, ich möchte einfache nur etwas beitragen. (Was Sie hier hören ist der in Lichterketten verkleidete dunkle Schlamm, ein Schattenmann der sich zu Weihnachten als Nächstenliebe selbst Selbsthass tarnt.)

So viel Zeit dieses Jahr habe ich unter Wasser verbracht, mit einem schwach funkenden Echolot auf der Suche nach einem Feedback, nach der Topologie dessen was übrig geblieben sein könnte. Ein bisschen fühlt es sich an, als würden mir kurz vorm Auftauchen die Kräfte ausgehen. Aber der restliche Sauerstoff muss noch bis zur Oberfläche reichen.

Fragen 351-375 (von hier)

351. Wie eitel bist du?
Sehr viel mehr als ich zugeben wollen würde. *zupft einzelne Lockensträhnen von links nach rechts*

352. Folgst du eher deinem Herzen oder deinem Verstand?
Mein Herz ist eine Memme, dann lieber Hirn voraus.

353. Welches Risiko bist du zuletzt eingegangen?
Passend zum ängstlichen Herz: Meine Risiken sind immer emotionaler Natur. Zuletzt bin ich aber selbst damit wieder vorsichtig. Oh well.

354. Übernimmst du häufig die Gesprächsführung?
Häufig, hihi.

355. Welchem fiktiven Charakter aus einer Fernsehserie ähnelst du?
Toby Ziegler (The West Wing). Abed (Community). Faith (Buffy). Christina Yang (Greys Anatomy). (Ein Muster? Ach was.)

356. Was darf bei einem guten Fest nicht fehlen?
Gelächter. Gelächter, bis jemandem die Tränen kommen.

357. Fällt es dir leicht, Komplimente anzunehmen?
Jetzt kennen wir uns seit 350 Fragen und du weißt immer noch nichts über mich.

358. Wie gut achtest du auf deine Gesundheit?
Eigentlich finde ich gar nicht, dass ich besonders viel tue, bekomme aber immer öfter mit, dass ich wohl Kleinigkeiten verinnerlicht habe, einfach weil ich schon so oft mit irgendwas darnieder lag. Ich achte auf meine Haltung und hatte noch nie ernsthafte Rückenschmerzen. Genauso habe ich ein Auge auf mein Schlafpensum, weil ich weiß, wie böse es sich bei mir auswirkt, wenn ich eine Weile zu wenig Schlaf bekomme. Obst und Gemüse – und zwar saisonal, möglichst frisch. Viel, viel Wasser und Tee. ORDENTLICHES SCHUHWERK.

359. Welchen Stellenwert nimmt Sex in deinem Leben ein?
Im Vergleich zu was? Mit Sex ist es wie mit allen Sinnes-Erlebnissen. Wenn er gut ist, macht er das Leben noch lebenswerter. Wenn er schlecht ist, fragt man sich was das alles soll. Wenn er nicht vorhanden ist, kompensiert man. Funktioniert auch für Essen, Adrenalinräusche oder Musik.

360. Wie verbringst du am liebsten deinen Urlaub?
Es muss schön genug sein, um alles andere zu vergessen, aber nicht so schön, dass 40.000 andere Menschen auf dieselbe Idee kommen. Und das Essen muss gut sein.

361. Was war deine schlimmste Lüge?
Abgesehen von der einen Sache, die ich wirklich nicht erzählen kann (wirklich nicht, Sie hielten mich ja für kriminell) – ich bringe mich traditionell eher mit der Wahrheit in Schwierigkeiten, insofern fällt mir keine große ein. Also, außer der. (Und das war moralisch ambivalent weil ich zuerst angelogen wurde und mich nur zur Wehr gesetzt habe, nämlich.)

362. Erweiterst du deine eigenen Grenzen?
Manchmal. Aber die können auch sehr schnell wieder enger gezogen werden.

363. Kannst du gut Witze erzählen?
Überhaupt nicht.

364. Welches Lied handelt von dir?
Ich weiß nicht, wie Brandon Boyd das gemacht hat, aber es gibt ein Incubus-Lied, das wirklich also tatsächlich… es erschüttert mich ein wenig. Schön ist es auch noch.

Earth to Bella
The world can be an unfriendly place
So hold your head up
Do your best to save some face
It’s not so hard
Just undo yourself and see your second sun ascend

Earth to Bella
This is a quiet emergency
Earth to Bella
There’s so much more to get then wronged
Earth to Bella
You’re treading water successfully
But are you really
Don’t you want to see the deep
It’s not so hard
Just forgive yourself and feel the water open in

365. Welche kleinen Dinge kannst du genießen?
Och, sehr viele. Gute Essen natürlich. Gute Gesellschaft. Absolute Stille. Aufwachen und feststellen, dass man nichts sofort und dringend zu erledigen hat.

366. Wofür darf man dich nachts wecken?
Notfälle aller Art, auch die seelischen. Eine wirklich gute Geschichte. Katzen.

367. Was würdest du gern an deinem Äußeren ändern?
Ach…ach. Unaufwändiger hätte ich es gern, aber das könnte ich selbst ändern. Was tatsächlich unpraktisch ist: meine furchtbar runden Schultern. Durch die sehe ich gewichtsunabhängig immer klopsförmig aus und Taschen halten da auch nicht. Das Kreuz könnte insgesamt breiter sein, so generell.

368. Was soll bei deiner Beerdigung mal über dich gesagt werden?
Das Maul werden sie sich zerreißen – und genau so soll es sein.

369. Lässt du dich leicht zum Narren halten?
Dafür bin ich im allgemeinen zu misstrauisch. Im speziellen gibt es eine bestimmte Sorte Mensch, ein Verhalten dem ich auf den Leim gehe, aber vielleicht hab ich die Lektion dieses Mal gelernt.

370. Was würdest du gerne einmal tun, vorausgesetzt dass es keinesfalls schiefgehen könnte?
Alles natürlich, was für eine Frage. Von einer hohen Klippe ins Meer springen, Karaoke singen, ein Unternehmen gründen, jemandem meine Liebe gestehen (fällt mir jetzt ad hoc niemand ein, aber das findet sich), eine Revolution anzetteln.

371. Muss man immer alles sagen dürfen?
Ja, man muss dann aber auch die Konsequenzen aushalten.

372. Wem solltest du mehr Aufmerksamkeit schenken?
Bestimmt jemandem, der mir jetzt nicht einfällt was wiederum die Annahme bestätigt. Ein Teufelskreis.

373. Kannst du gut loslassen?
Nein. Darin bin ich wirklich, wirklich miserabel. Natürlich, wenn man sich eh immer und bei allem zurückgelassen fühlt.

374. Wofür bist du dankbar?
Die bedingungslose Liebe der Familie. Der reale Rückhalt von dereinst nur virtuellen Freunden. Überhaupt: Das Internet, trotz allem.

375. Sind Komplimente von Leuten, die du nicht gut kennst, wichtig für dich?
Gott nein, wenn Komplimente mir generell wichtig wären, ich wär doch schon lang eingegangen.

Fall(ing)

Herbst, Herbst, du meine große Liebe du.

Mit deinem Nebel und dem Wechsel von Sonnenstrahlen, die alles vergolden, zu müßiger Dunkelheit und Wind. Tee und heiße Schokolade und Dinge, die so lange auf dem Herd köcheln bis die ganze Wohnung danach riecht.

Du einzige Jahreszeit in der mein Inneres und das Außen herum in Einklang sind. Wenn man sich vor dem Rausgehen noch nicht von den Zehen bis zur Nasenspitze in viele Lagen hüllen muss, um zu existieren, aber man sich beim Zurückkommen auf einen warmen Raum freut.

Die Lieblingsbands veröffentlichen genau die richtigen Alben (St. Paul and the Broken Bones, Chilly Gonzales, Mumford & Sons ), überhaupt, meine Playlists mit den melancholischen Liedern, viel Klavier, alles wogt wie ein Blatt das vom Baum segelt.

Vom Plattenspieler kommt Ottis Redding, ich vergrabe mich in Romanen und Notizbüchern, endlich wandern auch die Gedanken in neue Richtungen. Naja, nicht immer, aber oft. Endlich ist der Raum da, für Nachsicht mit dem eigenen ich. Mit jemandem, der sich so durch dieses Jahr gekämpft hat. Nach Verlusten und Desorientierung zuerst isoliert und apathisch, dann versunken in hysterischer Traurigkeit. Es ist okay. Es gab keinen Weg herum, nur hindurch. Eine Häutung, ein abgelegter weil zu klein gewordener Panzer. Danach stellt man fest, dass man gewachsen ist. Aber auch, dass die neue Haut noch ein wenig sensibel ist. Und alles auch ein wenig dokumentiert. In den Worten hier, woanders, in Gesprächen und mit Eis, das in Gläsern klirrt.

Alles was es gekostet hat. Alles, was versäumt und verspielt wurde. Es ist okay.

Es ist kein verlorenes Jahr, nicht wie sonst. Ausgestreckte Hände, ehrliche Einladungen und wärmende Worte. Der schwarze Obelisk in meinem Brustkorb, auf dem immer eingraviert war, dass man mich nie nirgendwo auch nur ein wenig haben wollen – er brökelt. Trotzdem. Trotz…nein, nicht noch ein Wort dazu. Festhalten an denen, die da sind. Sogar ganz neue, fantastische.

Der Herbstwind weht und ich stehe fester als ich es gedacht hätte.

Alles was ich gelernt habe, verstecke ich nicht länger wie dunkle Kohlestücke in meiner Höhle, sondern trage sie wie schmeichelnde Kastanien mit mir rum. Auch die Dinge, die ich nicht kann, vielleicht nie können werde. Es ist okay.

Ich bin zäh, ziemlich furchtlos und ein bisschen unterhaltsam. Damit kann man viel ausgleichen.

Manchmal bin ich grausam und kalt, ignorant und abweisend. Manchmal weiß ich gar nicht mehr wo mir der Kopf steht und manchmal brauch ich Hilfe. Es ist okay. Ich bin immer noch da.

Fragen 176-200 (von hier)

176. Wie findest du dein Aussehen?

Erträglich.

177. Gehst du mit dir selbst freundlich um?

Selten.

178. Würdest du dich einer Schönheitsoperation unterziehen?

Ich kann es mir zumindest aktuell nicht vorstellen. Befürchte auch, wenn ich es einmal wagen würde, fände ich noch so viel mehr und dann wäre es einfach nur die nächste Maßnahme zur eigenen Optimierung. Nein, lieber unattraktiv bleiben. 

179. Welchen Film hast du mindestens fünf Mal gesehen?

Dirty Dancing, Moulin Rouge, Eine Frage der Ehre, Memento. Eventuell sogar Top Gun. Oh je.

180. Füllst du gern Tests aus?

Ich mag die mit einem hohen Absurditätslevel. „Such eine Pasta-Sorte aus und wir sagen dir in welcher Stadt du leben solltest“ oder so.

181. Würdest du gern in eine frühere Zeit zurückversetzt werden?

Als Frau? Als DENKENDE Frau? BITTE?

182. Wie egozentrisch bist du?

Ich finde mich tendenziell unsagbar langweilig.

183. Wie entspannst du dich am liebsten?

Meine Badewanne is my Nirvana.

184. Fühlst du dich manchmal ausgeschlossen?

Eigentlich immer. Das ist das Default Setting, das ich seit 20 Jahren mit mir rumtrage. Jeder Schritt auf andere zu ist eine Überwindung, weil ich aufdringlich bis unerwünscht sein könnte. Was dazu führt, dass ich nie die Initiative ergreife und Menschen darum denken ich hätte kein Interesse oder wäre entsprechend arrogant. Es ist kompliziert.

185. Worüber grübelst du häufig?

Über Dinge, die sich nicht mehr ändern lassen.

186. Wie siehst du die Zukunft?

Sehr, sehr ambivalent.

187. Wann bist du deinem Partner zuerst aufgefallen?

ALS ICH GEMERKT HABE,DASS FRAGEBÖGEN GERN DAVON AUSGEHEN DER MENSCH WÄRE PER SE VERPARTNERT WAS IM JAHRE DES HERRN 2018 HALT SO GAR NICHT DER FALL IST.

188. Welchem Familienmitglied ähnelst du am meisten?

Man kann von meiner Großmutter durch meinen Vater hindurch zu mir eine Linie ziehen, ohne überhaupt auf die Idee zu kommen, dass da noch anderer Leute Gene mitgespielt hätten. It’s a look. Und eine Attitüde, zugegebenermaßen.

189. Wie verbringst du am liebsten deinen Abend?

Mit einem Glas Wein auf dem Balkon.

190. Wie unabhängig bist du in deinem Leben?

Ich kann grundsätzlich alle Entscheidungen nur in Abhängigkeit von mir und meinen eigenen Möglichkeiten treffen, das ist schon sehr viel. Und mir wichtig. Wobei ich ein Hasenfuss bin, der viel zu gern Familie in der Nähe hat. Nur für den Fall. Zwei Herzen, ach, in meiner Brust – Sie kennen das. 

191. Ergreifst du häufig die Initiative?

Im Zwischenmenschlichen Bereich: Gott nein. Wenn es ums Organisieren oder Delegieren oder überhaupt mal das Wort ergreifen gilt? Zu oft.

192. An welches Haustier hast du gute Erinnerungen?

An alle. Ich bin mit Katzen aufgewachsen und das sind Persönlichkeiten. Aber Sammy, die langhaarige Main Coon/Perser Kätzin mit der unfassbaren Dynamik und einem Hang zur lebend-Beute, die in mein Zimmer geschleppt wurde, war ein Entertainment-Highlight.

193. Hast du genug finanzielle Ressourcen?

Mit den Rücklagen sieht es noch recht mager aus, das ist das nächste Ziel. Aber akut lebe ich ganz ordentlich und kann zB kaputte Dinge in den meisten Fällen ohne größere Probleme austauschen. Ich kenne es auch anders und bin entsprechend vorsichtig, glaube ich. 

194. Willst du für immer dort wohnen bleiben, wo du nun wohnst?

Jein? Ich glaube, ich sollte nochmal raus, weiter weg, um zurückkommen zu können.

195. Reagierst du empfindlich auf Kritik?

Nein, da bin ich ziemlich aus Stahl. Ich habe gelernt, erstmal zuzuhören, nachzudenken und dann abzuwägen, ob das so stimmen kann. Für mich ist es kein Wort mit einer rein negativen Konnotation. Mir ist Kritik im Zweifel auch lieber als Dinge aus der Hand genommen zu bekommen oder einfach gar keine Reaktion zu hören…

196. Hast du Angst vor jemandem, den du kennst?

Vor einem einzelnen Menschen hatte ich noch nie Angst, ich wüsste nicht warum. Angst ist bei mir viel abstrakter.

197. Nimmst du dir oft Zeit für dich selbst?

Zuviel, eigentlich. Aber ich halte mich hat aus und weiß nicht wem das sonst so gehen würde. Ich finde es schon schwer sehr viel nettere Menschen als mich auszuhalten.

198. Worüber hast du dich zuletzt kaputtgelacht?

Als ich via Telefon-Support beim Einrichten eines neuen Multifunktiondruckers half und nun…you had to be there.

199. Glaubst du alles, was du denkst?

Das wäre sehr schlecht. Wo ich doch grade die Grenzen meines Bewusstseins so kennenlerne.

200. Welches legendäre Fest wird dir in Erinnerung bleiben?

#Donn33rbella , of course.

Versuch eines Blogeintrags

Ein bisschen vorwurfsvoll guckt das WordPress-Backend mich an. Warum schreibst du momentan so gut wie nichts, was ist denn hier los? Und missmutig gucke ich zurück, zucke mit den Schultern. Nicht, weil gerade nichts passieren würde, im Gegenteil. Aber alles was passiert, was mich tangiert oder anrührt ist vergleichsweise flüchtig. Es hat zuwenig Substanz, als dass ich mich hinsetzen und länger darüber schreiben würde. Ein Tweet oder ein Facebook-Eintrag, vielleicht.
Aber fast nichts kann lang genug meine Aufmerksamkeit fesseln, um auch in Worte gepackt zu würden.
Nehmen sie es mir nicht übel, aber ich bin gerade mit mir selbst beschäftigt. Mein Inneres, ein einziger Debattierclub mit verschiedenen philosophischen Ausrichtungen. Ellenlange Diskussionen über den eigenen Weg und die Ausrichtung und wohin das alles führen soll. Dazwischen wilde Tagträume und Gedankenentwürfe. Eskapismus der allerschlimmsten Sorte.

Manchmal fange ich einen großen Gedanken an, weil grade doch irgendetwas passiert. So wie dieser Tage, wo ich an ein paar Stellen Daten von mir ändern muss, zum Beispiel die Bankverbindung. Und überall einzeln muss ich sie eintragen oder ändern und Kontakt aufnehmen oder hinterher telefonieren oder ein Formular ausfüllen und das ist viel zu mühsam für das Jahr 2012. Warum bin ich eigentlich nicht meine eigene API, eine Schnittstelle die selbst über Daten verfügt und bei der die Anbieter und Services und Ämter und Gedöns in regelmäßigen Abständen eine Autorisierungsfrage stellen müssen?
So, dass ich am Ende nur an einer Stelle meine Daten ändern muss und die, die sie haben wollen merken in ihrer Datenbank, dass es da eine Änderung gab und sie fragen diese ab. Warum ist das eigentlich nicht grundsätzlich so? Als ich vor einigen Tagen meinen neuen Ausweiß mit original Verbrecher-Foto abgeholt habe und unterschreiben sollte, dass ich auch wirklich gelesen habe was der kluge Chip darin eventuell vielleicht eines Tages und mit diversen Hilfsmitteln mal kann, dachte ich wie absurd es ist, dass wir einerseits auf Datenschutz achten wollen und andererseits unsere Daten ständig diversen Leuten hinterher tragen. Muss ja immer alles schön aktuell sein.

Manchmal fange ich also so einen Gedanken an und dann unterbricht der Debattierclub mich wieder mit irgendwas grundsätzlichem zu meinem Leben und wie stellen sie sich das alles eigentlich vor Fräulein Bella? Und an guten Tagen denke ich, ach, ich probiere Dinge aus und seh mich um, das ist doch gut so, das haben mir doch all die schönen Bücher und Geschichten so beigebracht. Meine Zwanziger als Spielwiese in jeder Hinsicht. Aber dann kommt diese eine, sehr mäklige Stimme vom Club (ich glaube sie ist eine alte verbittere Dame ungewöhnlich nördlicher Herkunft) und sie hebt bestimmt ihren Zeigefinger als sie mir sagt, dass meine Zwanziger ja nun nicht mehr sooo lange dauern.
Dann schnauze ich sie an, sie soll Ruhe geben und meine Zwanziger wären immer noch länger als der Rest ihres Lebens, aber dann gebe ich kleinlaut Ruhe. Und schaue auf den Kalender, wo dieses sinnfreie Datum an dem eigentlich meiner Mutter gehuldigt werden sollte bald ansteht und seufze.

Das ist dann also dieser Übergang von Mitte Zwanzig in Richtung Ende Zwanzig. Seltsam. Früher hab ich mich und meine Erwartungen gern an den Runden und den 5er-Geburtstagen orientiert. Genauso blödsinnig wie sich jetzt an der Rockstarzahl zu orientieren, aber immerhin. Mit 15 mitten im pubertären Albtraum, mit 20 alles auf Anfang in einer neuen Stadt. Mit 25 nahe am Ziel und schon mal in Stellung gehen für den neuen Lebensabschnitt. Der aber ist holprig und viel unklarer als alle immer gesagt haben. Während die anderen im gleichen Alter grade durch Asien tingeln, auch auf der Suche nach sich selbst, findet mich auf Facebook die alte Schulfreundin die zwei Tage jünger ist und grade mit ihrem Mann und den drei Kindern im Urlaub war. Sie wohnt noch da, wo wir schon zur Grundschule gegangen sind und während ihr Leben wie mein persönliches Horrorszenario klingt sticht es ein bisschen, weil sie so unverschämt glücklich ist. Wo sie damals mit 16 das erste mal schwanger und überhaupt, was soll aus dem Mädchen mal werden haben sie gesagt. Das Mädchen ist erwachsener und zufriedener als ich und das obwohl mir jede Motivation fehlt in absehbarer Zeit Mutter und/oder Ehefrau zu werden. Ach.

Das jedenfalls ist der Grund warum hier momentan so wenig steht. Weil ich, selbst wenn ich einen tieferen Gedanken niederschreiben will, ihn schnell bei 750words weg packe, einer persönlichen kleinen Schreibübung für jeden Tag. Damit man wenigstens etwas klar formuliert hat. Wobei klar auch das falsche Wort ist. Man zwingt sich dahin und fügt Worte zusammen. Unterschiedlicher Sprachen und gern auch ohne Zusammenhang. Dort geht das, dort liest es niemand und dann ist es okay wenn es mich und meine Verpeiltheit widerspiegelt.
Weil ich das Schreiben letztendlich nicht lassen kann, oder will. Was auch immer das für die Zukunft heißen soll. Über die ich mir wohl mehr Gedanken machen könnte, ganz allgemein. Weil die schönen Geschichten und Bücher dann am Ende auch eine klare Richtung haben, etwas wofür sich die Heldin entscheidet und tut. Sobald sich also mein innerer Debattierclub auf etwas geeinigt hat und die Komission zur Erhaltung meiner restlichen Würde sich damit einverstanden zeigt, werde ich es sie wissen lassen, liebe Leser. Versprochen.

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Thema von Anders Norén.