gefühlsduselei

Ausatmen

Man trippelt sehr vorsichtig und möglichst leise ins eigene Blog, nach solchen Tagen. Nach so einem Beitrag, nach solchen Reaktionen. Einfach so weitermachen geht ja fast nicht, Gottseidank.

Da sind immer noch viele unbeantwortete Nachrichten und Kommentare, neue Ansätze, Gedanken. Ich hoffe, niemand fühlt sich nicht wahrgenommen, ich sehe das alles, es ist nur wirklich, wirklich viel.

Dann war da noch ein Päckchen, einfach so. Leserin B. (die ich leider nicht in den Kommentaren finde, um mich bei ihr persönlich zu bedanken, vielleicht mag sie sich ja melden, ich würde mich sehr freuen) schickte mir etwas von meinem Wunschzettel, nämlich die Jahreszeiten-Kochschule: Winter von u.a. Katarina Seiser deren Kochbücher man eh alle haben sollte. Ich habe mich unendlich darüber gefreut. Leser, tolle Sache.

Das Päckchen lag am Ende eines Tages vor der Tür, der mich ein bisschen durch die Mangel genommen hatte, weil ich eigentlich Konsequenzen aus einer Situation gezogen hatte. Die wurden mir mittlerweile wieder ausgeredet, aber die Angst wuchert halt jetzt noch ein paar Tage vor sich hin. Vielleicht sollte ich anfangen solche Konstellationen in Zukunft konkret aufzuschreiben, um zu verstehen warum ich damit wie umgehe.

In diesem Fall ist es eine von diesen Geschichten, über die andere Gras wachsen lassen können, Abstand dazu herstellen. Manchmal zerbrechen Dinge, stellen Menschen fest, dass sie sich eigentlich gar nicht mögen, das ist normal. Ich mag die wenigsten Menschen. Aber ohne einen Schlusspunkt, ein letztes Wort bleibt bei mir die Frage zurück was ich falsch gemacht, welche fürchterliche Sache ich der anderen Seite angetan haben könnte, um durch Schweigsamkeit kommuniziert zu bekommen, dass man auf mich keinen Wert legt. Und anstatt das alles einfach akzeptieren zu können, gärt eine trübe Mischung in mir, aus dem Gefühl unerwünscht zu sein und der Angst auch in Zukunft unwissend und unabsichtlich Menschen zu verjagen.

Das ist die Krux am Asperger-Hirn. Es kann sich sehr gut an Details orientieren und oft viel zu konkret an Dinge erinnern. Insbesondere schmerzhafte, traumatische Erinnerungen sind so intensiv abrufbar, dass jede Konfrontation die ganze emotionale Spirale aus Fragen und Selbstzweifeln hervorzieht.

Um dem aus dem Weg zu gehen, hatte ich letzte Woche etwas abgesagt. Eine Gelegenheit, auf die ich mich doch so wahnsinnig gefreut hatte. And thus the altbekannte Teufelskreis beginnt. Ich habe aus meinen Lebensabschnitten immer so gut wie niemanden behalten, mitnehmen können. Weil meistens musste ich recht rabiat alle Brücken hinter mir abbrennen – zu groß war die Panik am Ende abgewiesen zu werden, wenn rauskommt wer ich wirklich bin. Also habe ich Dinge einschlafen lassen, Einladungen abgesagt, die automatischen Facebook-Geburtstags-Gratulationen aufgehört. Bis ich in Vergessenheit geriet. One lost to the stream.

Meine diversen Neuanfänge waren nicht immer ganz freiwillig.

Dieses Mal wollte ich es eigentlich anders machen, um nicht am Ende alle zu verlieren. Ich bin es müde dauernd von vorn anzufangen und diese Menschen, sie sind gut, sie halten viel aus. Nur, in diesem Fall wurde mir die Klärung, das letzte Wort verwehrt und ich habe die letzten Monate damit verbracht das einerseits hinzunehmen und andererseits nicht über potentielle Begegnungen nachzudenken. Aber die Panik unerwünscht zu sein, auch wenn nur von einer einzigen Person ausgelöst, ist eine mächtige Bestie.

An diesem Abend also, an dem das hinreißende Päckchen vor meiner Tür lag, hatte ich genau deswegen eine Einladung abgesagt und trug die Trauer über den Anfang vom Ende mit mir herum. Erst sage ich die gemeinsamen Momente ab, dann werde ich nicht mehr eingeladen und irgendwann bin ich nur noch eine vage Erinnerung, jemand, der maximal in alten Anekdoten vorkommt. Wie absurd das von Außen klingen muss. Alles, weil jemand nichts mehr zu sagen hat.

Vielleicht nehme ich diese Dinge seit der Diagnose anders wahr, aber ich saß an meinem Esstisch, mit einem Buch-Geschenk als Symbol für all die tollen Reaktionen vor mir und den trübsten Gedanken der letzen Wochen im Kopf. Als würden eine Kaltfront und Warmluft im Kopf aufeinander treffen. Erst jetzt ist mir klar, dass sich solche Momente für andere nicht so anfühlen, als würde unter ihnen der Boden plötzlich rotieren.

Es ist mein großes Glück in diesen Tagen Menschen zu haben, denen ich mein unsortiertes Kopfgewitter hinwerfen kann und die es sich anhören. Auch, wenn ich nach wie vor große Skrupel habe mich und meine Zustände anderen zuzumuten. Aber zumindest dahingehend haben die vielen positiven Reaktionen der letzten Wochen das Rädchen ein wenig weiter gedreht. (Es ist ein sehr, sehr langsames Rädchen.)

Darum an dieser Stelle noch ein mal: Danke. Für die Hinweise und die Bestätigung, für die Fragen, für das gesehen-werden. Ich tue mich schwer damit es besser zu artikulieren, aber, es hilft.

Anna and the Truthtellers

Ich liebe das Internet. Für die Rettung, die es mir während der Adoleszenz war. Für die Dinge, die ich dort gelernt habe und immer noch lerne. Für die Menschen, die ich hier gefunden habe. Vielleicht am allermeisten für die Nachweise davon, dass einem manche Dinge nicht exklusiv passieren.

Trotz allem, liebe ich das Internet sogar, obwohl diese Dinge manchmal alle zusammengehören.

Das wundervolle Fräulein Read On hat die traurige Geschichte vom J. und von Anna aufgeschrieben und damit gefühlt das ganze Internet an einer sehr empfindlichen Stelle getroffen. Mich auch.
Auf ganz furchtbare Weise war es beruhigend zu lesen, dass der J. nie ganz darüber hinweg gekommen ist. Dass es auch…normalen Menschen passiert, dass sie nicht loslassen können, dass die Fragen bleiben.

Auch, weil oft am Ende diejenigen die gehen, die den Kontakt abbrechen die Protagonisten der Geschichte sind, wenn sie erzählt wird. Nicht diejenigen, die zurückbleiben und vielleicht Narben davon getragen haben. Klar, aufregender sind die Menschen, die sich “trauen” einfach alles abzubrechen und Menschen aus ihrem Leben zu verbannen. Die, auf die eine oder andere Art, weiterziehen.

Als wäre Stille eine Leistung. Als wäre das Ausbleiben einer Erklärung spannend, interessant.

Ich bin nicht gut mit Menschen, das habe ich mittlerweile schriftlich. Trotz intensiver Beobachtung verstehe ich sie die meiste Zeit über nur bedingt. Schon gar keine Nuancen, Andeutungen, Zaunpfähle. Darum bin ich ehrlich statt nett. Direkt statt höflich. Immer in der Hoffnung, dass es mein gegenüber dazu ermuntert im Zweifel auch unangenehme Dinge sagen zu können anstatt zu schweigen.
Lassen Sie es mich so sagen: Es funktioniert so mittelgut.
Vor einer Anna schützt es am Ende nicht.

Es macht, wenn es dann passiert, noch eine hübsche neue Baustelle auf. Weil so sehr man sich fragt was in der anderen Person vorgegangen sein mag, an irgendeinem Punkt fragt man sich noch viel mehr was man womöglich selbst falsch gemacht hat. Vielleicht bin ich besonders empfindlich weil meine “Annas” bevorzugt dann auf Distanz gegangen sind, wenn es mir nicht besonders gut ging. Womöglich gerade weil ich auch noch die Unverschämtheit hatte darüber zu sprechen – mit der digitalen Allgemeinheit oder direkt mit der Person.

Womit wir zu einem Punkt kommen müssen, der anstrengend werden könnte. Naja, zumindest für mich.
(Einschub: Es ist auch der Bereich, wo meine Geschichte nichts mehr wirklich mit Anna und dem J. zu tun hat. Es ist der Sonderfall Bella, der jetzt kommt.)

Weil einerseits ist es gut, dass es zumindest ein bisschen einfacher geworden ist, über die eigenen psychologischen Instabilitäten zu sprechen. Es hilft, die fellow crazies zu treffen. Es hilft zu begreifen, dass man ein funktionierendes Mitglied der Gesellschaft und trotzdem krank sein kann. Es hilft auch für sich selbst zu reflektieren, dass man nicht davon stirbt diese Schwäche zuzugeben.
Ich schreibe seit annähernd 20 Jahren ins Internet und immer wieder auch über die dunklen Schatten in meinem Leben.
Die oft überraschenden Reaktionen darauf waren immer auch Teil des Heilungsprozess. Da war Empathie, Besorgnis und manchmal auch einfach nur ein Angebot, obwohl Menschen kaum wussten, wie sie richtig reagieren sollten.

Thing is – diese Art von Validierung funktionierte damals wie heute genauso gut wie Likes, Herzchen oder Emojis. Meine Wahrnehmung ist verzerrt, weil mir das Internet überwiegend gesagt hat, dass meine Echokammer mich inklusive aller meiner Probleme aushält. Umso schockierter, gekränkter und verwirrter reagiere ich, wenn das bei Menschen nicht mehr der Fall ist. Vermutlich habe ich gelernt Hinweise darauf zu ignorieren und aufgehört darüber nachzudenken was es mit jemandem macht, wenn er mit einer Person mitten in einer depressiven Episode konfrontiert ist.

Normalerweise stehe ich der Triggerwarning-Kultur in den sozialen Netzwerken ein bisschen kritisch gegenüber. Mir ist klar, dass es Bilder und Szenarien gibt, die Menschen an Trauma oder Ängste erinnern und es sollte Optionen geben, diese Dinge zumindest zu reduzieren. Aber das völlige Ausblenden sollte vielleicht gar nicht möglich sein. Wir sollten uns manchmal mit Dingen auseinandersetzen müssen. Wobei das nicht die Debatte ist, die ich haben will.

Meine Frage ist: Was ist, wenn ich der Trigger bin?

Wenn ich nicht irgendetwas falsch gemacht habe, nicht zu viel oder nicht gut genug war, sondern einfach nur ich – mit der ganzen Dunkelheit? Was, wenn diese Kombination bei der anderen Person dazu geführt hat, dass die Worte ihren Weg erst gar nicht mehr finden konnten? Und in Konsequenz auch – was, wenn nicht nur meine Offenheit zum Thema psychische Erkrankungen bei anderen die umgekehrte Wirkung hat?
Auf die Gefahr hin wie jemand zu klingen der auch nach Jahren noch verzweifelt nach Erklärungen sucht – ich frage mich seit einer Weile inwiefern ich in Kauf nehme Menschen derart vor den Kopf zu stoßen, um auch weiterhin vom Internet aufgefangen zu werden.

Antwort habe ich noch keine. Ich will keine Beisshemmung entwickeln, nicht aufhören über Dinge zu sprechen, die unbedingt bei Licht betrachtet werden sollten. Aber wenn ich mitbekomme, dass meine Dunkelheit zu Überforderung bei anderen führt, dass sie nicht mehr recht wissen ob man mich nun anders behandeln muss oder ich am Ende halt einfach gemutet werde – dann macht diese erneute Isolierung nichts besser. Im Gegenteil, es bestätigt mich in all meinen finsteren Szenarien. Dass ich nur akzeptiert und gesehen werde, wenn ich unkompliziert, unterhaltsam und aufmerksam für die Bedürfnisse von anderen bin.
“Du solltest dankbar sein, dass sich jemand mit dir abgibt” – aber als verinnerlichtes Mantra.

Anders als sonst, habe ich in dieser dunklen Episode nicht nur mehr Zuspruch erfahren, sondern gab es auch Menschen die einen deutlichen Schritt auf mich zugemacht haben. Das ist bei meinem fragilen Ego mehr oder minder ein Erdbeben. Aber weil wir alle gerne einen guten Verriss lesen und Künstler sich ihre negativen Kritiken merken, klopf in meinem Kopf ein kleiner Hammer an den Ereignissen und Menschen herum, die mit Distanz oder Widerstand auf mich reagiert haben. Auch und gerade weil ich mit meinen Defiziten und Diagnosen (so nenne ich das Konzeptalbum) offensiv umgehe.
Zumindest ist das die naheliegende Erklärung, weil – und damit sind wir wieder bei Anna – man bekommt ja sonst keine.

being honest is being kind

Ich bin durch meine radikale Ehrlichkeit oft unangenehm aufgefallen. Aber ich glaube auch, dass sich meinetwegen noch nie jemanden fragen musste, woran er ist. Ich denke an den J. aus der Geschichte und die tiefen, tiefen Narben die er wohl mit sich rumträgt. Weil so einig sich alle um ihm herum sind, dass Anna egoistisch und grausam war, ein Teil von ihm wird sich immer fragen, warum er nicht genug sein konnte.
Vielleicht fragt er sich, ob das was an ihm am hellsten geleuchtet hat, für sie am Ende zu grell war.
Und das, ist der wahre Preis dieser individuellen Freiheit sich solchen Konflikten nicht zu stellen. Es bohrt ein Messer in Menschen, genau an der Stelle, an der sie am eigenwilligsten sind. Es ist ein Angriff auf die Eigenschaften, die uns definieren.
Man kann jetzt sagen, dass es doch keinen Unterschied macht, ob man gesagt bekommt, dass man zu anstrengend ist oder jemand einfach so geht – aber ich behaupte, dass es den Unterschied gibt. Der hat nicht nur etwas mit grundsätzlichem Respekt gegenüber einem Menschen zu tun, sondern kann auch Kontext geben. Vielleicht gibt es einen guten Grund warum ein Mensch so reagiert. Warum man ein Trigger geworden ist.

Ob Mensch oder Bild – je länger ich darüber nachdenke, desto mehr finde ich, dass wir auch mit denen, die etwas in uns anrühren, uns vielleicht verstören in Dialog treten sollten. Im Stillen. Oder direkt. Aber selbst wenn es noch so anstrengend ist und uns aufreibt – aus Reibung entsteht Wärme. Dort, wo einst jemand war der ohne ein Wort gegangen ist, bleibt eine Stelle kalt.

Es langt jetzt auch mit der Kälte, so insgesamt.

Fragen 551-575


551. Welchen Wochenendtrip oder welche Kurzreise hast du gerade geplant?

Innerdeutsch dieses Jahr noch einige, international bis jetzt nur Mailand im Juli. Langes Wochenende, Konzert, Gelato. So muss das!

552. Bist du ein Landmensch oder ein Stadtmensch?
You can take the girl out of the bavarian countryside but not the countryside out of the girl

553. Mit welcher Person, die du nicht persönlich kennst, fühlst du dich verbunden?
Ich fühl mich manchmal kaum verbunden mit denen, die ich kenne… puh.

554. Was gibt dir in schweren Zeiten Halt?
Nix. Ich neige dazu mich umnieten zu lassen.

555. Bist du gut zu dir selbst?
Manchmal. Öfter. Es wird.

556. Was bedeutet Freundschaft für dich?
Wir haben’s aber heute mit den Minenfeldern. Es gibt diese Idee von Freundschaft in meinem Kopf, vielleicht auch als Abbild dessen was ich bei anderen beobachte – und manchmal wünsche ich mir das für mich. Aber ich weiß, dass das sowohl meinetwegen als auch wegen der Sorte Menschen mit der ich mich anfreunde so nicht geht. Wir sind alle nicht robust genug dafür. Heute bin ich einfach dankbar dafür, dass ich für annähernd alles was mir widerfahren kann jemanden habe, dem ich es erzählen kann und zumindest eine Antwort bekommen werde.

557. Wer hat dich in letzter Zeit überrascht?
Obacht: Ich! Aus Untiefen, die ich selbst vergessen hatte, hole ich gerade Motivation, Wahnsinn und Ambitionen hervor. Sehr überraschend.

558. Traust du dich, Fragen zu stellen?
Die eigentliche Frage ist: Traust du dich auch mal eine Frage nicht zu stellen? Was mir zugegebenermaßen schwer fällt.

559. Hast du Dinge vorrätig, die du selber nie isst oder trinkst?
Mir fallen eigentlich keine ein.

560. Setzt du dir Regeln, die du dir selber ausgedacht hast?
Ist das wieder eine von den Sachen von denen ich denke, dass alle sie tun und am Ende hab ich mir da wieder… Nevermind.

561. Bedauerst du etwas?
Einiges. Aber hauptsächlich Dinge, die ich nicht getan habe.

562. Welchen Zeichentrickfilm magst du am liebsten?
Dschungelbuch forever! (Erster Kinofilm, beste Musik, bestes alles.)

563. Was würdest du deinem Kind gern fürs Leben mitgeben?
Angst lohnt sich seltener als man denkt.

564. Welches Buch hast du in letzter Zeit mit einem tiefen Seufzer zugeklappt?
Es ist schon wieder ein paar Wochen her, aber „Darkness Visible“ von William Styron. Worte für etwas, das eigentlich unbeschreibbar ist.

565. Würdest du gern wieder in einer Zeit ohne Internet leben?
ARE YOU SERIOUS

566. Wann hast du zuletzt ein Bild ausgemalt?
Das war mir ja schon als Kind zu doof. Wirklich nicht.

567. Wer war deine Jugendliebe?
Zählen auch unerwiderte? Blöde Frage, andere hatte ich ja kaum. Dann vermutlich der F. Der war der große Bruder eines Klassenkameraden und ich fand seine 16jährige Schweigsamkeit „mysteriös“ und sein seltsames Verhalten „cool“. Er war natürlich auch bloß maximal pubertär und meines Wissens in seine beste Freundin verknallt. Aber er hat halt Schlagzeug in der Schulband gespielt, was soll man machen.

568. Für wen hast du zuletzt Luftballons aufgeblasen?
Oida. Jugendliebe, Bilder ausmalen, jetzt Ballons. Ich konnte mit 12 kaum erwarten Mitte 30 zu sein, leave me be.

569. Wie würden andere Personen deine Wohnung beschreiben?
Dafür müsste ich sie ja reinlassen.

570. Mit wem stöberst du am liebsten in Erinnerungen?
Mit dem Internet.

571. Wie viele Stunden am Tag verbringst du vor dem Computer?
An Arbeitstagen 9-11, an freien Tagen kann es alles zwischen 2-12 sein. (Netflix, du alter Zeitfresser.)

572. Verschweigst du deinem Partner manchmal Sachen, die du gekauft hast?
Ich bin ein Fan von Diskretion und Geheimnissen.

573. Wen oder was benutzt du als Ausrede, um etwas nicht machen zu müssen?
Ich bin da eventuell simpel gestrickt, aber ein „ich will jetzt nicht“ besonders in Kombination mit „ich muss das gar nicht (jetzt) machen“ langt oft völlig.

574. Gehst du gern ins Kino?
Immer, wenn ich es hin schaffe, freue ich mich eigentlich sehr, aber dafür gehe ich eigentlich zu selten.

575. Wie grosszügig bist du?
In Bezug auf? Ich beschenke andere gern und reichlich – auch weil ich sonst nicht zu großen emotionalen Gesten/Worten neige. Wenn es passt und mir danach ist, lade ich eine Begleitung auch mal ein. Und beim Trinkgeld runde ich sowieso auf.

“Feiern kannst du aber fei”

Es war kurz vor Mitternacht, als ich mir endlich einen Moment nahm, um mich einfach nur umzuschauen und diesen Moment möglichst exakt festzuhalten. Ein ganzer Haufen Menschen, gut angezogen, lächelnd, sich amüsierend und, tatsächlich, meinetwegen da. Ganz in echt. Wirklich passiert. Dämonen hin, Schatten her, ich hatte es irgendwie durchgezogen. Das sollte ich mir merken.

It was a mess of good years

“It was a very good year” Frank Sinatra

Die Idee dazu meinen Schnapszahl-Geburtstag zu feiern, den hatte ich noch bevor Ende letzen Jahres die Dinge äußerlich wie innerlich zu bröckeln und zu stürzen begannen. Vielleicht der einzige Grund, warum ich die Sache stur wie ich bin, angekündigt und eingehalten habe. Projekt #Donn33rbella was a go.

Und natürlich, es ist ein Drahtseilakt. Im Frühjahr, als ich zwischenzeitlich dachte es wäre unmöglich mit nur 6 Monaten Vorlaufzeit in München eine bezahlbare, buchbare Location zu finden. (Ich fand sie.) Oder danach, als ich mich zum ersten Mal mit so etwas wie einer Gästeliste und einem möglichst unkomplizierten Einladungs-Mechanismus auseinandersetzen musste. Schon da wurde mir wieder klar, warum ich über 20 Jahre keinen Geburtstag gefeiert hatte, im Gegenteil.

Oder in den letzten Wochen vor der Feier, als plötzlich doch noch einige Absagen eintrudelten.  Ich merkte, wie empfindlich ich immer noch bei solchen Sachen bin, gerade momentan. Wie persönlich ich alles nehme, gleichermaßen verstehend, dass ich den Aufwand nicht wert bin und andererseits empört weil einige Begründungen…nun, lassen wir das. Umso fantastischer waren die Zusagen, die Vorfreude, die Frage nach dem Dress-Code. (Ich kann das nur empfehlen. Menschen nahezulegen, dass sie sich bitte in den feinen Zwirn werfen führt zu spannenden Ergebnissen und verleiht dem Abend ein gewisses Flair. So gut sahen die alle aus! So gut, ich hab sogar über ein Eagles-Trikot hinweg gesehen.)

Mir wurde klar was für eine eklektische, faszinierende Gruppe von Menschen ich in meinem Leben gefunden hatte. Das bewahrheitete sich spätestens in den unerwarteten Gesprächsrunden und ausgetauschten Telefonnummern. Manche hatte ich lange nicht mehr gesehen, einige hatten weite Wege auf sich genommen. 

Jeder einzelne ein Schlag ins Kontor des schwarzen Schlamms von dem ich so oft umzingelt bin. Das vielleicht beste Geschenk, das ich mir machen konnte. 

Eines mit Nachwirkung. Mit Tage später ausgepackten Geschenken, (Books and Booze – Titel meiner Autobiographie.) hinreißenden Glückwunschkarten und dem Zitat, das in der Überschrift steht. Weil wenn es einen Satz gibt, mit dem ich nicht gerechnet habe, dann mit dem. 

Wobei, die Familie findet ja, dass das Gastgeberinnen-Dasein in glamouröser Umgebung vollständig dem Erbgut einer gewissen Seite der Familie entspricht. Abendkleid tragen, Klunker aussuchen, Hof halten. (Wer hier länger mitliest, weiß, dass man mir mal wieder großmütterliche Tendenzen unterstellt.)

Wofür so eine Feier auch gut ist: Die übliche Nabelschau rund ums Wiegenfest abzuwürgen. Darum an dieser Stelle keine tieferen Erkenntnisse zum vor einer Woche erreichten Lebensalter oder ein erneutes Wiederkäuen des verkorksten letzten Jahres. Stattdessen: Mehr Albernheit, mehr Glitzer, mehr Gelegenheiten. Ich war ein todtrauriger Teenager und habe meine 20er damit verbracht ganz langsam aus einer selbstgegrabenen Höhle herauszuwachsen. Zurückrudern gilt nicht, da müssen wir jetzt alle durch. Dress Code and all. 

P.S.: Pro-Tipp für Menschen, die nun eventuell auch feiern wollen und dabei gegebenenfalls alkoholbedingt den Überblick verlieren könnten – pick a designated gift-person. Ernsthaft, das Transportieren, spätere Zuordnen und entsprechende Freuen wird sonst… kompliziert. Und sei es, weil sie immer noch nicht so ganz sicher wissen, von wem der 1200 Seiten Paul Auster Roman nun stammt. Nächstes Mal habe ich Klebepunkte und meine Etikettiermaschine dabei. 

Fragen 126-150 (von hier)

126. Was kaufst du für deine letzten zehn Euro

Ein Notizbuch und ein Stück Schokolade.

127. Verliebst du dich schnell?

Leider nein.

128. Woran denkst du, bevor du einschläfst?

An alles was mir fehlt.

129. Welcher Tag der Woche ist dein Lieblingstag?

Sonntag. Alles ist ein bisschen leerer, ein bisschen langsamer, weil es nichts zu kaufen, zu erledigen gibt.

130. Was würdest du als deinen grössten Erfolg bezeichnen?

Ich bin immer noch da.

131. Mit welcher berühmten Person würdest du gerne einmal einen Tag verbringen?

Tot oder lebendig? Tot: Dorothy Parker, gern auch zu ihrer Zeit. Im Algonquin sitzen, trinken, debattieren, uns die Pointen zuwerfen. (gefolgt von Roger Willemsen und Prince) Lebendig: Christine Lagarde. Wahnsinns-Frau, unfassbarer Job. Die war mal Synchronschwimmerin! (Danach Benjamin von Stuckrad-Barre und Niko Kovac. )

132. Warst du schon einmal in eine (unerreichbare) berühmte Person verliebt?

Ich kann ins Schwärmen geraten (siehe Willemsen, Stuckrad-Barre), aber verlieben, nein.

133. Was ist dein Traumberuf?

Ich glaube langsam, dass ich jemand bin dem es nicht unbedingt in erster Linie darum geht was er tut, sondern wie. Etwas mit viel Freiheit, dann darf es auch sehr viel Arbeit sein. Ein Unternehmen bauen, einen Laden führen, Schreiben – im Zweifel auch technische Dokumentationen. Lasst mich einfach nur machen. 

134. Fällt es dir leicht, um Hilfe zu bitten?

Um was?

135. Was kannst du nicht wegwerfen?

Bücher, Geschenke, bestimmte Erinnerungsstücke.

136. Welche Seite im Internet besuchst du täglich?

Mit oder ohne App? Wenn Apps nicht zählen, gibt es keine tägliche. Ansonsten: Twitter, Gmail, Inoreader.

137. Sind die besten Dinge im Leben gratis?

Dinge? Nein. Momente, ja.

138. Hast du schon mal was gestohlen?

Vermutlich? Aber tendenziell war ich da sehr sehr jung.

139. Was kochst du, wenn du Gäste hast?

Gegrillte Feigen mit Mascarpone gefüllt und Speck umwickelt, Risotto mit Trauben und Walnüssen, vielleicht geschmortes Lamm dazu  und dann entweder französischer Schokoladenkuchen oder Tiramisu oder Erbeertörtchen. Natürlich eine Käseplatte, mit Oliven und eingelegten Zwiebeln, spanischer Schinken, fluffiges Weißbrot. 

Es finden sich bestimmt noch Cookies oder Pralinen, zusammen mit gutem Schnaps als Absacker. Mist, jetzt Appetit. 

140. In welchem Laden möchtest du am liebsten einmal eine Minute lang gratis einkaufen?

Die Parfümerie bei mir um’s Eck. (Einmal quer durch’s Amouage Regal greifen, fertig.)

141. In welche Länder möchtest du noch reisen?

Portugal, Irland, Estland, Indien, Neuseeland, Kanada, Argentinien, Namibia

142. Welche übernatürliche Kraft hättest du gern?

Apparieren und Disapparieren a la Harry Potter wäre natürlich unsagbar praktisch. In diesen Tagen hätte ich manchmal gern die Fähigkeit andere spüren zu lassen, was ich spüre, in all seiner kaputten Logik. Würde vermutlich viel Schaden anrichten, aber vielleicht wäre da auch ein bisschen mehr verstehen. Empathie by Proxy quasi.

143. Wann wärst du am liebsten im Erdboden versunken?

Spontan fällt mir eine Überschrift ein, die so nie hätte online gehen dürfen, ein Kommunikations-Missverständnis mit einem Dienstleister das viel Geld gekostet hat und wie ich als Praktikantin mal den Oberober-Chef in einer Email völlig falsch adressiert habe. Ich befürchte ich bin im Job mutiger als privat und laufe darum da eher ins Verderben.

Grade fällt mir noch die Schulstunde ein, als eine verzweifelte Lehrerin versucht hat zwischen der mich mobbenden Klasse und mir zu vermitteln, nur, dass sie nicht dazwischen ging als aufgezählt wurde warum ich so seltsam und demzufolge selber schuld bin. Ich glaube an dem Tag hab ich ein bisschen mit der Menschheit abgeschlossen.

144. Welches Lied macht dir immer gute Laune?

145. Wie flexibel bist du?

Was soll das heißen ES GIBT EINE PLANÄNDERUNG?

146. Gibt es eine ungewöhnliche Kombination beim Essen, die du richtig gern magst?

Richtig gutes Nußöl und sehr dickflüssiger Balsamico gehen ja prinzipiell zu allem, auch süß.

147. Was tust du, wenn du in einer Schlange warten musst?

Leute beobachten, Twitter checken, im Kopf eine Liste machen was es noch zu erledigen gibt.

148. Wo siehst du besser aus: im Spiegel oder auf Fotos?

Im Dunkeln.

149. Entscheidest du dich eher für weniger Kalorien oder mehr Sport?

Ich versteh die Frage nicht. Ich bin pro Nahrung.

150. Führst du oft Selbstgespräche?

Eventuell mehr als Gespräche mit echten Menschen. Was mich mehr beunruhigen sollte als es tut.