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Schlagwort: gefühlsduselei (Seite 7 von 17)

incredible close and really boring

Na Seelchen, was ist los mit uns? Schon wieder ein Happen Schokolade zuviel, schon wieder ein später Teller Pasta und durchgehendes Magengrummeln. Nichtmal die alten Freunde, Serienstaffeln helfen. Irgendwas passt uns nicht, hm? Aber was?

Weil, eigentlich geraten die Dinge endlich in Gang. Das mögen wir. Endlich Feedback, endlich Prozesse, die sich gut anfühlen. Darauf haben wir zu lange gewartet. Wo wir doch schon so lang in der großen weiten Welt unterwegs sein wollten. Sich wieder auf Dinge freuen, Aussichten. Langsam biegen wir alles hin. Tun wir doch immer.

Aber es hakt im Getriebe. Emails, die Angst machen, Kommunikation einfach mal sein lassen weil sie wir grade gern unsichtbar wären. Ausgerechnet. Dabei hatten wir doch schon geklärt, dass uns das nicht liegt, dass wir nun mal da sind und Raum brauchen. Freiraum. Voller Sauerstoff.
Also was ist los?
Es sind die anderen, oder? Wie immer.

Klar, gäbe es ein Berufsbild, bei dem man pragmatische Probleme anderer Leute lösen könnte, das wäre sofort unser Ding. Darum fühlt es sich so schrecklich an, wenn man ihnen nicht helfen kann, sie sich nicht helfen lassen. Menschen um uns herum kämpfen mit all den Dämonen, mit denen wir schon so lange ringen. Trotzdem werden wir nicht gehört. Sowas schlägt einem auf den Magen, klar.

Aber jetzt hör mal zu: atme einfach tief durch, schau in den Horizont, das wird schon wieder.

Es mag drastisch klingen, aber vielleicht müssen die blubbernden Herde der anderen erst explodieren, muss die Lage erst eskalieren bevor sie sich helfen lassen. Maßnahmen ergreifen. Komm du zurück zu dir, wir brauchen jetzt die Kraft. Jetzt kommt der Teil, der viel Energie braucht.

Geburtstags-Blues hin, Herbst-Depression her – wir sind zu zäh für diesen Scheiß. Komm, wir schreien jetzt noch schnell alles raus, ziehen uns die Kapuze über und kämpfen uns im besten Gangsta-Stil durch die Hood. Deal?

Deal.

Innenstädtisches

kaufingerstrasse, munich

Die Kaufingerstrasse. Versuchen sie hier mal, ein hübsches Café zu finden.

Heute Nachmittag stand ich das erste Mal seit langem wieder in einem H&M. Was nichts zur Sache tut, weil der H&M auch ein New Yorker, ein Pimkie oder weißderGeierwelcheKette sein könnte.

Zuerst wurde ich aggressiv. Weil die Qualität so mies ist. Die meisten Dinge häßlich. Also so ein normaler Einkaufs-Aufreger.1 Aber dann hab ich mich umgeschaut. Und wurde traurig.

In dem Laden waren fast nur junge Mädchen. Irgendwo zwischen 12 und 18. Wobei manche vermutlich schon 21 waren, aber eben noch wie 17 aussehen. Und das meine ich nicht nett. Ich bin dafür, dass Erwachsene anders aussehen als Kinder. Und 17jährige sind eben doch auch noch Kinder. Keine Sorge, ihr sollt solange rumhipstern und Girliepink tragen wie ihr wollt, auch egal. 2
Was sie viel mehr vereint hat, war ihr leerer Blick. Ihre Getriebenheit davon, das perfekte Oberteil zu finden. Das perfekte Oberteil für den jetzigen Trend, der satte 14 Tage halten wird. Ihre Gesichter sind so ausdruckslos.

Aber wer Geld für George Gina Lucy – Taschen hat, sollte genug Selbstachtung haben, nicht die gleiche Skinny-Jeans wie 9832743 andere Mädchen zu tragen. Aber was sag ich.
Da war eine Gruppe solcher Mädchen, vielleicht 5 junge Frauen knapp nach der Pubertät. Sie verglichen die Einkäufe und probierten Stücke, redeten dabei von ihren unterschiedlichen Stilen, ihrer Individualität. Jede trug bunte Turnschuhe, hatte die Haare schlampig aber stylish hochgesteckt, die langen dünnen Beine steckten in hellen, zerfransten Jeans. Die Taschen waren klobig, der Schmuck glitzerte ein bisschen zu heftig.
Vermutlich meinten sie mit Individualität ihre Band T-Shirts. Da waren wirklich unterschiedliche Bands drauf. Und einmal Lady Gaga.

Dann musste ich an Borders denken, die britische Buchhandelskette, die diese Woche bekannt gab, dass alle 399 Filialen im UK geschlossen werden würden. 10.000 Jobs weniger. 399 Buchläden weniger. 399 Gelegenheiten zum Innehalten, zum Schmökern weniger.

Jetzt warte ich darauf, dass es H&M genauso geht. Dass die vielen guten Online-Shops das Aus dieser seelenlosen Konsumterrorläden bedeuten. Dass das Internet mit seinem drölfiztausend Möglichkeiten die Herstellungshallen des Jugendwahns aussterben lässt.

Bis unsere Innenstädte gereinigt sind von dem Krempel. Und Neues wachsen kann. Kleine Läden. Wo die Besitzer noch im Laden arbeiten, anstatt eine Kette von 720 Läden zu verwalten. Cafès mit selbstgebackenem Schokokuchen und einem Klecks Sahne. Kleine, absonderliche Innenstadtkinos. Schneidereien, in die man den Stoff der Träume trägt um daraus ein Kleid machen zu lassen, dass die schönsten Momente der nächsten 5 Jahre begleitet.
Weil ein Kleid, dass mir passt und steht auch dann an mir gut aussieht, wenn der Trend zu Bleistiftröcken mit durchsichtigen Blusen grade nicht zu mir passt.
Ein Schmuckladen, der neben ein paar handgeschmiedeten teuren Dingen auch Holzperlenketten hat. Und Kästen, in denen nur Perlen sind, aus denen man sich eine Kette zusammenstellen kann.

Mit Bücherläden in denen genug Sofas stehen, auf denen man sitzen und blättern kann. Ledermanufakturen. Damit die Mädchen nicht jeden Tag im H&M ein Teil kaufen, sondern solange vor der Auslage lange Zähne bekommen, bis sie ihr Taschengeld sparen und sich eine langlebige Tasche nach ihren Vorstellungen zulegen. Etwas, das niemand anders hat. Etwas, das ihre Individualität unterstreicht.

Damit ihre, damit unsere Schränke nicht mehr voller Zeug sind, das wir zwar haben wollen, aber kaum brauchen und wir stattdessen unser Leben mit Erinnerungen von Nachmittagen zwischen Perlen und Schokokuchen verbringen.

Wenn sich jetzt hier jemand down fühlen sollte, dem sei gesagt: Es gibt sie, die anderen. Eine davon ist Mirka, die aus der Sockenschublade darüber bloggt und twittert. Wenn es nicht gerade um Vampire Diaries geht. Ihr sollte man öfter applaudieren.

  1. Und das liegt nicht nur daran, dass ich in diesem Leben wohl in keine der dort angebotenen Hosen passen werden. Also fast nicht.
  2. Bevor es hier heißt, ich redee nur die Mädchen schlecht. Nein, die Jungs stehen genauso leeren Blickes bei MediaMarkt und im Turnschuhladen. Dass ich sie hier nicht weiter erwähne, liegt daran, dass es so poetischer klingt. Und das hier mein Blog ist.

show a little more, show a little less

Ein Bild des existierenden Clubs Salon D’Été. (http://www.salondeteclub.com/)

[audio:http://dl.dropbox.com/u/112962/welcome.mp3]
Welcome to Burlesque ; Cher [Burlesque OST]

Nachtclubbesitzerin. Das wär’s jetzt. Patronin der dunklen Gestalten und Nerds, die sich in Bars verirren. Nachts arbeiten. Wobei arbeiten darin bestünde wage Ratschläge und mysteriöse Geschichten zu verteilen, während andere sich fragen wie ich hier landen konnte.

Ein wenig losgelöst sein, vom Tageslicht, vom Profanen.

Wo dich niemand fragt, wann und wie du den jetzt endlich deine BA schreibst oder wie das alles werden soll danach. Du dich auch nicht stattdessen aufreibst in Problemen und Tücken der anderen, die dich, weil du ja grade Zeit hast, als Anlaufstelle für das ausschütten ihrer Herzen sehen.

Okay, da wären wir doch wieder beim Nachtclub. Den ganz ehrlich, das ist noch der angenehmere Teil des momentanen Daseins. Der mich davon abhält allzu tief in einer Depression zu versinken. Es ist nicht so, dass ich auf der Stelle trete, sondern eher grade die Aussicht genieße. Mit einer unerklärlichen, beängstigenden Zuversicht. Wo doch alles was schief gehen konnte immer noch schief gegangen ist.

Aber immer, wenn ich von der allgemeinen Schlechtigkeit der Welt und Dürftigkeit meiner Situation (Wieder zu Hause wohnen! Mit 25! Auf dem Dorf!) überwältigt zu werden drohe, höre ich wieder von Dingen, mit denen andere Menschen sich plagen müssen. Die dritte Beerdigung in 4 Wochen, keine davon absehbar. Kaputte Autos, streitende Familien, kranke Eltern, was einem eben so das Leben versaut.

Ich bin einfach nur, wie sagt man so schön, in transition.

Außerdem gibt es das Internet. Mit noch mehr Menschen und deren Geschichten. Mit neuen Spielzeugen wie GooglePlus 1Also wie eine Club-Patronin alle heilige Zeiten eine neue Band engagiert. Damit man nicht in Vergessenheit gerät, sich aber nicht zuviel ändert.

Wenn mich meine von einer bewerbungsphase geprägte To-Do Liste wieder abschreckt, laufe ich durch’s Internet und rege mich über chauvinistischen Dreck auf. Damit kann man sich prima beschäftigen. Und bekommt großartige antworten. Hier die Top 3:

  1. Du verstehst das nicht. Das ist witzig. Darum kann das gar nicht frauenfeindlich sein.
  2. Das war doch so gar nicht gemeint! Also die Pointe ist zwar witzig, und ich will ja, dass alle mich witzig finden, aber eigentlich denk ich gar nicht so!
  3. Du interpretierst da zuviel rein. Das ist feministischer Mist. Zwing mich bitte nicht, darüber nachzudenken, was ich da grade von mir gegeben habe.

Man merkt, ich weiß mich zu beschäftigen. Außerdem gibt es ja Serien. Im Kopf arbeite ich seit drei Wochen an einem epischen Eintrag zu The West Wing. Einer Show, die meinen Blick auf Politik und Entertainment doch ganz gehörig durcheinander geworfen hat. Und Aaron Sorkin mag ein arroganter Wicht sein, aber, er ist es zurecht. Weil er auch ein bisschen Genie ist. Aber dazu ein andermal mehr. Schließlich erzählt man pro Abend nur eine gute Geschichte, um sich dann zu Drinks einladen zu lassen, während Gäste mit müdem Blick von ihren Träumen reden.

War noch was? Ach ja, hier sieht’s wieder mal anders aus. Es musste halt schlichter werden. Und weil ich wegen Google+ und so, anfange bewusster darüber nachzudenken was ich mit der Welt teile, findet mein digitales Restleben nicht mehr in der Seitenleiste statt. Oben seht ihr die Links zu allen Plattformen und Services bei denen man mich noch findet. Damit bekommt jeder so viel Bella wie er will. Oder verträgt. Wenigstens hin und wieder muss man die Tischdecken und die Karte erneuern.

Den ganz ehrlich, manchmal ertrag ich mich selber auch nur in sehr geringen Dosen.

  1. Das großartig ist, Punktum. Weil es mehr Network als Social ist. Also tatsächlich praktischen Nutzwert hat. Können wir den Term social networking dann mal beerdigen? Wenn ein Menschenphobiker wie ich networkt, dann ohnehin social. Weil ich für smalltalk in der nicht-social Version gar nicht geeignet bin.

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Thema von Anders Norén.