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Schlagwort: gefühlsduselei (Seite 3 von 17)

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leuchtenbergring

Während man noch hadert und zetert, weil zuviel Arbeit und der Laptop in der Reparatur und überhaupt fängt man wieder an ganze Bücher zu lesen 1, währenddessen jedenfalls, explodiert ein klitzekleines Blogstöckchen in diesem ganzen Internetz und ich kann es kaum auffangen. Aber dann kommt das Wasser und man will wenn dann noch telefonieren und koordinieren und am liebsten helfen und heimlich macht man, obwohl relativ ungläubig, Kreuzzeichen.

Real wird es, als die Feuerwehr sogar hier, in einem hügeligen Dorf mit einem praktischen See als Auffangstation, patroliert. Und man den Anruf bekommt, dass die Mangfall gleich übertritt. Die Mangfall! Dieses kleine Ding, ein Insider-Witz von einem Fluss der durch Weltstädte wie Bruckmühl und Feldkirchen-Westerham, Bad Aibling und andere Hotspots meiner Kindheit läuft. Sogar die hat es erwischt. Plötzlich sind auch meine Füße metaphorisch nass.

Man hilft Dinge in den ersten Stock zu tragen, verfolgt nebenher die Nachrichten, Twitter und zuckt über digitalen Aufregungswellen ein bisschen die Schulter.
Das ist auch was überbleibt. Das Schulterzucken.

Ich besitze keine Waage und wüßte nicht warum ich eine brauche. Dass die bayerische Justiz keinen Sprung in der Schüssel hat, sondern der Sprung in der Schüssel ist – auch keine Neuigkeit. Für Empörung ist grade kein Platz da. Zwischen echten Verlusten, den ersten Sonnenstrahlen und lebhafter Tagträumerei (das ist ist bei mir eine Art Symptom.. Ich weiß nur nicht für was.) bleibt nur Energie für kleines Theater. (MeineGüteLewandoswkiWasSollDerSchmarrn)

Ich mache Mixtapes und Kärtchen und möchte bitte einfach meine Sommerabende mit Rumliegen verbringen. Bis mein Kopf hinterher kommt. Das ist die Sache mit der Vernetzung. Sie ist wie das Wasser. Ein Fluss den man nicht einfach stoppen kann und der, wenn man nicht aufpasst, überschwappt. Außer man baut Überlaufflächen im Leben. Bereiche, wo sich das Digitale verlaufen kann und vielleicht auch rumsteht. Wo die wichtigen Sachen wie Schlamm zurück bleiben, bis man Zeit dafür hat.

Ein bisschen Schlamm kratze ich gerade zusammen und siebe ihn nach erinnerungswürdigen Dingen durch. Falls sie sich fragen, was ich grade tue. Wollte ich nur mal gesagt haben.

  1. Lesen Sie Blasmusikpop. Das ist klüger und feinsinniger als man denkt und erklärt trotzdem diese Dorfdynamik und die Kauzigkeit ganz vorzüglich. Obwohl die Autorin Österreicherin ist.

Himmelfahrt

Dieses Sprechen über Gefühlsdinge können wir beide nicht. Umarmungen können wir nicht. Unser Humor ist eher grob, unsere Art Zuneigung zu zeigen äußert sich manchmal in komischen Bemerkungen.

Stur und eigensinnig sind wir. Deswegen war es dir auch vollkommen egal, dass es zwei Töchter statt Söhnen geworden sind. (Die hätte Oma halt gern gesehen, konnte ja keiner ahnen, dass die gesamte Familiengeneration weiblich wird.) Du hast uns trotzdem eingetrichtert, vor genau niemandem zu kuschen und den Mund aufzumachen wenn etwas nicht passt. Dass ich nicht auf den Kopf gefallen bin, habe ich natürlich von dir. So wie meine Schwester ihre unendliche Loyalität. Und ihren Fahrstil. Dafür hab ich deine Augenbrauen und sogar das habe ich dir verziehen.

Ich mag nicht sentimental werden. Aber wenn ich an uns denke, dann sehe ich das alte Foto vor mir. Du, schlafend auf dem Sofa. Ein Berg von einem Mann im roten Zopfpulli. Auf deinem Bauch liegt so ein rosa Bündel und schläft selig. Sicher, dass ihr Papa sie vor allem beschützen würde. Auf deine, manchmal etwas eigenwillige Art, hast du das auch immer getan. Als groß, stark und laut.

Seit einiger Zeit sehe ich, wie die Jahre sogar dir plötzlich etwas anhaben. Wie die immer befürchteten Spätschäden deine ohnehin schon launige Natur noch mehr beeinträchtigen. Rasiert und gekämmt bist du immer noch was die Leute “stattlich” nennen. Aber deine Hände gehorchen nicht mehr so und manchmal spielt sogar dein Kopf nicht mehr mit. Die hilflose Wut darüber lässt dich altern.

Ich hätte dich gern gekannt, bevor manche Dinge passiert sind. Bevor andere dir Narben zugefügt haben, seelisch und körperlich. Es gibt so vieles, was ich gern sagen würde. Aber jetzt, nach all der Zeit, bist du empfindsam geworden. Einiges werde ich mit mir selbst ausmachen müssen. Für manches wird sich die richtige Zeit finden. Ich brauche noch ein kleines bisschen Abstand. Damit ich deinen Schmerz nicht mehr länger zu meinem mache. Das kriegen wir aber auch noch hin. Mia zwoa Gschwoischädl.

Noch haben wir Zeit.

neverwhere footprints

Es ist schon ein paar Tage her. Ich wachte auf und für einen kurzen, wirren Moment war ich überzeugt davon, dass das Gespräch tatsächlich stattgefunden hatte. Dass wir im Cafe saßen, vielleicht nach einem Film. Mein Unterbewußtsein ist ein Schweinehund.
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Der A. saß da. So kauzig wie eh und je. Er rührte in seinem Tee und krächzte ein bisschen.
“Weißt du, Bella, seit du wieder wunderlich wirst, bist du glücklicher als sonst. Du hast dich zurück verpuppt und bist jetzt eine Raupe, ganz zufrieden mit allem.”
Und ich weiß gar nicht was ich erwidern soll und höre einfach zu, was auch sonst.
“Das Alleinsein und das Schreiben und der Rückzug von der Welt – früher hätte keiner versucht das weg zu therapieren. Aber es wußte ja niemand, dass die Welt dich so schwermütig macht. Du doch auch nicht. Alle dachten, dass dich das Alleinsein erst so traurig macht. Andere sind traurig, wenn sie allein sind. Du … nicht.”

Er sagt noch mehr, aber ich erinnere mich kaum daran. Ich habe den Geruch der schweren weißen, heißen Schokolade in der Nase. Ich kann die Sahne fast auf der Zungenspitze schmecken. Es geht vermutlich wieder darum, ob das heute überhaupt noch möglich ist – sich selbst genug sein. Nicht immer, natürlich. Er hat bestimmt mit Nachdruck darauf gepocht, dass man selbst nur besser wird, wenn man sich auch den anderen stellt. Weil wir nur so Spuren hinterlassen. Womöglich wurde es an einem Punkt eine Diskussion darüber, wie viele Verbindungen wir brauchen. Ich hätte Witze über lange Leinen gemacht. Vermutlich. Aber vielleicht war da auch gar nicht mehr. Wie das so ist. Zu klar ist mir doch die ganze Zeit, dass ich jemand anderen meine Worte aussprechen lassen. Nächtliches Puppentheater.

Nur am Ende, kurz bevor ich aufgewacht bin, hab ich geantwortet.

“Das ist alles nur, weil mein Kopf so bevölkert ist. Deswegen ist es immer laut.”

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Thema von Anders Norén.