5 Dinge – KW 4 / 2023

Kalt. Kaaahhaaalt. Kaaaaaaaaaalt. Es nervt jetzt wirklich langsam. *gesendet aus Oberbayern, wo einen das nicht so überraschen sollte*

  • Dadurch, dass mein Snack-Appetit bekanntermaßen immernoch im Urlaub ist, habe ich jetzt eine Schachtel voller Backzutaten und das Bedürfnis hier für Ordnung zu sorgen. Rotweinkuchen wurde schon gebacken, die Rum-soaked Cookies mit Schokolade und Nüssen kamen auch sehr gut an*, aber jetzt ständig backen, obwohl mir nicht nach süß ist – geht es so Leuten, die das professionell machen? (*Schon auch gut, dass Leute langsam wieder ins Büro kommen. Kollegen sind sehr praktisch, wenn es darum geht, dass Backwaren vertilgt werden müssen.)
  • Ich lobe mich eigentlich nicht selbst, aber ich gestehe mir mittlerweile positive Eigenschaften zu. Eine davon ist, dass ich mich komplett, neidlos und mit großer Begeisterung für die Errungenschaften meiner Freunde freuen kann. Der Job, die Beförderung, der Abschluss, das Herz-Projekt : I will bring champagne. Und wenigen gönne ich es so sehr wie Max. Der hat, mit unfassbarer Akribie, großer Leidenschaft und noch mehr Biss, ein Buch geschrieben – Aus Liebe zum Spiel – , in dem es streng genommen um Uli Hoeneß geht. Aber das ist nur der Dreh- und Angelpunkt für 50 Jahre Geschichte, die Fußball, Wirtschaftswunder, Politik, Gesellschaft und vor allem öffentliche Wahrnehmung geschickt verknüpft. (Also eigentlich hat er erstmal 30 Stunden preisgekrönten Podcast gemacht, aber das kennt man ja von ihm.) Also jedenfalls, jetzt gibt es auch so eine blätterbare Totholz-Variante seiner Arbeit und ist damit auf Tour. Ich könnte jetzt nochmal dazu ausholen, wie gut das Buch ist, wie viel Spaß seine Lesungen machen, aber das hat Frau Gröner schon so gut gemacht. Ich will eigentlich nur eine Sache ergänzen: Was für ein großes Privileg, da ein bisschen dabei sein zu dürfen. Zu sehen, wie man jemanden seit über 10 Jahren kennt (damals, als ich 15 Minuten Fame hatte, weil er als Community-Manager bei Spox meinen Beitrag auf die Startseite gepackt hat!). Wie schön, mit einer Gruppe von Menschen in einer Kneipe zu sitzen, zuzuhören und zu sehen, wie alle Anwesenden sich einfach nur völlig bekloppt für diesen tollen Menschen freuen, der zurecht im Mittelpunkt steht. (Und mittlerweile veritable Entertainer-Qualitäten hat.). Goldene Momente, brought to you by the internet. Buch toll, Mensch toll, Teilhaben toll, große Empfehlung, gerne wieder.
  • Anbahnerei ja generell nicht meine Stärke, aber dann auch noch darauf hingewiesen werden, dass die andere Seite gerade die Anbahnerei nett findet, puh, also, schwierig. (Menschen, generell.)
  • Onwards also. Für etwas ein Datum gesetzt, Pläne schmiedend, großer Bohei. Is there such a thing as too much Glitzer?

Wenn ich groß bin, will ich Rita Moreno werden.

5 Dinge – KW 3 / 2023

Das Jahr kommt in Gang und ich bin ein bisschen besorgt über den Energieschub. Schnee. Kalt. Kalt. Schnee. Brrr. Kaltkalt. Bäh.

  • Dazu muss man wissen, ich habe eine bizarre Corona-Nachwirkung – oder zumindest glaube ich, dass es der Virus war. Mein Snack-Appetit ist weg. Auch der Hunger taucht erst auf, wenn es echt akut wird, aber vor allem alles außerhalb von Mahlzeiten löst Nahrung aktuell keine Regung in mir aus. Ich esse hin und wieder Obst, es gab auch schon Kuchen, aber der schlimme Schokoladen-Yieper nach einem schlechten Tag oder das gedankenlose Käsecracker-Essen zum Seriengucken – weg, aus, egal. Es ist ein bisschen eine Identitätskrise. Ist das, wie Menschen leben, die Essen nur als Energiezufuhr betrachten? Um Himmelswillen.
  • Falls Sie neu hier sind: Ich lebe ja in Bayern. Oberbayern. Also das, wo es laut Fernsehen in Rosenheim immer a Leich gabat, im Chiemgau alle durchgehend in Tracht unterwegs sind, man Namen von Leuten konsequent mit der/die $Nachname, $Vorname ausspricht und Menschen, viele Menschen, zu viele Menschen die CSU wählen. 2023 ist hier Landtagswahl und ich möchte mich an dieser Stelle einfach schon mal für das kommende Dreivierteljahr entschuldigen. Für Söder und Aiwanger (oh Gott, Aiwanger), für Dobrindt und Scheuer, die schlimme Frau Ludwig (die Abgeordnete für meinen Wahlkreis, ehemals Drogenbeauftragte, die gern, nachdem sie rauchbare Drogen verurteilt hat, beim Brauereiverband auf ein Glas vorbeisah. ) und alles was diese Baggage so sagen und behaupten wird. Sie machen sich ja keine Vorstellung wie schlimm das hier wird. Und ich schätze, auch schon mal entschuldigen für mich und alles was ich dazu so äußern werden. Aber irgendwo muss es ja hin.
  • Bis vor kurzem hatte ich beruflich sehr viele, heftige Kontextwechsel, manchmal im 10-Minuten-Takt. Das hat mich unfassbar mürbe und ungeduldig gemacht. Jetzt kann ich wieder an längeren Themen und Konzepten arbeiten und merke, dass ich es nahezu verlernt habe, mich in Ruhe und ausgiebig mit etwas zu befassen und alles andere auszublenden. Das ist bestimmt auch ein bisschen das Social Media-Hirn, aber der Deep Focus, eine der wenigen Vorteile des Autistinnen-Daseins will erstmal wieder gepflegt werden. Privat klappt das durchaus. Ich kann stundenlang lesen, etwas recherchieren, aufräumen oder alphabetisieren. Spannend.
  • Das verdammte Piepsen. Ich wohne in einem bemerkenswert hellhörigen Haus. Hübsch, alt, toll gelegen, aber hellhörig. In den letzten beiden Wochen piepste es oft aus irgendeiner Wohnung so regelmäßig und penetrant, dass meine sensiblen Ohren sich quasi direkt mit dem Blutdruck vernetzt haben – ohne erkennbare Quelle für das Geräusch. Bis es das erste Mal bei mir piepste. Laut, fordernd, irritierend. So ist das also, wenn in einem Haus, wo die Feuermelder fast gleichzeitig installiert worden sind, sie auch fast gleichzeitig alle an schwachen Batterien leiden. Das geht so nicht, ich habe keine Zeit für sowas, kann mir das Ding nicht einfach eine Email schreiben.
  • Ich bin sehr dafür “being the bigger person” 2022 zurück zu lassen. Ich bin für Gossip, Rache und frei geäußerte Wut. Brenn die verdammte Brücke, leg den Fluß trocken und neue Wege.

"Ich fahre mit dem Stadtbus, weil's bei Lieselotte immer lecker Likörchen gibt."

5 Dinge – KW 2 / 2023

Woche 2 und ich hab schon Schwierigkeiten Dinge zu benennen? Vielleicht ist Dinge auch falsch, Dinge beschäftigen mich fast nicht in diesen Tagen. Das ist gut so, einerseits, der Konsum-Koller vor Weihnachten, die dauerhafte Beschallung mit allem, was einem helfen soll völlig absurde Vorsätze umzusetzen, Dinge sollten generell weniger wichtig sein. Aber was mache ich denn dann die ganze Zeit?

  • Naja, arbeiten natürlich. Wo das Pendel immer in beide Richtungen schwingt. Einerseits ist Kapitalismus böse und ein Job keine Identität, aber ein bisschen Karriere, das eigene Wissen und Können auch mit einem Wert versehen können – das hat einen fast schon verruchten Reiz. Besonders, wenn man plötzlich zu so Leuten gehört, die lustige Päckchen mit Wein bekommen, einfach nur, weil jemand eine Kundenbeziehung so pflegt. Hm.
  • Können wir uns vielleicht einfach darauf einigen, dass es völlig egal ist, was Harry Mountbatten-Windsor tut oder sagt, er ist halt trotzdem nicht Andrew? (Wobei ich gern nochmal auf das bemerkenswerte Interview mit Stephen Colbert hinweisen, wo zwei Männer miteinander sprechen, die früh einen Elternteil verloren haben und diese Wunde immer noch mit sich tragen.)
  • Mit einer der engsten Freundinnen gehe ich vor allem alle paar Wochen ausgiebig frühstücken und merke mittlerweile, wie gut das zu meinen Sozialisierungs-Vorlieben passt. Wir treffen uns am frühen Vormittag, im selben Cafe, mit demselben besten Kellner der Stadt, arbeiten uns durch ein Frühstück mit allem, später Spritz-Varianten und Torte. Unter 4 Stunden schaffen wir es selten, sind dann aber auch auf dem neuesten Stand in Sachen Job-Drama, Männer-Drama, Familien-Drama und Freundschaften-Drama. Momentan hecken wir parallel noch etwas aus, was großen Spaß macht und hauptsächlich möchte ich später eine ältere Dame sein, die regelmäßig lange Frühstücks-Dates hat, beschwingt nach Hause geht und dafür aber bei Bedarf früh ins Bett gehen kann.
  • “ChatGP is mansplaining as a service” wird mich so schnell nicht loslassen. https://mastodon.social/@stevenodb/109680552379605872/embed
  • Apropos Dinge die man ausheckt und worüber man so nachdenkt. So sehr ich pandemiebedingt froh bin, dass Großveranstaltungen kritischer gesehen werden und man nicht mehr überall auftauchen muss, so sehr mag ich nach wie vor den Gedanken an große, opulente Feste mit Motto und Gedöns. Passend dazu hat mich das hier sehr gut unterhalten.