Donnerhall(en)

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Kategorie: Allgemein (Seite 7 von 175)

Fall(ing)

Herbst, Herbst, du meine große Liebe du.

Mit deinem Nebel und dem Wechsel von Sonnenstrahlen, die alles vergolden, zu müßiger Dunkelheit und Wind. Tee und heiße Schokolade und Dinge, die so lange auf dem Herd köcheln bis die ganze Wohnung danach riecht.

Du einzige Jahreszeit in der mein Inneres und das Außen herum in Einklang sind. Wenn man sich vor dem Rausgehen noch nicht von den Zehen bis zur Nasenspitze in viele Lagen hüllen muss, um zu existieren, aber man sich beim Zurückkommen auf einen warmen Raum freut.

Die Lieblingsbands veröffentlichen genau die richtigen Alben (St. Paul and the Broken Bones, Chilly Gonzales, Mumford & Sons ), überhaupt, meine Playlists mit den melancholischen Liedern, viel Klavier, alles wogt wie ein Blatt das vom Baum segelt.

Vom Plattenspieler kommt Ottis Redding, ich vergrabe mich in Romanen und Notizbüchern, endlich wandern auch die Gedanken in neue Richtungen. Naja, nicht immer, aber oft. Endlich ist der Raum da, für Nachsicht mit dem eigenen ich. Mit jemandem, der sich so durch dieses Jahr gekämpft hat. Nach Verlusten und Desorientierung zuerst isoliert und apathisch, dann versunken in hysterischer Traurigkeit. Es ist okay. Es gab keinen Weg herum, nur hindurch. Eine Häutung, ein abgelegter weil zu klein gewordener Panzer. Danach stellt man fest, dass man gewachsen ist. Aber auch, dass die neue Haut noch ein wenig sensibel ist. Und alles auch ein wenig dokumentiert. In den Worten hier, woanders, in Gesprächen und mit Eis, das in Gläsern klirrt.

Alles was es gekostet hat. Alles, was versäumt und verspielt wurde. Es ist okay.

Es ist kein verlorenes Jahr, nicht wie sonst. Ausgestreckte Hände, ehrliche Einladungen und wärmende Worte. Der schwarze Obelisk in meinem Brustkorb, auf dem immer eingraviert war, dass man mich nie nirgendwo auch nur ein wenig haben wollen – er brökelt. Trotzdem. Trotz…nein, nicht noch ein Wort dazu. Festhalten an denen, die da sind. Sogar ganz neue, fantastische.

Der Herbstwind weht und ich stehe fester als ich es gedacht hätte.

Alles was ich gelernt habe, verstecke ich nicht länger wie dunkle Kohlestücke in meiner Höhle, sondern trage sie wie schmeichelnde Kastanien mit mir rum. Auch die Dinge, die ich nicht kann, vielleicht nie können werde. Es ist okay.

Ich bin zäh, ziemlich furchtlos und ein bisschen unterhaltsam. Damit kann man viel ausgleichen.

Manchmal bin ich grausam und kalt, ignorant und abweisend. Manchmal weiß ich gar nicht mehr wo mir der Kopf steht und manchmal brauch ich Hilfe. Es ist okay. Ich bin immer noch da.

Fragen 176-200 (von hier)

176. Wie findest du dein Aussehen?

Erträglich.

177. Gehst du mit dir selbst freundlich um?

Selten.

178. Würdest du dich einer Schönheitsoperation unterziehen?

Ich kann es mir zumindest aktuell nicht vorstellen. Befürchte auch, wenn ich es einmal wagen würde, fände ich noch so viel mehr und dann wäre es einfach nur die nächste Maßnahme zur eigenen Optimierung. Nein, lieber unattraktiv bleiben. 

179. Welchen Film hast du mindestens fünf Mal gesehen?

Dirty Dancing, Moulin Rouge, Eine Frage der Ehre, Memento. Eventuell sogar Top Gun. Oh je.

180. Füllst du gern Tests aus?

Ich mag die mit einem hohen Absurditätslevel. „Such eine Pasta-Sorte aus und wir sagen dir in welcher Stadt du leben solltest“ oder so.

181. Würdest du gern in eine frühere Zeit zurückversetzt werden?

Als Frau? Als DENKENDE Frau? BITTE?

182. Wie egozentrisch bist du?

Ich finde mich tendenziell unsagbar langweilig.

183. Wie entspannst du dich am liebsten?

Meine Badewanne is my Nirvana.

184. Fühlst du dich manchmal ausgeschlossen?

Eigentlich immer. Das ist das Default Setting, das ich seit 20 Jahren mit mir rumtrage. Jeder Schritt auf andere zu ist eine Überwindung, weil ich aufdringlich bis unerwünscht sein könnte. Was dazu führt, dass ich nie die Initiative ergreife und Menschen darum denken ich hätte kein Interesse oder wäre entsprechend arrogant. Es ist kompliziert.

185. Worüber grübelst du häufig?

Über Dinge, die sich nicht mehr ändern lassen.

186. Wie siehst du die Zukunft?

Sehr, sehr ambivalent.

187. Wann bist du deinem Partner zuerst aufgefallen?

ALS ICH GEMERKT HABE,DASS FRAGEBÖGEN GERN DAVON AUSGEHEN DER MENSCH WÄRE PER SE VERPARTNERT WAS IM JAHRE DES HERRN 2018 HALT SO GAR NICHT DER FALL IST.

188. Welchem Familienmitglied ähnelst du am meisten?

Man kann von meiner Großmutter durch meinen Vater hindurch zu mir eine Linie ziehen, ohne überhaupt auf die Idee zu kommen, dass da noch anderer Leute Gene mitgespielt hätten. It’s a look. Und eine Attitüde, zugegebenermaßen.

189. Wie verbringst du am liebsten deinen Abend?

Mit einem Glas Wein auf dem Balkon.

190. Wie unabhängig bist du in deinem Leben?

Ich kann grundsätzlich alle Entscheidungen nur in Abhängigkeit von mir und meinen eigenen Möglichkeiten treffen, das ist schon sehr viel. Und mir wichtig. Wobei ich ein Hasenfuss bin, der viel zu gern Familie in der Nähe hat. Nur für den Fall. Zwei Herzen, ach, in meiner Brust – Sie kennen das. 

191. Ergreifst du häufig die Initiative?

Im Zwischenmenschlichen Bereich: Gott nein. Wenn es ums Organisieren oder Delegieren oder überhaupt mal das Wort ergreifen gilt? Zu oft.

192. An welches Haustier hast du gute Erinnerungen?

An alle. Ich bin mit Katzen aufgewachsen und das sind Persönlichkeiten. Aber Sammy, die langhaarige Main Coon/Perser Kätzin mit der unfassbaren Dynamik und einem Hang zur lebend-Beute, die in mein Zimmer geschleppt wurde, war ein Entertainment-Highlight.

193. Hast du genug finanzielle Ressourcen?

Mit den Rücklagen sieht es noch recht mager aus, das ist das nächste Ziel. Aber akut lebe ich ganz ordentlich und kann zB kaputte Dinge in den meisten Fällen ohne größere Probleme austauschen. Ich kenne es auch anders und bin entsprechend vorsichtig, glaube ich. 

194. Willst du für immer dort wohnen bleiben, wo du nun wohnst?

Jein? Ich glaube, ich sollte nochmal raus, weiter weg, um zurückkommen zu können.

195. Reagierst du empfindlich auf Kritik?

Nein, da bin ich ziemlich aus Stahl. Ich habe gelernt, erstmal zuzuhören, nachzudenken und dann abzuwägen, ob das so stimmen kann. Für mich ist es kein Wort mit einer rein negativen Konnotation. Mir ist Kritik im Zweifel auch lieber als Dinge aus der Hand genommen zu bekommen oder einfach gar keine Reaktion zu hören…

196. Hast du Angst vor jemandem, den du kennst?

Vor einem einzelnen Menschen hatte ich noch nie Angst, ich wüsste nicht warum. Angst ist bei mir viel abstrakter.

197. Nimmst du dir oft Zeit für dich selbst?

Zuviel, eigentlich. Aber ich halte mich hat aus und weiß nicht wem das sonst so gehen würde. Ich finde es schon schwer sehr viel nettere Menschen als mich auszuhalten.

198. Worüber hast du dich zuletzt kaputtgelacht?

Als ich via Telefon-Support beim Einrichten eines neuen Multifunktiondruckers half und nun…you had to be there.

199. Glaubst du alles, was du denkst?

Das wäre sehr schlecht. Wo ich doch grade die Grenzen meines Bewusstseins so kennenlerne.

200. Welches legendäre Fest wird dir in Erinnerung bleiben?

#Donn33rbella , of course.

inneres Ramadama

Es hat bis fast zum Ende der zweiten Urlaubswoche gedauert, dass das Konzept auch im ganzen Organismus ankam. Du musst jetzt nichts tun. Wirklich. Kann alles warten. Hör auf die To-Do Liste im Kopf zu erweitern. Nein, du musst auch nicht kreativ oder hilfsbereit oder irgendwas sein. Komm verdammt nochmal runter, hysterische Kuh. 

Ich war dann auch relativ tatenlos. Eher so Rumpuscheln, um Energie loszuwerden. Aufräumen, Kochen, endlich Regale und andere Dinge an Wänden anbringen. (Kaum wohnt man hier 3 Jahre…). Ausmisten, Kochen. Ausschlafen, aber richtig. Lesen, Musik hören, einfach nur dasitzen und gucken. Ohne an etwas zu denken. 

Einmal wollte ich etwas tun, sogar bei einem Umzug helfen, aber, nun, man kam mir zuvor.  Sachen gibt’s. Aber auch hier die Feststellung: Wenn da die richtigen Leute sind, wird es unterhaltsam. Selbst wenn man gar nicht mal so viele Schnittmengen im Leben hat. 

Weil natürlich war das räumliche Umgestalten nur Ausdruck des inneren Chaos, das dringend gelichtet werden musste. Da hängt immer noch so viel altes, es vergilbt nur langsam. So gut ich darin bin meine Besitztümer wegzuschmeißen wenn ich sie nicht mehr brauche, so ausgiebig hänge ich an inneren Zuständen. Es wird Zeit für ein paar Schnitte.

Die erste Brücke sollte ich schon erfolgreich hinter mir angezündet haben, weitere werden folgen. An anderer Stelle werde ich mich einfach mal umorientieren und Dinge auf mich zukommen lassen. Was ich seit der Geburtstagsfeier mit mir rumtrage: Es sollte mehr solche Gelegenheiten geben. Dinnerparties oder wenigstens ein boozy Buchclub, vielleicht ein Stammtisch für Frauen, die gerne alles anzünden würden. (Wir sind alle so viel wütender als die meisten annehmen.)

Substitutionstechniken nennt das meine Therapeutin. Anstatt einzelne Menschen zu fragen, ob sie mit mir ein Glas Wein trinken gehen wollen, finde ich Gründe, um Menschen zu versammeln. Ich bin mir noch nicht sicher, ob sie das clever oder beunruhigend findet. Es hängt eventuell damit zusammen, dass sie das mit meinen Internet-Bekanntschaften nicht vollumfänglich verstanden hat. 

Oder ich hab sie immer noch nicht ganz verstanden. Wo einem doch beim Aufräumen der alten Gedanken immer wieder einfällt wie volatil das alles sein kann. Gerade, wenn man wie ich einen Hang zu… nennen wir sie aspirational relationships hat. Menschen, die so anders oder zumindest mir in bestimmten Dingen so überlegen sind, dass ich mich auf ein Minimum reduziere, um mich ein bisschen anhängen zu dürfen. Dass genau die mich am Ende ablehnen passt einfach besser in mein Weltbild, als diejenigen die da sind und bleiben, auch wenn ich mal wieder sehr finster unterwegs bin. 

Ich kann jede einzelne Freundschaft die jemand mit mir abgebrochen hat seit der dritten Klasse bis ins Detail erzählen – und vergesse dafür Menschen, die einfach so nett zu mir waren. Ich bin vielleicht wesentlich verkorkster in diesen Dingen, als ich bisher dachte. 

Aber dafür hat man schließlich Urlaub. Jetzt wird aufgeräumt. Zeit, kostbar wie sie ist, nur noch für die, die sie auch zu schätzen wissen. Ich werde sie ab jetzt auch wieder schätzen. 

Fragen 151-175 (von hier)

151. Wofür warst du gern berühmt?

Da lege ich so gar keinen Wert drauf. Berüchtigt bis gefürchtet, damit könnte man etwas anfangen…

152. Wie fühlt es sich an, abgewiesen zu werden?

Wie die Bestätigung all dessen, was einem die Dämonen einflüstern.

153. Wen würdest du gern besser kennen lernen?

Oh je… Einerseits, sehr viele. Man müsste viel öfter wie zu Studienzeiten mit Menschen bis tief in die Nacht bei guten Getränken reden können. Andererseits, puh, Zwischenmenschliches, nicht meine Stärke.

154. Duftest du immer gut?

Ich…äh, gebe mir Mühe?

155. Wie viele Bücher liest du pro Jahr?

Nach einigen sehr dürren Jahren skaliere ich langsam wieder auf 15-20 hoch.

156. Googelst du dich selbst?

Nur, wenn ich grade Bewerbungen schreibe und mal testen will, wie das dann so aussieht.

157. Welches historische Ereignis hättest du gern mit eigenen Augen gesehen?

Historisch werden Dinge ja immer erst im Nachhinein, es wäre mir ja dann gar nicht klar. Aber ich schätze, der Mauerfall. Die Hoffnung, die Euphorie. Wobei, es würde mir noch schwerer fallen zu glauben, wo wir 30 Jahre später stehen.

158. Könntest du mit deinen Freundinnen zusammenwohnen?

Die wenigen die ich habe, wären geeignet. Genauso pedantisch und speziell wie ich, das geht. 

159. Sprichst du mit Gegenständen?

Ich spreche mit allem, im Zweifel auch mit Konzepten.

160. Was ist dein größtes Defizit?

Das nachtragend sein, nicht loslassen können, obsessiv in nicht änderbaren Zuständen rumrühren.

161. Bist du ein Hundetyp oder ein Katzentyp?

Mau?

162. Wie zeigst du, dass du jemanden nett findest?

Offensichtlich nicht besonders gut.

163. Isst du eher, weil du Hunger oder Appetit hast?

Wenn es mir gut geht: Hunger. Wenn nicht: Weil halt.

164. Tanzt du manchmal vor dem Spiegel?

Nur wenn Beyonce läuft.

165. In welcher Hinsicht bist du anders als andere Menschen?

Wie viel Zeit haben wir? Vielleicht bin ich gar nicht anders, nur… unvollständig. So kommt es mir zumindest vor.

166. Welchen Jugendfilm würdest du Kindern empfehlen?

Aber ich wüsste eine Reihe von Büchern…

167. Bleibst du bei Partys bis zum Schluss?

Nur um mit aufzuräumen.

168. Welchen Song hast du in letzter Zeit am liebsten gehört?

Florence, ach Florence. Die Dinge die sie in diesem Lied mit ihrer Stimme tut. 

You need a big god
Big enough to hold your love
You need a big god
Big enough to fill you up

Sometimes I think it’s gettin’ better
And then it gets much worse
Is it just part of the process?
Well, Jesus Christ, it hurts
Though I know I should know better
Well, I can make this work
Is it just part of the process?
Well, Jesus Christ, Jesus Christ, it hurts
Jesus Christ, Jesus Christ, it hurts

169. Bereitest du dich auf bestimmte Telefongespräche vor?

Wie jetzt, nur auf bestimmte? Haben wir nicht etabliert wie wenig meinem Kopf in spontanen Situationen zu trauen ist?

170. Wann hast du zuletzt vor jemand anderem geweint?

Im Sommer, unabsichtlich. Ich habe etwas erzählt was mich damals, eigentlich immer noch, umgetrieben hat und bevor ich es mitbekam flossen die Tränen. Ungut. 

171. Mit wem verbringst du am liebsten einen freien Tag?

Der ganze Tag? Mit mir selbst. Maximal noch mit der C.

172. Was war der beste Rat, den du jemals bekommen hast?

„Alle anderen tun auch nur so als ob.“

173. Was fällt dir ein, wenn du an Sommer denkst?

Badesee und Eis, lange Abende, alle sind ein wenig besser drauf, Tomaten die wie Süßigkeiten schmecken, perfekte Nächte. Musik. Sehnsucht. 

174. Wie duftet dein Lieblingsparfum?

Es existiert noch nicht, aber nach Kaminfeuer, Whisky und schokolierten Kirschen. (Also von September bis April. Dazwischen ist es aktuell Malabah von Penhaligon’s.)

175. Welche Kritik hat dich am stärksten getroffen?

Die schweigende.  




“Feiern kannst du aber fei”

Es war kurz vor Mitternacht, als ich mir endlich einen Moment nahm, um mich einfach nur umzuschauen und diesen Moment möglichst exakt festzuhalten. Ein ganzer Haufen Menschen, gut angezogen, lächelnd, sich amüsierend und, tatsächlich, meinetwegen da. Ganz in echt. Wirklich passiert. Dämonen hin, Schatten her, ich hatte es irgendwie durchgezogen. Das sollte ich mir merken.

It was a mess of good years

“It was a very good year” Frank Sinatra

Die Idee dazu meinen Schnapszahl-Geburtstag zu feiern, den hatte ich noch bevor Ende letzen Jahres die Dinge äußerlich wie innerlich zu bröckeln und zu stürzen begannen. Vielleicht der einzige Grund, warum ich die Sache stur wie ich bin, angekündigt und eingehalten habe. Projekt #Donn33rbella was a go.

Und natürlich, es ist ein Drahtseilakt. Im Frühjahr, als ich zwischenzeitlich dachte es wäre unmöglich mit nur 6 Monaten Vorlaufzeit in München eine bezahlbare, buchbare Location zu finden. (Ich fand sie.) Oder danach, als ich mich zum ersten Mal mit so etwas wie einer Gästeliste und einem möglichst unkomplizierten Einladungs-Mechanismus auseinandersetzen musste. Schon da wurde mir wieder klar, warum ich über 20 Jahre keinen Geburtstag gefeiert hatte, im Gegenteil.

Oder in den letzten Wochen vor der Feier, als plötzlich doch noch einige Absagen eintrudelten.  Ich merkte, wie empfindlich ich immer noch bei solchen Sachen bin, gerade momentan. Wie persönlich ich alles nehme, gleichermaßen verstehend, dass ich den Aufwand nicht wert bin und andererseits empört weil einige Begründungen…nun, lassen wir das. Umso fantastischer waren die Zusagen, die Vorfreude, die Frage nach dem Dress-Code. (Ich kann das nur empfehlen. Menschen nahezulegen, dass sie sich bitte in den feinen Zwirn werfen führt zu spannenden Ergebnissen und verleiht dem Abend ein gewisses Flair. So gut sahen die alle aus! So gut, ich hab sogar über ein Eagles-Trikot hinweg gesehen.)

Mir wurde klar was für eine eklektische, faszinierende Gruppe von Menschen ich in meinem Leben gefunden hatte. Das bewahrheitete sich spätestens in den unerwarteten Gesprächsrunden und ausgetauschten Telefonnummern. Manche hatte ich lange nicht mehr gesehen, einige hatten weite Wege auf sich genommen. 

Jeder einzelne ein Schlag ins Kontor des schwarzen Schlamms von dem ich so oft umzingelt bin. Das vielleicht beste Geschenk, das ich mir machen konnte. 

Eines mit Nachwirkung. Mit Tage später ausgepackten Geschenken, (Books and Booze – Titel meiner Autobiographie.) hinreißenden Glückwunschkarten und dem Zitat, das in der Überschrift steht. Weil wenn es einen Satz gibt, mit dem ich nicht gerechnet habe, dann mit dem. 

Wobei, die Familie findet ja, dass das Gastgeberinnen-Dasein in glamouröser Umgebung vollständig dem Erbgut einer gewissen Seite der Familie entspricht. Abendkleid tragen, Klunker aussuchen, Hof halten. (Wer hier länger mitliest, weiß, dass man mir mal wieder großmütterliche Tendenzen unterstellt.)

Wofür so eine Feier auch gut ist: Die übliche Nabelschau rund ums Wiegenfest abzuwürgen. Darum an dieser Stelle keine tieferen Erkenntnisse zum vor einer Woche erreichten Lebensalter oder ein erneutes Wiederkäuen des verkorksten letzten Jahres. Stattdessen: Mehr Albernheit, mehr Glitzer, mehr Gelegenheiten. Ich war ein todtrauriger Teenager und habe meine 20er damit verbracht ganz langsam aus einer selbstgegrabenen Höhle herauszuwachsen. Zurückrudern gilt nicht, da müssen wir jetzt alle durch. Dress Code and all. 

P.S.: Pro-Tipp für Menschen, die nun eventuell auch feiern wollen und dabei gegebenenfalls alkoholbedingt den Überblick verlieren könnten – pick a designated gift-person. Ernsthaft, das Transportieren, spätere Zuordnen und entsprechende Freuen wird sonst… kompliziert. Und sei es, weil sie immer noch nicht so ganz sicher wissen, von wem der 1200 Seiten Paul Auster Roman nun stammt. Nächstes Mal habe ich Klebepunkte und meine Etikettiermaschine dabei. 

Fragen 126-150 (von hier)

126. Was kaufst du für deine letzten zehn Euro

Ein Notizbuch und ein Stück Schokolade.

127. Verliebst du dich schnell?

Leider nein.

128. Woran denkst du, bevor du einschläfst?

An alles was mir fehlt.

129. Welcher Tag der Woche ist dein Lieblingstag?

Sonntag. Alles ist ein bisschen leerer, ein bisschen langsamer, weil es nichts zu kaufen, zu erledigen gibt.

130. Was würdest du als deinen grössten Erfolg bezeichnen?

Ich bin immer noch da.

131. Mit welcher berühmten Person würdest du gerne einmal einen Tag verbringen?

Tot oder lebendig? Tot: Dorothy Parker, gern auch zu ihrer Zeit. Im Algonquin sitzen, trinken, debattieren, uns die Pointen zuwerfen. (gefolgt von Roger Willemsen und Prince) Lebendig: Christine Lagarde. Wahnsinns-Frau, unfassbarer Job. Die war mal Synchronschwimmerin! (Danach Benjamin von Stuckrad-Barre und Niko Kovac. )

132. Warst du schon einmal in eine (unerreichbare) berühmte Person verliebt?

Ich kann ins Schwärmen geraten (siehe Willemsen, Stuckrad-Barre), aber verlieben, nein.

133. Was ist dein Traumberuf?

Ich glaube langsam, dass ich jemand bin dem es nicht unbedingt in erster Linie darum geht was er tut, sondern wie. Etwas mit viel Freiheit, dann darf es auch sehr viel Arbeit sein. Ein Unternehmen bauen, einen Laden führen, Schreiben – im Zweifel auch technische Dokumentationen. Lasst mich einfach nur machen. 

134. Fällt es dir leicht, um Hilfe zu bitten?

Um was?

135. Was kannst du nicht wegwerfen?

Bücher, Geschenke, bestimmte Erinnerungsstücke.

136. Welche Seite im Internet besuchst du täglich?

Mit oder ohne App? Wenn Apps nicht zählen, gibt es keine tägliche. Ansonsten: Twitter, Gmail, Inoreader.

137. Sind die besten Dinge im Leben gratis?

Dinge? Nein. Momente, ja.

138. Hast du schon mal was gestohlen?

Vermutlich? Aber tendenziell war ich da sehr sehr jung.

139. Was kochst du, wenn du Gäste hast?

Gegrillte Feigen mit Mascarpone gefüllt und Speck umwickelt, Risotto mit Trauben und Walnüssen, vielleicht geschmortes Lamm dazu  und dann entweder französischer Schokoladenkuchen oder Tiramisu oder Erbeertörtchen. Natürlich eine Käseplatte, mit Oliven und eingelegten Zwiebeln, spanischer Schinken, fluffiges Weißbrot. 

Es finden sich bestimmt noch Cookies oder Pralinen, zusammen mit gutem Schnaps als Absacker. Mist, jetzt Appetit. 

140. In welchem Laden möchtest du am liebsten einmal eine Minute lang gratis einkaufen?

Die Parfümerie bei mir um’s Eck. (Einmal quer durch’s Amouage Regal greifen, fertig.)

141. In welche Länder möchtest du noch reisen?

Portugal, Irland, Estland, Indien, Neuseeland, Kanada, Argentinien, Namibia

142. Welche übernatürliche Kraft hättest du gern?

Apparieren und Disapparieren a la Harry Potter wäre natürlich unsagbar praktisch. In diesen Tagen hätte ich manchmal gern die Fähigkeit andere spüren zu lassen, was ich spüre, in all seiner kaputten Logik. Würde vermutlich viel Schaden anrichten, aber vielleicht wäre da auch ein bisschen mehr verstehen. Empathie by Proxy quasi.

143. Wann wärst du am liebsten im Erdboden versunken?

Spontan fällt mir eine Überschrift ein, die so nie hätte online gehen dürfen, ein Kommunikations-Missverständnis mit einem Dienstleister das viel Geld gekostet hat und wie ich als Praktikantin mal den Oberober-Chef in einer Email völlig falsch adressiert habe. Ich befürchte ich bin im Job mutiger als privat und laufe darum da eher ins Verderben.

Grade fällt mir noch die Schulstunde ein, als eine verzweifelte Lehrerin versucht hat zwischen der mich mobbenden Klasse und mir zu vermitteln, nur, dass sie nicht dazwischen ging als aufgezählt wurde warum ich so seltsam und demzufolge selber schuld bin. Ich glaube an dem Tag hab ich ein bisschen mit der Menschheit abgeschlossen.

144. Welches Lied macht dir immer gute Laune?

145. Wie flexibel bist du?

Was soll das heißen ES GIBT EINE PLANÄNDERUNG?

146. Gibt es eine ungewöhnliche Kombination beim Essen, die du richtig gern magst?

Richtig gutes Nußöl und sehr dickflüssiger Balsamico gehen ja prinzipiell zu allem, auch süß.

147. Was tust du, wenn du in einer Schlange warten musst?

Leute beobachten, Twitter checken, im Kopf eine Liste machen was es noch zu erledigen gibt.

148. Wo siehst du besser aus: im Spiegel oder auf Fotos?

Im Dunkeln.

149. Entscheidest du dich eher für weniger Kalorien oder mehr Sport?

Ich versteh die Frage nicht. Ich bin pro Nahrung.

150. Führst du oft Selbstgespräche?

Eventuell mehr als Gespräche mit echten Menschen. Was mich mehr beunruhigen sollte als es tut.

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