gedankensturm

Sturm, Drang, wildes Fuchteln

Die innere Unruhe, sie pumpt plötzlich sehr aufmüpfig durch meine Venen. Als wüsste ein Teil von mir, dass das Trauerjahr zu Ende geht und neue Ziele her müssen. Beruflich, privat, überhaupt. Fast als hätte nicht nur der Körper, sondern auch der Geist eine eigene Rekonvaleszenzphase.

Das erste Allerheiligen an einem neuen Grab und der Dezember mit seinen vielen dusteren Jahrestagen rücken näher, ich spüre sie wie eine Druckwelle auf mich zukommen. Selbst Weihnachten, mein ewiger Punkt der großen Vorfreude scheint dieses Jahr eventuell so ganz anders zu werden. Ich flüchte in die Wein-Bestellung. Niemand verdirbt mir mein Fest der beschwipsten Familie.

Draußen wird der Inn langsam wieder blaugrün, fast wie das Mittelmeer. Wind zieht auf, aber noch pocht die Sonne auf ihr Recht. Sie spielt ein bisschen mit uns, lacht wahrscheinlich hämisch während wir zwischen Jacken und Füßen ohne Socken wanken.

Wo ich doch in der Kälte besser denken kann. Komm schon, du blauer Hauch aus dem Osten, zieh heran, lass uns schneller gehen und ernster sprechen, wir müssen ein paar Entscheidungen treffen.

Meinem Organismus verlangt es nach Obst, gerade so als wolle er wach bleiben, den nahenden Winterschlaf überlisten. Nein, dieser Herbst ist für die Suche nach neuen Revieren gedacht.

Noch hängen mir die alten Geister in den Kleidern, sie zerren an manchen Tagen so sehr, dass ich keinen Schritt nach vorne tun will. Manchmal bin ich auf die Geister und mich selbst derart wütend, dass ich anfange zu zappeln und nicht mehr weiß, was das alles soll. Stunden wie Treibsand, wenn Nichts meine Aufmerksamkeit genug bannt, dass ich mich daran herausziehen könnte. Also suche ich aktive Ablenkung. #NaNoWriMo klingt genauso unmöglich wie ideal, zum #Pegelwichteln letztendlich auch durchgerungen – einfach, damit etwas in meinem Alltag passiert. Okay, etwas, an dem andere Freude haben funktioniert immer noch besser als alles andere.

Schlecht ist, wenn sich nichts bewegt. Erholung nicht durch Ent- sondern durch Anspannung. Was ist dieser Kopf auch so kaputt.

Dazu kommt Prince vom Plattenspieler. (Frische, sofort geliebte Alben auf Vinyl kaufen ist mein neuester Luxus-Spleen)

Fragen 201-225 (von hier)

201. Wie gut kennst du deine Nachbarn?

Über mir: ziemlich gut, ein älteres Ehepaar, er ist ein bisschen unser Hausmeister. 
Unter mir: Geht so, langt aber auch. Neben mir: Äh.

202. Hast du oft Glück?

Nein.

203. Von welcher Freundin unterscheidest du dich am meisten?

Uff. Ich befürchte ich bin tendenziell eher mit Menschen befreundet, die mir in vielerlei Hinsicht ähnlich sind.

204. Was machst du anders als deine Eltern?

Gar nicht so viel. Aber das ist okay.

Wobei, Pläne. Listen. Organisation. Gott segne sie, aber wie meine Eltern angesichts ihres Widerwillens gegenüber solcher Methoden immer alles geregelt bekamen, wird mir ewig ein Rätsel bleiben.

205. Was gibt dir neue Energie?

Positive Rückmeldung. Weil ich helfen konnte. Oder etwas erklärt habe. Weil man zusammen etwas geschafft hat. Manchmal auch ein wirklich gutes, spezifisches Kompliment.

206. Warst du in der Pubertät glücklich?

Ahahahahahahaha. *holt Luft* hahahahahahaha.

207. Wann hast du zuletzt eine Nacht durchgemacht?

Again, #Donn33rbella , als ich Sonntagmorgen gegen 8 Uhr bei definitiv zu viel Sonnenschein nach Hause kam.

208. Womit beschäftigst du dich am liebsten in deinen Tagträumen?

An guten Tagen: Mit der Zukunft. An schlechten: Mit den Dingen, die in der Vergangenheit nicht so gelaufen sind wie sie sollten.

209. Blickst du oft um?

Dauernd, in alle Richtungen. Vielleicht zu oft.

210. Was wissen die meisten Menschen nicht über dich?

Dass es Momente gibt in denen ich froh wäre, wenn mein Wunsch nach Distanz ignoriert werden würde.

211. Worüber hast du mit deinem Partner immer wieder Streit?

Darüber, dass er nicht da ist…?

212. Worauf freust du dich jeden Tag?

Freuen ist zu viel gesagt. Aber ich bin immer noch auf jeden Tag ein kleines bisschen neugierig.

213. Welche Freundschaft von früher fehlt dir?

Ich weiß es nicht, weil vielleicht sind die Menschen mittlerweile auch ganz anders und es würde alles nicht mehr zusammenpassen.

214. Wie gehst du mit Stress um?

Kommt auf die Art von Stress an. Twitter ist ein böses Ventil, ein Bücherladen ist im Zweifel mein Verderben. Frische Luft hilft tatsächlich. Neuerdings versuche ich diese Yoga-Sache.

215. Gibst du dich gelegentlich anders, als du in Wirklichkeit bist?

Nur auf eine sehr durchschaubare Art. Der sarkastische Humor, die kratzbürstige Art, das sind selbstverständlich die Masken eines Menschen, der eigentlich nur will, dass nicht mehr alles so weh tut, alles so nah an einen heran kommt. 

216. In welchem Punkten gleichst du deinem Vater?

Ahahahahaha. Dinge, die wir nicht gemeinsam haben: Schnurrbart, Fahrstil (ich habe keinen Führerschein.) Der Rest? Same.

217. Kann man Glück erzwingen?

Ach Schmarrn.

218. Welcher Streittyp bist du?

Laut, Verbal, unnachgiebig. Ich höre nicht auf zu reden, zu argumentieren. Wenn ich verletzt wurde, neige ich zur Grausamkeit, wenn ich Angst habe, breche ich ein. (Dinge, die ich mit meinem Vater gemeinsam habe.)

219. Bist du morgens gleich nach dem Aufwachen richtig munter?

Allein schon das Wort ‚munter‘. *zündet alles an*

220. Wie klingt dein Lachen?

Zu laut, zu schrill, wie eine Bühnen-Darstellerin.

221. Gibt es Freundschaft auf den ersten Blick?

Blick? Kann das in meinem Fall ein Satz sein? Weil, dann schon.

222. Gönnst du dir selbst regelmässig eine Pause?

Nicht von mir selbst – und davon brauche ich am ehesten eine Pause.

223. Bist du jemals verliebt gewesen, ohne es zu wollen?

Jedes. Verdammte. Mal.

224. Steckst du Menschen in Schubladen?

Tun wir doch alle bis zu einem gewissen Grad. Aber dafür bin ich sehr gewillt sie da schnell wieder rauszunehmen, wenn ich mich getäuscht habe.

225. Welches Geräusch magst du?

Das ‚Klack‘ beim Aufsperren meiner Wohnung. Das Rauschen des Flusses vor meinem Haus. Wind, der als Ankündigung von Gewitter durch Bäume zieht.

Innerer Dialog

Ich könnte ja über Dings schreiben, wo doch grade neulich – wobei, das liest dann der duweißtschon und am Ende sagt der wieder was.

Ich wollte schon lange mal zum diesem kontroversen Thema bloggen, meine Haltung erklären – aber dann springt da nur wieder Twitterer obermööp drauf an und die Zeit hab ich auch nicht.

Hey, mir ist doch grade lustige Anekdote Tidelü passiert – ach komm, das finden wirklich nur Insider lustig. Wissen doch alle, wie tollpatschig du bist.

Dann wäre da noch diese aktuelle Sache, rund um die Person ramtamtam und da könnte man mal was differenziertes zu sagen – aber es ist doch längst alles gesagt.

Und hier, du hattest doch neulich diesen sehr poetischen Gedanken über den Zusammenhang von Krx und Krawall – doch ja, aber das heb ich mir jetzt auf, damit habe ich etwas vor.

Orr, immer diese Standards, immer dieser Anspruch an sich selbst, wie macht der Rest das eigentlich, die bloggen doch alle ständig – die Kochen auch und machen Fotos und haben Kinder und andere Dinge, die für Entertainment sorgen.

Und wenn ich zu Sache Schwampf noch was sage, das ging auf Twitter so unter – das artet auf Twitter schon immer so aus, das passt doch gar nicht hierher.

Gut, dann hätte ich noch die beiden angefangenen Texte zu – schon, aber die passen mit ein bisschen Arbeit für diese andere Sache.

Worüber hab ich mich neulich noch aufgeregt, hier,wie war das noch – scho ‘umme ums Eck, Scheesn. Der Ärger ist die Tastenanschläge nicht wert.

Jetzt wirst du schon wieder kryptisch. Aber daran wollten wir auch arbeiten. Und wir sprechen von uns in der dritten Person plural. Vielleicht nehmen Majestät die Bloggerei momentan nicht ernst genug. Oder zu ernst. Darüber lassen wir dann die Biographen streiten.

Mackencontent

Es ist so: könnte ich mir eine Traumwohnung bauen, sie bestünde zu zwei Dritteln aus Nischen. Aus Ecken und Hohlräumen unter Treppen, nutzlosen Winkeln und schwer zugänglichen halben Plätzen. Und in denen würde ich alles tun, außer essen.

Vermutlich bräuchte ich so gut wie keinen Schreibtisch mehr. Keinen Lesesessel, keine Konsolen mit Deko-Kram drauf. Ich säße, mit großen Kissen und einer Decke bewaffnet, den Laptop auf dem Schoß, in besagten Ecken und Nischen. Würde arbeiten und lesen und Musik hören und Nachdenken.

Mir ist klar, das ist nicht normal.
Das ist sogar ausgesprochen neurotisch und vermutlich sollte ich mit einem Therapeuten darüber reden. Hatte ich als Kind zu wenig die Gelegenheit mir Höhlen zu bauen? Kompensiere ich meine Angst irgendjemandem zur Last zu fallen damit, möglichst wenig Raum zu beanspruchen? Verbiege ich mich einfach gern bis mir mindestens ein Fuß einschläft?
Oder genieße ich die erschreckten Laute anderer Menschen, wenn ich unvermutet irgendwo sitze?

Ich weiß es nicht und es ist mir mittlerweile auch herzlich egal.
Im Gegenteil, ich frage mich manchmal warum andere ihre Nischen nicht mehr nutzen. Wo doch so ein abgegrenzter, leicht versteckter Raum wie ein kleines Paralleluniversum ist. Ein Ausstieg aus der großflächigen Darstellung menschlicher Elendigkeit. In meiner Ecke kann ich nichts mitbekommen, verschwinden. Auch wenn ich ganz allein bin. Dann verschwinde ich aus meinem Leben heraus in einen abgeschlossenen Bereich. In dem ist lediglich Platz für mich und meine Gedanken.

Natürlich, müsste ich tatsächlich in einer Schlafhöhle leben wie z.B. in einer japanischen Großstadt, ich würde schnell die Sehnsucht nach eigenem Raum entwickeln. Aber so wie es jetzt ist, sind diese kleinen Fluchten der ideale Platz für große Ideen und Gedanken.

Viele brauchen einen eigenen Raum, um bestimmte Dinge zu leisten. Darum sitzen Freelancer nicht am eigenen Schreibtisch sondern nerven ihre Umgebung in Kaffeehäusern.
Wer heute ein Haus oder eine Wohnung plant, versucht oft schon sehr früh jedem Zentimeter einem Nutzen zuzuordnen. Und vergisst Raum zu schaffen, der einem erst noch sagt wofür er gut ist. Klar, in Zeiten dieser Mietpreise darf man da auch nicht verschwenderisch sein. Millimetergenaue Planung ist eine Kunst, die man sich viele einiges kosten lassen. Handtuchgroße Gärten und Planquadrate beherrschen die moderne Baulandschaft.

Während ich meine Fachhochschulreife gemacht habe, lebte ich in einer großen Wohnung die früher mal eine Kürschnerei war. Ein hohes Haus mit seltsamen Ebenen, das beim Umbau in wirre Wohnungen aufgeteilt wurde. Die Folge waren die besten Ecken meines Lebens. Hinter der Wendeltreppe hinunter ins Erdgeschoss (es war auf einer Seite das Erdgeschoss, auf der anderen Seite ging man auf höhe des ersten Stocks in die Wohnung hinein) oder die L-förmige Nische vorne im Wohnzimmer.
Die quietschenden Geräusche meiner Mitbewohnerinnen wenn ich wieder mal unerwartet irgendwo auftauchte, fand ich großartig.

Wenn ich heute neuen Wohnraum beziehe (11 Umzüge and counting), dann orientiere ich mich an zwei Dingen: Am Licht (warum stellen so viele Leute ausgerechnet ihren Fernseher an die Wand mit dem besten Tageslicht..?) und an den Ecken.
Das führt im Gegenzug zu oft großen freien Flächen.

Und wissen sie was? Freie Flächen auf denen gar nichts steht, sind fast so großartig wie Nischen. Weil manchmal, da braucht man einfach nur Platz. Um etwas auszubreiten. Oder sich selbst auszubreiten.
Wichtig ist, dass nicht alles gleichförmig ist. Der eigene Geist muss sich winden und bewegen können, wie Wind der durch Ritzen zieht.

Womöglich ist meine Vorliebe für seltsame Raumkonstrukte die Sehnsucht nach dem Verlassen des festen Aggregatszustandes. Einfach mal nicht so tun als wäre man eine abnorme Ansammlung von Kohlenstoff. Aber gut, je weiter ich diesen Gedanken treibe, desto mehr haben die Hobbyanalytiker der digitalen Welt zu tun. An dieser Stelle muss auch mal Schluß sein. Schließlich sind Nischen auf die Plätze in denen wir Geheimnisse verwahren.