Donnerhall(en)

Menü Schließen

Schlagwort: gedankensturm (Seite 2 von 4)

neverwhere footprints

Es ist schon ein paar Tage her. Ich wachte auf und für einen kurzen, wirren Moment war ich überzeugt davon, dass das Gespräch tatsächlich stattgefunden hatte. Dass wir im Cafe saßen, vielleicht nach einem Film. Mein Unterbewußtsein ist ein Schweinehund.
windowdressing
Der A. saß da. So kauzig wie eh und je. Er rührte in seinem Tee und krächzte ein bisschen.
“Weißt du, Bella, seit du wieder wunderlich wirst, bist du glücklicher als sonst. Du hast dich zurück verpuppt und bist jetzt eine Raupe, ganz zufrieden mit allem.”
Und ich weiß gar nicht was ich erwidern soll und höre einfach zu, was auch sonst.
“Das Alleinsein und das Schreiben und der Rückzug von der Welt – früher hätte keiner versucht das weg zu therapieren. Aber es wußte ja niemand, dass die Welt dich so schwermütig macht. Du doch auch nicht. Alle dachten, dass dich das Alleinsein erst so traurig macht. Andere sind traurig, wenn sie allein sind. Du … nicht.”

Er sagt noch mehr, aber ich erinnere mich kaum daran. Ich habe den Geruch der schweren weißen, heißen Schokolade in der Nase. Ich kann die Sahne fast auf der Zungenspitze schmecken. Es geht vermutlich wieder darum, ob das heute überhaupt noch möglich ist – sich selbst genug sein. Nicht immer, natürlich. Er hat bestimmt mit Nachdruck darauf gepocht, dass man selbst nur besser wird, wenn man sich auch den anderen stellt. Weil wir nur so Spuren hinterlassen. Womöglich wurde es an einem Punkt eine Diskussion darüber, wie viele Verbindungen wir brauchen. Ich hätte Witze über lange Leinen gemacht. Vermutlich. Aber vielleicht war da auch gar nicht mehr. Wie das so ist. Zu klar ist mir doch die ganze Zeit, dass ich jemand anderen meine Worte aussprechen lassen. Nächtliches Puppentheater.

Nur am Ende, kurz bevor ich aufgewacht bin, hab ich geantwortet.

“Das ist alles nur, weil mein Kopf so bevölkert ist. Deswegen ist es immer laut.”

stone cold stories

Heute fand ich mich plötzlich auf einem Friedhof wieder. In der kleinen Stadt am Inn. Einer dieser alten aber gepflegten Friedhöfe. Man kennt sich, verbindet mit den Namen auf den Grabsteinen Anekdoten. Friedhöfe sind immer stumme Zeuge von Geschichten. Und auf ihre Weise erzählen sie die Geschichten weiter.

So stehe ich da, im Jahr 2012. Vor Namen und Leben die zum Teil vor 150 Jahren begannen. Familien, Verluste, Tragödien. Generationen davon. Die Mutter, geboren 1915. Der Vater, prakt. Med. , geboren 1911. 1936 kam ihr Sohn zur Welt. Herangezogen während des Krieges also. Wahrscheinlich kam er in einen der Jahrgänge mit Not-Abitur.

Er fing an Medizin zu studieren, wie sein Vater. 1959, kurz bevor die Welt sich in vielen Bereichen grundlegend verändert, kommt er mit nur 24 Jahren ums Leben. Neben seinem Namen steht Stud. Med. auf dem Grabstein.
Die Eltern sind erst ende der 80er bzw. Anfang der 90er gestorben. Noch nachträglich spürt man den Schmerz, den das Fehlen des womöglich einzigen Kindes ausgelöst hat.

Vor allem, weil einem klar wird, dass es ein Unglück gewesen sein muss. Nicht wie 15 Jahre vorher, 1944, eine Jahreszahl die überdurchschnittlich häufig auf den Grabsteinen in dieser kleinen Stadt steht. Oft gleich nach Geburtsjahrgängen der 20er. Geschwister, halbe Familien. Die dunklen Zeiten.

Dann noch diese Entdeckung der ‘von Manns’, einer davon sogar mit Ritter-Titel. Plötzliche, greifbare Neugierde die einen überkommt.
Das einzelne Grab mit der italienischen Inschrift.
Die Skulptur eines gebeugten Mannes statt eines Grabsteines.
Kleine Engel an den Ecken der Grab-Kanten.

Niemand heißt mehr Amalie oder Bartholomäus. Eigentlich schade.

Es lässt sich ja schon kaum noch jemand traditionell eingraben. Man lässt sich verbrennen und die Urne eingraben. Selbst das wird sich mit der Zeit vermutlich ändern. Unser Grab-Kultur wird sich ändern. Ob meine Angehörigen wohl mal einen Platz haben werden, an dem sie Blumen ablegen? Oder werden wir Urnen wie in Regale stellen und uns zurück gezogen an die erinnern, die wir verloren haben?
Ich wäre für schöne Platten, wie Regaldeckel. Auf denen hätte viel Text platz. Und notfalls auch noch ein QR-Code.

Bemerkenswert finde ich immer all die Dinge, die außerhalb der ‘normalen’ Daten auf Grabsteinen stehen. Sebastian, genannt ‘Wastl’. Oder ‘die Huber-Bäuerin’. “Ehemaliger Bürgermeister von Mühldorf’. Kleine Bemerkungen die am meisten über die aussagen, die sich um das Grab des Verstorbenen gekümmert haben. Sie fanden es wichtig, dass es dort steht. Weil es ein Teil der Menschen, ihrer Persönlichkeit, ihrer Geschichte war.

Ich meine, es wird sich kaum jemand ‘Krawall-Bloggerin’ eingravieren lassen, oder? Vielleicht doch.

show a little more, show a little less

Ein Bild des existierenden Clubs Salon D’Été. (http://www.salondeteclub.com/)

[audio:http://dl.dropbox.com/u/112962/welcome.mp3]
Welcome to Burlesque ; Cher [Burlesque OST]

Nachtclubbesitzerin. Das wär’s jetzt. Patronin der dunklen Gestalten und Nerds, die sich in Bars verirren. Nachts arbeiten. Wobei arbeiten darin bestünde wage Ratschläge und mysteriöse Geschichten zu verteilen, während andere sich fragen wie ich hier landen konnte.

Ein wenig losgelöst sein, vom Tageslicht, vom Profanen.

Wo dich niemand fragt, wann und wie du den jetzt endlich deine BA schreibst oder wie das alles werden soll danach. Du dich auch nicht stattdessen aufreibst in Problemen und Tücken der anderen, die dich, weil du ja grade Zeit hast, als Anlaufstelle für das ausschütten ihrer Herzen sehen.

Okay, da wären wir doch wieder beim Nachtclub. Den ganz ehrlich, das ist noch der angenehmere Teil des momentanen Daseins. Der mich davon abhält allzu tief in einer Depression zu versinken. Es ist nicht so, dass ich auf der Stelle trete, sondern eher grade die Aussicht genieße. Mit einer unerklärlichen, beängstigenden Zuversicht. Wo doch alles was schief gehen konnte immer noch schief gegangen ist.

Aber immer, wenn ich von der allgemeinen Schlechtigkeit der Welt und Dürftigkeit meiner Situation (Wieder zu Hause wohnen! Mit 25! Auf dem Dorf!) überwältigt zu werden drohe, höre ich wieder von Dingen, mit denen andere Menschen sich plagen müssen. Die dritte Beerdigung in 4 Wochen, keine davon absehbar. Kaputte Autos, streitende Familien, kranke Eltern, was einem eben so das Leben versaut.

Ich bin einfach nur, wie sagt man so schön, in transition.

Außerdem gibt es das Internet. Mit noch mehr Menschen und deren Geschichten. Mit neuen Spielzeugen wie GooglePlus 1Also wie eine Club-Patronin alle heilige Zeiten eine neue Band engagiert. Damit man nicht in Vergessenheit gerät, sich aber nicht zuviel ändert.

Wenn mich meine von einer bewerbungsphase geprägte To-Do Liste wieder abschreckt, laufe ich durch’s Internet und rege mich über chauvinistischen Dreck auf. Damit kann man sich prima beschäftigen. Und bekommt großartige antworten. Hier die Top 3:

  1. Du verstehst das nicht. Das ist witzig. Darum kann das gar nicht frauenfeindlich sein.
  2. Das war doch so gar nicht gemeint! Also die Pointe ist zwar witzig, und ich will ja, dass alle mich witzig finden, aber eigentlich denk ich gar nicht so!
  3. Du interpretierst da zuviel rein. Das ist feministischer Mist. Zwing mich bitte nicht, darüber nachzudenken, was ich da grade von mir gegeben habe.

Man merkt, ich weiß mich zu beschäftigen. Außerdem gibt es ja Serien. Im Kopf arbeite ich seit drei Wochen an einem epischen Eintrag zu The West Wing. Einer Show, die meinen Blick auf Politik und Entertainment doch ganz gehörig durcheinander geworfen hat. Und Aaron Sorkin mag ein arroganter Wicht sein, aber, er ist es zurecht. Weil er auch ein bisschen Genie ist. Aber dazu ein andermal mehr. Schließlich erzählt man pro Abend nur eine gute Geschichte, um sich dann zu Drinks einladen zu lassen, während Gäste mit müdem Blick von ihren Träumen reden.

War noch was? Ach ja, hier sieht’s wieder mal anders aus. Es musste halt schlichter werden. Und weil ich wegen Google+ und so, anfange bewusster darüber nachzudenken was ich mit der Welt teile, findet mein digitales Restleben nicht mehr in der Seitenleiste statt. Oben seht ihr die Links zu allen Plattformen und Services bei denen man mich noch findet. Damit bekommt jeder so viel Bella wie er will. Oder verträgt. Wenigstens hin und wieder muss man die Tischdecken und die Karte erneuern.

Den ganz ehrlich, manchmal ertrag ich mich selber auch nur in sehr geringen Dosen.

  1. Das großartig ist, Punktum. Weil es mehr Network als Social ist. Also tatsächlich praktischen Nutzwert hat. Können wir den Term social networking dann mal beerdigen? Wenn ein Menschenphobiker wie ich networkt, dann ohnehin social. Weil ich für smalltalk in der nicht-social Version gar nicht geeignet bin.