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Schlagwort: gefühlsduselei (Seite 5 von 17)

DU bist doch nicht introvertiert.

Ja, doch. Sorry. Nur weil ich, WENN ich unter Menschen bin, nicht zum stillen Mauerblümchen werde heißt das nicht, dass ich es bevorzuge unter Menschen zu sein.

Ich habe da mal Info-Material zusammen gestellt. Lesen Sie also bitte zunächst meinen Alltime-Lieblingsartikel zu dem Thema:

Do you know someone who needs hours alone every day? Who loves quiet conversations about feelings or ideas, and can give a dynamite presentation to a big audience, but seems awkward in groups and maladroit at small talk? Who has to be dragged to parties and then needs the rest of the day to recuperate? Who growls or scowls or grunts or winces when accosted with pleasantries by people who are just trying to be nice?
[…]
If you answered yes to these questions, chances are that you have an introvert on your hands.

Und, ganz frisch, ein Artikel aus dem Guardian, in dem erklärt wird warum es falsch ist Introvertierte zu unterschätzen.

Introversion – along with its cousins sensitivity, seriousness, and shyness – is now a second-class personality trait, somewhere between a disappointment and a pathology. Introverts living under the Extrovert Ideal are like women in a man’s world, discounted because of a trait that goes to the core of who they are. Extroversion is an enormously appealing personality style, but we’ve turned it into an oppressive standard to which most of us feel we must conform.
[…]
But we make a grave mistake to embrace the Extrovert Ideal so unthinkingly.

Und dann hat Susan Cain noch ein wundervolles Buch darüber geschrieben, warum wir alle von introvertierten Menschen profitieren: Quiet, The Power Of Introverts In A World That Can’t Stop Talking.

Und dann sehen Sie sich um. Denn wir sind überall. Und wenn wir gerade unsere Ruhe haben wollen – nehmen Sie es bitte nicht persönlich.

Fiddle-dee-dee.

Champagner-Empfang. Aber irgendetwas regt mich auf. Sehr.
Ich raffe das riesige rote Kleid zusammen und renne Treppen hinunter. Im Keller finde ich endlich eine Tür, die nur angelehnt ist.
Ein schlauchartiger Lagerraum. Regale überall. Ich schmeiße die Tür hinter mir zu.
Warum bin ich bloß so rasend?
In einem Seitenregal steht eine kleine, häßliche Vase.
Innerlich lache ich mich selbst aus, während meine unterbewusste Scarlett O’Hara das Ding gegen die Wand wirft.
Es zersplittert in ca. 378 kleine Teile, die jetzt im Raum verteilt liegen.
Ich lache leise. Die Wut ist fast nicht mehr da.
Plötzlich höre ich wie jemand im Raum scharf die Luft einzieht.
Mist.
Hinter einem der Regale kommt eine schmale Figur in einem Frack zum Vorschein.
Dunkle Haare, helle Augen, unfassbare Wangenknochen.
Mein Über-Ich schlägt meinem Unterbewusstsein auf den Hinterkopf.
Ein Gesicht aus dem Fernsehen? REALLY? Nix wie ungut, es ist ein hübsches Gesicht, aber wir sind doch aus dem Blödsinn raus, oder? Ein sehr hübsches Gesicht.
Er sieht mich für einen Moment sehr verwirrt an, dann fängt er an hysterisch zu lachen.
Seine Hand blutet.
Verdammt, verdammt, verdammt.
Er schaut auf seine blutende Hand und sagt Not bad for a sociopath.

#####

Ich wache auf und kann nicht aufhören meinen Kopf zu schütteln.
Was für unfassbarer Blödsinn.
Einmal was mit Raumschiffen und Aliens träumen. Oder wenigstens mal einer von diesen Flug – oder Fallträumen.
Nein, vom Winde verweht 2.0.
Zefix Unterbewußtsein, du warst auch schon kreativer.

Über die eigene Sprachlosigkeit

(Vorsicht: Selbstreflexions-Content!)

Eine der Gründe warum ich blogge ist ja, dass ich hier soviel oder so wenig schreiben kann wie ich will. Ins Detail gehen oder kryptisch bleiben. Auf Nachfragen kann ich reagieren, muss aber nichts. Weil die Konfrontation nicht direkt ist.

Und das ist für mich eine ideale Kommunikationsform.

Völlig zurecht bekomme ich darum von Menschen die mich trotz allem mögen regelmäßig eine auf den Deckel. Schließlich greife ich nicht zum Telefon wenn ich Kummer habe oder schreibe wenigstens auf Facebook was mir den Tag vermiest hat. Denn solange ich denken kann, mache ich derlei mit mir selbst aus. Und eigentlich sind es nicht nur die schlechten Sachen über die ich nicht rede. Es ist mehr so alles was mich ernsthaft berührt und relativ frisch ist. Mit einem halben Jahr Abstand ungefähr werden Dinge aus meinem Leben im wahrsten Sinne des Wortes spruchreif. Akute Gefühle sind wie grüne Nüsse. Vollkommen nutzlos für alle außer dem Baum der sie trägt.

Ich bin wohl bereits als Insel zur Welt gekommen. Weder meine Umgebung, noch meine Erziehung haben mir beigebracht, dass man über Dinge nicht redet, sie nicht wenigstens mit Menschen die einem nahe stehen teilt. Stattdessen habe ich im Kindergarten am liebsten allein gespielt und wurde in der Grundschule das erste mal “einsamer Wolf” genannt.

Das Alien-Gefühl war immer schon da. Und bis auf eine Phase in der Pubertät kam ich damit auch immer zurecht. Bis auf das schlechte Gewissen. Warum bin ich nicht so wie die anderen? Wie können die mit mir befreundet sein, wenn ich so schwer auf sie zugehen kann?

Viele Jahre später lies mich eine Psychologin diverse Tests ausfüllen und sagte dann, sie hätte eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Gute: Ich habe kein Asperger. (Dass bei meinem Siebhirn überhaupt jemand auf die Idee gekommen war, schmeichelte mir irgendwie.) Die Schlechte: Ich war schwer depressiv und nach Myers-Briggs ein INTJ. Demzufolge war ich so mit negativem Denken und Rationalisieren beschäftigt, dass mir die Energie fehle das nach aussen zu kommunizieren.

Aha.

Sie hat mich dann gefragt mit welchen fiktionalen Figuren ich mich identifizieren kann. Und langsam merkte ich, was sie meint. Bones, Luna Lovegood und heute vermutlich die moffatsche Interpretation von Sherlock Holmes. Also nicht ohne Exzentrik oder gar langweilig, aber mit wenig Bezug zur Gefühlswelt anderer.

Ich führe gern ausgiebige Gespräche, debattiere und kann sogar gut zuhören wenn ich will. Aber das Thema ist entscheidend. Und mich selbst zum Thema machen, das macht mir nicht besonders viel Spaß. Darum klingen Geschichten aus meinem Leben immer nach Sketch-Comedy. Wenn ich schon erzählen soll, dann soll der Zuhörer wenigstens einen Mehrwert davon haben – also lachen.

Das hat meiner Psychologin immer ein bisschen Sorgen gemacht. Aber gelacht hat sie auch.

2011 war nun eines von den Jahren, die eher nicht so gut waren. Ich war also viel mit Denken beschäftigt. Mit überhaupt mal rauskriegen wie ich das alles finde.
Und darüber wurde alles vernachlässigt was man so an sozialen Kontakten so vernachlässigen kann. Und schon steckt man im Teufelskreis. Klar, sich auf einer Silvesterparty blicken lassen kriegt man grade noch hin. Aber eine einzelne Email, ein Anruf? Das kostet trotzdem Überwindung. Viel davon.

Noch bin ich mit Plan B gut beschäftigt, kann etwas vorschieben. Aber dann? Es fühlt sich an, als wäre ich eine Weile im Koma gelegen und hätte an Amnesie gelitten. Als hätte ich den Anschluss verloren. Mal wieder. Die Karawane zieht weiter und Bella bleibt an der Wasserstelle zurück weil sie nicht so schnell packen kann wie die anderen.

Vielleicht sollte ich mir mal wieder einen Wüstenführer suchen. So einen der Psychologie studiert hat.

Schritt 1:

Dieser Eintrag hat keine Pointe.

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