Autor: DonnerBella (Seite 2 von 210)

KW Sechzehn/Siebzehn

Ach ich weiß doch auch nicht mehr. Also buchstäblich. Ich vergesse Tage, sobald sie um sind. Ach was, vorher.

Alles außer dem Job flutscht einfach so wieder aus dem Kopf raus, es funktionieren nur automatische Dinge. Kochen, Rudermaschine, Audiobook hören. Meine Highlights sind aktuell neue Möbel. Dinge in dieser Wohnung werden endlich fertig und das hilft meiner Psyche mehr als ich zugeben mag.

Neue Vitrine im Wohnzimmer / Essbereich
Küchenregale. In Mint!

Musik funktioniert nicht, Ablenkung funktioniert nicht. Das ist jetzt auch nicht mehr Pandemie, das ist der Depressions-Schlamm. Aber irgendwie halt eine pragmatische Sorte, weil es eh allen so gut, teilweise noch viel schlimmer. Ich habe einen Job und keine Kinder, das erscheint aktuell durchaus Jammern auf hohem Niveau.

Und nicht, dass ich übrige Energie hätte, aber ein Teil von mir möchte sich so sehr in ein Projekt stürzen, vielleicht mach ich dieses Mal mit beim Wahlkämpfen. Für Annalena, is klar. (Eigentlich müsste was Kreatives her, aber, ach.)

Übersprungshandelnde Bestellungen von Lidschatten-Paletten und Versuche im Blenden eines Halo-Eye. Ich gucke zu viel Youtube. Wobei auch nützliche Dinge dabei sind.

Das ist Doktor Ramani und sie bringt mir bei was Narzissten sind und warum mir im Leben immer Menschen begegnet sind, deren inkonsistentes Verhalten ich nicht begriffen habe. Ich neige nicht dazu solchen Darstellern auf den Leim zu gehen, scheine aber umgekehrt ein beliebtes Accessoire zu sein, das hat zu…merkwürdigen Situationen geführt.

Die Normalisierung von Videocall-Geburtstagsparties ist auch so eine Sache. Ich will einfach mal wieder in einer fremden Küche stehen, zu laut lachen und mich kurz fühlen, als wäre ich Teil der Spezies. Manchmal weiß ich nicht ob dieses Jahr drinnen mich auf dem Spektrum noch ein Stück weiter auf die andere Seite hat gleiten lassen. Zumindest überfordert mich das tatsächliche Leben. Zugfahren, Supermarkt, wie soll man da denn zurechtkommen. Zu laut, zu hell, zu hektisch. Mir fehlt das Prinzip Biergarten, aber der Gedanke an eine vollbesetzte Außengastronomie…puh.

Mal gucken. Übernächste Woche Einzug ins neue Büro, eine Woche später die zweite Impf-Dosis. Lauterbach sagt, der Sommer wird gut. Ich glaube er wird akward. Auch für die nicht Blob-Girls. Ich hätte gern ein Blob-Girl-Camp. Eine Villa, irgendwo in der Toskana wo wir schlechten Frauendarstellerinnen den ganzen Tag in formlosen Kleidern rumliegen, uns trotz käsiger Beine in den Pool werfen und uns weintrinkend gegenseitig aus Büchern vorlesen. 3 Monate lang. Dann bin ich auch soweit für die Revolution.

Bis dahin muss ich erstmal über den Unterschied von Struktur und Gewohnheiten und Ritualen nachdenken und ob ich nicht ein paar Zukunftspläne ändern muss, damit alles auch mal wieder zusammenpasst. (Das ist eine Phase, richtig? Haben alle, gell??)

Trouble don’t you come my way.

KW Fünfzehn

Fast vergessen zu bloggen. Naja, zwischendurch dran gedacht und dann nicht sofort getan und…Sie kennen das.

Trotzig: Nach tagelangen Schneewehen die Balkonbank aufgebaut. Langt jetzt auch. Den Tomatenpflänzchen gut zugeredet.

Muffig: I mog nimma. Es langt. Alles. Ganz generell.

Entertainment: Nein, auch du erheiterst mich nicht mehr CSU. Grün grün grün, sind alle meine Kleider und überhaupt sind Männer für solche Jobs ungeeignet.

Don’t talk to me about Football.

Wie soll ein Mensch so aufhören zu viele Kekse zu essen, I ask you?

Mutter, Schwester und Lieblingstante erstgeimpft. Wir träumen vom Trip gen Süden.

Selbst die 90er-Playlist hilft nur vorübergehend. Ich schmolle jetzt, bis hier irgendwas besser wird.

KW Vierzehn 2021

Gut, sehr sehr gut: Selber geimpft worden, von ganz vielen Terminen und erfolgreichen Impfungen gehört. Jeder Stich ein Lichtblick. Das Impfzentrum natürlich eine Volksfesthalle, because Bavaria gonna Bavaria. Völlig ungewohnt: Lauter Menschen die für eine medizinische Prozedur da sind und alle, aber auch alle haben blendende Laune.

Okay: Nach der Impfung das müdeste Wochenende seit, puh, einer Weile gehabt. Was eine Ansage ist, in diesen Pandemiezeiten. Der Arm zieh ein bisschen am Tag danach, aber abgesehen davon, dass ich mich vor der Rudermaschine drücke, nix wildes. Das mit dem Alkoholverzicht…nun. Unter der Woche klappt das normalerweise eh, bis nächstes Wochenende dürften es ja dann schon mal ein Batzen Antikörper sein.

Auch nett: Steuerrückzahlung in neue Möbel investiert. Auch endlich begonnen diese Bücherregalproblematik wirklich anständig und optisch ansprechend zu lösen. Eine neue Bank für den Balkon, eine Erweiterung für die Hausbar und mintfarbene Wandboards für die Küche. Seltsames Gefühl von angekommen im Erwachsensein. Aber dazu auch die Erkenntnis, dass mein Leben immer anders sein wird. Ein bisschen langsamer, ein bisschen einsamer, darum ein wenig trauriger. Moment, das passt nicht mehr zum Oberpunkt.

Nicht so nett: Ich. Also so vom Grundton her. Wenn ich es jetzt merke, heißt es auch, dass es schon länger in die Richtung geht, ich ein bisschen gereizter und grober werde. Das heißt auch, dass es innen drin dunkler ist als es sein sollte. Jetzt gilt es herauszufinden ob es die, you know, aktuelle Gesamtsituation ist oder es gerade nicht so klug ist mich mit bestimmten Dingen zu befassen. Vielleicht geht auch die Energie zum Masking aus. Apropos.

Dark nostalgia: Sich mit der eigenen Diagnose befassen ist ein zweischneidiges Schwert. So gut es ist sich erkannt zu wissen und als Teil einer wie auch immer gearteten Community zu fühlen, so hell leuchtet auch einmal mehr der Kontrast zur neurotypischen Welt. Es erklärt dann auch all die Ereignisse im eigenen Leben wo man an anderen Menschen gescheitert ist. Und man fängt wieder an alte, nicht mehr einholbare Momente zu analysieren.

Unsicher: Nicht zuletzt durch die Impfung kommt das danach wieder näher. Was gut ist. Aber auch ein wenig…unklar. Ob ich das noch kann, so in der Normalwelt existieren? Ob ich das noch will? Andererseits: Noch nie so sehr Sehnsucht nach einem großen, wilden Sommer gehabt. Warme Nächte und große Träume, lang verborgene Pläne und endlich gesagte Wahrheiten. Die Therapeutin sagt, ich hätte gar nicht wirklich niedrigere Phobie-Level als andere auf dem Spektrum, ich hab mir nur eine putzige Copying-Strategie zugelegt, die auf Konfrontation basiert. Augen zu und durch und wo ich nicht durch kann, werd ich dafür doppelt und dreifach unsicher. I think I’m adorable.

I’ve got bluster enough
For the sails of a clipper
And the truth never frays a good yarn
But it struck me to say while so far away
You’re with me today
You are here are in my head
In my heart