KW Achtzehn/Neunzehn 2021

Zwei Wochen durchgearbeitet, mit Wochenende und Feiertag. Nicht zu empfehlen. Hauptsächlich, weil andere Leute Zeit verbummelt haben oder sich nicht entscheiden konnten. Auch so ein Pandemie-Ding – solche Arbeitstage sind im Büro gar nicht möglich bzw. nichts was ich mit meiner Pendlerei einfach mitmache. Mantra: Das ist nicht für immer, ich bin sehenden Auges diesen Schritt gegangen, um irgendwann gewisse Optionen zu haben. Unabhängigkeits-Ambitionen halt.

Noch dazu, wenn man 12 Stunden pro Tag arbeitet und dabei stündlich zwischen “ich kann gar nix” und “ohne mich wärt ihr völlig aufgeschmissen” schwankt und dann noch merkt, dass man immer lauter werden muss, weil die Herrenrunde um einen herum denkt, man müsste nur zuliefern, aber keine Meinung haben.

Sehr, sehr lehrreiche Wochen. Unsagbar lehrreich.

Nicht gut für die Gesundheit. Wenn mein Prozessor durchgehend so heiß läuft, entwickle ich eine Ernährung, die sich hauptsächlich aus Rohkost und Schokolade zusammensetzt. Gemüse, um das Kiefer zu beschäftigen und Süßes, um Energie auszugleichen. Bitte räumt überall die Schoko-Variante dieser Giotto-Kügelchen aus den Regalen, es hat ein übles Ausmaß erreicht. Wenn man lange genug vom Schreibtisch direkt ins Bett fällt, baut die gar nicht so kleine Spinne ihr Nest übrigens vom Esstisch zur Wand und an die Hausbar. Beeindruckend und verstörend gleichermaßen.

Das einzige, was noch zum Luftholen ging, waren Folgen von Schitt’s Creek. Ja, ich weiß, ich dachte auch nicht, dass ich es mögen würde, aber ich hatte Dan Levy (Showrunner und Darsteller von David) unterschätzt. Schauen Sie das, es erheitert und wärmt das Herz.

Apropos. Am Freitag dann endlich mal Grenzen gezogen und Menschen ihren Baustellen bzw. Verantwortlichkeiten überlassen. I’m not the nanny. Mittags Burger geholt und bei Mama Donnerhall zusammen mit einer Portion Pommes inhaliert. Danach noch ein bisschen Dinge fertig gearbeitet und gegen Nachmittag mit dem Lieblingskollegen, der die zwei Problemwochen mit durchgestanden hat, in den Feierabend gequatscht. 3 Stunden und ein paar Rum-Cocktails später, ging es mir schon besser. Über Arbeit und Präsenz gesprochen, eine vielleicht neue Wertschätzung von Anwesenheit aber auch der Normalität von remote arbeiten. Über die eigene Resilienz und die Beobachtung, dass andere mittlerweile die Wände hochgehen. Was das auch zum Thema Fürsorge und Kollegialität bedeutet. Der Lieblingskollege ist nicht nur sehr klug, sondern auch die Sorte vorzüglicher Mensch, dass ich die alten Narben spüre, weil ich schon mal geglaubt habe, einen Menschen in dem Kontext kennengelernt zu haben. (Also der Lieblingskollege hat ungefähr 3x das Format der vorangegangenen Enttäuschung, aber man wird halt vorsichtig.)

Anschließend mit der Freitagsrunde in sensationelle Albernheit ausgebrochen, so müssen Drogen wirken. Früher hätte ich nach so viel Arbeit nicht 7 Stunden lang geredet und in einen Bildschirm geschaut, aber es fühlte sich wie die gesunde Alternative an. Manchmal hilft es, auch die letzte Kraft noch rauszuhauen, wenn man dafür etwas zurückbekommt. Darüber muss ich nochmal in Ruhe nachdenken.

Samstag dafür aber auch emotional Hangover deluxe. Gegen all die juckenden alten Narben mit maximalem Aufräumen und Haushaltsdingen angegangen. Je näher das Ende der Pandemie rückt, desto näher rücken gefühlt auch wieder die Enttäuschungen und die Momente, wo ich nicht dabei sein kann. Dieses Jahr mit allem im selben Boot, das war für jemanden der oft außerhalb steht, fast ein wenig heilsam.

Der ReBoot Modus rückt überall näher. Wenn ich das nächste Mal ins Büro fahre, dann in ein neues, schickes Gebäude im Zentrum. Keine Ahnung, wo mein Schreibtisch ist. Ich versuche Routinen zu entwickeln, die ich in Zukunft an wechselnde Verhältnisse anpassen kann, das wird interessant. Gemüsekiste und Rudermaschine kann man beibehalten, die Yogahosen gehen nur im Homeoffice, dafür sitze ich vielleicht in ein paar Monaten mit Kollegen mal wieder bei einem Getränk zusammen.

Ich glaube, dieses Jahr im Nebel, das wird uns erst mit Verspätung richtig einholen. Viele werden so schnell wie möglich zu ihrer “Normalität” zurückgehen, aber ein paar werden das nicht können und langsam, wenn eine Generation nachkommt, die das mit heranwachsenden Augen beobachtet hat, werden Dinge womöglich nochmal ganz anders hinterfragt. Meine Normalität war eh immer anders, jetzt muss ich sie vielleicht weniger rechtfertigen, das wäre nett. Weniger Zwangssozialisierung und mehr geplantes Zusammensein, mit Wertschätzung und Intention. Less Smalltalk, more big events.

Bis dahin, atmen. (Dieses Album <3 )

KW Sechzehn/Siebzehn

Ach ich weiß doch auch nicht mehr. Also buchstäblich. Ich vergesse Tage, sobald sie um sind. Ach was, vorher.

Alles außer dem Job flutscht einfach so wieder aus dem Kopf raus, es funktionieren nur automatische Dinge. Kochen, Rudermaschine, Audiobook hören. Meine Highlights sind aktuell neue Möbel. Dinge in dieser Wohnung werden endlich fertig und das hilft meiner Psyche mehr als ich zugeben mag.

Neue Vitrine im Wohnzimmer / Essbereich
Küchenregale. In Mint!

Musik funktioniert nicht, Ablenkung funktioniert nicht. Das ist jetzt auch nicht mehr Pandemie, das ist der Depressions-Schlamm. Aber irgendwie halt eine pragmatische Sorte, weil es eh allen so gut, teilweise noch viel schlimmer. Ich habe einen Job und keine Kinder, das erscheint aktuell durchaus Jammern auf hohem Niveau.

Und nicht, dass ich übrige Energie hätte, aber ein Teil von mir möchte sich so sehr in ein Projekt stürzen, vielleicht mach ich dieses Mal mit beim Wahlkämpfen. Für Annalena, is klar. (Eigentlich müsste was Kreatives her, aber, ach.)

Übersprungshandelnde Bestellungen von Lidschatten-Paletten und Versuche im Blenden eines Halo-Eye. Ich gucke zu viel Youtube. Wobei auch nützliche Dinge dabei sind.

Das ist Doktor Ramani und sie bringt mir bei was Narzissten sind und warum mir im Leben immer Menschen begegnet sind, deren inkonsistentes Verhalten ich nicht begriffen habe. Ich neige nicht dazu solchen Darstellern auf den Leim zu gehen, scheine aber umgekehrt ein beliebtes Accessoire zu sein, das hat zu…merkwürdigen Situationen geführt.

Die Normalisierung von Videocall-Geburtstagsparties ist auch so eine Sache. Ich will einfach mal wieder in einer fremden Küche stehen, zu laut lachen und mich kurz fühlen, als wäre ich Teil der Spezies. Manchmal weiß ich nicht ob dieses Jahr drinnen mich auf dem Spektrum noch ein Stück weiter auf die andere Seite hat gleiten lassen. Zumindest überfordert mich das tatsächliche Leben. Zugfahren, Supermarkt, wie soll man da denn zurechtkommen. Zu laut, zu hell, zu hektisch. Mir fehlt das Prinzip Biergarten, aber der Gedanke an eine vollbesetzte Außengastronomie…puh.

Mal gucken. Übernächste Woche Einzug ins neue Büro, eine Woche später die zweite Impf-Dosis. Lauterbach sagt, der Sommer wird gut. Ich glaube er wird akward. Auch für die nicht Blob-Girls. Ich hätte gern ein Blob-Girl-Camp. Eine Villa, irgendwo in der Toskana wo wir schlechten Frauendarstellerinnen den ganzen Tag in formlosen Kleidern rumliegen, uns trotz käsiger Beine in den Pool werfen und uns weintrinkend gegenseitig aus Büchern vorlesen. 3 Monate lang. Dann bin ich auch soweit für die Revolution.

Bis dahin muss ich erstmal über den Unterschied von Struktur und Gewohnheiten und Ritualen nachdenken und ob ich nicht ein paar Zukunftspläne ändern muss, damit alles auch mal wieder zusammenpasst. (Das ist eine Phase, richtig? Haben alle, gell??)

Trouble don’t you come my way.

KW Fünfzehn

Fast vergessen zu bloggen. Naja, zwischendurch dran gedacht und dann nicht sofort getan und…Sie kennen das.

Trotzig: Nach tagelangen Schneewehen die Balkonbank aufgebaut. Langt jetzt auch. Den Tomatenpflänzchen gut zugeredet.

Muffig: I mog nimma. Es langt. Alles. Ganz generell.

Entertainment: Nein, auch du erheiterst mich nicht mehr CSU. Grün grün grün, sind alle meine Kleider und überhaupt sind Männer für solche Jobs ungeeignet.

Don’t talk to me about Football.

Wie soll ein Mensch so aufhören zu viele Kekse zu essen, I ask you?

Mutter, Schwester und Lieblingstante erstgeimpft. Wir träumen vom Trip gen Süden.

Selbst die 90er-Playlist hilft nur vorübergehend. Ich schmolle jetzt, bis hier irgendwas besser wird.