Immer einmal Meta als du

Nun, here we are. Eigentlich sollte hier schon der Beitrag zum Thema Geld und was das alles mit der Herkunft zu tun hat stehen, aber dann ist Twitter passiert und ich dachte ich häng einen kurzen Disclaimer davor – der dann schnell über 500 Worte hatte, weil ich mich bekanntermaßen nicht kurzfassen kann.

Mal zum Thema Twitter-Debatten. Ich lese im Nachgang zu diversen, angeblich kontroversen Themen fast immer es wäre eine #Personen vs #AnderePersonen gewesen. Und da geht der Fehler ja schon los. Kein Arbeiterkind ist auf ein Akademikerkind losgegangen oder sagt, es müsste auf irgendetwas verzichten. Es ist überhaupt kein Kampf gegeneinander und es ist auch nicht, wie gern mit hochgezogener Augenbraue formuliert wird „völlig sinn – oder ziellos“. Natürlich werden oft eher Nicht-Themen durch die Plattform gejagt und regelmäßig bleiben am Ende Statements mit möglichst radikalen und dummen Inhalten als dargestellte Beispiele übrig. Aber das heißt nicht, dass wir den Rest nicht brauchen, im Gegenteil . 

Wenn Arbeiterkinder ihre Erfahrungen schildern und dann kommen Menschen aus Haushalten mit akademischem Hintergrund um ihre Perspektive zu schildern, dann ist das auch ein Hinweis darauf, dass sie sich in den beschriebenen Biographie-Varianten nicht wiederfinden. Dahingehend ist Twitter nämlich oft differenzierter als man denkt – und als man später in den darüber berichtenden Blogeinträgen oder journalistischen Stücken liest. Geschrieben wird über die polarisierenden, die lauten Beiträge. Die, die empört mit einem „Drüberkommentar“ as the kids call it retweetet werden. Nicht über die langen, ausführlichen Gespräche zwischen zwei bis vier Leuten, die darum ringen sich gegenseitig zu verstehen.

Weil wenn mich momentan an Twitter etwas nervt, dann, dass jeder ein Berichterstatter sein will und niemand denkt er hätte Skin in the Game. Hach, was bin ich nicht Meta und ich mute einfach alles und ich bin zwar dort aber natürlich ist das alles unter meinem Niveau. Eff you und dein nichtvorhandenes Niveau – dann geh halt Audiobooks von Richard David Precht lesen, aber hör auf zu twittern. 

Wenn ihr alle so souverän wärt wie ihr tut, würdet ihr am Ende nicht verlautbaren was euch alles nicht interessiert. Wenn mich etwas nicht interessiert oder ich wirklich nichts beizutragen habe, dann lasse ich Dinge an mir vorbeiziehen. (Okay, außer American Football. Warum wird das jetzt so gepusht? Warum lästern dieselben Leute in meiner Timeline über RB Leipzig um dann Nachts Chiefs, Dolphins oder tschissuschraist, Patriots zu feiern. Wo ihr Ausschlag bekommt, wenn sich im Deutschen jemand Patriot nennt.)

Dass nicht jeder die Zeit hat sich einzumischen, oder Angst vor den ggf. fürchterlichen und aggressiven Antworten die kommen können – geschenkt. Aber wenn du eigentlich gern was sagen würdest aber es nicht tust, weil du zu cool dafür bist? Well, God, Jed, I don’t even want to know you. (Mrs. Landingham geht immer.)

Ich hab’s auch satt, dass wir alle immer so tun als wären wir total objektiv. Einen Dreck sind wir. Wenn es um Herkunft geht, um die Gruppen mit denen wir uns freiwillig oder qua eigener Geschichte assoziieren, dann sollen wir da sachlich sein? Ah géh weida. Wenn Themen an die Substanz gehen, wenn es unsere Entscheidungen und Umstände betrifft, Dinge die wir ja auch nicht nur mit dem Kopf entscheiden – natürlich werden wir da emotional. (und HALLO, das sagt die emotionale Legasthenikerin im Raum.)

Tatsächlich mag ich Twitter immer noch. Vielleicht gerade wegen der vielen Auseinandersetzungen. Nicht wegen des Geschreis. Weil sich Experten zu Themen äußern, weil Leute blöde Witze machen und weil man sich auch mal in die Haare kriegen kann, ohne, dass man danach neues Geschirr kaufen muss. Ja, ich diskutiere gern. Warum sollte ich sonst einen Account haben? Für Promotion geht man zu Instagram. Ich will reden, albern sein, Geschichten lesen, Dinge lernen und mich manchmal auch fetzen. Das sind die Dinge, die ich an Menschen schätze und ich schätze sie auch an Twitter. Gifs und Threads und Kartoffelsalat – give me all your imperfections. 

Zu den cool Kids hab ich nämlich nie gehört und wenn du bei Twitter bist, du übrigens auch nicht. 

„Everyone’s a pundit these days“ hat neulich ein amerikanischer Politik-Kommentator gesagt mit Blick darauf, dass viele Menschen nicht wählen oder unterstützen wen sie persönlich für ideal halten, sondern von wem sie glauben, dass „die Allgemeinheit“, diese graue, unförmige Masse auch will. Weil man selbst ist ja viel reflektierter als der gemeine Pöbel. Wenn das dann genug Menschen über sich denken… so geht ein Schlamassel los. Daran muss ich bei diesen spöttischen Meta-Tweets immer denken. Ich bin weiß Gott jemand, der sowas auch schon gemacht hat. Look at me being more clever than all those sheeps. So ein Blödsinn. Kaum kommt das richtige Thema, hänge ich voll drin. Auch wenn ich dann oft viel darüber gelesen habe, mich damit beschäftige und den Eindruck habe eben nicht nur über meine Erfahrung zu sprechen – am Ende tue ich auch das.

Wir sollten nicht aufhören Themen auseinander zu nehmen, aber vielleicht sollten wir lernen uns überhaupt erstmal auf ein Thema zu einigen. Als ich mich beispielsweise vor kurzem über die Kampagne der Nestle-Ministerin mit dem Hashtag #Dorfkinder aufgeregt habe, ging es mir überhaupt nicht um Dorf vs Stadt, den Blödsinn machen wir oft genug. Als Dorfkind hätte ich mir gewünscht, es ginge um uns alle gegen diese unverschämte Politikerin, naja, dachte ich. Hatte ich gehofft. Das ist der Teil, wo ich noch nicht ganz mitkomme. Weil tatsächlich kamen da diverse sehr erwartbare und einfallslose Keulen darüber, dass Dorfkinder hauptsächlich Nazis sind und gut nur diejenigen, die weg ziehen. Das war dermaßen nicht der Punkt. 

Der smarte Weg ist ja nicht alles zu muten, sich zu entziehen und der Meute das Feld zu überlassen – der smarte Weg wäre das Agenda-Setting als solches zu betrachten und sich die Brandstifter vorzunehmen. Wir können nicht über „die Medien“ die Nase rümpfen, die dumpf Springer-Schlagzeilen nachplappern, wenn wir selbst immer gleich Fronten aufziehen. Wenn Arbeiterkinder ihre Erfahrungen schildern, dann sind der „Gegner“ nicht Akademikerkinder, sondern ein System und wenn eine Ministerin versucht Dorfkinder vor ihren Karren zu spannen, dann ist es nicht vs. Stadtkinder, sondern vs. dieses haltungslose Ministerium sein. 

Wie wir das am besten anstellen, ich hab grade noch keine Ahnung. Vielleicht sollten wir das auf Twitter diskutieren. Wer Leute nicht mag, die sich gern mal verbal Dinge um die Ohren hauen, der hat mich eh nicht in der Timeline. (Eigentlich war der Plan nur „Not backing down 2020“ aber offensichtlich ist er „Durchgehend auf Krawall gebürstet 2020“. Ich trinke momentan allerdings auch quasi nicht. Oh.) Überhaupt, Mission Statements, das ist doch mal ein Ansatz. 

Insofern hab ich wohl Peak Meta-Twitter erreicht. Aufregen über diejenigen, die sich nicht aufregen wollen. Aber ernsthaft, wenn dich nix interessiert, interessierst du mich auch nicht. 

(you’re welcome)

Fragen 726-750

751. Mit welcher Frucht würdest du dich vergleichen? 

….was? Ananas?

752. Sind deine Gedanken immer richtig? 

Erneut: Bitte???

753. Welche Worte möchtest du irgendwann noch von jemandem hören? 

„Wenn es dir wichtig ist, ist es mir auch wichtig.“ (es ist kompliziert.)

754. Was an dir ist typisch schweizerisch, italienisch, französisch, deutsch? 

Oy vey. Es geht ja schon damit los, dass mir oft genug irgendwelche anderen Nationalitäten unterstellt werden. (Fuchtelt gestenreich, typisch italienisch.) Wobei, die Sache mit der Pünktlichkeit vielleicht? Und eine gewisse bajuwarische Arroganz. Aber die ist eher publikumsgerechte Folklore.

755. Fühlst du dich in deiner Haut heute wohler als vor zehn Jahren? 

Ich würde zwar sagen, dass ich vor 10 Jahren hübscher war, aber ich wusste es natürlich nicht. Insofern: Doch, ja.

756. Wann hat mal dein Glück auf dem Spiel gestanden? 

Ach, Glück, das sind Momente. Meine Grundlagen standen schon oft auf dem Spiel. Familie, Freundeskreis, Job – es hing alles schon mal am seidenen Faden.

757. Was möchtest du irgendwann unbedingt erleben? 

Geliebt werden. 

758. Trinkst du am liebsten aus einer bestimmten Tasse oder einem bestimmten Becher?

Natürlich hab ich auch die Neurose. Die gigantische Halb-Liter-Katzenmotiv-Teetasse, der getöpferte Kaffeebecher, etc. 

759. Mit wem hast du deine erste Freundschaft geschlossen? 

Äh. Oh. Das müsste die Ch gewesen sein, so in der zweiten Klasse ungefähr. Vorher kann ich mich zumindest nich dran erinnern. Sie hat Seifen gesammelt und ich bekam das erste Mal einen Begriff vom Unterschied zwischen Mitteltands- und Akademikerfamilie. Was sich damals gar nicht so drastisch materiell als viel mehr in einem gewissen Selbstverständnis niederschlug. 

760. Würdest du es selbst weniger gut haben wollen, wenn es dadurch allen Menschen besser ginge? 

Ein bisschen weniger? Sehr viel weniger? Das ist mir zu unspezifisch. Würde ich auf 5qm Wohnung verzichten – ja klar. Auf fließendes Wasser – eher nein.

761. Glaubst du an den Zufall? 

Inwiefern glauben? Zufälle passieren, das ist einfach qua Wahrscheinlichkeit so. Oder geht es hier ums Gegenteil – wenn man an den Zufall glaubt, kann es keine Bestimmung geben? Aber vielleicht existiert beides?

762. Wie viel Zeit am Tag verbringst du in der Küche? 

An einem Werktag: 30 Minuten maximal, weil ich abends nicht groß koche und mir morgens nur fix meinen Tee für den Thermobecher darin mache. Am Wochenende, wenn ich womöglich koche UND backe, können es etliche Stunden sein.

763. In wem hast du dich vor Kurzem wiedererkannt? 

Ich weiß nicht, ob das ein – haha, Zufall ist – aber seit ich das mit dem Spektrum weiß und gleichzeitig erstmals bewusst Frauen mit dieser Diagnose im öffentlichen Leben wahrnehme (Hanna Gadsby, Greta), erkenne ich mich überhaupt in Menschen wieder. 

764. Bist du impulsiv? 

Was ich über meine Spektrums-Störung gelernt habe, ist ungefähr das: Ich kann sehr, sehr lange gleichmäßig vor mich hin simmern, selbst wenn Dinge nicht in Ordnung sind. Aber der emotionale Teil ist durchgehend so hochsensibel, so auf maximale Lautstärke gedreht, dass irgendwann eine Überspannung entsteht, der Verstärker quasi platzt und daraufhin kann ich tatsächlich komplett die Kontrolle über meine Handlungen verlieren und extrem impulsiv Dinge tun. 

Weil grundsätzlich: Eher nicht. 

765. Für wen hast du dich vor Kurzem geschämt? 

Deutet auf Nachrichten, zoom nach London, Washington und München. (Hint: Mostly men.)

766. Kannst du mit einer Person des anderen Geschlechts eine Freundschaft pflegen?

In diesem Abschnitt häufen sich die Blödsinnsfragen aber schon auch arg, oder? 

767. Hast du ein Lächeln, das du nur für Fotos aufsetzt? 

Nicht, dass ich wüsste. Aber mich versetzen Fotografen auch ihn zahnarztähnliche Panikzustände.

768. Wen rufst du zuerst an, wenn du eine gute Nachricht hast? 

Es geht ja kaum noch jemand ans Telefon und wenn dann meine Mutter.

769. Was würdest du tun, wenn du keine Verantwortlichkeiten mehr hättest? 

Also wenn jemand alles für mich regeln würde? Ich könnte also nur noch rumliegen und lesen? IST DAS EINE OPTION?

770. Findest du dich selbst attraktiv? 

Ich meine…das ist auch ein Spektrum…irgendwie? Puh. Nicht konventionell, nein. Aber es stört mich an sich auch nicht.

771. Wer hat dich in letzter Zeit stark beeindruckt? 

Zitiert die Antwort auf Frage 763. (Interessant wie präsent mein Asperger hier plötzlich wird.)

772. Bist du ein gutes Vorbild? 

Grundgütiger, bitte nicht. 

773. Welche Tradition wird überbewertet? 

Ach, eigentlich alle. 

774. Packst du Geschenke immer hübsch ein? 

Hübsch ist relativ. Gut gemeint, ja. 

775. Interessierst du dich für Königshäuser? 

Die Gemäuer? Och ja. Die Menschen? Nur wenn gute Filme über sie gemacht werden. Geht The Crown gucken. 

No Choirs

And it’s hard to write about being happy
‘Cause the older I get
I find that happiness is an extremely uneventful subject

(Florence + The Machine // No Choir)

Nun stellt sich also heraus, dass ich mit Zufriedenheit, sei sie noch so mittelfristiger und unperfekter Art, nicht umzugehen weiß, ja geradezu nach neuen Auseinandersetzungen und Themen suche, sie aber nicht finde und mich darob in einer bis dato ungekannten Ra(s)tlosigkeit wiederfinde. 

Mein Kopf wird beruflich beansprucht, ich habe Freiheiten um mir selbst Themen und Aufgaben zu suchen, ich weiß, dass noch größere Dinge ums Eck lauern und es ist erschütternd unproblematisch geworden auch meine Freizeit mit meiner Mischung aus sozialen Kontakten und passivem Medienkonsum zu füllen. Wer bist du, fremde Kreatur, die mich da im Spiegel anguckt?

Natürlich, meine heimliche Superkraft mich an lang zurückliegende Niederlagen oder schlechte Erfahrungen zu erinnern, funktioniert nach wie vor – allein, sie hat gerade keinen richtigen Anlass. Ich muss mich zu keiner Veränderung motivieren, keinen Kampf bestehen, nur bedingt Dinge durchhalten.  Stattdessen steht es mir frei Menschen zur Seite zu stehen und mir ansonsten auch noch die letzten Details eines Lebens zurecht zu zimmern, das die Notwendigkeiten mit der Freude verbindet. (Mehr Cocktails, mehr Zeit ins Bars verbringen.)

Selbstoptimierung, das wäre selbstverständlich eine Möglichkeit. Ich könnte mir abends einen Smoothie machen statt ein Glas Wein zu trinken (wobei der Wein ohnehin seit Tagen ungeöffnet rumsteht, ich weiß doch auch nicht.) und weniger Kaffee, weniger Zucker, mehr Meditation und derlei Dinge, ja, das geht immer. Wofür gleich noch? Ach ja, die Gesundheit. Nun, ach, wissen Sie. Warum meine Generation einen hundertsten Geburtstag anstreben sollte, vor allem genährt von Verzicht und Reduktion, will sich mir nicht vollständig erschließen, so viel Hedonismus sei erlaubt. 

Jetzt kommen’s mir bitte nicht mit der Zukunft und den Kindern, ich tu mein möglichstes ihnen den Planeten zu erhalten, unter anderem in dem ich nicht bis in alle Ewigkeit Ressourcen verschwenden will. Ich kaufe regional und saisonal und viele Dinge offensichtlich sehr selten. Um den Jahreswechsel mal nachgezählt und festgestellt: in den letzten 2 Jahren habe ich 7x Kleidung geordert – das ist inklusive Unterwäsche und Strumpfhosen. Abgesehen vom #Donn33rbella Abendkleid wird alles regelmäßig getragen. Ich reduziere tatsächlich mit Ausnahme meines Bücherregals alles – allerdings auch weil ich endlich in der Lage bin mir die hochwertige Variante von Dingen zu leisten, die länger halten. Außerdem mag ich es, wenn ich mich bei etwas festgelegt habe und nicht mehr darüber nachdenken muss. 

Mit grob Mitte 30 bin ich einerseits an einem Punkt, den viele gleichaltrige schon vor Jahren erreicht haben, mit einem Mix aus Stabilität und Neugier, mit gewissen finanziellen Schritten (richtig, da war was. Den schreib ich demnächst.) und vor allen Dingen einer konkreten Mir-doch-wursch-Attitüde gegenüber vielen Sachverhalten. Andererseits leben wir in ausgesprochen wütenden Zeiten und das hat den Reifeprozess vermutlich aufgehalten. Neben ein paar anderen Dingen. Depressionen, Autismus, the usual. 

Es ist ein neuer, extrem ungewohnter Status, der natürlich erstmal die kreativen Ambitionen blockiert (because where is the pain ???) und droht mich ambitionslos zu machen. Nein nein, keine Sorge, wollen und fordern wie eh und je, aber deutlich weniger existenzialistisch. Ist das diese Altersmilde? Das erklärt warum andere dann Kinder bekommen, da rührt sich dann wenigstens wieder was. Fun Fact: Andere Frauen werden über die Feiertage von den Müttern gefragt wo denn die Enkel bleiben, ich bekomme ein Buch übers Schreiben geschenkt und, nun, denken Sie sich den Rest. (Das ist auch so etwas über das man ungern spricht, wenn man als Kind gewisse Talente und, oh Gott, POTENTIAL gezeigt hat und sich das mit der erwarteten Exzellenz nicht so einstellen will und man das nagende Gefühl des Versagens nicht los wird, obwohl einem dauernd bescheinigt wird, dass man doch relativ erfolgreich im Leben ist, also vergleichsweise. Es ist kompliziert.)

Apropos kompliziert: Ein arg simplifiziertes Buzzfeed-Quizz (ich kann verstehen wenn man an der Stelle aufhört zu lesen, aber Moment!) bescheinigte mir neulich, dass ich so gut wie keine Privilegien habe und als interjektionelle Persönlichkeit erstmal diversen Widrigkeiten ausgesetzt bin. 

To which: OY VEY.

Ja ich habe eine klitzekleine körperliche Behinderung und die Spektrums-Sache hat auch nicht immer alles leichter gemacht, außerdem ja Frau und noch dazu mit eigener Meinung, da wird es schon mal haarig (grade bei mir, höhö), aber jetzt mal Kirche im Dorf und so, weil eh: Dorfkindheit als weißes, katholisches Mädchen aus stabilem Elternhaus mit Bildungsambitionen für die Kinder – an dem Punkt war noch gar nix intersektionell. Ich war halt irgendwann ein „Sonderling“ , aber abgehalten hat mich nie jemand von irgendwas und als ich das erste Mal damit konfrontiert wurde, dass etwas das ich tue besonders ist, weil ich eine Frau bin – an dem Punkt bin ich halt eine fiese Feministin geworden, grad extra. 

Vor Weihnachten hab ich einen kleinen Thread auf Twitter geschrieben, dass wir Systeme brauchen die quasi im Bottum-up Design konzipiert werden – also mit der meisten Hilfe für die Schwächsten.  Und so sollte das auch mit der Darstellung von Privilegien funktionieren. Ich bin okay, wirklich. 

Holla die Waldfee, wie bin ich denn jetzt auf dem Drahtseil gelandet. 

Ah ja, da wollte ich hin. The state of the Donnerhallen-Union ist nämlich eben das: Okay. 

Wie ich darüber schreibe und worüber ich zur Hölle denn dann schreibe, ist aktuell noch ein wenig mit Fragezeichen verbunden. Könnte interessant werden, dieses 2020, dahingehend. (Woraufhin das Universum natürlich sofort loszieht und einen großen Stein sucht, den er mir in den Weg legen kann. Ich will’s nur schon mal gesagt haben.) Aber bis dahin: Vielleicht geht’s hier demnächst mal eine Weile nicht um mich, weil andere Sachen interessanter sind. 

Fragen: 726 – 750

726. Welchen Film würdest du für einen Filmabend mit Freundinnen aussuchen? 

Uff, mich überfordert gerade schon das Konzept. Im Zweifel…irgendeine Austen-Verfilmung. Also, eine von den Guten. Oder Cats.

727. Fühlst du dich anders, wenn du ein Kleid trägst? 

Nicht mehr, seit ich es dauernd tue. Befremdlich wären mittlerweile vermutlich Jeans.

728. Welcher Geruch erinnert dich sofort an früher? 

Frischgemähtes Gras. Vanillesoße, überhaupt – Mehlspeisen. 

729. Was würdest du anders machen, wen du auf niemanden Rücksicht nehmen müsstest? 

Erschütternd wenig. Vermutlich würde sich mein Rhythmus noch mehr in die Nacht verschieben. 

730. In welcher alten Kultur hättest du leben wollen? 

Als Frau? Als denkende Frau? Naja, die Römer waren dahingehend gar nicht soooo furchtbar. Andererseits…ne.

731. Denkst du lange über Entscheidungen nach? 

Nein. Manchmal schleicht sich die Entscheidung über einen gewissen Zeitraum hinweg an, aber wenn sie vor der Tür steht, wird auch geantwortet.

732. Hast du schon einmal vor dem Ende eines Films das Kino verlassen? 

Nicht, dass ich mich daran erinnern könnte. Oh, moment. Als ich… 11 oder so war, musste frühzeitig aus „König der Löwen“ raus, weil ich einen gottverdammten Arzttermin hatte. Story of my fucking life.

733. Über welche unangemessenen Witze lachst du insgeheim doch? 

Es gibt so ein paar Nationalitäten-Klischees, die sind zu schön. *looks at France*

734. Findest du, dass die schlechten Tage auch zum Leben gehören? 

Durchaus, aber sie dürften sich langsam mal in eine Minderheit verwandeln.

735. Was müsste in der Gebrauchsanweisung zu deiner Person stehen? 

Braucht Raum. Aber auch Aufmerksamkeit. Gibt gern widersprüchliche Signale. Katzenhaltung als Vorbildung von Vorteil. 

736. Wie gross ist unsere Willensfreiheit? 

Manchmal denke ich, sie steht in einem Quadranten genau entgegengesetzt von Empathie. 

737. An welchem Kurs würdest du gern teilnehmen? 

Korbflechten. (Sorry, ein Insider.) Pasta machen mit italienischen Großmüttern natürlich. 

738. Machst du manchmal Scherze auf deine eigenen Kosten? 

*inserts Hannah Gadsby Monologue*

(nur noch, wenn es jemanden aufheitert, der es wirklich dringend braucht.)

739. Welche Blumen kauft du am liebsten für dich selbst? 

Welche, von denen man ernten kann. 

740. Welche Eigenschaft eines Tieres hättest du gern? 

Sagen wir mal so: Ich ahne, warum Katzen Schachteln mögen, für die sie eigentlich zu groß sind. Überhaupt: Katzen. Einfach irgendwo ankommen und sich so lange breit machen, bis man dort Zuhause ist und bedient wird. Faszinierendes Konzept. 

741. Darf man einer Freundin von einem Gespräch mit einer anderen Freundin erzählen? 

Das hängt von sehr, sehr vielen Faktoren ab. Manchmal. 

742. Wem erzählst du, was du geträumt hast? 

Dem Internet. Mein Unterbewusstsein ist ein offenes Buch. 

743. Ist Neues immer besser? 

Nö. Aber oft. (denkt an Frage 730)

744. Was machst du, wenn eine Party nicht so richtig in Schwung kommt? 

*stares blankly* Hm? Naja…gehen? Oder reden wir von meinen Partys? Da kommt sowas nicht vor, die Menschen haben zu viel Angst vor mir als dass sie keinen Spaß hätten.

745. Was hast du in der Schule gelernt, wovon du immer noch profitierst? 

Entscheidend ist, mit wem man sich verbündet. Und alles übers Durchhalten.

746. Sagst du immer die Wahrheit, auch wenn du eine Person damit verletzen könntest?

Umgekehrt brauche ich einen sehr, sehr guten, also wirklich triftigen Grund, um nicht die Wahrheit zu sagen. 

747. Bist du in der virtuellen Kommunikation anders als von Angesicht zu Angesicht? 

Nicht sehr, was ein bisschen das Problem ist. *kann nicht aufhören in Punchlines zu sprechen*

749. Was machst du, wenn du dich irgendwo verlaufen hast? 

Hoffen, dass ich genug Empfang für GPS habe. Seriously, it’s a problem. (Hat Frage 748 sich verlaufen? Ist das hier ein Meta-Joke?)

750. Wann bist du zuletzt im Theater gewesen? 

Uff. Weile her. Ganze Weile. Zählen Lichtspieltheater? Dann vor ein paar Wochen. 

Zwanzig

20. Here’s to moving forward.

19. Der neue Job, der sich zum ersten Mal wie Werdegang anfühlt, nach etwas in das ich hineinwachsen kann.

18. Eingeladen werden, zu rauschenden Festen. Und sie nicht alle verderben. (Nur ein paar.)

17. Richtige Pläne machen. Für Urlaub, für Bildung, überhaupt Dinge. Mit fast gar keiner Angst dahinter.

16. Erst Rückzug, dann Kampfposition. Gewappnet, ach was, vorfreudig auf Konfrontation.

15. Albernheiten in denen Tiefe versteckt ist.

14. Versöhnung mit der Diagnose, fast mit dem ganzen zurückliegenden Leben. Eingestehen, dass Dinge immer anstrengender und anders sein werden und das Warten aufs eigene Normalsein hiermit endet.

13. Lizzo, Hannah, Florence, Elizabeth W., Bra Bra Bra

12. Bücher. Noch mehr, immer noch mehr Bücher und Zeit in Bücherläden.

11. Sport, aber nicht aus Körpergründen. Sondern zum Kopffreischauffeln. #TooBusyToDiet

10. Aber die wilden Träume und die große Sehnsucht nicht aufgeben.

9. Eingestehen, dass es manchmal verdammt einsam ist, so als Alien.

8. Tinder löschen und das Handy ausräuchern wollen.

7. Mitten in den immer noch sehr kränkenden Situationen stehen und begreifen, dass es okay ist traurig zu sein wenn andere ignorant sind – selbst, wenn es die Familie ist.

6. So viel mehr Geld als Gedacht in Momente mit anderen Menschen investiert. Bester ROI überhaupt.

5. Traue Nicht-Juristen immer mehr zu als Juristen.

4. Endlich spielen. Turning full on overdressed Geek.

3. Denken an Marie-Sophie.

2. All the pretty things. Ansprüche haben ist okay, auch wenn wir den Planeten retten sollten.

1. Ich darf sein. Genau so.