Donnerhall(en)

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Schlagwort: 1000 Fragen (Seite 2 von 4)

inneres Ramadama

Es hat bis fast zum Ende der zweiten Urlaubswoche gedauert, dass das Konzept auch im ganzen Organismus ankam. Du musst jetzt nichts tun. Wirklich. Kann alles warten. Hör auf die To-Do Liste im Kopf zu erweitern. Nein, du musst auch nicht kreativ oder hilfsbereit oder irgendwas sein. Komm verdammt nochmal runter, hysterische Kuh. 

Ich war dann auch relativ tatenlos. Eher so Rumpuscheln, um Energie loszuwerden. Aufräumen, Kochen, endlich Regale und andere Dinge an Wänden anbringen. (Kaum wohnt man hier 3 Jahre…). Ausmisten, Kochen. Ausschlafen, aber richtig. Lesen, Musik hören, einfach nur dasitzen und gucken. Ohne an etwas zu denken. 

Einmal wollte ich etwas tun, sogar bei einem Umzug helfen, aber, nun, man kam mir zuvor.  Sachen gibt’s. Aber auch hier die Feststellung: Wenn da die richtigen Leute sind, wird es unterhaltsam. Selbst wenn man gar nicht mal so viele Schnittmengen im Leben hat. 

Weil natürlich war das räumliche Umgestalten nur Ausdruck des inneren Chaos, das dringend gelichtet werden musste. Da hängt immer noch so viel altes, es vergilbt nur langsam. So gut ich darin bin meine Besitztümer wegzuschmeißen wenn ich sie nicht mehr brauche, so ausgiebig hänge ich an inneren Zuständen. Es wird Zeit für ein paar Schnitte.

Die erste Brücke sollte ich schon erfolgreich hinter mir angezündet haben, weitere werden folgen. An anderer Stelle werde ich mich einfach mal umorientieren und Dinge auf mich zukommen lassen. Was ich seit der Geburtstagsfeier mit mir rumtrage: Es sollte mehr solche Gelegenheiten geben. Dinnerparties oder wenigstens ein boozy Buchclub, vielleicht ein Stammtisch für Frauen, die gerne alles anzünden würden. (Wir sind alle so viel wütender als die meisten annehmen.)

Substitutionstechniken nennt das meine Therapeutin. Anstatt einzelne Menschen zu fragen, ob sie mit mir ein Glas Wein trinken gehen wollen, finde ich Gründe, um Menschen zu versammeln. Ich bin mir noch nicht sicher, ob sie das clever oder beunruhigend findet. Es hängt eventuell damit zusammen, dass sie das mit meinen Internet-Bekanntschaften nicht vollumfänglich verstanden hat. 

Oder ich hab sie immer noch nicht ganz verstanden. Wo einem doch beim Aufräumen der alten Gedanken immer wieder einfällt wie volatil das alles sein kann. Gerade, wenn man wie ich einen Hang zu… nennen wir sie aspirational relationships hat. Menschen, die so anders oder zumindest mir in bestimmten Dingen so überlegen sind, dass ich mich auf ein Minimum reduziere, um mich ein bisschen anhängen zu dürfen. Dass genau die mich am Ende ablehnen passt einfach besser in mein Weltbild, als diejenigen die da sind und bleiben, auch wenn ich mal wieder sehr finster unterwegs bin. 

Ich kann jede einzelne Freundschaft die jemand mit mir abgebrochen hat seit der dritten Klasse bis ins Detail erzählen – und vergesse dafür Menschen, die einfach so nett zu mir waren. Ich bin vielleicht wesentlich verkorkster in diesen Dingen, als ich bisher dachte. 

Aber dafür hat man schließlich Urlaub. Jetzt wird aufgeräumt. Zeit, kostbar wie sie ist, nur noch für die, die sie auch zu schätzen wissen. Ich werde sie ab jetzt auch wieder schätzen. 

Fragen 151-175 (von hier)

151. Wofür warst du gern berühmt?

Da lege ich so gar keinen Wert drauf. Berüchtigt bis gefürchtet, damit könnte man etwas anfangen…

152. Wie fühlt es sich an, abgewiesen zu werden?

Wie die Bestätigung all dessen, was einem die Dämonen einflüstern.

153. Wen würdest du gern besser kennen lernen?

Oh je… Einerseits, sehr viele. Man müsste viel öfter wie zu Studienzeiten mit Menschen bis tief in die Nacht bei guten Getränken reden können. Andererseits, puh, Zwischenmenschliches, nicht meine Stärke.

154. Duftest du immer gut?

Ich…äh, gebe mir Mühe?

155. Wie viele Bücher liest du pro Jahr?

Nach einigen sehr dürren Jahren skaliere ich langsam wieder auf 15-20 hoch.

156. Googelst du dich selbst?

Nur, wenn ich grade Bewerbungen schreibe und mal testen will, wie das dann so aussieht.

157. Welches historische Ereignis hättest du gern mit eigenen Augen gesehen?

Historisch werden Dinge ja immer erst im Nachhinein, es wäre mir ja dann gar nicht klar. Aber ich schätze, der Mauerfall. Die Hoffnung, die Euphorie. Wobei, es würde mir noch schwerer fallen zu glauben, wo wir 30 Jahre später stehen.

158. Könntest du mit deinen Freundinnen zusammenwohnen?

Die wenigen die ich habe, wären geeignet. Genauso pedantisch und speziell wie ich, das geht. 

159. Sprichst du mit Gegenständen?

Ich spreche mit allem, im Zweifel auch mit Konzepten.

160. Was ist dein größtes Defizit?

Das nachtragend sein, nicht loslassen können, obsessiv in nicht änderbaren Zuständen rumrühren.

161. Bist du ein Hundetyp oder ein Katzentyp?

Mau?

162. Wie zeigst du, dass du jemanden nett findest?

Offensichtlich nicht besonders gut.

163. Isst du eher, weil du Hunger oder Appetit hast?

Wenn es mir gut geht: Hunger. Wenn nicht: Weil halt.

164. Tanzt du manchmal vor dem Spiegel?

Nur wenn Beyonce läuft.

165. In welcher Hinsicht bist du anders als andere Menschen?

Wie viel Zeit haben wir? Vielleicht bin ich gar nicht anders, nur… unvollständig. So kommt es mir zumindest vor.

166. Welchen Jugendfilm würdest du Kindern empfehlen?

Aber ich wüsste eine Reihe von Büchern…

167. Bleibst du bei Partys bis zum Schluss?

Nur um mit aufzuräumen.

168. Welchen Song hast du in letzter Zeit am liebsten gehört?

Florence, ach Florence. Die Dinge die sie in diesem Lied mit ihrer Stimme tut. 

You need a big god
Big enough to hold your love
You need a big god
Big enough to fill you up

Sometimes I think it’s gettin’ better
And then it gets much worse
Is it just part of the process?
Well, Jesus Christ, it hurts
Though I know I should know better
Well, I can make this work
Is it just part of the process?
Well, Jesus Christ, Jesus Christ, it hurts
Jesus Christ, Jesus Christ, it hurts

169. Bereitest du dich auf bestimmte Telefongespräche vor?

Wie jetzt, nur auf bestimmte? Haben wir nicht etabliert wie wenig meinem Kopf in spontanen Situationen zu trauen ist?

170. Wann hast du zuletzt vor jemand anderem geweint?

Im Sommer, unabsichtlich. Ich habe etwas erzählt was mich damals, eigentlich immer noch, umgetrieben hat und bevor ich es mitbekam flossen die Tränen. Ungut. 

171. Mit wem verbringst du am liebsten einen freien Tag?

Der ganze Tag? Mit mir selbst. Maximal noch mit der C.

172. Was war der beste Rat, den du jemals bekommen hast?

„Alle anderen tun auch nur so als ob.“

173. Was fällt dir ein, wenn du an Sommer denkst?

Badesee und Eis, lange Abende, alle sind ein wenig besser drauf, Tomaten die wie Süßigkeiten schmecken, perfekte Nächte. Musik. Sehnsucht. 

174. Wie duftet dein Lieblingsparfum?

Es existiert noch nicht, aber nach Kaminfeuer, Whisky und schokolierten Kirschen. (Also von September bis April. Dazwischen ist es aktuell Malabah von Penhaligon’s.)

175. Welche Kritik hat dich am stärksten getroffen?

Die schweigende.  




“Feiern kannst du aber fei”

Es war kurz vor Mitternacht, als ich mir endlich einen Moment nahm, um mich einfach nur umzuschauen und diesen Moment möglichst exakt festzuhalten. Ein ganzer Haufen Menschen, gut angezogen, lächelnd, sich amüsierend und, tatsächlich, meinetwegen da. Ganz in echt. Wirklich passiert. Dämonen hin, Schatten her, ich hatte es irgendwie durchgezogen. Das sollte ich mir merken.

It was a mess of good years

“It was a very good year” Frank Sinatra

Die Idee dazu meinen Schnapszahl-Geburtstag zu feiern, den hatte ich noch bevor Ende letzen Jahres die Dinge äußerlich wie innerlich zu bröckeln und zu stürzen begannen. Vielleicht der einzige Grund, warum ich die Sache stur wie ich bin, angekündigt und eingehalten habe. Projekt #Donn33rbella was a go.

Und natürlich, es ist ein Drahtseilakt. Im Frühjahr, als ich zwischenzeitlich dachte es wäre unmöglich mit nur 6 Monaten Vorlaufzeit in München eine bezahlbare, buchbare Location zu finden. (Ich fand sie.) Oder danach, als ich mich zum ersten Mal mit so etwas wie einer Gästeliste und einem möglichst unkomplizierten Einladungs-Mechanismus auseinandersetzen musste. Schon da wurde mir wieder klar, warum ich über 20 Jahre keinen Geburtstag gefeiert hatte, im Gegenteil.

Oder in den letzten Wochen vor der Feier, als plötzlich doch noch einige Absagen eintrudelten.  Ich merkte, wie empfindlich ich immer noch bei solchen Sachen bin, gerade momentan. Wie persönlich ich alles nehme, gleichermaßen verstehend, dass ich den Aufwand nicht wert bin und andererseits empört weil einige Begründungen…nun, lassen wir das. Umso fantastischer waren die Zusagen, die Vorfreude, die Frage nach dem Dress-Code. (Ich kann das nur empfehlen. Menschen nahezulegen, dass sie sich bitte in den feinen Zwirn werfen führt zu spannenden Ergebnissen und verleiht dem Abend ein gewisses Flair. So gut sahen die alle aus! So gut, ich hab sogar über ein Eagles-Trikot hinweg gesehen.)

Mir wurde klar was für eine eklektische, faszinierende Gruppe von Menschen ich in meinem Leben gefunden hatte. Das bewahrheitete sich spätestens in den unerwarteten Gesprächsrunden und ausgetauschten Telefonnummern. Manche hatte ich lange nicht mehr gesehen, einige hatten weite Wege auf sich genommen. 

Jeder einzelne ein Schlag ins Kontor des schwarzen Schlamms von dem ich so oft umzingelt bin. Das vielleicht beste Geschenk, das ich mir machen konnte. 

Eines mit Nachwirkung. Mit Tage später ausgepackten Geschenken, (Books and Booze – Titel meiner Autobiographie.) hinreißenden Glückwunschkarten und dem Zitat, das in der Überschrift steht. Weil wenn es einen Satz gibt, mit dem ich nicht gerechnet habe, dann mit dem. 

Wobei, die Familie findet ja, dass das Gastgeberinnen-Dasein in glamouröser Umgebung vollständig dem Erbgut einer gewissen Seite der Familie entspricht. Abendkleid tragen, Klunker aussuchen, Hof halten. (Wer hier länger mitliest, weiß, dass man mir mal wieder großmütterliche Tendenzen unterstellt.)

Wofür so eine Feier auch gut ist: Die übliche Nabelschau rund ums Wiegenfest abzuwürgen. Darum an dieser Stelle keine tieferen Erkenntnisse zum vor einer Woche erreichten Lebensalter oder ein erneutes Wiederkäuen des verkorksten letzten Jahres. Stattdessen: Mehr Albernheit, mehr Glitzer, mehr Gelegenheiten. Ich war ein todtrauriger Teenager und habe meine 20er damit verbracht ganz langsam aus einer selbstgegrabenen Höhle herauszuwachsen. Zurückrudern gilt nicht, da müssen wir jetzt alle durch. Dress Code and all. 

P.S.: Pro-Tipp für Menschen, die nun eventuell auch feiern wollen und dabei gegebenenfalls alkoholbedingt den Überblick verlieren könnten – pick a designated gift-person. Ernsthaft, das Transportieren, spätere Zuordnen und entsprechende Freuen wird sonst… kompliziert. Und sei es, weil sie immer noch nicht so ganz sicher wissen, von wem der 1200 Seiten Paul Auster Roman nun stammt. Nächstes Mal habe ich Klebepunkte und meine Etikettiermaschine dabei. 

Fragen 126-150 (von hier)

126. Was kaufst du für deine letzten zehn Euro

Ein Notizbuch und ein Stück Schokolade.

127. Verliebst du dich schnell?

Leider nein.

128. Woran denkst du, bevor du einschläfst?

An alles was mir fehlt.

129. Welcher Tag der Woche ist dein Lieblingstag?

Sonntag. Alles ist ein bisschen leerer, ein bisschen langsamer, weil es nichts zu kaufen, zu erledigen gibt.

130. Was würdest du als deinen grössten Erfolg bezeichnen?

Ich bin immer noch da.

131. Mit welcher berühmten Person würdest du gerne einmal einen Tag verbringen?

Tot oder lebendig? Tot: Dorothy Parker, gern auch zu ihrer Zeit. Im Algonquin sitzen, trinken, debattieren, uns die Pointen zuwerfen. (gefolgt von Roger Willemsen und Prince) Lebendig: Christine Lagarde. Wahnsinns-Frau, unfassbarer Job. Die war mal Synchronschwimmerin! (Danach Benjamin von Stuckrad-Barre und Niko Kovac. )

132. Warst du schon einmal in eine (unerreichbare) berühmte Person verliebt?

Ich kann ins Schwärmen geraten (siehe Willemsen, Stuckrad-Barre), aber verlieben, nein.

133. Was ist dein Traumberuf?

Ich glaube langsam, dass ich jemand bin dem es nicht unbedingt in erster Linie darum geht was er tut, sondern wie. Etwas mit viel Freiheit, dann darf es auch sehr viel Arbeit sein. Ein Unternehmen bauen, einen Laden führen, Schreiben – im Zweifel auch technische Dokumentationen. Lasst mich einfach nur machen. 

134. Fällt es dir leicht, um Hilfe zu bitten?

Um was?

135. Was kannst du nicht wegwerfen?

Bücher, Geschenke, bestimmte Erinnerungsstücke.

136. Welche Seite im Internet besuchst du täglich?

Mit oder ohne App? Wenn Apps nicht zählen, gibt es keine tägliche. Ansonsten: Twitter, Gmail, Inoreader.

137. Sind die besten Dinge im Leben gratis?

Dinge? Nein. Momente, ja.

138. Hast du schon mal was gestohlen?

Vermutlich? Aber tendenziell war ich da sehr sehr jung.

139. Was kochst du, wenn du Gäste hast?

Gegrillte Feigen mit Mascarpone gefüllt und Speck umwickelt, Risotto mit Trauben und Walnüssen, vielleicht geschmortes Lamm dazu  und dann entweder französischer Schokoladenkuchen oder Tiramisu oder Erbeertörtchen. Natürlich eine Käseplatte, mit Oliven und eingelegten Zwiebeln, spanischer Schinken, fluffiges Weißbrot. 

Es finden sich bestimmt noch Cookies oder Pralinen, zusammen mit gutem Schnaps als Absacker. Mist, jetzt Appetit. 

140. In welchem Laden möchtest du am liebsten einmal eine Minute lang gratis einkaufen?

Die Parfümerie bei mir um’s Eck. (Einmal quer durch’s Amouage Regal greifen, fertig.)

141. In welche Länder möchtest du noch reisen?

Portugal, Irland, Estland, Indien, Neuseeland, Kanada, Argentinien, Namibia

142. Welche übernatürliche Kraft hättest du gern?

Apparieren und Disapparieren a la Harry Potter wäre natürlich unsagbar praktisch. In diesen Tagen hätte ich manchmal gern die Fähigkeit andere spüren zu lassen, was ich spüre, in all seiner kaputten Logik. Würde vermutlich viel Schaden anrichten, aber vielleicht wäre da auch ein bisschen mehr verstehen. Empathie by Proxy quasi.

143. Wann wärst du am liebsten im Erdboden versunken?

Spontan fällt mir eine Überschrift ein, die so nie hätte online gehen dürfen, ein Kommunikations-Missverständnis mit einem Dienstleister das viel Geld gekostet hat und wie ich als Praktikantin mal den Oberober-Chef in einer Email völlig falsch adressiert habe. Ich befürchte ich bin im Job mutiger als privat und laufe darum da eher ins Verderben.

Grade fällt mir noch die Schulstunde ein, als eine verzweifelte Lehrerin versucht hat zwischen der mich mobbenden Klasse und mir zu vermitteln, nur, dass sie nicht dazwischen ging als aufgezählt wurde warum ich so seltsam und demzufolge selber schuld bin. Ich glaube an dem Tag hab ich ein bisschen mit der Menschheit abgeschlossen.

144. Welches Lied macht dir immer gute Laune?

145. Wie flexibel bist du?

Was soll das heißen ES GIBT EINE PLANÄNDERUNG?

146. Gibt es eine ungewöhnliche Kombination beim Essen, die du richtig gern magst?

Richtig gutes Nußöl und sehr dickflüssiger Balsamico gehen ja prinzipiell zu allem, auch süß.

147. Was tust du, wenn du in einer Schlange warten musst?

Leute beobachten, Twitter checken, im Kopf eine Liste machen was es noch zu erledigen gibt.

148. Wo siehst du besser aus: im Spiegel oder auf Fotos?

Im Dunkeln.

149. Entscheidest du dich eher für weniger Kalorien oder mehr Sport?

Ich versteh die Frage nicht. Ich bin pro Nahrung.

150. Führst du oft Selbstgespräche?

Eventuell mehr als Gespräche mit echten Menschen. Was mich mehr beunruhigen sollte als es tut.

September, endlich.

Endlich gleicht sich die äußere Wetterlage der inneren an.

Die Heulkrämpfe sind weniger geworden, aber die Haut ist immer noch nicht dick genug.

Eine Erkältung bremst alle Pläne aus und anstatt die tatenlose Woche zum Nachdenken zu nutzen, bin ich einfach nur indigniert.

Wie soll man denn das alles nicht persönlich nehmen? All die versäumten Dinge, die Absagen und nie passierten Momente. Das Universum steht in meiner verdammten Schuld. 

Regen und Tee, Wollsocken und Schokolade. Kerzenlicht und leere Seiten, die beschrieben werden wollen.

September.

Ein Teil von mir kann kaum erwarten, dass dieses Jahr zu Ende ist.Der Rest hat sich noch ein paar Dinge vorgenommen und hofft nicht allzu enttäuscht zu werden.

Ganze Abende mit einzelnen Sätzen von Styron.

“There he must, despite the anguish devouring his brain, present a face approximating the one that is associated with ordinary events and companionship. He must try to utter small talk, and be responsive to questions, and knowingly nod and frown and, God help him, even smile. But it is a fierce trial attempting to speak a few simple words.”

Darkness visible ; William Styron

Ich verlerne das Erzählen, überhaut das mit dem Nutzen der Sprache in all ihrer Länge und Breite. Ich dachte so lange ich müsse beweisen, dass ich  mehr kann als Worte aneinanderreihen und jetzt merke ich, dass ich kein Stück besser schreibe als vor einigen Jahren. Flucht nach vorn, ab in die Bücher, in die Schreibübungen in das gefährlichste aber auch mir bekannteste Gebiet, das ich kenne: meinen Kopf.

Wo die Selbstzweifel-Schatten und die Geister der verlorenen Menschen wohnen, wo die dunklen, zähen Flüsse meine Energie davon tragen und listige Raben meine Pläne sabotieren. Aber nur hier stehen auch die Ruinen der Geschichten, die Rohbauten einer Zukunft, das Baumaterial für alles was sein kann. Verleimt mit der Sehnsucht nach falschen Erinnerungen. Nur wenn ich hier Schlösser baue und die Flüsse vom Schlamm befreie, die Raben auf die Reise, dann kann das nächste Jahr ein anderes, ein wirklich anderes werden.

</Pathos>

Wenn Nachdenken, dann über bemerkenswert radikale Neuanfänge. Übers Brücken anzünden, Festland hinter sich lassen, vielleicht auch nochmal die eigenen Fähigkeiten neu aufstellen. Vielleicht ist es nach all dem Verlieren, nach dem Vergessenwerden und der Apathie zwischen mir und der Welt Zeit alles über den Haufen zu werfen.

Wenn nicht jetzt wann dann?

Fragen 101-125 (von hier)

101. Treffen die deinem Sternbild zugeordneten Charaktereigenschaften auf dich zu?

Ja, aber es sind dieselben, die langsam dazu führen, dass die Frage nicht lautet, ob ich auf dem Spektrum liege, sondern nur wie weit entfernt von der Norm. (langer Blogeintrag für ein andermal.)

102. Welche Farbe dominiert in deinem Kleiderschrank?

Beeren und Meer. Ich weiß gar nicht, wie das passieren konnte, aber ich finde Schwarz mittlerweile fast langweilig.

103. Holst du alles aus einem Tag heraus?

Ich weiß nicht, was das heißen würde. Manchmal, wenn ich eine bestimmte Energie habe. Wenn etwas mich beflügelt, dann bringe ich in einem Tag mehr als sonst unter. Auch wenn das manchmal nur dem „normalen“ Tag von anderen entspricht.

104. Wie viele TV-Serien schaust du regelmäßig?

Viele meiner aktuellen Serien enden dieses Jahr, ich glaube bald sind es nur noch eine handvoll.

105. In welchen Momenten wärst du am liebsten ein Kind?

Wenn ich Sehnsucht danach habe, dass jemand sich um mich kümmert. Weil ich krank bin, weil jemand gemein zu mir war, weil mein Schmerz ungehört bleibt.

106. Kannst du eine Woche auf das Internet verzichten?

Gute Frage. Das Internet ist mittlerweile so sehr Infrastruktur. Ich könnte mich versorgen, auch beschäftigen. Aber von den Telefonnummern in der Cloud über die Nachrichten zu Twitter – meinem Hauptnetzwerk – es wäre eine seltsame Woche.

107. Wer kennt dich am besten?

Keine Ahnung. Manchmal befürchte ich, dass man mich entweder kennen oder mögen kann und darum mich jemand sehr gut kennt, der mich aber nicht mehr mag und ich es darum nicht merke.

108. Welche Arbeit im Haushalt findest du am wenigsten langweilig?

Aussortieren und neu ordnen. Nach Alphabet, nach Gebrauchsfrequenz, nach Zuständigkeit – mit Etikettendrucker!

109. Bist du manchmal von anderen enttäuscht?

Ha. Haha. Manchmal.

110. Wie sieht ein idealer freier Tag für dich aus?

Ausschlafen, Schwimmen gehen, Schreiben, Lesen, Abends mit einem interessanten Menschen essen / etwas trinken gehen. Bis spät in der Nacht auf dem Balkon sitzen – weil man am nächsten Tag nochmal ausschlafen kann. (Ganz wichtig!)

111. Bist du stolz auf dich?

Ich wüsste nicht worauf. (vielleicht für’s Durchhalten?)

112. Welches nutzlose Talent besitzt du?

Ein Talent allein ist ja weder nützlich noch nutzlos. Talent allein ist einfach nur da. Man muss auch etwas damit anfangen wissen. Insofern sind alle meine Talente nutzlos.

113. Gibt es in deinem Leben etwas, das du nicht richtig abgeschlossen hast?

Die Liste der abgeschlossenen Dinge wäre kürzer. Der Titan-Nagel in meinem Bein hätte vor Jahren rausgekonnt, ich komm nur nicht dazu. All die ungeschriebenen Emails, begonnenen Projekte, wilden Ideen, ach, ach.

114. Warum trinkst du Alkohol beziehungsweise keinen Alkohol?

Weil er mir schmeckt. Weil ich die erste Stufe der Trunkenheit, das langsame nach hinten kippen der Anspannung und das vorsichtige Absinken der Hemmungen mag. Darüber komme ich eh nur selten hinaus. Vielleicht auch, weil es ein Laster ist, in dem man sich zumindest mittlerweile durchaus mit nerdiger Natur sehr wohlfühlen kann, weil es „angesagt“ ist, sich ein bisschen auszukennen.

115. Welche Sachen machen dich froh?

Da ist immer noch dieses High, wenn ich Bücher kaufe. Wenn jemand an mich denkt und sich meldet, einfach so. Wenn sich rausstellt, dass ich mir zu viele Gedanken gemacht habe, also immer. Wenn ich jemandem helfen konnte. Und dann gibt es da noch diesen Zustand in den man geraten kann, wenn man schreibt, wenn es fließt, wenn man die Kontrolle verliert. Das ist meine Lieblingsdroge.

116. Hast du heute schon einmal nach den Wolken am Himmel geschaut?

Jeden Tag.

117. Welches Wort sagst du zu häufig?

Oida.

118. Stehst du gern im Mittelpunkt?

Nein. Jein. Ja. Manchmal. Aber eigentlich, ach, es ist kompliziert. Aufmerksamkeit, so ein zerbrechliches, hell strahlendes Ding.

119. Wofür solltest du dir häufiger Zeit nehmen?

Andere Menschen. Spaß haben.

120. Sind Menschen von Natur aus gut?

Menschen sind von Natur aus gar nichts, alles andere fände ich furchterregend.

121. Gibst du der Arbeit manchmal Vorrang vor der Liebe?

Ich wünschte die Liebe hätte mich schon mal vor diese Wahl gestellt.

122. Wofür bist du deinen Eltern dankbar?

Für ihre Entspanntheit und den daraus resultierenden großen Freiraum. Dass sie immer, immer da waren. Wenn ich wieder wegen irgendetwas exotischem im Krankenhaus lag. Jedes Mal wenn ich gegen Ungerechtigkeit in den Kampf mit den Windmühlen gezogen bin.  Auch, als sich ihre Tochter in eine dunkle Wolke aus depressiver Todessehnsucht verwandelt hatte. Wie sie immer darauf bestanden, dass ich trotz allem wertvoll bin. So, so unendlich dankbar.

123. Sagst du immer, was du denkst?

Das ist ja das Problem.

124. Läuft dein Fernsehgerät häufig, obwohl du gar nicht schaust?

Nein, allerdings auch hauptsächlich weil Podcasts mein neues nebenher-lauf-Medium sind.

125. Welchen Schmerz hast du nicht überwunden?

Ich bin nicht gut im Überwinden. Es gibt Dinge, die sind so lange her aber ich würde nicht sagen, dass ich sie überwunden habe. Jetzt gerade: Dass ich, obwohl ich es besser wissen sollte, erneut jemanden nur wegen etwas das in meinem dummen Kopf schief läuft, wohl dauerhaft in die Flucht geschlagen habe. Was nicht zum ersten Mal passiert und mich zusehends wütend auf mich selbst macht.