Was gut war: KW 33, 2017

Ba-ba-ba-ba-ba-ba-Brückentag. Zwar ausgeschlafen, aber dann doch noch die ersten Dinge von der To-Do Liste erledigt und ab Mittag mit einem shoppenden Weiberausflug unterwegs gewesen. Inklusive Abstecher zu Ikea. (Hier Gefahr-andeutende Musik dazu denken.) Sie kennen das.
Mittags Pasta bis kurz vorm Koma, Abends für die brennende Muskulatur große Eisbecher – dazwischen Gelächter bis der Bauch schmerzt. So müssten Tage öfter sein.
Eventuell ist insbesondere der IKEA-Teil ein klein wenig eskaliert und ich kam mit einem neuen Sideboard nach Hause. Oder einem Raumteiler. Bei 1,28m Höhe ist das Ansichtssache. Und jetzt raten wir alle mal womit ich den Dienstag, den heißgeliebten, bayerisch-exklusiven Marienfeiertag verbracht habe? Genau. I have the Muskelkater to prove it.
Aber ich mag das ja. Nicht mehr denken, sondern Schrauben. Das ist mein Yoga. Zeug schleppen und zusammenbauen, rumschieben, umhängen, ausmessen, ändern. Am Ende den veränderten Raum betrachten und gleich die nächste Idee haben. Gestalten, mit Farben und Materialien und überhaupt alles sehr haptisch, fassbar. Weniger abstrakt, als das, was sonst in meinem Kopf passiert.
Mittwoch hatte ich zwar an originellen Stellen Muskelkater, aber fühlte mich auch irgendwie erholt. Vielleicht ist es das, was anderen passiert, wenn sie laufen gehen. Die Beschreibungen, dass man einfach Schuhe anzieht, rausgeht und läuft bis es brennt, bis der Kopf völlig frei ist – da erschließt sich mir die Wirkung von körperlicher Betätigung auf Geist und Seele.
Dadurch, dass ich diese Option nie hatte, zumindest mit keinem so unkompliziertem Sport, sind es die Möblierungs-Exzesse, die mir am ehesten dieses Gefühl vermitteln. Als Kind hatte ich lange das große Privileg mit Pool im Garten zu leben. Im Sommer habe ich quasi im Wasser gewohnt. Das fühlte sich so ähnlich an. Aber eben auch schwerelos, angenehm, nicht immer anstrengend. Es ist dieser Punkt der Anstrengung, der, an dem es so ein wenig schmerzt, der überwunden werden will, um innere Knoten zu lösen.
Das wurde mir im Laufe der Woche klar, wie mir zwei körperlich anstrengende Tage innerlich angenehmen Abstand eingebracht hatten.
Das klingt jetzt alles als wäre ich ein muskelloser Teigling. So ist es nicht. Ich gehe ja quasi alles zu Fuß und lebe in einer Altstadt wo es nirgendwohin Aufzüge gibt, schon gar nicht zu meiner Wohnung im zweiten Stock. Eine solide Grundfitness ist da. Selbst beim achten Mal, als ich vollbepackt in den zweiten Stock hoch bin, fühlte ich mich angestrengt, aber nicht tot.
Mein Körper, abgesehen vom kaputten Hax, tut, was ich von ihm verlange. Dafür muss er nicht schmaler, dünner, länger oder muskulöser sein. Das ist gut zu wissen. Wie sich meine innere Zähigkeit auf diese Weise auch physisch manifestiert, das gefällt mir. Inklusive der schwabbelnden Ärmchen beim Zusammenbauen und des qua fehlender Balance wenig graziösen Aufstehens vom Boden. (Ich brauche immer mindestens einen Arm als zusätzlichen Schwerpunkt, sonst kippe ich um wie ein Flamingo mit Arthrose.)

Währenddessen debattiert ein Teil der Twitter-Timeline höchst interessant, warum immer noch mehrheitlich Frauen nach der Heirat ihren Namen ändern. Was mir zugegeben auch ein komplettes Rätsel ist. Sollte ich nicht zufällig einen italienischen Adeligen zum ehelichen finden (das hätte einen gewissen Klang), käme ich überhaupt nicht auf die Idee. Grade auch wenn ich rein hypothetisch Kinder in die Welt setzen wollen würde. Natürlich sollten die so heißen wie ich, wie denn sonst?
Aber wir haben an dieser Stelle ja schon öfter festgestellt, dass meine Sippe da ein gewisses Selbstbewusstsein vor sich her trägt und darum auch die Frauen sich Landleben her, Tradition hin, über solche Dinge hinwegsetzen. Hätten wir eher die Möglichkeit gehabt, ich wette, es hätte sich der Name einer Vorfahrin durchgesetzt.
Auf Twitter werden natürlich oft die persönlichen Beweggründe in den Vordergrund gestellt und die strukturellen, von denen man aber eben auch beeinflusst wird, ausgeblendet. Viele Frauen „verbinden“ nichts Besonderes mit dem eigenen Nachnamen, sehen ihn nicht als Teil ihrer Identität. Weil uns das (also meine Sippe ausgenommen) eben auch nicht anerzogen wird. Wir sind keine Stammhalter, wir werden nicht mit dem Nachnamen gerufen (es ist immer „DER Müller, oder „DER Schmidt“, sobald es „DIE Schmidt“ heißt, wird es despektierlich.) – die Gesellschaft legt keinen besonderen Wert darauf, uns eng mit unserem Nachnamen zu verbinden. Darum haben wir auch weniger Skrupel ihn abzugeben. Das ist an und für sich weder gut noch schlecht, aber halt wieder ein Unterschied.

Was mich an der Sache verstimmt, ist, wie oft dabei vielleicht schöne, interessante Namen unter die Räder kommen, weil die Frau sich damit nicht genug identifiziert. Meine Großmutter (eventuell die Kernzelle für etliche Generationen von sehr starken Frauen in der Familie) hatte den hinreißenden Mädchennamen Voglsinger. Sie hatte zwar einen Bruder, aber auch auf der Seite endete der Name kurz darauf. Dieser Name ist die Verbindung in den vermutlich italienischen Teil unseres Genpools und mit dieser Schreibweise kaum noch irgendwo auffindbar. Vielleicht weil jemand irgendwo aus dem Sänger ein Singer gemacht hat, vielleicht weil das e aus dem VogElsinger unterschlagen wurde – so genau lässt sich das schwer sagen. Da haben wir noch gar nicht die ganze Nachnamen / Hofnamen / Hausnamen – Thematik aufgemacht.
But I digress.
Der Punkt ist: Gut, dass wir jetzt alle die Wahl haben. Es sollte bei noch viel mehr persönlichen Sachen normal sein sich entweder so oder so zu entscheiden, völlig egal welche Struktur man damit unterstützt. Hach ja. Long way to go.

Donnerstag war dafür im Büro so ein Tag, der Vorfreude auf den Themenwechsel macht. (Eines Tages werde ich höher angesiedelt sein als das Marketing. Und dann gnade euch Gott.) Termintetris, Übergabe-Listen, Dinge möglichst zu Ende bringen. Jetzt Hermine Grangers Zeitumkehrer zur Hand haben, das wär’s. Wäre das nächste Projekt nicht am Horizont, würde ich es genießen. Am besten ist der Job, wenn man am Rande einer sehr geschäftigen Klippe operiert. Immer ein bisschen mehr, ein bisschen komplexer.
So muss ich alles möglichst runterbrechen, um es unfallfrei an jemanden weiterreichen zu können.
Als Tagesabschluss dann noch ein Sandkasten-Termin. Der bringt zwar mein ganzes Timing so ein bisschen ins Wanken, ist aber ansonsten so euphorisierend wie jedes Gespräch zu dem Thema. Ich bin gespannt, ob dieses Hochgefühl irgendwann aufhört, wenn ich daran arbeite. Aber ich glaube, das wird dauern. Aktuell werde ich innerlich jedes Mal zum glücklich hopsenden Flumi, wenn ich über mein Projekt reden darf.

TGIF. Ernsthaft. Nach einem absurden Arbeitstag (Man will meinen Sandkasten womöglich verschieben *mit Fuß aufstampf*) konnte es nicht genug Steak und Gin Tonic und Fußball geben. Meine Güte.
Wozu der Sturm, bzw. das Gewitter, das da über uns hinweg zog, auch sehr passend erschien. Ich freue mich ja wie ein kleines Kind über ordentlich Wind und Blitze. Also so lang, bis ich am nächsten Morgen irgendwohin muss und kein Zug fährt.
Aber wo ein Wille – und so verbrachte ich Samstagnachmittag mit Apfelkuchen und guter Unterhaltung.
Sonntag fand ich mich dann zunächst beim Ramosgroupie wieder und durfte die vor sich hin gedeienden Katzen bespassen. Sie sind sehr niedlich und ein bisschen doof. (Ich bin die geborene Crazy Cat Lady, nur momentan ohne Platz oder Zeit für eine eigene Katze.)
Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Inndammfest, wo der traditionelle Steckerlfisch verspeist wurde (Grund 738 niemals Bayern zu verlassen: Steckerlfisch.) und wir uns, ebenso traditionell, in einem Gespräch mit älteren Herren widerfanden. Eine bestimmte Generation vermutet uns, Ort egal, zu kennen oder zumindest mit uns über das Leben philosophieren zu können. Tatsächlich fand man natürlich eine Querverbindung zum Opa vom Kerl vom Ramosgroupie, ganz Dorf halt. Wäre ja auch furchtbar, wenn nicht.

Ganz am Ende hatte der Sonntag noch ein Zuckerl, denn beim Twitter-Hashtag #Saisonspende ging mir gleich so das Herz auf, dass ich mich zu einer riskanten Sache verleiten lies. (Schaun’s. Fußball ist nicht nur Blödsinn. )

(Herr Vidal ist der mit der fiesen Frisur und vielen Tätowierungen. Sie wissen schon. Genau, der.)

Ein Puschel-Wochenende wie es im Buche steht, das war dringend notwendig.

P.S.: noktoberfest.tumblr.com – Die Saison ist eröffnet.

Was gut war: KW 32, 2017

Kaum schläft man mal 8 Stunden, schon gähnt man nur noch halb so viel Montagmorgen.
Überhaupt ist es der erste Montag seit Wochen, der nicht mit hektischem Hinterherarbeiten beginnt. Stattdessen kann ich viele kleine überfällige aber eben nicht so hoch priorisierte Dinge von der Liste streichen, es ist ein Fest.
Nebenher ein bisschen Termin-Tetris damit alles was im August noch Platz finden muss, auch stattfinden kann. Es ist kompliziert. Noch 41 Tage, 18 davon im Büro, bis zum Sandkasten. Herrje.
Der Flurfunk tut indes seine Arbeit und langsam kommen Kollegen auf mich zu, um zu fragen was denn wie denn, ach, da kann man ganz einfach? Ja, kann man. Genau, ich bin dann mal weg. Gottseidank arbeite ich in einem Bereich der ohnehin sehr agil ist und in dem Leute auch mal wechseln oder Projekte verfolgen – bis jetzt ist niemand negativ irritiert.
Aber auch interessant, dass nur wenige sich vorstellen können so etwas mal zu machen. Seit ich den ersten Flyer zum Sandkasten in der Hand hatte, saß diese Option wie eine tickende Bombe in meinem Hinterkopf. Natürlich hatte ich nicht gedacht, dass es so schnell gehen würde, aber eine Firma, die ihren Mitarbeitern die Chance gibt für ein Vierteljahr etwas auszuprobieren, an einer eigenen Idee zu arbeiten? Und die Leute rennen dem Projekt nicht die Tür ein? Für mich kaum zu fassen.
Aber offensichtlich ist da bei mir auch ein Kabel anders verlegt.
Es tut mir leid, es wird hier die nächsten Wochen ein klein wenig monothematisch. Ich hab sonst keine Abenteuer. Also keine, bei denen ich Dinge absichtlich tue und nicht am Ende der Depp bin.
Auch der Dienstag bietet hervorragende Gelegenheiten, um Dinge zu planen, Sachen abzuhaken und den Abgang in Richtung quasi-Kreativpause glatt zu gestalten. Bei solchen Dingen laufe ich ja zu Höchstform auf.

Diese dunkle Grube in der ich momentan lebe, hat aber nicht nur Nachteile: Mir fehlt tatsächlich die Energie, um mir jetzt schon für die Zeit ab September Sorgen zu machen. Oder mir auch nur frische Gedanken zum Projekt zu machen. Da ist die Übergabe an die neue Kollegin, ein anderes Projekt das noch beendet werden will und ein bisschen Gedöns drumrum – für mehr langt es gerade absolut nicht.

Irgendwie passt es, dass Mitte der Woche das Wetter beginnt, umzuschlagen. Schon in der Nacht auf den Mittwoch schüttete es, als müssten die Wasservorräte oben leer werden und morgens werde ich um kurz vor 6 durch eine kleine Blitz-Menagerie geweckt.

Wobei der Tag es verstand ein wenig Kribbeln auszulösen, weil es im Unternehmen Neuigkeiten gab und ich darin ein bisschen Bestätigung für meine Idee sah. Das Timing könnte passen. (That would be a first.)
Was auch wirklich blöd an der Phase ist: Die Kommunikation. Ich kann entweder Dinge komplett für mich behalten oder ganz erzählen. Was ich nicht gut kann, ist, so wie jetzt, Dinge anteasern. Weil ich selbst so ein Fan von Kontext bin, sollen den andere auch immer haben. Den hat aber aus Gründen aktuell eigentlich nur eine Person und wenn es nicht bald losgeht, werde ich da wohl zum Selbstschutz der Inbox geblockt.
Ich versuche also das mit der Ablenkung – frage zum Beispiel auf Twitter nach Urlaubs-Lektüre. Nicht das leichte, fluffige Zeug, sondern eine Geschichte die mit Haut und Haaren verschlingt.
Bei Interesse, einfach die Replies hierzu lesen:

Isabella Donnerhall on Twitter
twitter.com
“Angenommen ich will meinen Urlaub quasi im Buch verbringen. Ein verschlingendes, das meine komplette Aufmerksamkeit braucht – dann wäre das?”

Wobei Ablenkung nicht immer das Richtige ist. Was ich merke, als ich abends, wissend welche Sorte das auf den Plan ruft, ein paar Tweets du dem intellektuellen Giganten schreibe, der bei Google ein „Manifest“ (drunter macht es diese Sorte Mann ja nicht) gegen Minderheitenförderung verfasst hat. Frauen interessieren sich eher für Menschen als für Dinge, etc. (Haben sie auch so lachen müssen?)
Die gekränkten Männer (Immer gleich so emotional. Müssen die Hormone sein.) bedachten mich noch bis Donnerstagvormittag mit Replies, während meine Inbox sich mit Leuten füllte, die mich quasi anfeuerten. What strange times we live in.

Vielleicht sind wir wegen dieser Nordkorea-Sache auch alle ein bisschen angespannt.

Mittags traf ich mich mit einer bis-vor-kurzem-Kollegin und konnte endlich mal wieder in Ruhe lästern. So wichtig, für die psychische Hygiene manchmal. Außerdem ist es angenehm wenn einem jemand gegenüber sitzt und die Hoffnungen laut artikuliert, die man sich selbst kaum denken traut.
Gegen Ende des Arbeitstages einen kleinen Blick in die neuen Hallen des Arbeitgebers werfen dürfen. Schee is dees scho. (Und manchmal ist dieses beim Fernsehen arbeiten schon ein bisschen cool.)
Das Wetter verwandelte sich derweil in Anfang November und Zuhause flüchtete ich mich in Flauschsocken, Schokolade und Single Malt.

Freitag schipperte, mit manchem WTF-Moment auf dem Wellenkamm, gemächlich an mir vorbei. Zu mehr wäre ich auch nicht mehr in der Lage gewesen.

Auch das Wochenende verbrachte ich hauptsächlich mit Essen und Schlafen. Dazwischen die fürchterlichen Bilder aus den USA, wo vor allem junge Männer (ach was) mit bemerkenswert authentischer Nazi-Austattung aufmarschierten. Man fragt sich, wie das ausgerechnet im Land unserer Befreier sein kann. Wie dort wohl der Geschichts-Unterricht abläuft, wie sich ein Land fühlen muss, damit das alles wieder so offen gezeigt wird.
Nicht, dass Deutschland kein massives, braunes Problem hätte. Aber die politische Debatte, die dort hadert diese Nazis auch Nazis zu kennen und dann immer wieder versucht das durch kulturelle Umschwünge und wirtschaftliche Unsicherheit zu begründen, lässt es einem kalt den Rücken runter laufen.

Es fühlt sich an, als würde um einen herum etwas ganz schreckliches beginnen und statt der hypothetischen Frage was man damals getan hätte, muss man sich jetzt überlegen, was man tun wird.
Zumindest werde ich darüber ab jetzt nachdenken.

(TL; DR: Bella braucht Urlaub.)

Was gut war: KW 31, 2017

Immer noch restliche Nebelschwaden im Kopf. Ernsthafte Gedanken den Urlaub vorzuziehen. Die Batterien sind leer.
Montag bis Donnerstag verwandeln sich in eine zähe, karamelartige Masse, in deren Ummantelung ich mich durch Aufgaben und Termine kämpfe. Nicht, dass der Job nicht grade in solchen hektischen Phasen auch viel Spaß machen könnte – das tut er. Aber wenn ausgerechnet Monat 9 ohne Urlaub mit großen Aufgaben ums Eck kommt, wird’s halt kritisch.
Außerdem ist die geistige Müdigkeit bei 35 Grad ansteckend und sorgt dafür, dass ich sehr viel nachfragen und korrigieren muss. Ich meine SEHR viel.
Dass die deutsche Bahn und der FC Bayern eine ähnlich dynamisch-erfolgreiche Woche hatten, war natürlich ausgesprochen hilfreich.

Ich merke dann, wie ich genau in diesen Tagen anfange, Dinge auf die Goldwaage zu legen. Kommentare, Antworten, die Dosierung von Enthusiasmus und Distanz mir gegenüber. Da werden dann Gesprächsfetzen, Twitter-DMs und nicht beantwortete Anfragen zum inneren Balanceakt. Klar, wenige Tage nachdem ich überdurchschnittlich viel Zuspruch erfahren habe, nach Erfolgserlebnissen und der Bestätigung so manchen…Talents (?) sehe ich mich misstrauisch nach dem großen ABER um. Es muss ja hier irgendwo lauern. So einfach läuft es für mich nicht. Nie.
Also spielt mein Kopf die „sollte sich schon längst bei dir gemeldet haben“ – Playlist ab, geht versprochene aber nicht passierte Getränke durch, lässt mich aufs Smartphone linsen, ob sich Person X nicht doch daran erinnert, dass ich seit Ostern einen gemeinsamen Abend vorgeschlagen habe und man sich melden wollte. Ganz bestimmt.

Herrgottnochmal Bella. Other people are busy. Die haben Leben. Mit anderen Menschen drin – und zwar schon genug. Da wirst du nicht gebraucht. Genau darum versuchen wir doch immer nicht aufdringlich zu sein, capiche?
Auf mich hat noch nie jemand gewartet. Dafür suche ich selbst zu oft die Distanz.
Natürlich ist mir schon lange klar, dass der etwas holprige Weg auf dem ich unterwegs bin grade mal breit genug für eine Person ist. Ich meine manchmal, für so eine Teilstrecke oder bei bestimmten Gelegenheiten….

Merken Sie was? Selbstzweifel-Woman ist back in town und sie hat Großes vor. Super Timing.
Hoffentlich ist es die Müdigkeit. Vielleicht sollte ich doch irgendwie ein paar Tage abseits von Allem organisieren. Der September, den ich in Florenz ausklingen lassen wollte, klingt immer unwahrscheinlicher und langsam werde ich darob etwas mürrisch. (Nicht, dass ich mich nicht schnitzelmäßigst auf den Sandkasten freue, um das mit den sprachlichen Bildern mal überzustrapazieren.)

Gibt es ein gutes deutsches Wort für emotional Whiplash? Diesen schnellen, dramatischen Wechsel zwischen Emotionen? Nach #tkschland und Sandkasten-Zusage (ich berichtete), war das Loch wohl vorprogrammiert. Aber, dass es gleich so tief sein muss. Es ist sogar etwas mehr. Als ob etwas fehlen würde. Als sollte es eine Instanz geben, die sagt, ja passt alles. Richtige Entscheidung. Was Blödsinn ist, weil sich genug Menschen um mich herum mit mir über Dinge freuen, für mich freuen. Ich bin auch niemand, der irgendwelchen Leute etwas beweisen muss. Nicht mehr.
Gottseidank (vielleicht sollte ich den involvieren?) fehlen mir aktuell die Kapazitäten, um das in letzter Konsequenz zu analysieren.
Manchmal ist es einfach ein bisschen viel, ich zu sein. Es wäre schön, wenn ich da was outsourcen könnte. Oder mich wenigstens anlehnen, ohne erklären zu müssen. Erwachsen sein ist manchmal sehr anstrengend. Darum sind wir alle so verspannt. All die Dinge auf unseren Schultern. Egal wie groß, irgendwann ist schwer nur noch schwer.

Wie sang Chester noch?

I don’t want to be the one
The battles always choose
‘Cause inside I realize
That I’m the one confused

I don’t know what’s worth fighting for
Or why I have to scream
I don’t know why I instigate
And say what I don’t mean

(Linkin Park / Breaking the habit)

Freitag dann nach einer Woche in der man wirklich weiß was man getan hat (und in der der MVV wirklich an jedem Tag ein kleines Zuckerl für mich bereit hielt), früh aus dem Büro. Hauptsächlich damit ich noch ohne Gedöns nach Hause komme, denn am Abend startete der berüchtigte Nachtflohmarkt quasi kurz vor meiner Haustür. Ich schaffte noch ein wenig Grundlage und stürzte mich mit der Dämmerung in meine erste Runde. Gleich mal Freundschaft mit den beiden Herren mit den Vinyl-Ständen geschlossen und einen hinreißenden antiken Tischspiegel erworben.
Das Ramosgroupie sollte mich eigentlich begleiten, strich aber ob der Müdigkeit durch die erste Woche im neuen Job schnell die Segel. Was nur dazu führte, dass ich mich noch länger mit den Herren an den Vinyl-Ständen unterhielt. Wie er einmal Otis Redding live gesehen hat, unwissend wer da genau singt. Jetzt soll Otis auch auf seiner Beerdigung erklingen. Oder vom Trip zur Kirche in der Al Green mittlerweile als Pastor arbeitet bzw. singt und wie schließlich die Tränen flossen, weil es halt Al Green ist.
Mit innerem Seufzen rettete ich auch noch zwei Whitney-Platten vor der Unbedeutsamkeit und schleppte mich mit einem Schlenker an der Eisdiele vorbei (die vermutlich an dem Abend den Umsatz des Wochenendes verdoppelte) nach Hause. Auf dem Balkon hörte ich Otis und versuchte die trockene Kehle mit Gin Tonic zu befrieden.
Guter Abend.
Am Samstag folgte ich einer Einladung zum Käsesahneessen und gemeinsamen Supercup-schauen, was so irrsinnig war, wie es klang. Ich brachte im Gegenzug eine erneute Tomaten-Auswahl vom Markt mit. Meine Güte, Fußball. Ich hätte mir so viele interessante Hobbies zulegen können. Aber nein, Fußball.
Sonntag dann beim Ramosgroupie. Vorher machte ich auf ihren Wunsch Rohrnudeln (auf die sie seit Mitte der Woche einen Yieper hattte. Und sie ist nicht das Team Mehlspeisen in der Familie.) Als Hefeteig-Depp suchte ich mir ein klassisches Rezept, hervorragende Zwetschgen hatte ich schon besorgt.
Es gab Lasagne, die Reste der Käsesahne fanden auch ihren Weg an den Tisch und dann Rohrnudeln und dann Schnaps für Bella.
Sie erzählte unterhaltsam wie immer vom neuen Job in einer großen Sozialen Einrichtung. Vom ersten Trip mit den Bewohnern zu einem Konzert der Oberkrainer (?) und warum sie jetzt ein Selfie mit der Band hat. Es passt, vor allem der Spaß.

Wenn es Leute gibt, die ihren Job mit diesem Enthusiasmus, Einsatz und Humor machen können sollten, dann die Heere an Pädagogen, Erziehern und pflegerischem Fachpersonal. Von denen es mehr gibt als Leute in der Autoindustrie. Nur mal so.

Sehr, sehr früh zu Bett gegangen. Möge sich der Nebel lichten.