Was gut war: KW 26, 2017

Montag nach zu wenig Schlaf gerädert aufgestanden und gewusst: Die Woche wird hart. Die regelmäßige Zufuhr von Kaffee und Eis gehört da zum Überleben.
In der Inbox diverse Anfragen auf die man lange, stirnrunzelnd starrt und dann erstmal auf die Suche geht, zu wem die Fragenden eigentlich müssen. Digitales Schnittstellendasein: Let me look at our Organigramm for you.

Aber hey, so lernt man das Unternehmen kennen.
Mit der reizenden Noch-Freelancer-Kollegin durch Dokumentation und Anleitungen gegangen, mit der dann Mitte Juli die neue Vollzeit-Kollegin eingeführt wird. Große Erleichterung darob, denn, dass hier jemand anfängt und aktuelle Begleitliteratur zur Verfügung steht, ist ein eher neues Phänomen. Das ist so…ungewohnt, wenn genug Leute für die anfallenden Jobs da sind und man im Zweifel umverteilen kann, damit Leute Zeit in ihre Projekte investieren können. Wirklich. Für mich ist das neu. Und super.

Abends für jemanden ein paar Arbeitszeugnis-Ideen zusammengeklöppelt und Auffüller für die Hausbar bestellt. Was dauerte: Eigentlich wollte ich foodist ausprobieren (die mit den Boxen), wurde aber mit vollem Warenkorb bei der Zahlungsabwicklung rausgeworfen – wobei auch gleich noch mein Warenkorb geleert wurde. Also zurück zu Gourmondo, wo ein paar Dinge aus waren und überhaupt, so ein richtig guter Dealer für Alkohol und Leckereien fehlt mir grade. #fristwirldproblems #firstworldluxusproblems

Dienstag begann die Arbeitswelle, die ich schon seit zwei Wochen auf mich zukommen sah, endlich aufzuschlagen. Als dann noch ein Briefing mit „Deadline: asap“ auftauchte, ging ich erstmal Eis essen. (Hobbies: Schlafen, Eisessen, Bloggen.)
Als ich abends nach Hause komme, spielt die deutsche U21 seit gefühlt 4 Stunden gegen die U21 von England. Wie sowas endet, wissen wir ja. (Die armen englischen Bubis. So jung und dann ist die erste Lektion: Nicht gegen Deutschland Elfmeterschießen. Nie.)
Zwischen Büro und Zuhause musste es zwar geregnet haben, aber wirklich mitbekommen hatte ich nichts davon. Erst im Zug fiel mir der wirklich schöne Regenbogen auf, was an dem Tag an dem die Ehe für alle plötzlich so greifbar wurde, schon a wenig rührend war. (Stellen Sie sich vor, da sitzen so gestandene CSU-Herren in der Staatskanzlei, verfluchen die strategische Wendigkeit der Kanzlerin und als sie rausschauen, ist da ein verdammter Regenbogen. Das erfüllt mich mit Freude.)

Die diffuse Unentschlossenheit des Wetters prägte auch den Mittwoch, an dem ich noch überhitzt morgens aus der S8 stieg, aber zum Mittagessen schon ein Jäckchen griff. (Irgendwo auf dem Weg bin ich jemand geworden, der vorsorglich etwas über dem Bürostuhl hängen hat, außerdem liegen ein Ladekabel, Schmerzmittel und Pflaster in meiner Schublade. Heimliche Sehnsucht nach Sekretärinnen-Dasein?) Sollte ich anfangen mir Büro-Schuhe zuzulegen, bitte ein paar Mal kräftig auf den Hinterkopf – Sie wissen schon.
Hier ist die Versorgung ohnehin sehr gut, wodurch man nicht, wie in anderen mir bekannten Büros, Vorräte mit Yum Yum-Suppen, dicke Socken und alles für heiße Schokolade vorsorglich im Schreibtisch-Container bunkert.
(Es hat einen Grund warum ich die Start-up Jahre meine Zeit an der Front nenne.)
Keine Sorge, ich erliege nicht der niveauvollen Verwahrlosungen. I get my kicks.

Der Donnerstag lag unter seiner Wolkendecke und wollte so gar nicht rauskommen, wurde stattdessen erst albern dann störrisch. Menschen, offensichtlich dem Irrtum erlegen ich könnte Gedankenlesen, warfen mir halbfertige Aufträge hin wie es sonst nur Katzen mit angebissenen Mäusen tun.
Gottseidank beendeten wir den Arbeitstag früh und machten uns teambildungsmäßig in eine Haidhausener Gaststätte auf. Im „zum Brünnstein“ scheiterte ich am süßesten Kaiserschmarrn der mir bis dato untergekommen ist, auch wegen einer karamellisierten Kruste – während die Kollegenschaft sich durch verschiedene Braten und Schnitzelvarianten testete. Dazu Bier. Im Hintergrund spielte Deutschland wohl gegen Mexico (ich habe den Überblick verloren, U19, U21, ConfedDings, alles sympathische Mannschaften sehr, sehr junger Herren. Die Werksstudentin war begeistert, sie will Herrn Goretzka bittegern sofort nach München holen.) Reichlich Bier. Als ich gegen 22:00 in Richtung Heimatzug aufbrach, war der Abend schon ein paar Stunden alt und ich ohnehin auf dem Level, wo die nächste Halbe nur noch zu mehr Müdigkeit führt. A rousing success!

Den Freitag hatte ich mir zwar zunächst vorsichtshalber freigenommen, aber dann gleichmal konsequent mit schlimmen Erwachsenen-Terminen vollgepackt. Man unterschreibt Sachen, fühlt sich so mittelgut und entwickelt den Impuls mal wieder was unvernünftiges zu tun. What I did. Kind of. Dazu vielleicht ein andermal mehr.
Als Gegenmaßnahme gleich mal hübsches Gedöns gekauft, unter anderem Versuch Nr. 743 jemand zu werden, der öfter Lippenstift trägt. Mal sehen.
Abends einer von diesen jungen-Herren-Mannschaften beim Gewinnen zugeguckt. Gegen Spanien. Wie so abgebrühte Italiener. Schon nicht schlecht.

Samstag dann Getränke geholt, die die ersten Barauffüller eingeräumt (Der Tanqueray Rangpur ist hauptsächlich da, um eine nicht-deutsche Gin-Quote zu erfüllen. Herrje. Duke, 47 Monkeys, Siegfried, Gin Sul. Deutschland, einig Gin Tonic Land. Dass ich das noch erleben darf.) und nebenher noch eine Runde Limoncello-Tiramisu gemacht. In einigen Jahren bin ich die Frau, die immer guten Alkohol, etwas Torte und für den Notfall Pasta im Haus hat, aber sonst nix. Okidoki.
Sonntag mit aggressivem Rumliegen verbracht und Abends schon wieder Fußball geguckt. (Sommerpause where are thou?) Nebenher endlich Monsun-Regen. Bester Schlaf seit Wochen.

Ehrlich, ich bräuchte jetzt ein bisschen Fußball- und Serienpause. Hier liegen Bücher und Ideen rum, die betüdelt werden wollen.

Was gut war: KW 25, 2017

It’s getting hot in here, so take off… ach, lassen wir das.

Als ich nach dem langen Wochenende Montag ins Büro komme, brüllt mich meine Inbox förmlich mit UNERLEDINGT, DRINGEND, SOFORT an und ein Großteil des Arbeitstages fliegt an mir vorbei. Nebenher stelle ich staunend aber glücklich fest, dass große Teile meiner Twitter-Timeline mein Umarmungs-Dilemma nachvollziehen können. Sehr schön auch der Austausch zu grundsätzlichen „Erwachsenen-Fähigkeiten“ bei denen man wohl in der Schule gefehlt hat. (Hier: Flirten, Diplomatie, mitbekommen wann man möglichst unauffällig den Raum verlassen sollte und Niesen bzw. Lachen in damenhafter Lautstärke.)
Bloggen ist super, warum hab ich das eine Weile so selten gemacht?

Seit ich den 500-Tage-Streak bei Duolingo verloren habe, will das Ding immer, dass ich meine Übungen in 60-Sekunden-Intervallen mache. Hochgradig doof. Ich lass mich doch beim Lernen nicht hetzen!

Abends auf dem Balkon sitzend die restlichen Kirschen vom Markt verputzt und nebenher einen Text gekürzt, der präsentiert werden soll. Mitreißend aber voller Infos, ächz, ja klar. In diesen Momenten bin ich dann doch froh, dass ich das mit dem Texten nicht mehr hauptberuflich mache. So kann ich mich obsessiv um kleine Projekte kümmern und fange nicht an, die Schreiberei generell nervig zu finden. (Ah, deswegen ist Bloggen jetzt wieder super.)

Nach 3 Tagen Hitze kommen dafür die alten Dämonen wieder. Der Anblick von knapp bekleideten Geschlechtsgenossinnen macht neidisch und todtraurig, während bei einem selbst die klebenden Klamotten jedes Röllchen betonen. Man fühlt sich dann doch wieder wie ein gestrandeter Wal und würde, wenn schon nicht abnehmen, dann den eigenen Körper wenigstens einmal von oben bis unten durchstraffen. (Das ist so ein persönliches Ästhetik-Ding. Ich mag gleichmäßig verteilte Massen lieber. Gaga, ich weiß.) Zwar hab ich es mittlerweile geschafft mir nicht mehr jeden Seitenblick als herabwürdigende Kränkung einzubilden und habe kein Problem damit in der Öffentlichkeit Eis zu essen, (Es ist Eis!) aber, das durch die Hitze veränderte eigene Körpergefühl ist kein gutes. (Mind you, ich jammere über anderhalb Speckrollen Oberkörper und meine Flügelarme, mit meinen Stampfern hab ich mich längst abgefunden und ich weiß, dass Frauen mit Bauch oder viel Vorbau noch ganz anders leiden können. ) Ich trage ja trotzdem Flatterröcke die nicht bis zum Boden gehen (das, was hier so leuchtet, sind meine Waden.) und offene Schuhe. (Let me show you my scars!)
Es hat auch ganz generell mal wieder mit dem Wunsch zu tun weniger Platz einzunehmen, unauffälliger zu sein. Das sind Phasen, ich weiß. Aber es hindert mich halt daran bei diesem generellen Sommer-Abfeiern zu partizipieren, überhaupt zu partizipieren. Fuck this. My Balkon is my Festung.

Aber auch der klare Lerneffekt: Vor einigen Jahren noch hätte mich so eine Phase dazu gebracht erstmal nicht normal weiter zu essen, sondern einfach alles außer Obst und Gemüse mit Wasser zu ersetzen, woraufhin diverse Blutwerte in den Keller rauschen, mein Kreislauf nicht mehr mitspielt und ich den Sommer erst recht hasse. Jetzt: Erstmal Eis essen. (Vor allem, wenn es der Arbeitgeber eh grade gratis verteilen lässt.)

Am Mittwoch schlägt dann bezüglich des am darauffolgenden Tages stattfindenden Betriebssommerfests eine Mail auf, in der steht, dass es zwar keinen Dresscode gibt, man aber gern in Trachtenmontur….*kurze Pause wegen hysterischem Lachanfall*
Entschuldigung, aber Sie wissen wie ich da bin. (Nein, keine Fotos, das wären ja Interna. Herrje.)
Tatsächlich werde ich Donnerstagmorgen mit einer übersichtlichen und gesitteten Anzahl von Lederhosen und Dirndl konfrontiert. Es war ja dann doch sehr, sehr heiß. Ich griff in resignierender Verzweiflung zum knappesten Sommerkleid in meinem Besitz, dessen Saum rund ums Knie endet. Auch schon egal. Beide Knie voller Narben, der Beginn meiner, ähm, Thunderthighs sagt das Internet, sollen sie doch was sagen. Oder gucken. MIR SOWOS VO WURSCHT.

Es stellt sich außerdem raus, dass mein Büroplatz mit direktem Blick auf das Volksfest-Gelände meine schlimmsten Hobbies fördert: Leute gucken und Kommentare abgeben. Wie Kollegen bzw. Eltern von Hochenergie-Flummis auf zwei Beinen zum möglichst furchtbarsten Fahrgeschäft gezerrt werden, ist auf böse Weise unterhaltsam. (Der erste Teil der Firmenfeier war für die Familien gedacht und meine Güte, ist das hier ein fruchtbarer Haufen.)

Am späten Nachmittag sind dann auch diejenigen von uns ohne Anhang rüber und hatten einen sehr unterhaltsamen Abend, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. Mein zweites Radler bestellte ich dreimal bei unterschiedlichen Kellnern, um schließlich selbst ins Zelt zu marschieren und gegen meine Dehydrierung zu kämpfen. Die schlechteste Geisterbahn der Welt war sehr lustig, Unterföhring von oben wird auch nicht wirklich besser und, ein Tipp, unterschätzen Sie niemals die Kreativ-Abteilungen. Wenn man Grafikerinnen Waffen in die Hand gibt, können sie einen verblüffen.
Mit heißen Füßen und jede Menge gebrannter Mandeln nach Hause gekommen, dank Tropennacht kaum geschlafen und mit letzter Kraft Freitag ins Büro geschleppt.

Kaffee. So viel Kaffee.

Freitag: Hauptsächlich ruhiges Wegarbeiten von Zeug, um mal spezifisch zu werden. Ich war nicht verkatert, aber schlicht erschöpft von ein paar Stunden Aufenthalt im Freien, mit ein bisschen Alkohol und Gedöns. Schlimm. Muss da dringend ein bisschen Training investieren, um die Kondition zu verbessern.
Ich dachte aber auch, dass Kohlehydrate eine total gute Idee wären und verteilte die Spaghetti Bolognese als dezentes Muster auf meinem hellem Oberteil. Gottseidank hatte ich mir als Brain-Food noch ein paar von den gebrannten Nüssen mit ins Büro genommen.

Weil mich mein Fuß abends daran erinnerte warum Hitze, Wassereinlagerung und Narbengewebe keinen Spaß macht, schlief ich erst ein, als die Schmerzen irgendwann in den frühen Morgenstunden aufgehört hatten. Darum auch kein Nationenfest für mich (*schnüff* sich durch die Küchen diverser Länder essen, während es Musik dazu gibt, ist die Definition dessen was meine kleine Stadt am Inn gut kann.)

Stattdessen Limoncello-Tiramisu für’s Seelchen. (Statt Kaffee und Amaretto Limoncello und Orangensaft, außerdem eine Mischung aus Mascarpone und griechischer Joghurt oben drauf. Man belege mit ein paar Zitrusfrüchten oder Erdbeeren. You’re welcome.)
Der u21 beim Spielen zugeguckt, die man ja bald von der Nationalmannschaft eh nicht mehr unterscheiden kann. Alle irgendwie jung und flink und niedlich. (Ab wann wird das Creepy wenn man Kerls, die 10 Jahre jünger sind als man selbst niedlich nennt?)
Sonntagvormittag Regen sei Dank alles aufgerissen und mich zum Frühstücken in den Durchzug gesetzt. Was insofern ein Fehler war, als dass ich den Fernseher angemacht habe und den SPD-Parteitag verfolgte. Aber… ach, lesen Sie auf eigene Gefahr.

Sonntagabend mit Lektüre (Hamilton – the Revolution. Dieses verdammte Musical lässt mich nicht los. Weil es halt auch ums Schreiben geht, irgendwie.) auf den Balkon gesetzt und kaum gemerkt, wann es geregnet hat und wann nicht. Dazu Gin Tonic getrunken und gedacht, so sollte es immer sein.

Was gut war: KW 24, 2017

Kein Schienenersatzverkehr mehr! Dobby is a free, well, pendelnder Elf!
Grade rechtzeitig, um von den Sommerabenden noch ein bisschen mehr mitzunehmen.

Am Montag im leichten Dämmerschlaf und mit Puddingärmchen ins Büro. (Dämmerschlaf weil das Feuerwerk zum Abschluss des Frühlingsfestes mal wieder live vor meinem Balkon übertragen wurde – die Puddingärmchen, weil ich dachte, och, so ein bisschen See, den hat man gleich mal vermessen.)

So angenehm es ist, einfach mal so vor sich hin zu arbeiten – auf die Dauer bin ich das nicht. Da wird ich nur websig (das ist so eine süddeutsche Vokabel, oder?) und suche mir irgendeine Art von Projekt. Schlimm. In Bälde ist der Großteil meines Bereichs dokumentiert, sind Präsentationen präpariert und Prozesse neu modelliert – dann muss ich anfangen mir hier mehr Arbeit zu suchen. Herrje.

Bis um kurz vor neun Uhr morgens ist es ein normaler Dienstag. Dann twittert ein Kollege was von einem Polizeieinsatz in Unterföhring. Kurz darauf bleibt meine S-Bahn in Johanneskirchen stehen und es beginnt diese furchtbare Zeit in der man darauf wartet irgendwohin gebracht zu werden und diese Warterei dann mit Gerüchten und Geschnatter füllt.
Dabei auch bemerkt, dass ich langsam eine mediale Katastrophen-Routine entwickle. Die Timeline ist gottseidank diszipliniert und es kommt wenig Effektheischendes Gedöns — BREAKING — bei mir an. Stattdessen Accounts von „alten“ Medien und der Münchner Polizei. Dazu ein paar Tweets mit dem Unterföhring-Hahstag. Man merkt fast, wie viele Medienfuzzis hier arbeiten, es ging relativ gesittet zu.
Die Medienalle-Grüppchen ließen sich schon in Johanneskirchen gut identifizieren. (Klamotten, Vokabular, der Satz „wenn ich meinen Laptop hier hätte, würd ich einfach wieder nach Hause fahren.“) Ich hing mich an eine dran und landete dadurch in einem SEV-Taxi, da begann der Polizeieinsatz grade kleiner zu werden. Dadurch, dass mein Taxler dann zunächst noch die Ausfahrt nach Unterföhring verpasste, kam ich grade wieder im Medienghetto an, als die größte Hektik vorbei war.

Es blieb ein seltsamer Tag. Neue Meldungen zur Tat wanderten durch die Gänge, niemand hatte so recht seinen Rhythmus, alles war…aus dem Gleichgewicht geraten.
Ein Tag, der einen daran erinnert, dass man manchmal etwas riskieren sollte, und sei es nur um auf eine neue Weise zu scheitern. Gleich mal angeleiert. (Me and my big mouth, um passenderweise mal Oasis zu zitieren. Überhaupt, mal wieder Oasis hören, des sympathischen Größenwahnsinns wegen.)

Erst als ich abends (die S-Bahn Unterföhring blieb bis 17 Uhr gesperrt) die Bahn einfahren höre, schaue ich zum ersten Mal bewusst auf den Boden. Als würde man da noch etwas erkennen. Natürlich nicht. Ich steige in die Bahn ein und suche online, ob es etwas Neues von der jungen Polizistin gibt. Nein, sie kämpft immer noch.

Zuhause Rotwein und Wolkenstarren.

Noch am selben Abend beginnt auf Twitter ein kleiner Diskurs zum Thema „Schule war viel besser als Uni“, der sich in den nächsten Tag zieht und ich finde mich in vielem wieder. Klar, ich bin die Generation vor G8 aber nach Bologna-Reform. Bachelor war nicht als Spaß gedacht, sondern als straffes Lernprogramm mit Projekten, Präsentationen und ohne Rumbummeln oder gar überflüssigen Debatten zu grundsätzlichen Themen. Wenn selbst Personen, die lang vor mir studiert haben, ähnlich empfinden, frage ich mich, ob die deutsche Strebsamkeit und das Humboldtsche Bildungsdings eh nie so recht zusammengepasst haben. Außer für Germanisten und Theaterwissenschaftler.
Ich kenne sehr viele Menschen, die in den Vorlesungen am meisten Spaß hatten, die am wenigsten mit dem Kern ihres Studiums zu tun hatten. Vielleicht weil das die Gelegenheiten sind, bei denen wir uns geistig strecken müssen. Das ist es ja, was wirklich Spaß macht. Vielleicht bin ich darum auch manchmal so ungeduldig im Job und melde mich für irgendwelchen Blödsinn freiwillig.

Wie sich das wohl anfühlen würde, wenn man fände, man könnte jetzt genug. (Ha. Haha. Hahahahahah.)

Irgendwann im Laufe des Mittwochs gucke ich ins Block-Backend und sehe, ich wurde wohl verlinkt. Nämlich von Madame Read On My Dear, die Sie ja bestimmt schon alle lesen, nicht? Jetzt, wo dieses Blogding stramm auf sein 10järhiges zusteuert (und es ist die dritte Inkarnation der bloggenden Bella), und ich aktuell diese wöchentlichen weitschweifigen Ausschnitte ohne Kernthema poste, frage ich mich, ob das so irgendjemand lesen will. Weil die Krise hatten wir schon lang nicht mehr. Jedenfalls, hallo, falls Sie dadurch hier gelandet sind.

Den Donnerstag verbringe ich mit dem updaten diverser verwandtschaftlicher Technik, was dadurch besser wird, dass es zunächst Kuchen und sehr bald darauf Wein gibt. (Wer braucht DNA-Tests, wir haben alle dieselben Schwächen.) Am Ende des Tages finde ich mich beim Lieblingsitaliener wieder und fülle meinen Bauch glücklich mit handtellergroßen, spinat-ricotta-gefüllten Ravioli, noch etwas Wein und am Ende diese federleichte Mascarponecreme auf Erdbeeren, von der sie mir nicht verraten wollen, wie sie so fluffig wird.

Freitag musste ich zwar eigentlich meinen Rausch ausschlafen, wurde aber von einem Trompetenspieler via Bayernhymne geweckt und bewegte mich fortan, als wäre dies der David-Lynch-Film, für den ich mein Leben ohnehin oft halte.
Samstag unter durchgehendem Gejammer ein wenig Haushalt gemacht und Gedanken zu einer dummen Idee gesammelt. (Die vermehren sich bei mir wie sonst nur Staubflusen.)
Sonntag mit dem Ramosgroupie in meinem kleinen Dorf, das ich nicht ohne Grund Bavarian Stars Hollow nenne, über den Bennomarkt geschlendert. Sie kaufte für jemanden eins von diesen Spinner-Dingens und ich scheine ein Naturtalent für diese Teile zu besitzen – wieder eine Fähigkeit, die mir nix bringt. Ansonsten probierten wir uns durch Südtiroler Spezialitäten (drei Stände), Mittelmeer-Spezialitäten (vier Stände, soooo viele Oliven) und schließlich heimische Kirschen. Ich kam mit noch mehr Kirschen, Hummus, gefüllten Mini-Kürbissen sowie den obligatorischen Balsamico-Zwiebeln nach Hause und muss wohl die kommende Woche öfter Abendessen auf dem Balkon einplanen.

Während des erfolgreich rumgegammelten Wochenendes wurde ich ich allerdings erneut mit einer meiner größeren Schwächen oder besser Bildungslücken konfrontiert.
Ich und die soziale Interaktion im fließenden Übergang zwischen jemanden kennen und mit jemandem befreundet sein. So wie der Kollege neulich, dem ich zum Geburtstag die Hand geschüttelt habe, weil ich dachte für eine Umarmung wäre es zu früh – was eine andere Kollegin, noch kürzer da, nicht abhielt. Und es schien auch zu passen? Ich bin entsetzlich in sowas. Jahrelang kam ich komplett ohne irgendwelche Umarmungen aus, geriet dann aber im Studium an ein „Kuschel-Semester“, die sich quasi so verabschiedeten. Das war eine sehr konfuse Zeit für mich.
Heute kommt es hauptsächlich vor, dass ich Menschen aus einer Art inneren Überforderung zu sehr aufregenden Gelegenheiten umarme, oft auch eher unpassend. Ich will gar nicht wissen wie viele Menschen ich auf diese Art schon nachhaltig verstört habe.
Selbst wenn ich mit jemandem befreundet bin, also quasi offiziell, bin ich da vorsichtig. Nicht zuletzt gehe ich auch immer ein Stück weit davon aus, dass andere in Sachen persönlicher Raum ähnlich empfindsam sein könnten wie ich. (Da gibt mir der Triggerwarning-Safe-Space-Teil vom Internet übrigens recht. Worüber ich versuche nicht zu viel nachzudenken.)

Ich habe nichts gegen Umarmungen. Und natürlich ist Händeschütteln irgendwann nicht mehr genug. Aber genauso wie ich mich nicht traue einfach zu behaupten ich wäre mit jemandem befreundet, wenn die Person es nicht zuerst gesagt hat oder ich in der Kommunikation gern zwischen abgebrüht sarkastisch und geradezu sentimental schwanke, genauso kenne ich kein Mittelding in Sachen ‚physischer Ausdruck platonischer Zuneigung‘. Und diese ganzen Wischi-Waschi-Verbindungen aus dem Internet helfen da nicht wirklich.

Sollten Sie mir also dereinst über den Weg laufen und den Eindruck haben, meine Aufmerksamkeit wäre anderweitig beschäftigt, gehen Sie davon aus, dass ich panisch darüber nachdenke wie ich mich formvollendet aber eben nicht aufdringlich oder arrogant von Ihnen verabschiede, um den ersten Eindruck nicht gleich komplett in den Sand zu setzen – weil ich die Begrüßung vermutlich bereits versemmelt habe.

(Auch so ein Grund, warum das mit der Karriere schwierig wird. Dieses locker-charmante Networking am Rande der Business-Etikette – niemals.)

#introvertProblems #hauptsacheHashtag