La Isolation Bonita

One month down and it’s inside
Oh, I’m guaranteed to lose my mind
It’s dangerous to speak inside
You might know what I’ve been tryin’ to hide

(Dermot Kennedy “Resolution”)

Wenn ich jemals in meinem Leben auf etwas vorbereitet war, dann auf jetzt. Wo ich doch eine Insel bin auf einer Insel lebe.

Isolation ist sowas wie ein Hobby, ich sammle alle Arten. Die klinische war eher so mittel, die unfreiwillige bei der man verstoßen wird ist auch nur zu gewissen Abhärtungszwecken zu empfehlen und die innere, bedingt freiwillige, die ist sehr schleichend und hat unangenehme Nebenwirkungen.

Eine Sorte von der ich noch gar nicht wusste, dass sie in meiner Sammlung fehlt, ist die koordinierte solidarische Isolation und I’m kinda looking forward to it.

Kommt rum, meine kleinen Alleinsein-Amateure weil ja, ihr mögt introvertierte Nerds sein, aber wahre Isolation, das ist nichts für Anfänger. Tagelang die eigene Stimme nicht hören, mit niemandem sprechen und womöglich via social Media noch mitbekommen wie viel Spaß andere zusammen haben , das erfordert Commitment.

Tatsächlich erwischt mich diese kollektive Rückzugswelle mitten in diversen Gedankengängen zu geplanten Trennungen zwischen mir und der Welt. Und nun zur digitalen Peer-Group oder insbesondere auch nach Außen. Das geht nun schon eine Weile und basiert auf einer Art menschenbedingten Infektion die mich als Antikörper betrachtet, der sich entweder assimiliert oder wegbleiben soll.

Und weil es auf die Dauer anstrengend ist vom fröhlichen Tisch mit netten Menschen plötzlich aufstehen zu müssen weil jemand dazukommt, der findet, dass ich keine Behandlung als vollständige Person verdient habe, trage ich mich schon länger mit diversen isolierenden Gedanken. Das ist anstrengend und immer auch mit Melancholie verbunden, weil ich weiß, dass es weh tun wird, wenn ich nicht dabei sein kann – obwohl es so besser ist.

Plötzlich geht es also allen ein bisschen so, nur ohne die Erfahrung anderen beim gute Zeit haben zuzusehen. Wobei es hochinteressant wird, wie das Fernbleiben aus Büros und Bars uns digital näher zusammenrücken lassen wird. Laut meiner Twitter-Timeline besteht bereits jetzt ein mehr als überdurchschnittlicher Mitteilungsdrang. (Seriously, it’s problematic.)

Eine Warnung vor allem an die, die sich in den kommenden Tagen wirklich viel allein mit sich befinden werden: Ja, du wirst ein bisschen verrückt werden, ja, du wirst mit Zimmerpflanzen sprechen, but you’re gonna be fine. Vielleicht sogar gestärkt. Weil so sehr sich mit YouTube, Instagram und Gin Tonic die Sinne dämpfen lassen – so ganz ohne Introspektion wird das nix. Plötzlich ist Zeit da zum Denken, zum Erinnern, zum Nachfühlen von eingeschlagenen Wegen und dem Status Quo.

Das muss noch nicht zu Entscheidungen oder Veränderungen führen – wobei es mich nicht überraschen würde, wenn das für viele ein Thema wird. Ich für meinen Teil weiß schon eine Weile, dass ich mich über kurz oder lang von einer Gruppe mir sehr liebgewonnen Menschen zumindest ein Stück weit verabschieden werde müssen. Zu sehr schmerzt, muten hin, Toleranz her ihre gleichzeitige Interaktion mit jemanden, der mich daran erinnert hat wie abgelehnt und unwürdig man sich fühlen kann.

Natürlich ermutige ich hier niemanden zu radikalen Schritten, gute Güte. Aber jetzt wo Zeit ist, für ein paar extra tiefe Atmungen, für Yoga bei dem man sich selbst spürt, für die bewusste Auswahl von Aktivitäten und Medien mit denen man seine Zeit verbringt, ist auch Zeit für Evaluierung und Pläne. Dabei ist es nicht Jahresende, kein Geburtstag oder einer der anderen ritualisierten und dafür im Kalender reservierten Zeitpunkte.

Don’t be scared. Be excited.

Und wenn wir wieder auftauchen, wenn wir wieder gemeinsam in Kantinen sitzen, ins Kino gehen oder mit angespanntem Kiefer im übervollen ÖPNV stehen, dann auch als überlebende, frisch-kalibrierte Version von uns selbst.

Also wenn ihr in diesen Tagen anfangt mit Zimmerpflanzen zu sprechen, den selben Film an jedem Abend guckt und Dinge kocht von denen nie jemand, schon gar kein Instagram, erfahren wird – das ist die Schönheit von Isolation. Die Ästhetik von zwingender Stille. Streck dein Rückgrat durch und steh grade, mitten im Raum, einfach so.

Erstell einen inneren Index, finde raus was und wer tatsächlich fehlt. Marie Kondo, aber für Hirn und Seele. Was keine Joy sparkt, fliegt raus.

Das kann auch heißen, dass man merkt wie man selbst nicht der Spark ist, dass etwas nicht stimmt. You can cry, if you want to. Was auch immer hilft, jetzt ist Zeit dafür. Jetzt ist sogar Raum da, um die Hand auszustrecken und Fragen zu stellen. (Dazu würde ich wirklich gern mehr ermuntern, aber ich bin nachhaltig auf die Schnauze geflogen und still not over it.)

Worauf ich hinaus will: Wir werden alle sehr viel über uns lernen. Es ist alles erlaubt, außer es zu ignorieren.

Walk on, fellow soldiers of solitude.

(Nur weil manche Menschen denken das Gesäusel aus “Cats” wäre Frau Hudson würdig.
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