We’re fallin’ apart and it feels fantastic*

Perspektivwechsel

*Der Anekdote nach der Name einer Leserunde nachdem sie ein Buch von Brené Brown gelesen hatten.

Ich weiß nicht mehr was zuerst weg war, das Gehen oder das Schreiben. Also nicht vollkommen weg, aber plötzlich wirklich schwer, unsagbar anstrengend.
Das mit dem Gehen war erklärbar. Meine Füsse waren noch nie scharf auf übermäßige Beanspruchung und nach etlichen Wochen in denen ich an einer Hand abzählen konnte wie oft ich die Wohnung verlasse, haben sie sich ziemlich schnell daran gewöhnt und zicken jetzt sobald ich eine extra Kurve am Inn entlang, durch die Altstadt oder gar einen längeren Spaziergang mache. Empörung in Form von Krampf und Schmerzen, Blasen und generell mangelnder Kooperation. Schon beim Pilates möchte man bitte nicht mit einbezogen werden. Liegen ist gut, sitzen oder wie auch immer das heißt wenn man die Körpermitte anspannt, sich aufsetzt, die Beine anzieht und dann mit den Armen wedelt.
Bewegung, sich spüren, immerhin das war etwas zum Festhalten in diesen zähflüssigen Monaten. (MONATE. OIDA.) Die Extremitäten werden zurückkommen, sie kriegen ja keine Wahl. Ein Schritt nach dem anderen. Und dann wieder, notfalls mit Bandagen und Ibuprofen.


Aber was ist das Äquivalent dazu, wenn die Finger nicht mehr über die Tastatur huschen wollen – außer es geht um die Job-Emails und Social Media? Wenn sich kein Satz mehr bilden lässt, obwohl man glaubt etwas mitteilen zu müssen? Alle Konzentration, alle Muse sind auf und davon als endlich Raum und Zeit da waren. Als ich nicht zum Zug hetzen musste oder womöglich soziale Interaktion anstand. Nicht, dass ich genug Klarheit gehabt hätte, um mich wirklich aufzuregen oder Zweifel zu entwickeln. Man lernt ja zu akzeptieren. This is the new normal, die Masken werden zur Garderobe abgestimmt und meine markenbezeichnenden langen Ohrringe müssen jetzt halt einstauben.

Endlich Zeit zum passiven Konsumieren! Serien, Podcasts and a bit of old Hollywood – plötzlich verbringen viele von uns ihre Zeit so wie sie sonst nur von Feuilleton-Redakteuren in den Büchern über ihr Sabbatical/Digital Detox / Midlife Crisis geschildert wird. Es werden Fenster geputzt (nicht meine) und Sauerteig angesetzt (ich, please don’t @ me, bin keine große Brot-Esserin) , Yogavideos nachgeturnt, Sprachen gelernt und das alles sehr fein auf den Kanälen inszeniert. Woraufhin es den Backlash derer gibt, die das alles nicht tun und auch die haben Recht. Die innere Lähmung, die sich ständig wandelnde Lage – wen soll das nicht erschlagen?
Mal ganz abgesehen von denen die beim Begriff Home Office oder Kurzarbeit nur hysterisch anfangen zu lachen, weil sie seit Wochen und Monaten nahezu durcharbeiten. Weil sie Betreuen, Leisten, Helfen, Pflegen – entweder das eigene Fleisch und Blut oder die anderen, die darauf angewiesen sind. Womöglich hatte es viel damit zu tun von genau solchen umgeben gewesen zu sein, vielleicht war es auch die sich heranschleichende Gewissheit in einem gottverdammten Hotspot zu leben der plötzlich dauernd in den Nachrichten auftaucht – aber mein Drang nach irgendwelchem Output wurde im Keim erstickt, wurde allein isoliert, wegsortiert für ein „danach“.
Als ob es ein danach geben täte.
Nur um zu sehen, dass ich wieder sehr ich bin: gleich 500 Wörter und noch nicht mal in der Nähe des Themas das ich anschneiden wollte. (503!)
Es gibt den Punkt an dem man innerlich derart auf ein Minimum reduziert ist, da arbeitet auch das noch so leichtfertig begutachtete Medium noch in einem. Da wirken Dinge nach, weil man nicht guckt und danach raus geht oder mit jemandem darüber spricht, da werden Verknüpfungen gemacht wo man sie nicht erwartet hat.

Wissen Sie – ich kann an dieser Stelle ja nur spekulieren wie gut wir uns kennen, aber ich denke es ist klar, dass ich auch den schlimmsten Dokumentarfilm über Bastian Schweinsteiger gierig aufsaugen würde. Sportfilme und Dokumentationen sind mein Rosamunde Pilcher. Meine Youtube-Chronologie nach „The Last Dance“ der aufwendigen, 10teiligen Reihe über Micheal Jordan und die Bulls gab mich vermutlich als Basketball-affinen Mittvierziger aus. Es war wie …hier chemische Droge ihrer Wahl einsetzen – ich weiß über die alle nichts.
Und ja – komplette Oberflächlichkeit der 90 Minuten von…nein, ich schreib den Titel jetzt nicht hin, T1ll Schw3iger her – ich habe etwas zum darüber Nachdenken gefunden. Weil so ist das, mit den eigenen Ikonen. Sie lassen sich gut in die Lücken schieben über die man gerade philosophiert. Stay with me here, es geht um Führungsqualitäten, Empathie und die Menschheit an sich.
Meine Anhängerschaft an den Fussballgott aus Oberaudorf (darf ich jetzt eine Sportkolumne schreiben – die klingen doch so?) begann zu einer Zeit, als er noch durch waghalsige Frisuren und interessierte Cousinen auffiel. Und durch absurden Ehrgeiz in Kombination mit kompletter Respektlosigkeit gegenüber irgendwelchen Mythen um andere Fussballer. Clearly my type. Es folgte eine nicht ganz einfache, gerade in der Rezeption bei Medien und Fans sehr wechselhafte Karriere mit den bekannten Höhepunkten und Niederlagen. Schweinsteiger war nie der technisch versierteste, schnellste, torgefährlichste oder kontrollierteste Spieler. Er war ein sehr guter Fussballer – kein brillanter. Aber niemand war so ehrgeizig, verbissen und bereit mit dem letzten Körnchen Kraft zu arbeiten. Nein, auch nicht Arjen. Diese Eigenschaften in Verbindung mit dem oberbayerischen-elterlichen-Sportbedarfsladen-Skifahren-mit-Felix-Neureuther-Hintergrund gaben ihm den Markenwert, den heute alle versuchen darzustellen: Authentizität.
Er transportierte seinen Charakter komplett aufs Spielfeld und in alle Tätigkeiten drum herum. Die Charmoffensive in Richtung Angela Merkel nach einer immens dummen roten Karte genauso wie mufflige Interviews nach verlorenen Spielen und der irgendwie nicht ganz passenden aber wohl notwendigen Danksagung an den im Gefängnis sitzenden Uli Hoeneß nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft.
Er ist womöglich einer der letzten seiner Art, dem niemand jemals ein gemachtes Image oder strategische Statements vorgeworfen hat. Mit denen wird man nicht „Fussballgott“.


Jogi Löw hat ihn mal, ich glaube als man dachte ohne Michael Ballack gäbe es keine Nationalmannschaft mehr, als „emotionalen Leader“ bezeichnet und natürlich klingt das aus dem Munde des schwäbischen Testimonial für taillierte Hemden etwas ungelenk und so als ob ihm die tatsächlichen, die traditionellen Qualitäten einer Führungspersönlichkeit fehlen würden. Heute würde man sagen (okay, nicht zu Sportjournalisten, für viele wäre es zu hoch), seine Führungsqualität liegt darin, dass er emotional intelligent und glaubwürdig ist – wodurch ihm die Mitspieler das Vertrauen entgegen bringen, um seinen Ansagen zu folgen. Er ist dadurch auch angreifbar, verletzlich und direkt – fast impulsgesteuert – in seinem Handeln.
Eines der vielen Bilder das sich in mein Hirn eingebrannt hat, ist der Moment während des WM-Finals zwischen Deutschland und Argentinien 2014, als Schweinsteiger nach einem versehentlichen (ALS OB) Schlag durch einen Gegenspieler einen Cut unter dem rechten Auge abbekam. Müller-Wohlfahrt und Konsorten eilten an die Seitenlinie, Löw schickte zum dritten Mal jemanden zum Warmmachen. (Es war bereits Verlängerung, Spielstand 0:0) Die Argentinier hatten das Spiel in eine Schlacht verwandelt und Schweinsteiger folgerichtig als General ausgemacht.
Anyway. Er sitzt da, knapp außerhalb der Seitenlinie, es gibt eine kleine Auszeit für alle und man denkt, dass er gleich heroisch ausgewechselt wird, weil es einfach nicht mehr geht.
Aber wenn irgendjemand dachte Bastian Schweinsteiger würde dieses Spielfeld verlassen, bevor er Weltmeister war, hatte ihn wohl nicht bis hierher verfolgt. Er richtet sich auf, da läuft immer noch Blut in seinem Gesicht herunter. Schiedsrichter Rizzolli geht an ihm vorbei – für den ausschlagenden Argentinier gibt es keine Konsequenzen. Schweinsteiger guckt den Mann mit der Pfeife an, holt Luft und dreht sich zum Spielfeld. (Bella brüllt hysterisch in Richtung Fernseher, droht dem Schiedsrichter und der kompletten argentinischen Nation schlimme Dinge an.)
Eine Minute später hilft er im Mittelfeld den Ball zu erobern, Schürrle zieht damit davon und passt auf Götze. And so it goes. Goldkonfetti.
Mal ganz abgesehen von der sensationellen Bildsprache (teutonischer Held, blond, blutend) war es ein Symbol dafür, wie aus einer Schwächung neue Stärke erwachsen kann, wozu wir in der Lage sind, auch und gerade angeschlagen. Er musste für den Rest des Spiels keine Ansagen mehr machen, niemandem erklären, worum es hier geht. Das war längst transportiert.

Aber Bella, höre ich die Leserschaft murmeln, gerade das Gegenteil ist doch gefragt! Man kann doch sportlichen Wettbewerb nicht auf andere Dinge übertragen! Fakten, Wissenschaft, Daten – Prof. Drosten for mothereffin President!
Stimmt.
Der Chor zu dem ihr predigt – er sitzt doch hier. Ich liebe Statistiken und Studien. Ich möchte, dass Entscheidungen auf greifbaren Informationen basieren. All hail Doktor Merkel und ihrer unspektakulären pragmatischen Art. (Armin, alle können hören, dass du dich aufregst!) Niemand möchte, insbesondere in diesem Land, einen „Anführer“ einen der aufrührt und einpeitscht, der mit Emotionen kocht, kalkuliert und spielt, um Dinge zu erreichen. (Maskulinum very much Absicht.)
Ob Covid oder Maracana – ohne die Drostens oder Siegenthalers (remember him?) dieser Welt wird das alles nichts. Ich muss sogar zugeben, dass es mich in den letzten Wochen überrascht hat wie stark große Teile der Bevölkerung sich tatsächlich an der Forschung und aktuellen Ergebnissen orientiert haben, entsprechende Entscheidungen akzeptiert wurden. Wirklich, manchmal unterschätzt man Menschen. (Selten. Sehr selten.)
Erst beim Blick auf die Gaga-Demonstranten gegen die Schutzmaßnahmen merkte ich, dass es wohl Menschen gibt, denen die Fakten nicht reichen. Oder die sie schlicht nicht glauben. Die absurde Mischung aus Verschwörungsanhängern, Eso-Haserln die Angst vor der „Zwangsimpfung“ haben, den rechtsradikalen vor-allem-Angst-habern und Pseudo-Intellektuellen die irgendwas von persönlicher Freiheit murmeln – wo um Himmelswillen finden die sich sonst zusammen? Wie kommen die zusammen?
Welche (An)Sprache bindet solche Gruppen?

Gut, dass ich so viel passiv konsumiere. Auftritt Brené Brown, Hohepriesterin der akademischen Emotionalität, Feldwebel all derer die mit offenem Visier ins Feld ziehen. Die texanische Professorin für Social Work (was man eher mit Soziologie/Psychologie übersetzen sollte), forscht seit Jahren zum Thema Scham, Empathie und Verletzlichkeit – bzw. dazu wie man diese so kommuniziert, dass sie zur Stärke werden.
Ich verfolge sie schon eine Weile, angefangen mit ihrem sehr bekannten TED-Talk.

Auch in ihrem Podcast (of course) „Unlocking us“ spricht sie in den letzten Wochen mit Menschen über deren Weg zu einem authentischen, offenen Leben.


And shame is really easily understood as the fear of disconnection: Is there something about me that, if other people know it or see it, that I won’t be worthy of connection?

(Brené Brown , The Power of Vulnerability)

Sie ist, an allererster Stelle, Forscherin. Sie sammelt Daten, geht Zusammenhängen auf den Grund und sucht nach Mustern. Sie verwandelt emotionale Abläufe in Thesen und Studien.
See where I`m going with this?

Wenn Brené über das Risiko von Verletzlichkeit spricht, aber auch davon wie unabdingbar diese für Verbindung ist, drehen sich in mir Dinge. Weil nichts in meinem Leben so komplex ist, weil ich mich mit nichts so schwer tue und nach nichts mehr Sehnsucht habe als (Ver)Bindung zu anderen Menschen.
Es gibt die einfache Variante von Verbindung – in dem wir uns einer Gruppe anschließen. Wir haben ähnliche Ansichten, Meinungen und Emotionen zu einem Thema – das Risiko der Entblößung durch Verletzlichkeit ist gering und gleichzeitig fühlen wir uns stärker, weil wir Teil von etwas sind.
Der Fussballverein, die Band, die Pandemie-Einschätzung. Weil egal wie stark die Fakten sind – solange sich keine große Gruppe hinter der dazugehörigen Haltung sammelt, fühlen wir uns angreifbar und haben Schwierigkeiten für unsere Überzeugung zu kämpfen. Außer, man ist einen gewissen Grad an Isolation und Alleinsein gewohnt.
Ob Greta Thunberg oder Prof. Drosten – es ist kein Zufall, dass die Spitze solcher radikal faktenbasierten Haltungen auf dem Schulhof nicht die populären Kids waren. (No Offense zu Herrn Professor Drosten, ich kenne seine Biographie nicht, aber ich spekuliere mal statistisch naheliegend.) Für die eigene Erkenntnis so einzustehen, dafür muss man gelernt haben Dinge ohne Verbündete zu tun. (Is this getting very personal? Why yes of course it is.)
Die Dynamik hängt am Ende wieder an der Emotion, nicht nur an den Fakten. Black lives matter. Natürlich tun sie das und wir alle wissen schon sehr lang wie mess- wie nachweisbar Rassismus und strukturelle Benachteiligung sind. Nicht nur in den USA, auch hier in Deutschland. Aber die Fakten allein reichen nicht für eine Bewegung. Erst die Wut, die greifbare Ungerechtigkeit, ein Feuer das länger brennt als eine Schlagzeile aktuell ist, erst das schafft Momentum.

Je kleiner der Kreis wird, je enger die Verbindung, desto mehr Risiko müssen wir eingehen. Hier geht es nicht um Meinung, sondern um uns selbst. Wie viel können, wie viel sind wir in der Lage zu offenbaren um gemocht, geliebt zu werden? Bin ich das wert?

What underpinned this shame, this “I’m not good enough,” — which, we all know that feeling: “I’m not blank enough. I’m not thin enough, rich enough, beautiful enough, smart enough, promoted enough.” The thing that underpinned this was excruciating vulnerability. This idea of, in order for connection to happen, we have to allow ourselves to be seen, really seen. 

(Brené Brown , The Power of Vulnerability)

Eine der Erkenntnisse zu der Mrs. Brown kommt, ist der Fakt, dass sich Menschen sehr grob in diejenigen teilen lassen, die von sich glauben es verdient zu haben geliebt zu werden und die, die es nicht tun. Der Gruppe die sich als gut genug empfindet, fällt es entsprechend leichter ihre Verletzlichkeit zu zeigen, auch ihre Schwächen und Bedürfnisse zu kommunizieren.
Für die meisten Menschen ist das vermutlich sehr nachvollziehbar. Für jemanden wie mich, einen neurodiversen Sonderling, war es ein Schlag in die Magengrube. Und eine Erklärung für all die Male die ich auf die Nase geflogen bin mit meinen Versuchen bewusst Verbindung herzustellen. Weil ich es nicht oft im Leben tue (Blogs zählen offensichtlich nicht), bin ich nicht gut darin. Um nicht zu sagen wirklich, wirklich schlecht. Ich weiß nicht wie man sie kommuniziert, dosiert und worauf man beim Gegenüber achten muss, bevor man die Rüstung abnimmt. Es erklärt die teilweise verstörten, abweisenden oder mindestens irritierten Reaktionen die ich bekommen habe. Ja, ich weiß, solche Reaktionen bekommen alle von uns mal. Aber quasi jedes mal wenn man versucht eine Verbindung oder deren Vertiefung zu initiieren? Really?
Die Menschen, die ich momentan habe, sind dort weil sie hartnäckig waren und emotional klüger sind als ich. Weil reagieren, das klappt mit viel drüber Nachdenken und Kalibrieren gerade so. Nicht immer und die Langzeit-Studien sehen auch noch eher wacklig aus, aber…positiv denken?

Denkt man diese Skalierung von Verletzlichkeit zu Ende (und vermutlich würde mich Brené an dieser Stelle mit einem ihrer sehr viel durchdachter formulierten Büchern erschlagen) ergibt sich natürlich auch warum ich es geschafft habe Mitte 30 zu werden ohne eine Verbindung eingehen zu können in der jemand sich sicher genug fühlt, um mir zu sagen, dass ich geliebt werde. Ich meine jetzt die romantische Variante. Das ist kein Haschen um Mitleid, diese unregelmäßigen Episoden von Einsamkeit durch fehlendes Kennen solcher Zuneigung hab ich mir auch ein wenig selbst eingebrockt, wenn auch nicht ganz bewusst. Wenn man Signale nicht lesen kann oder nur dann, wenn aufgrund von Umständen nicht die Gefahr besteht, dass man sich ernsthaft mit der Frage beschäftigen muss, bleibt man eben allein.

Es ist am Ende wohl very on brand mit dieser Mischung aus Ratio und Scham an die Tatsache heranzugehen, dass ich nicht weiß, vielleicht nie wissen werde, ob ich gut genug bin – ob ich überhaupt die Wahrnehmung habe, um geliebt zu werden. (Was in sich selbst eine Antwort wäre. Es…ist kompliziert.) Der Catch 22 an der Sache ist natürlich, dass Menschen die die Erfahrung des geliebt werden machen, auch eher bereit sind ein entsprechendes Risiko wieder einzugehen. Ich frage mich gerade, ob überproportional glückliche Menschen darum in sehr emotionalen Momenten zu Tränen neigen. Kann das bitte jemand erforschen?

Bastian Schweinsteiger ist, ich denke das würde er selbst auch zugeben, kein Intellektueller. Es gibt im Film diesen Moment wo seine Frau Ana (eine ehemalige Tennisspielerin) sich darauf freut, dass sie jetzt nach seiner Karriere Zeit für Museen und Ausstellungen haben und man muss schon während sie es sagt lachen, weil solange es gleichzeitig Kunst und Sportplätze gibt, wird die Kunst verlieren. Er denkt nicht ohne Grund allzu tief über Dinge nach, seine Kompassnadel scheint nach einer Mischung aus Gefühl, Impuls und Bedürfnis ausgerichtet. Und so zufrieden wie er wirkt, funktioniert es hervorragend. Für jemanden wie mich ist das quasi die Antithese zur eigenen Existenz, eine bemerkenswerte, nicht kalkulierbare Anomalie.

Weil so ist das, mit den eigenen Ikonen. Manchmal begreift man erst ganz am Ende wozu sie einen inspiriert haben.

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