Donnerhall(en)

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Monarchy Now

Dance Mephisto, Dance Mephisto
Wenn dich erst der Teufel packt
So bist du ausgeliefert nackt
Dance Mephisto, Dance Mephisto
Hit them with your rythm stick
Vollstrecke deinen Psycho-Trick
Dance Mephisto, Dance Mephisto
Nimm die Tänzerin im Takt
Bis es in den Speakern knackt
Dance Mephisto, Dance Mephisto
Schlag mit deinem Pferdefuß
Go on with your Bühnenshow

(Fragen’s mich nicht, wo das jetzt herkommt. Seit Tagen singt der damische Wiener in meinem Kopf rauf und runter.)

Aber es passt zu diesem gspinnerten Januar.
Mitte des Monats beende ich die Twitter-Fastenzeit und merke schon eine Woche später wieder, wie die Aufmerksamkeitsspanne sich verringert, wie die inneren Schwankungen eine größere Divergenz bekommen, weil sich dort sehr lustige und sehr bemerkenswerte mit wahnsinnig dämlichen und eben auch wütend machenden Dingen wild abwechseln.
Noch merke ich, dass ich jetzt wieder 2 oder 3 Stunden lang Dinge tun kann, ohne ins Telefon zu gucken, dass ich meine Existenz auch mal wieder sehr klar als getrennt von einem Netzwerk wahrnehme, gelohnt hat sich die Sache also allemal. Vielleicht ein Ritual draus machen.
Überhaupt, Rituale und Angewohnheiten.

Der gspinnerte Januar treibt an der Stelle die wildesten Blüten. Der Schalter in meinem Kopf, der sich zum Thema Bewegung im Dezember umgelegt hat, liegt immer noch. Ich komme nach Hause, wechsle die Klamotten (Oida, ich muss mir eventuell Sporttextilien kaufen. Dafuq.) und mache Pilates oder Cardio oder was auch immer ich mir in meinen Fitnessblender-Kalender (ja, soweit sind wir schon) gelegt habe. 15 Minuten kommen mir jetzt, nach knapp 4 Wochen etwas wenig vor und ich lege mittlerweile immer ein ordentliches Warm-up vorher dazu. (Ehrlich, ich kann nicht fassen, dass ich das hier schreibe.)
Nach 4 Wochen traue ich mich auch gewisse Beobachtungen zu machen. Beweglichkeit: Korrekt eingeschätzt. Ich komme, solang es meine Balance zulässt, mit allen Körperteilen genauso weit wie es die Trainer tun. Stretching macht Spaß, keinen Schweiß. Kondition: Verschätzt. Ich dachte ich würde ein bisschen was herhalten, hab das aber wohl mit meiner allgemeinen Zähigkeit verwechselt. Aber nach nur 4 Wochen mit fast durchgehend täglicher Bewegung wird’s merklich besser. Ich bekomme langsam eine gewisse Kontrolle darüber wie sehr ich mich reinhängen muss. Ich kann sogar „pushen“, wenn’s sein muss. (Fitness-Vokabular. Das ist der eigentlich abschreckende Teil.) Kraft: Insofern richtig eingeschätzt, als mir klar war, dass keine vorhanden ist. Also gar keine. Ich besitze Muskelgruppen, die wurden sich in den letzten Wochen wohl überhaupt mal wieder ihrer Aufgabe gewahr. Das ist zuerst sehr frustrierend und man kommt sich ein bisschen doof vor, weil es nicht ob der größeren „range of motion“ irgendwo zieht, sondern man einfach Schwierigkeiten hat, die Knie im „table top“ zu halten, denn die Oberschenkel sehen das gar nicht ein.
Es ist der größte Berg, aber ich schätze der lohnenswerteste. Also wird weitergemacht.

Komplett unerwartet: Die inneren Veränderungen. Heißhunger auf Nüsse und Trockenobst, kein Bock auf Alkohol ( I KNOW ) oder Schokolade (was ja nicht heißt, dass ich nicht nach wie vor großer Kuchenfan bin und überhaupt ist Krapfen-Saison!) und wenn ich mich nach dem Büro erstmal mindestens zum Low Impact Cardio Pilates Workout Full Body (Oida) überwunden habe, kann ich oft Abends noch andere Dinge von der To-Do Liste abhaken anstatt nur noch eine Serienfolge zu gucken. Ich meine, die gucke ich meistens trotzdem, aber irgendwie kann ich mich noch zu Papierkram, Emails oder einem Telefonat aufraffen.

Und dann ist da noch die Sache, die man schwer in Worte fassen kann, die bei mir aber langsam Verständnis für Leute aufkeimen lässt, die an schlechten Tagen erstmal Laufen gehen. (Laufen gehen. Komische Formulierung.) Weil der gspinnerte Januar trug noch eine, hoffentlich vorerst letzte Welle, von der großen Dunkelheit mit sich, von Gedanken an Verlorengegangenes und am Ende auch noch möglichen Begegnungen mit alten Geistern. Außerdem ist es dreckskalt und da reagiere ich empfindlich.
Wenn man mal wieder einen Heimweg lang mit solchen Gedanken verbracht hat, nicht mehr einholbares zum xten Mal im Kopf durchspielt, ist es etwas geradezu beruhigend ganz automatisch Daheim schließlich die Yogamatte auszurollen und sich via Video von der netten Trainerin durchs richtige Atmen, ein paar Aufwärm-Posen und schließlich einige schweißtreibende Übungen leiten zu lassen. Da ist kein Platz für die dunklen Dinge und danach muss man erstmal einen Liter Wasser trinken oder Mandeln essen und überhaupt ist einem grade noch eingefallen was man auf die Einkaufsliste schreiben wollte. Die nicht gesagten Dinge, die alten Missverständnisse und alle Verluste müssen draußen bleiben.

Das gilt alles für mich und ist kein Endorsement für irgendwas. Es ist mir auch tatsächlich schleierhaft welcher Schalter da warum umgelegt wurde, weil, Disziplin hab ich keine. Bei nix. Ask anyone.
Vielleicht ist das nur in Vorbereitung auf ein Jahr, das zumindest bereits jetzt ein paar Highlights verspricht, die mich über Wasser halten sollten. Live-Musik, Feiern, Gelegenheiten. Und ein paar Dinge ändern will ich ja eh.
2019 ist womöglich das erste Jahr seit sehr, sehr langer Zeit, das ich ganz egoistisch nur für mich planen kann. Ich muss mir keine existenziellen Sorgen machen, mich um niemand anderen ernsthaft kümmern und selbst die ungeahnten Eventualitäten bewegen sich bis jetzt in machbaren Größenordnungen. (Nennen wir es die Causa Bücherregal.) Wer weiß, vielleicht legt der Fitness-Craze nur die Grundlage für die exzentrischte Bella, die der Planet bisher gesehen hat.

Fragen 526-550

526. Wie aufgeräumt ist es in deinem Kopf?
Ahahahahahahahahahahahaha.

527. Welches Gedicht magst du sehr?
Ich hab’s ja nicht mit Lyrik. „If I should die“ von Emily Dickinson mag ich aber sehr.

If I should die,
And you should live,
And time should gurgle on,
And morn should beam,
And noon should burn,
As it has usual done;
If birds should build as early,
And bees as bustling go,—
One might depart at option
From enterprise below!
’T is sweet to know that stocks will stand
When we with daisies lie,
That commerce will continue,
And trades as briskly fly.
It makes the parting tranquil
And keeps the soul serene,
That gentlemen so sprightly
Conduct the pleasing scene!

528. Bist du ein guter Verlierer?
Nein, aber ich kann gut so tun als ob ich einer wäre.

529. Wer sollte dich spielen, wenn man dein Leben verfilmen würde?
Tilda Swinton und Sabin Tambrea sollten sich die Rolle teilen.

530. Wie viel Zeit brauchst du, um dich für einen festlichen Anlass zu stylen?
Immer so viel, wie ich habe. Es macht halt schon auch Spaß.

531. Wer hat für dich Vorbildfunktion?
Du gute Güte. Ich schätze Menschen, die ihr Leben einer einzigen Sache verschreiben.
(Aus aktuellem Anlass, as of Januar 2019: Nancy Pelosi. #BitchesGetStuffDone)

532. Würdest du etwas stehlen, wenn du nicht dafür bestraft würdest?
Mir fällt zwar grade nix ein, aber bei meiner Schwäche für schöne Dinge – vermutlich.

533. Hättest du gern eine andere Haarfarbe?
Einmal ein richtiger Rotschopf sein, das hätte schon was. Aber so insgesamt, ach, passt schon.

534. Was ist der grösste Unterschied zwischen dir und deinem Partner?
Die Existenz.

535. Wo isst du zu Hause am liebsten?
Wenn ich kann: Auf dem Balkon. Ansonsten ganz klassisch am Esstisch.

536. Wenn alles möglich wäre: Welches Tier hättet du gern als Haustier?
Eine Katze. Moment, nein, zwei Katzen. Mindestens.

537. Auf welche Frage wusstest du in letzter Zeit keine Antwort?
Beruflich ist das beantworten von Fragen so ein bisschen meine Hauptaufgabe und privat…hm. Wobei, da war letztens dieser Moment.
„Änderst du jetzt deswegen dein Leben?“ und ich hab noch nicht fertig darüber nachgedacht.

538. Was ist in deinen Augen die großartigste Erfindung?
Internet ist schon nicht schlecht und ich bin Fan von Kühlschränken, aber ganz ehrlich? Impfstoffe.

539. Wenn du emigrieren müsstet: In welches Land würdest du auswandern?
Grundsätzlich: Schottland. Aber Brexit.
Ansonsten: Italien. Aber Politik.
Im Zweifel: Canada. Aber ziemlich weit weg.

540. Nach welchen Kriterien suchst du einen Film aus?
Das Genre nach Stimmung, ansonsten kann ein bestimmter Drehbuchautor oder Darsteller ausschlagend sein.
„What We Did on Our Holiday“ klang ziemlich seltsam und eher kitschig in der Beschreibung, aber Tennant, Connolly und Rosamund Pike? Yes please.

541. Führst du Tagebuch?
*guckt sich um* Sowas ähnliches.

542. Welche Personen sind auf deinem Lieblingsfoto abgebildet?
Es gibt ein Bild von meiner Taufe, da sind mit Ausnahme meiner Schwester alle Familienmitglieder drauf, die mich am Anfang sehr geprägt haben und sie gucken auf dieses kleine Bündel da in der Mitte und, naja, ich mag wie geschützt sich das Bündel gefühlt haben muss.

543. Hast du häufig unnötigerweise Schuldgefühle?
Oh ja, sowas kann man prima an mich abgeben.

544. Was magst du am Sommer am liebsten?
Die warmen Abende, lange draußen sitzen und sinnieren, reden, Wein trinken.

545. Auf was kannst du am leichtesten verzichten?
Frühes Aufstehen.

546. Wie häufig gönnst du dir etwas?
Ich lebe grundsätzlich gut – kaufe z.B. tendenziell keine sehr billigen Lebensmittel – , darum kommt „gönnen“ entweder sehr regelmäßig oder höchst selten.
Als wirkliches Gönnen empfinde ich eher sowas wie einen freien Tag ohne besonderen Grund oder das eine Bier mehr in guter Gesellschaft, wodurch ich erst einen Zug später nach Hause komme. Vielleicht ist das meine Sorte Exzess.

547. Mit welcher Art von Fahrzeug fährst du am liebsten?
Fernzüge, 1. Klasse. So sollten wir alle reisen, ernsthaft. Das kann die Bahn auch gar nicht so schlecht.

548. Wovon bist du glücklicherweise losgekommen?
Ich neige nicht zum Suchtverhalten… also am ehesten wohl der ein oder andere Mensch, der mir nichts Gutes wollte.

549. Woran denkst du morgens zuerst?
Das mit dem Denken dauert lang, weil ich morgens nur aus Automatismen bestehe. Am ehesten wahrscheinlich „okay, neuer Tag, du und ich können das gemeinsam oder gegeneinander machen. Aber ich würde mich nicht mit mir anlegen.“

550. Was hast du vom Kindergarten noch in Erinnerung?
„Arschloch“ sagt man nicht. Recyclen ist wichtig. Die kleinen Schiffchen mit Teelichtern, die wir an einem Abend auf der Attl ausgesetzt haben. Der große, rotgewandete Nikolaus mit Bischofsmütze draußen auf einem schneebedeckten Feld. Mein Engelskostüm mit den Flügeln. „Spiel doch auch mal mit den anderen Kindern.“

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