DonnerBella

Was gut war: KW 27, 2017

Hätte vermutlich 12 Stunden schlafen können, wurde aber nachts durch eine Autoalarmanlage aus einem angenehmen Traum gerissen und in den frühen Morgenstunden durch meinen blöden Uterus geweckt. Der folgende Montag war dann auch durch erhöhte Grantigkeit geprägt, die nicht davon besser wurde, dass auch um mich herum niemand mitdachte. *poliert Axt*
Der mittagliche Kaiserschmarrn in der Kantine besänftigte die nervenden Hormone nur kurz, während die teilweise hilflos dämlichen Inhalte meiner Inbox an den Geduldsfäden zogen.
Montagabend sitze ich eskapierend (das ist aber jetzt ein Wort, basta!) erneut mit Hamilton auf dem Balkon und träume davon etwas anzuzetteln.

Oh, am I talkin’ too loud?
Sometimes I get over excited, shoot off at the mouth
I never had a group of friends before
I promise that I’ll make y’all proud

(Hamilton; My Shot)

Dienstag schlägt dann eine Mail auf, die mir zumindest die Chance gibt das mal zu trainieren. Nur schlimm, dass da auch immer andere Menschen involviert sind. Da wird’s dann kritisch. Egal, erstmal machen. Andere sind auch grundlos selbstbewusst.
Langsam nehmen auch diese Dinge vor Publikum überhand. Bella, das Show-Pony. Ich möchte sagen damit war nicht zu rechnen, allerdings fallen mir dann quasi alle Lehrer seit der Grundschule ein, die mir prophezeiten, dass ich mich mal durch mein furchtloses Mundwerk hervortun würde. Fakt ist, im Juli spreche ich mehrfach beruflich und einmal eher quatschmäßig vor Leuten die mir zuhören. Ich bereite mich durchaus intensiv darauf vor und hege darum wohl auch einen gewissen Ehrgeiz dahingehend, aber warum ich das tue, ist mir schlicht nicht klar. Ich könnte doch wirklich auch mal die anderen machen lassen. Nicht zuletzt gab es eine Zeit in meinem Leben, in dem viele Leute einigen Aufwand betrieben haben, um mir klar zu machen, dass mir niemand freiwillig seine Aufmerksamkeit schenken würde. Vielleicht ist es mein Trotz, der mich dann in diese Situationen treibt, in denen man mir quasi ausgeliefert ist.

Jetzt habe ich diesen Job, in dem ich zum ersten Mal selbst (zumindest bis zu einem gewissen Grad) mitbestimmen kann wie viel mir aufgehalst wird und ich gehe los und suche mir Extra-Dinge. Woher kommt diese, dings, na, Sie wissen schon, Motivation? Gibt sich das mit dem Alter? Weil, selbst ich habe verstanden, dass es Blödsinn ist, sich so sehr über den Job zu definieren und womöglich andere, wichtigere Dinge zur Seite fallen zu lassen.
Aber am Ende ist er halt da, dieser Antrieb. Der Mensch ist schon seltsam. (Hier denken Sie sich jetzt bitte mein Essay zu Hamilton, dem Motiv des Protagonisten etwas schaffen zu wollen und meiner momentanen Ungeduld.)

Mittwoch gegen das aktuell quasi dauerhafte Lampenfieber dann abends ein zweites Glas Wein getrunken und, äh, fest geschlafen.

Der Donnerstag ging größtenteils für einen Workshop drauf. Wobei man ja gerne etwas Workshop nennt, das eigentlich ein Vortrag ist. Klingt dynamischer, macht genauso platt. So ein Tag an dem man sich von der Leberkässemmel-Pause zur Eis-Pause zum Feierabend-Bier schleppt und der Blutzucker trotzdem eher in niederen Bereichen verharrt. Am Ende ist es natürlich ausgerechnet der Juli, mit seiner schweren Hitze und den Dingen, die man unternehmen will, der beruflich plötzlich mit großen, spannenden Optionen daher kommt. Klar.
Abends sitze ich auf dem Balkon, gucke dem Mond beim Aufgehen zu und werde das Gefühl nicht los, dass um das nächste Eck eine sehr spannende Zeit wartet.

Als ich mich Freitags im Büro als erstes zum Kaffee schleppe, macht die Team-Assistentin grade ihr Frühstück und erwähnt, apropos gar nix, meine Präsentation beim Quartalsmeeting von vor drei Monaten und wie gut die war. Während ich später an der Power Point für das nächste dieser Meetings sitze, denke ich dann doch mal darüber nach, ob mir das alles etwas sagen soll. Gottseidank habe ich gar nicht so viel Zeit darüber nachzudenken.
Weil das Unwetter genau während meiner Heimfahrt danieder prasselte, kam ich bei dampfigem Dschungel-Wetter Zuhause an und bog erstmal in Richtung Eisdiele ab. Zu Gin Tonic plante ich dann die restlichen Monats-Highlights durch und hatte immer ein Auge auf dem Hashtag für den G20 Gipfel in Hamburg.

Auch am Samstag auf dem Markt, wo ich dem Charme von 8 Sorten Tomaten erlag, redete man hauptsächlich über Hamburg. So Links-Grün-Engagiert mein Dorf sonst ist, hier verstand man die Welt nicht mehr. Das war doch alles ganz einfach. Polizei rückt rechtzeitig an, setzt diese garantiert in der Datenbank bereits geführten schwarzen Block-Menschen frühzeitig fest und der Rest kann friedlich protestieren. Geht doch hier auch, wir machen Sicherheitskonferenz, Oktoberfest und im Zweifel G7 einfach in unwägbarem Alpengelände.
Natürlich wurden auch drakonische Strafen für Autoanzünder und Plünderer gefordert und hier und da gerieten die Demonstranten generell unter Verdacht, aber das war eher ein seltenes Argument. Tendenziell wunderte man sich über die Strategie und der Begriff SPD-Innensenator wurde eigentlich nur mit nachdrücklichem Unterton ausgesprochen. (Sie wissen schon. So wie man in Bayern halt über die SPD redet.) Selbst die CSU-Hasser, grade unter den jungen Marktbesuchern, wussten, dass die bayerische Polizei das besser hinbekommen hätte. (Ja, wir nutzen tatsächlich jede noch so kleine Verfehlung anderer Bundesländer, um das bajuwarische Selbstbewusstsein nochmal zu verstärken. Was auch sonst.)
Der bayerische Innenminister Herrmann mag zwar sowohl in Sachen Kompetenz als auch insbesondere öffentliche Äußerungen von geradezu schmerzhafter Ignoranz sein – aber irgendwo in der Kette zwischen ihm und dem durchschnittlichen Polizeibeamten, weiß jemand, wie man den bayerischen Platz in der Kriminalstatistik politisch nutzt.

Ich versuchte mich am Wochenende eher weniger Nachrichten auszusetzen, schnibbelte glücklich Tomatensalat und machte mir über andere Dinge Gedanken. (Hauptsächlich in meiner Rolle als Show-Pony).
Am Sonntag dann Heimatbesuch, bei dem die elterliche Plattensammlung im vermutlich vorletzten Durchgang auseinandersortiert wurde. (Äh, Thread?)

Sonntagabend nicht mehr gewusst wohin mit den Gedanken, der To-Do Liste und den Zukunftsszenarien. The West Wing Season 1 Episode 1 gestartet. Als wüsste ich es nicht besser.

Was gut war: KW 26, 2017

Montag nach zu wenig Schlaf gerädert aufgestanden und gewusst: Die Woche wird hart. Die regelmäßige Zufuhr von Kaffee und Eis gehört da zum Überleben.
In der Inbox diverse Anfragen auf die man lange, stirnrunzelnd starrt und dann erstmal auf die Suche geht, zu wem die Fragenden eigentlich müssen. Digitales Schnittstellendasein: Let me look at our Organigramm for you.

Aber hey, so lernt man das Unternehmen kennen.
Mit der reizenden Noch-Freelancer-Kollegin durch Dokumentation und Anleitungen gegangen, mit der dann Mitte Juli die neue Vollzeit-Kollegin eingeführt wird. Große Erleichterung darob, denn, dass hier jemand anfängt und aktuelle Begleitliteratur zur Verfügung steht, ist ein eher neues Phänomen. Das ist so…ungewohnt, wenn genug Leute für die anfallenden Jobs da sind und man im Zweifel umverteilen kann, damit Leute Zeit in ihre Projekte investieren können. Wirklich. Für mich ist das neu. Und super.

Abends für jemanden ein paar Arbeitszeugnis-Ideen zusammengeklöppelt und Auffüller für die Hausbar bestellt. Was dauerte: Eigentlich wollte ich foodist ausprobieren (die mit den Boxen), wurde aber mit vollem Warenkorb bei der Zahlungsabwicklung rausgeworfen – wobei auch gleich noch mein Warenkorb geleert wurde. Also zurück zu Gourmondo, wo ein paar Dinge aus waren und überhaupt, so ein richtig guter Dealer für Alkohol und Leckereien fehlt mir grade. #fristwirldproblems #firstworldluxusproblems

Dienstag begann die Arbeitswelle, die ich schon seit zwei Wochen auf mich zukommen sah, endlich aufzuschlagen. Als dann noch ein Briefing mit „Deadline: asap“ auftauchte, ging ich erstmal Eis essen. (Hobbies: Schlafen, Eisessen, Bloggen.)
Als ich abends nach Hause komme, spielt die deutsche U21 seit gefühlt 4 Stunden gegen die U21 von England. Wie sowas endet, wissen wir ja. (Die armen englischen Bubis. So jung und dann ist die erste Lektion: Nicht gegen Deutschland Elfmeterschießen. Nie.)
Zwischen Büro und Zuhause musste es zwar geregnet haben, aber wirklich mitbekommen hatte ich nichts davon. Erst im Zug fiel mir der wirklich schöne Regenbogen auf, was an dem Tag an dem die Ehe für alle plötzlich so greifbar wurde, schon a wenig rührend war. (Stellen Sie sich vor, da sitzen so gestandene CSU-Herren in der Staatskanzlei, verfluchen die strategische Wendigkeit der Kanzlerin und als sie rausschauen, ist da ein verdammter Regenbogen. Das erfüllt mich mit Freude.)

Die diffuse Unentschlossenheit des Wetters prägte auch den Mittwoch, an dem ich noch überhitzt morgens aus der S8 stieg, aber zum Mittagessen schon ein Jäckchen griff. (Irgendwo auf dem Weg bin ich jemand geworden, der vorsorglich etwas über dem Bürostuhl hängen hat, außerdem liegen ein Ladekabel, Schmerzmittel und Pflaster in meiner Schublade. Heimliche Sehnsucht nach Sekretärinnen-Dasein?) Sollte ich anfangen mir Büro-Schuhe zuzulegen, bitte ein paar Mal kräftig auf den Hinterkopf – Sie wissen schon.
Hier ist die Versorgung ohnehin sehr gut, wodurch man nicht, wie in anderen mir bekannten Büros, Vorräte mit Yum Yum-Suppen, dicke Socken und alles für heiße Schokolade vorsorglich im Schreibtisch-Container bunkert.
(Es hat einen Grund warum ich die Start-up Jahre meine Zeit an der Front nenne.)
Keine Sorge, ich erliege nicht der niveauvollen Verwahrlosungen. I get my kicks.

Der Donnerstag lag unter seiner Wolkendecke und wollte so gar nicht rauskommen, wurde stattdessen erst albern dann störrisch. Menschen, offensichtlich dem Irrtum erlegen ich könnte Gedankenlesen, warfen mir halbfertige Aufträge hin wie es sonst nur Katzen mit angebissenen Mäusen tun.
Gottseidank beendeten wir den Arbeitstag früh und machten uns teambildungsmäßig in eine Haidhausener Gaststätte auf. Im „zum Brünnstein“ scheiterte ich am süßesten Kaiserschmarrn der mir bis dato untergekommen ist, auch wegen einer karamellisierten Kruste – während die Kollegenschaft sich durch verschiedene Braten und Schnitzelvarianten testete. Dazu Bier. Im Hintergrund spielte Deutschland wohl gegen Mexico (ich habe den Überblick verloren, U19, U21, ConfedDings, alles sympathische Mannschaften sehr, sehr junger Herren. Die Werksstudentin war begeistert, sie will Herrn Goretzka bittegern sofort nach München holen.) Reichlich Bier. Als ich gegen 22:00 in Richtung Heimatzug aufbrach, war der Abend schon ein paar Stunden alt und ich ohnehin auf dem Level, wo die nächste Halbe nur noch zu mehr Müdigkeit führt. A rousing success!

Den Freitag hatte ich mir zwar zunächst vorsichtshalber freigenommen, aber dann gleichmal konsequent mit schlimmen Erwachsenen-Terminen vollgepackt. Man unterschreibt Sachen, fühlt sich so mittelgut und entwickelt den Impuls mal wieder was unvernünftiges zu tun. What I did. Kind of. Dazu vielleicht ein andermal mehr.
Als Gegenmaßnahme gleich mal hübsches Gedöns gekauft, unter anderem Versuch Nr. 743 jemand zu werden, der öfter Lippenstift trägt. Mal sehen.
Abends einer von diesen jungen-Herren-Mannschaften beim Gewinnen zugeguckt. Gegen Spanien. Wie so abgebrühte Italiener. Schon nicht schlecht.

Samstag dann Getränke geholt, die die ersten Barauffüller eingeräumt (Der Tanqueray Rangpur ist hauptsächlich da, um eine nicht-deutsche Gin-Quote zu erfüllen. Herrje. Duke, 47 Monkeys, Siegfried, Gin Sul. Deutschland, einig Gin Tonic Land. Dass ich das noch erleben darf.) und nebenher noch eine Runde Limoncello-Tiramisu gemacht. In einigen Jahren bin ich die Frau, die immer guten Alkohol, etwas Torte und für den Notfall Pasta im Haus hat, aber sonst nix. Okidoki.
Sonntag mit aggressivem Rumliegen verbracht und Abends schon wieder Fußball geguckt. (Sommerpause where are thou?) Nebenher endlich Monsun-Regen. Bester Schlaf seit Wochen.

Ehrlich, ich bräuchte jetzt ein bisschen Fußball- und Serienpause. Hier liegen Bücher und Ideen rum, die betüdelt werden wollen.

Was gut war: KW 25, 2017

It’s getting hot in here, so take off… ach, lassen wir das.

Als ich nach dem langen Wochenende Montag ins Büro komme, brüllt mich meine Inbox förmlich mit UNERLEDINGT, DRINGEND, SOFORT an und ein Großteil des Arbeitstages fliegt an mir vorbei. Nebenher stelle ich staunend aber glücklich fest, dass große Teile meiner Twitter-Timeline mein Umarmungs-Dilemma nachvollziehen können. Sehr schön auch der Austausch zu grundsätzlichen „Erwachsenen-Fähigkeiten“ bei denen man wohl in der Schule gefehlt hat. (Hier: Flirten, Diplomatie, mitbekommen wann man möglichst unauffällig den Raum verlassen sollte und Niesen bzw. Lachen in damenhafter Lautstärke.)
Bloggen ist super, warum hab ich das eine Weile so selten gemacht?

Seit ich den 500-Tage-Streak bei Duolingo verloren habe, will das Ding immer, dass ich meine Übungen in 60-Sekunden-Intervallen mache. Hochgradig doof. Ich lass mich doch beim Lernen nicht hetzen!

Abends auf dem Balkon sitzend die restlichen Kirschen vom Markt verputzt und nebenher einen Text gekürzt, der präsentiert werden soll. Mitreißend aber voller Infos, ächz, ja klar. In diesen Momenten bin ich dann doch froh, dass ich das mit dem Texten nicht mehr hauptberuflich mache. So kann ich mich obsessiv um kleine Projekte kümmern und fange nicht an, die Schreiberei generell nervig zu finden. (Ah, deswegen ist Bloggen jetzt wieder super.)

Nach 3 Tagen Hitze kommen dafür die alten Dämonen wieder. Der Anblick von knapp bekleideten Geschlechtsgenossinnen macht neidisch und todtraurig, während bei einem selbst die klebenden Klamotten jedes Röllchen betonen. Man fühlt sich dann doch wieder wie ein gestrandeter Wal und würde, wenn schon nicht abnehmen, dann den eigenen Körper wenigstens einmal von oben bis unten durchstraffen. (Das ist so ein persönliches Ästhetik-Ding. Ich mag gleichmäßig verteilte Massen lieber. Gaga, ich weiß.) Zwar hab ich es mittlerweile geschafft mir nicht mehr jeden Seitenblick als herabwürdigende Kränkung einzubilden und habe kein Problem damit in der Öffentlichkeit Eis zu essen, (Es ist Eis!) aber, das durch die Hitze veränderte eigene Körpergefühl ist kein gutes. (Mind you, ich jammere über anderhalb Speckrollen Oberkörper und meine Flügelarme, mit meinen Stampfern hab ich mich längst abgefunden und ich weiß, dass Frauen mit Bauch oder viel Vorbau noch ganz anders leiden können. ) Ich trage ja trotzdem Flatterröcke die nicht bis zum Boden gehen (das, was hier so leuchtet, sind meine Waden.) und offene Schuhe. (Let me show you my scars!)
Es hat auch ganz generell mal wieder mit dem Wunsch zu tun weniger Platz einzunehmen, unauffälliger zu sein. Das sind Phasen, ich weiß. Aber es hindert mich halt daran bei diesem generellen Sommer-Abfeiern zu partizipieren, überhaupt zu partizipieren. Fuck this. My Balkon is my Festung.

Aber auch der klare Lerneffekt: Vor einigen Jahren noch hätte mich so eine Phase dazu gebracht erstmal nicht normal weiter zu essen, sondern einfach alles außer Obst und Gemüse mit Wasser zu ersetzen, woraufhin diverse Blutwerte in den Keller rauschen, mein Kreislauf nicht mehr mitspielt und ich den Sommer erst recht hasse. Jetzt: Erstmal Eis essen. (Vor allem, wenn es der Arbeitgeber eh grade gratis verteilen lässt.)

Am Mittwoch schlägt dann bezüglich des am darauffolgenden Tages stattfindenden Betriebssommerfests eine Mail auf, in der steht, dass es zwar keinen Dresscode gibt, man aber gern in Trachtenmontur….*kurze Pause wegen hysterischem Lachanfall*
Entschuldigung, aber Sie wissen wie ich da bin. (Nein, keine Fotos, das wären ja Interna. Herrje.)
Tatsächlich werde ich Donnerstagmorgen mit einer übersichtlichen und gesitteten Anzahl von Lederhosen und Dirndl konfrontiert. Es war ja dann doch sehr, sehr heiß. Ich griff in resignierender Verzweiflung zum knappesten Sommerkleid in meinem Besitz, dessen Saum rund ums Knie endet. Auch schon egal. Beide Knie voller Narben, der Beginn meiner, ähm, Thunderthighs sagt das Internet, sollen sie doch was sagen. Oder gucken. MIR SOWOS VO WURSCHT.

Es stellt sich außerdem raus, dass mein Büroplatz mit direktem Blick auf das Volksfest-Gelände meine schlimmsten Hobbies fördert: Leute gucken und Kommentare abgeben. Wie Kollegen bzw. Eltern von Hochenergie-Flummis auf zwei Beinen zum möglichst furchtbarsten Fahrgeschäft gezerrt werden, ist auf böse Weise unterhaltsam. (Der erste Teil der Firmenfeier war für die Familien gedacht und meine Güte, ist das hier ein fruchtbarer Haufen.)

Am späten Nachmittag sind dann auch diejenigen von uns ohne Anhang rüber und hatten einen sehr unterhaltsamen Abend, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. Mein zweites Radler bestellte ich dreimal bei unterschiedlichen Kellnern, um schließlich selbst ins Zelt zu marschieren und gegen meine Dehydrierung zu kämpfen. Die schlechteste Geisterbahn der Welt war sehr lustig, Unterföhring von oben wird auch nicht wirklich besser und, ein Tipp, unterschätzen Sie niemals die Kreativ-Abteilungen. Wenn man Grafikerinnen Waffen in die Hand gibt, können sie einen verblüffen.
Mit heißen Füßen und jede Menge gebrannter Mandeln nach Hause gekommen, dank Tropennacht kaum geschlafen und mit letzter Kraft Freitag ins Büro geschleppt.

Kaffee. So viel Kaffee.

Freitag: Hauptsächlich ruhiges Wegarbeiten von Zeug, um mal spezifisch zu werden. Ich war nicht verkatert, aber schlicht erschöpft von ein paar Stunden Aufenthalt im Freien, mit ein bisschen Alkohol und Gedöns. Schlimm. Muss da dringend ein bisschen Training investieren, um die Kondition zu verbessern.
Ich dachte aber auch, dass Kohlehydrate eine total gute Idee wären und verteilte die Spaghetti Bolognese als dezentes Muster auf meinem hellem Oberteil. Gottseidank hatte ich mir als Brain-Food noch ein paar von den gebrannten Nüssen mit ins Büro genommen.

Weil mich mein Fuß abends daran erinnerte warum Hitze, Wassereinlagerung und Narbengewebe keinen Spaß macht, schlief ich erst ein, als die Schmerzen irgendwann in den frühen Morgenstunden aufgehört hatten. Darum auch kein Nationenfest für mich (*schnüff* sich durch die Küchen diverser Länder essen, während es Musik dazu gibt, ist die Definition dessen was meine kleine Stadt am Inn gut kann.)

Stattdessen Limoncello-Tiramisu für’s Seelchen. (Statt Kaffee und Amaretto Limoncello und Orangensaft, außerdem eine Mischung aus Mascarpone und griechischer Joghurt oben drauf. Man belege mit ein paar Zitrusfrüchten oder Erdbeeren. You’re welcome.)
Der u21 beim Spielen zugeguckt, die man ja bald von der Nationalmannschaft eh nicht mehr unterscheiden kann. Alle irgendwie jung und flink und niedlich. (Ab wann wird das Creepy wenn man Kerls, die 10 Jahre jünger sind als man selbst niedlich nennt?)
Sonntagvormittag Regen sei Dank alles aufgerissen und mich zum Frühstücken in den Durchzug gesetzt. Was insofern ein Fehler war, als dass ich den Fernseher angemacht habe und den SPD-Parteitag verfolgte. Aber… ach, lesen Sie auf eigene Gefahr.

Sonntagabend mit Lektüre (Hamilton – the Revolution. Dieses verdammte Musical lässt mich nicht los. Weil es halt auch ums Schreiben geht, irgendwie.) auf den Balkon gesetzt und kaum gemerkt, wann es geregnet hat und wann nicht. Dazu Gin Tonic getrunken und gedacht, so sollte es immer sein.