out of order

Mal abgesehen von der fehlenden Disziplin: Was machen Tagebuchblogger, wenn sie krank sind und nur hustend rumliegen? Das war nämlich meine letzte Woche. Mittwochmorgen hielt ich das noch für den Muskelkater aus der Hölle, woraus im Laufe des Tages aber einfach die schlimmsten Gliederschmerzen meines Lebens wurden. Soviel zu 6 Wochen Sport am Stück. Also Krankmeldung, bei der Ärztin vorbei („Ich fühle mich, als hätte mich ein 30-Tonner überfahren.“ ‚Ja, sie bleiben jetzt mal Zuhause.‘), auf dem Weg zur Apotheke löst sich die Handtasche in ihre Einzelteile auf, isklar, und ich hieve mich wie eine dreimal so alte Frau am Ende in den zweiten Stock hinauf, um die Wohnungstür aufzumachen.

Es folgten Husten, Kopfweh und mein Kreislauf ergriff  fürs erste die Flucht.

Also keine Kinoverabredung, kein zugesagtes Regalaufbauen, stattdessen unsagbar viel Schlaf (so, so viel Schlaf), ein bisschen lesen, ein bisschen Netflix und viel Gedanken kreisen lassen. Das geht mit und ohne Kopfschmerzen.

Mama und Schwester Donnerhall drängen mir förmlich ihre Hilfe auf, obwohl ich so gut wie nichts brauche. Andererseits: So ein Netzwerk in direkter Nähe, schon gut. Die beste kleine Schwester von allen bringt im Laufe der Woche selbstgemachte Suppe und ich bin mal wieder erstaunt, was für eine fabelhafte Frau dieses terroristische kleine Chaos-Wesen aus meiner Kindheit geworden ist. (Liebe Eltern: There’s hope!)

Ich lese zum zweiten Mal, wie Lin Manuel Miranda Hamilton geschrieben hat, überhaupt, mal wieder etwas schreiben, das wäre gut. Beim Verplanen der Steuerrückerstattung räume ich gedanklich einen Betrag für neue Balkonmöbel zur Seite, um die Sommerabende dort loungend und schreibend verbringen zu können.

Beim Blick auf den Kalender stelle ich leicht verdattert fest, bei wie vielen Gelegenheiten mich Menschen dieses Jahr dabeihaben wollen. Geburtstage, Hochzeiten, Hochzeitsjubiläen. Etwas krallt sich um mein Herz bei dem Gedanken daran, dass ich seit der Grundschule nie mehr jemand war, den man zu etwas eingeladen hat. (Obwohl ich FUCKING DELIGHTFUL sein kann.)

Zu Anfang der neuen Woche geht der Blick dann aus dem Fenster, weil die Sonne rauskommt und mit dem Inn fangen spielt. Komm Frühling, komm fang mich. In der kleinen Stadt am Inn sitzen die Menschen sofort wieder draußen vor den Cafes und reden darüber, dass es zu wenig Cafes gibt. Was stimmt, weil das Obermayr mit den Kuppeltorten zugemacht hat und eines wird renoviert, die Eisdielen sind noch zu und jetzt bekommt man am Wochenende in der Altstadt an grade noch 4 Stellen ordentliche Torte. Wenn man in der Backstube mit der hervorragenden Schwarzwälder Kirsch am Wochenende Kaffeetrinken will, sollte man reservieren. Die Lage ist ernst. Aber die Sonne sagt, dass bald die Magnolien wieder blühen und die Eisdielen aufmachen und man mit seinem Kaffee und der Torte wieder quer durch die ganze Hofstatt verteilt sitzen kann.

Oder eben auf einem Balkon.

Aber noch liegt Schnee, noch ist Krapfen-Saison. Ich esse Suppe und gucke auf Netflix „Black Earth Rising“. Ruanda ist eines dieser furchtbaren Geschehnisse um das ich theoretisch weiß, aber das zu nah für den Geschichtsunterricht und zu weit weg für Sozialkunde passiert ist. Außerdem in Afrika. Was weiß ich schon über Afrika. Immer zu wenig. Womit ich sagen will: Das lohnt sich anzuschauen, es ist kein blutrünstiger Kriegs-Mehrteiler, sondern eine Studie über die Aufarbeitung, über die Generation danach.

Ende der Woche schleiche ich zurück ins Büro, mitten ins Getümmel, High Noon an allen Fronten überhaupt High Noon, ganz offiziell.

Wie zur Gegenwehr kann ich nicht aufhören dieses Lied zu summen. Eine große, dramatische Ballade, eine Anklage. The boy’s got pipes.

Bad habit, I know
But I’m needin’ you right now
Can you help me out?
Can I lean on you?
Been one of those days
Sun don’t wanna come out
Can you help me out?
Can I lean on you?

Fragen 576-600

576. Was versucht du zu vermeiden, weil du Angst hast?

Unsicheren Untergrund. Meta- als auch Physisch.

Und den Fehler Leute wissen zu lassen, wenn ich gekränkt bin, mach ich auch nie wieder. People are the worst.

577. Was ist deine neueste harmlose Leidenschaft?

Pilates. (Wobei Flutter Kicks nicht wirklich harmlos sind.)

578. Was würdest du auf dem roten Teppich tragen?

Ein mörderisches Ballkleid, Diamanten im Wert des Bruttosozialproduktes mehrere Kleinstaaten und die längsten falschen Wimpern, die sich auftreiben lassen.

579. Wie geht es dir wirklich?

Ich denke zu viel über Dinge nach, über die ich hinweg sein sollte. Ich zweifle manchmal an meinen Ambitionen. Ich hab keine Lust darauf die Welt alleine zu erkunden. Manchmal würde ich gern irgendetwas exzessiv machen, um zu wissen, ob man sich dann lebendiger fühlt.

580. Worauf hast du zuletzt schweren Herzens mit Nein geantwortet?

Ein sehr spezifisches Therapieangebot. Es wäre auch die Entscheidung zu einem neuen Label, einer Schublade gewesen. Da kann ich noch nicht rein.

581. Wie kannst du es dir selbst leichter machen?

Akzeptieren, loslassen. Vielleicht Drogen.

582. Worum weinst du insgeheim?

Um die Erkenntnis, dass ich vermutlich den Rest meines Lebens allein bleiben werde.

583. Hast du jemals einen Liebesbrief geschrieben?

Es gab mal etwas, das waren eigentlich nur Abschiedsworte, aber vielleicht war da auch etwas mehr.

584. Hast du jemals einen Liebesbrief erhalten?

Ich glaube nicht. Zu früh ins digitale Zeitalter gerutscht.

585. Spendest du regelmässig für einen guten Zweck?

Yo. Ärzte ohne Grenzen und das Münchner Kinderhospiz. Woran halt so denkt, wenn man eines von diesen Kindern war, dem immer irgendwas exotisches fehlte.

586. In wie vielen Weltstädten bist du gewesen?

„Städte von überragender weltweiter Wichtigkeit„ sagt Wiki. Aha. Dann vermutlich bloß 5, vielleicht 7. Da bräuchte ich jetzt eine klarere Definition.

587. Welchen Modetrend von früher findest du heute lächerlich?

Ich bin in den 90ern aufgewachsen. Also alle.

588. Ist deine Grundeinstellung positiv?

Nein.

589. Wie reicht wärst du gern?

Nicht mehr arbeiten müssen. Ein großes Haus für mich und alle die einen Platz brauchen besitzen. Bisschen reisen, alle Bücher kaufen, die mich interessieren. Alles, was über ein paar Millionen ginge, würde ich spenden. Vielleicht eine eigene Stiftung, um auch was sinnvolles zu tun zu haben.

590. Darf man lügen, um jemanden zu schützen?

In Abhängigkeit dessen wovor geschützt wird: Ja.

591. Was hast du in letzter Zeit gebraucht gekauft?

Platten.

592. Was ist als Kopie besser als das Original?

Ich glaube ja, wenn es so viel besser ist, ist es sein eigenes Original.

593. Hörst du gut auf deinen Körper?

Naja.

594. Von welchem Beruf weisst du nicht, was man da genau macht?

Manager. Produzent. Vorstandsmitglied.

595. Was stimmt nicht, wenn du dich jetzt umschaust?

Der Ort, die Zeit, die Verfassung.

596. Was wünschst du dir für die Menschheit?

Weniger Ungerechtigkeit.

597. Gehst du unter die Leute, wenn du dich allein fühlst?

Um Gotteswillen nein. Im Gegenteil. Herrje. Oh Gott. Furchtbar.

598. Welche Droge würdest du gern ausprobieren, wenn sie legal wäre?

Ich finde das Konzept Micro Dosing sehr spannend, gerade im Bereich LSD.

599. Wann hattest du zuletzt Schmetterlinge im Bauch?

Äh… Das muss wahnsinnig lang her sein.

600. Wie oft schaltest du dein Telefon aus?

Meistens so einmal in der Woche, wenn ich das Gefühl hab es wird langsamer. Oder ist hier für länger gemeint? Nee.

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5 thoughts on “out of order”

    1. Kirsch-Marmelade, wenn ich mich richtig erinnere. Ich würde behaupten mit einem winzigen Schluck Rum 😉

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