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Was gut war: KW 12, 2017

Es gibt ja so Leute, die hat man jahrelang nicht mehr gesehen, aber man traut sich nicht mal sie zu googeln, weil man Angst hat, sie könnten es mitbekommen. Das Problem ist: Wenn ich zwischen zwei heftigen Phasen im Büro etwas Leerlauf habe, schweifen die Gedanken momentan genau zu diesen Menschen. Die war-mal-ganz-enge Freundin. Der Kerl, der…ach, das ist kompliziert. Wie verlorengegangene Maschen beim Stricken (als wüßte ich irgendwas übers Stricken), fängt man an sich zu fragen was hätte sein können. Umstände, Timing, der Moment als man nichts gesagt hat obwohl man vielleicht etwas hätte sagen sollen.

Man merkt, es geht mir gut genug, dass ich mir um diesen Blödsinn Gedanken mache. Außerdem ist die Überschrift dieser wöchentlich erscheinenden Angelegenheit auch langsam Makulatur. (So ein schönes Wort. Stammt auch noch aus der großen Print-Ära. Weil falsch oder schlecht bedruckte Bögen als Makulatur aussortiert wurden.) Nicht, dass ich nicht gute Dinge sammeln würde, aber es ist mehr so ein genereller Abriss plus merkwürdigem Schwerpunkt, was dann am Ende im Blog landet.
Grade ist es halt so allgemein gut. Weniger im Speziellen.
Womöglich, mit ein bisschen Verspätung, nehme ich dieses Erwachsenen-Ding in Angriff. Ist zwar jetzt arg spät um sich zu fragen wie man sich so, Dings, Freunde zulegt und wie man das theoretisch navigiert, wo doch alle am Ende Teil eines Duos sind – aber, zumindest testen sollte ich es vielleicht mal?

Wobei die Idee, dass ich mich mit dem momentanen Irrsinn der Welt arrangiert haben könnte, etwas beängstigend ist. Es ist dann doch etwas länger her, dass ich einerseits keine riesigen, belastenden Gedanken mit mir trage und trotzdem Freiraum zum Nachdenken finde. Quasi seit dem Studium waren da immer entweder große Brocken oder keinerlei Zeit – also abgesehen von kleinen Ablenkungen. Aber…ach, das ist kompliziert. Neues, unerforschtes Terrain.
Vielleicht leg ich mir ein Hobby… *hört aus dem Publikum die Podcast-Rufe* *Legt Hobby-Gedanken beiseite* Yoga vielleicht. Oder, das wollte ich ja immer schon, Schlösser knacken lernen. Nur für den Eigenbedarfs-Notfall natürlich.

Ich schweife ja völlig ab. Die Woche…die Woche…nun… Ah, ja! Gelernt sein, will ja der Unterschied zwischen freundlichem antizipieren einer demnächst gestellten Aufgabe und frustriertem Vorarbeiten weil Leute es nicht schaffen auch nur den Hörer in die Hand zu nehmen. Da bin ich als Team ‚wenn man’s nicht selber macht…‘ durchaus gefährdet. Was dann wiederum dazu führt, dass man Fragen gestellt bekommt, die nicht noch offensichtlicher für eine andere Abteilung sein könnten. (Oder sehe ich aus als gehörte ich zur Sales-Abteilung??) Auch der Satz „Was, erst vier Monate? Es fühlt sich an, als würdest du seit zwei Jahren hier arbeiten.“ Ist so eine doppelschneidige Angelegenheit. Weil, klar, das sagt etwas über Integration aus. Aber auch die Gefahr, dass man schneller als angenommen von der Sorte Moos befallen wird, die eventuell im Unternehmen ansässig ist. (Jedes Unternehmen das älter als 10 Jahre ist, hat seine Sorte Moos. Uns Medienfuzzis inklusive.)

Also raus aus der verfrühten Comfort-Zone. Ein Meeting zu einem Projekt, das bei einem Offiste-Seminar vor meiner Zeit hier geplant wurde, hatte weder Ziel noch Agenda, aber in der kommenden Woche einen Präsentationstermin. Einem vagen Impuls folgend darum Folien zusammengeworfen, Meeting-Menschen anhand der Folien durch ein potentielles Programm geführt und zack eine neue Aufgabe bekommen. Das schlimme ist, dass mir genau das Spaß macht.
Da fällt mir auch wieder ein, wie Mama Donnerhall neulich in einem Halbsatz sagte „…tja, wenn man dir Publikum gibt.“ Worüber ich manchmal nachdenke, weil ich mich für das Gegenteil eines Menschen halte, der auf Publikum wert legt. Mütterlicher Durchblick, schlimme Sache.

Weil, klar, Bloggen, Twittern, Podcasten, in Meetings aufzeigen, das könnte man als Profilierungsbedürfnis interpretieren.
Dr. Freud, wie sehen wir das?
*Sigmund rückt Brille zurecht, guckt pickiert*
‚Frau Donnerhall, wos ihnen jetzt klar sein muss, is, dass sie’s gschafft haben mit einem kleinen Bericht über ihre Woche – die unter uns gesagt belanglos war – anzufangen und jetzt meinen’s, dass ich ihren verworrenen Gedanken zu den von ihrer Frau Mutter korrekt erkannten Neurosen folge?‘
„Exakt.“
‚Hams a bisserl Zeit mitbracht? Das wird länger dauern.‘

(Am Fenster zieht das Wochenende vorüber.)

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3 Comments

  1. Einspruch: Die Gleichsetzung von “wenn man dir ein Publikum gibt” mit Profilierungsbedürfnis ist unzulässig.
    Ersteres kann nämlich durch Pflichtgefühlt motiviert sein:
    1. Oh, alle schaun.
    2. Na ja, ich kann’s ja auch.
    3. Dann muss ich aber auch Leistung zeigen.
    (Bilde ich mir zumindest ein als meinen Mechanismus erkannt zu haben.)

    • Bella Bella

      Eine hervorragende Schlussfolgerung, die ich sofort übernehme! Tatsächlich ist die Wurzel dieser angeblichen Souveränität vor Publikum ja, dass ich einfach musste. Wo andere Leute im Studium Hausarbeiten schreiben konnten, hieß das bei uns Projekt mit Präsentation und an wem blieb es immer hängen? Genau, der hyperverbalen Perfektionistin, die im Boden versank, wenn andere von Karteikärtchen abgelesen haben. Das hab ich eben nun davon.

      Was ich sagen wollte: Danke, das erleichtert die Nabelschau sehr!

  2. Ich finde ja den Artikeltitel immer passend, denn wenn die Woche tatsächlich gut war – dann passt er. Und wenn es eine miese Woche war, dann ist er herrlich sarkastisch und ich finde, das passt ein wenig zu Dir.

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