Donnerhall(en)

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Schlagwort: Nostalgie (Seite 2 von 3)

Ahnenforschung

“Haben sie eigentlich italienische Vorfahren?”

Die Amts-Mitarbeiterin lacht mich enthusiastisch an. Fast will man ihr irgendetwas Nettes sagen. Ich zögere wohl einen Moment zu lange.

“Oh, sie werden das oft gefragt, oder?”
Ich nicke, grinse. Und sage “Aber das ist schon einige Generationen her.”.

Das auf dem Schoß meiner Großmutter ist kein kleines Mädchen, sondern mein Vater.

Graublaue Augen, eine Stupsnase, kleine Lippen wie eine Porzellanpuppe. Hautfarbe möchte ich dieses gipsige etwas gar nicht nennen. Aber es hilft nichts. Die Haare sind dunkelbraunfastschwarz und locken sich in dicken Strähnen über meine Schultern. Mehr braucht es nicht. Und es wird nicht besser, wenn mich meine Schwester mit ihren großen braunen Augen und dem Teint einer brasilianischen Strandbewohnerin abholt.

Nun sind meine Eltern und meine Großeltern in bayerischen Gefilden geboren und herangewachsen. Aber Gene sind eine lustige Angelegenheit.

Als meine Großmutter, die huldvolle Donna Dora, letzten Herbst verstarb, konnte sich die ganze Kirchengemeinde mal wieder davon überzeugen. Im Zug hinter dem Sarg mein Vater und mein Onkel – ihre Söhne also – , die aussehen als hätte man sie von der Arbeit auf einem sizilianischen Weinberg geholt. Dahinter die Cousinen D. , M. R. V. und F. Saubere bayerische Bauernmädel. Sie ziehen bereits eine Schaar Urenkel hinter sich her. Sie wuseln in ihren Dirndl durch die Menge. Zwar hat D. die dicken Haare und F. die Locken geerbt, aber sie ist blond wie der Sonnenschein und wirkt dadurch eher fehl am Platz.
Das Tuscheln beginnt bei mir und meiner Schwester. Sie sieht fast zu exotisch aus. Obwohl es ende Oktober ist, sieht sie braungebrannt aus. Die kurzen Haare, das große Lächeln – einen Tick zu hübsch für das Dorf, aus dem wir schon vor Jahren weggezogen sind.
Dann ich. Sie erinnern sich noch an das kleine Mädchen, das so freundlich alle gegrüßt hat. Darauf war Donna Dora sehr stolz. Auch auf mein schnelles Mundwerk. Dee kimd aba nooch earna, Frau Dora. Bis auf die Nase entspricht mein Profil heute fast exakt ihrem. Nur trug sie ihre Haare immer hochgesteckt.

Einmal hab ich als 8jährige gesehen, wie die Großmutter ihre Haarnadeln aus dem Dutt löste und die Haare bis zur ihrer Hüfte herunter fielen. Da war sie schon über 60. Und bis auf die grauen Strähnen außen, da wo sie mit Licht und Luft in Berührung gekommen waren, waren sie so Schwarz wie das sprichwörtliche Ebenholz.

Wenn ich irgendwann viel Zeit und Muse habe, werd ich doch noch diesen Familienroman schreiben. In dessen Zentrum die junge Donna Dora steht. Klug und Schön und eigentlich zu eigensinnig für die Umstände in die sie hinein geboren wird. Wäre sie heute eine junge Frau würde sie kaum den älteren Bauern heiraten, sondern eher ein Unternehmen leiten oder Bürgermeisterin werden. Sie hatte Autorität und Biss.
Sie war daher nicht unbedingt eine warme, sehr kuschelige Oma, aber eine beeindruckende. Und die beste Erklärung für viele meiner Eigenschaften heute.1

Meine Güte, da bin ich aber weit abgeschweift.

Eigentlich wollte ich erzählen, warum sich ein einzelner Gen-Strang mit solcher Wucht durch die Generationen zieht. Wissen sie, meine Großmutter war auch gern mysteriös. Außerdem entsprach ihre Herkunft nicht ihrem natürlichen Drang in höhere Gefilde der Gesellschaft.
Dabei war meine Urgroßmutter vermutlich nur sehr lebenslustig.

Die Halbgeschwister meiner Großmutter waren Bauernkinder, nachdem die kurze Verbindung mit einem Kaufmann ergebnislos blieb, wie Donna Dora es nannte. Sie und ihr Bruder, der wilde Geschichtenerzähler der Familie, waren aber die ältesten Kinder.

Mein Urgroßvater väterlicherseits, eigentlich großmütterlicherseits, ist eine wage, dunkle Gestalt in den Geschichten, die auf Familienfeiern nach einigen Gläsern selbst angesetztem Erdbeerlimes erzählt werden. Aber erst, wenn meine Großmutter sich zurück gezogen hatte. Damit sie sich nicht aufregt.
Dann jedoch legte ihr Bruder Sepp los. Dabei ergänzte allein sein Wesen die Frage nach meinen Ahnen schon sehr gut. Er genießt das Leben, die Frauen. Zum Gehen braucht er schon lang einen Stock, da kaufte er sich einen Sportwagen-Oldtimer.

Jedenfalls sagte er gern, sein Vater war im Grunde ein Freiheitskämpfer. Wofür oder gegen wen er gekämpft hat, konnte er nicht genau sagen, aber ein hinterlistiger, toller Kerl soll er gewesen sein. Und die Sache mit dem abgebrannten Hof damals war bestimmt eine Verschwörung. So verschwand er nämlich aus dem Leben meiner Urgroßmutter. Ein benachbarter Hof war fast komplett herunter gebrannt, Brandstiftung sagte die Feuerwehr. Daraufhin sagte der Gendarm (!), der exotische Fremde mit den dunklen Augen und schwarzen Haaren, den meine Urgroßmutter geheiratet hatte, sei verdächtig.

Er wurde ein paar Tage eingesperrt. Es fand sich nichts, was die Anschuldigungen bestätigte. Als man ihn frei lies, verschwand er. Sepp sagte, dass es eine Handvoll Männer im Dorf gab, die seine Mutter haben wollten und denen kam es gerade recht.

So weit, so irgendwie glaubwürdig. Aber wer war er denn, woher kam er?
Nun, Großonkel Sepp lehnte sich dann gern nach vorn und erzählte eine von vielen Versionen davon, woher mein Urgroßvater gekommen war.
Zuerst war er aus Südtirol und auf Wanderschaft als Handwerker hängen geblieben. Dazu passt der der Mädchenname meiner Großmutter tatsächlich. Ein andermal war er ein neapolitanischer Verbrecher, der über die Alpen floh und in dem kleinen Dorf ein neues Leben anfing. Meine Lieblingsvariante ist die vom Sandler aus der Toskana, der wegen zu viel Ärger mit den Frauen, also eigentlich deren Männern, weg musste. Ein Sandler ist dabei jemand ohne genaue Tätigkeit, eine charmante Version des Taugenichts.

Die Wahrheit wird irgendwo in der Mitte liegen, wie immer. Fest steht: nicht nur der Phänotyp, auch das Temperament und der Hang dazu mit den Händen zu reden, sind auf ewig Teil unserer Gen-Masse. Vielleicht ist es genau dieser Teil, der dafür sorgt, dass es sich wie nach Hause kommen anfühlt, sobald ich den Brenner überquere. Und wer weiß wann und wo meine Ahnen noch zu mir sprechen. Ich sollte mir ein Glas Wein einschenken und ihnen lauschen.

  1. Nicht, dass sie sich nicht gekümmert hätte, nein! Liebevoll gestrichene Semmeln mit einer Schicht Butter unter der Streichwurst, wenn wir draußen gespielt haben. Wenn wir, bzw. ich, mit einem aufgeschürften Knie zurück kamen, saß ich in der alten Küche des Hofs (mit Holzofen!) und bekam eine Geschichte erzählt, während sie einen Viertelliter Jod auf dem Knie verteilte. Ich erinnere mich noch an den Geruch dort. In der Küche wurde immer irgendetwas gebacken oder gekocht, viel Sahne geschlagen. Vom Hausgang kam ein leichter Dunst vom Stall herein, gemischt mit Heu.

vom Schreiben übers Schreiben schreiben.

via habichkomplettvergessentschuldigung

Dieser Post hat eine lange Entwicklung hinter sich. Erst sollte es um Schreibtechnik und Aufwand gehen, um die Wirrungen des Bloggens. Irgendwann dann, naturally, um Schreibblockaden, ums sich selbst leer-schreiben. Zwischenzeitlich kamen Notizbücher zur Sprache, das Gefühl von Tinte auf Papier und nostalgisches Blättern in alten Seiten.

Dann kam ich mit jeder Zeile einem Kern näher, einer Erkenntnis die mich plagte.

Während meiner Adoleszenz habe ich mit Hilfe von Musik und Hormonen seitenlang schwerelos dahin geschrieben. Geschichten. Kommentare. Stream of consciousness. Es kam, es flowte geradezu dahin. Man wird älter. Die Ansprüche steigen.

Als ich vor fast 10 Jahren anfing, ins Internet hineinzuschreiben, hatte ich einen kleinen Blog. Ein kaum besuchter Ort im Netz, wo ich die Freunde aus Chats und Foren an mir und meiner sich formenden Depression teilhaben lies. Nur, dass ich damals keinen Namen für diesen Nebel in mir hatte. Dort wurden auch die kleinen Fehden und großen Freundschaften besiegelt, die uns, als erste Teeniegeneration mit DSL-Zugang prägten. (Foren! Chats!!).
Dafür habe ich mich mit wirren Buchstabenkombinationen von FTP über HTML und CSS zu CMS und PHP beschäftigt. Diese Abenteuer beeinflussten letztendlich meine Studienwahl, so wie das Internet als ganzes in Zukunft mein Berufsleben beeinflussen wird.

Nur, über all das bin nicht nur ich, sondern ist auch mein Schreiben pragmatisch geworden. Geordnet. Ein Eintrag soll bitte ein Thema haben, ein Ziel. Und wenn mir grade nichts einfällt, das nicht schon in drölfzig anderen Blogs vorkam, dann lasse ich es.

Das ist irgendwie schade, glaube ich.

In letzter Zeit finde ich viele Blogs derer, die jetzt mit Schule, Freundschaften und der Welt kämpfen. Ihre Tumblrs und Blogs mit Bildern von Mädchenfüßen auf Asphalt und Texten über Vergänglichkeit und Gefühle rühren etwas in mir, graben eine alte Sehnsucht aus.
Ich ertappe mich dabei, wie ich mit wünsche, das taube Gefühl mancher Tage in einen Text zu kleiden, der nach Regen riecht und zu dem Gitarrenzupfen gehört.

Die Frage ist, habe ich tatsächlich die Fähigkeit dazu verloren oder bin ich so damit beschäftigt auf vielen Plattformen zu posten, zu diskutieren und lustige Videos zu sehen, dass ich nicht mehr die Worte habe, um auch noch aus mir selbst ein Thema zu machen?

Dabei lese ich selbst am liebsten Blogs, dir mir Geschichten aus dem Leben eines Menschen erzählen. Wo jemand auch vor den eigenen Befindlichkeiten nicht halt macht, mich mit einer Schwäche konfrontiert.
Mein Auge für Geschichten ist genau deshalb eigentlich so gut wie nie. Wie ein Spürhund sehe in ich meiner Umgebung, in meinem eigenen Leben Stoff für eine gute Episode Leben. Und dann… kann ich sie nicht aufschreiben.

Ist das eine Schreibblockade? Mittlerweile denke ich, es ist eine Grenzblockade. Alles was ich an Medien konsumiere, also lese, sehe, höre , teile ich ohnehin. Auf Twitter, Facebook mit den Shared Items des Google Reader. Auf Twitter werden auch die Themen des Tages durchdekliniert. Was bleibt also? Die kleinen, ganz persönlichen Dinge. Die Familiengeschichten, die Insiderwitze und das eigene Gefühl.

Es gibt da wohl etwas in mir, das diese Dinge behalten will. Oder zumindest mein Kontingent an Geteiltem einschränkt. Ich werde eine innere Inventur machen müssen, um wirklich herauszufinden ob das was, oder doch das wie viel entscheidend dafür ist, was von mir in den Netzweiten steht. Einfach mal eine Diskussion sein lassen, einen Artikel allein für mich lesen, ohne gleich den Link weiterzuleiten und am Ende schauen, fühlen, was jetzt noch raus muss.

Also ein bisschen so tun, als wäre ich grade erst im Internet angekommen.

Wir Kinder vom Land wissen nicht nur, dass Kühe nicht lila sind oder: ich hab zwar keine Akademiker in der Famile, aber dafür Bauern und Metzger. Ha!

Christian Rach gehört zur seltenen Gattung der intellektuellen Köche. Er hat ja auch lange genug Mathematik und Philosophie studiert, ist belesen und kann seine Ansichten tatsächlich entsprechend artikulieren. Neulich, hab ich im Focus (Ausgabe 34/10) ein Interview mit ihm gelesen. Darin sprach er über Esskultur, soziokulturelle Hintergründe und was das alles mit Bildung zu tun hat. 1

Es ist allgemein politischer Konsens, dass wir die Geschlechtsunterschiede aufgelöst haben. In der Arbeitswelt reden wir heute über Neutren, was im Grunde sehr positiv ist. […]
Gleichzeitig wurden allerdings tradierte Verhaltensweisen – die Frau bleibt zu Hause und kocht – aufgelöst. Essen und Trinken als Zentrum des familiären Seins existieren nicht mehr. […]
Man kann es aber auch soziologisch betrachten und sagen: die fehlende Esskultur in den Familien ist eine Quelle der Gewalt. Die entsteht nämlich, wenn man keine Möglichkeit mehr hat, sich zu artikulieren, über Liebe oder Spaß, über Frustration oder Traurigkeit, über Erfolg und Misserfolg. Die Familie als Ort der Bearbeitung persönlicher Probleme ist verschwunden.
[…]
Wir müssen an den Punkt kommen, an dem wir die Familie wieder zulassen und wertschätzen. Egal, ob es eine selbst gewählte Familie ist oder die Familie im klassischen christlichen Sinne, ob es eine Mann-Frau-Beziehung ist oder eine gleichgeschlechtliche Beziehung. Ich bin sicher, dass in der Familie viele Gesellschaftsprobleme zu lösen und zu tragen wären.

AMEN.
Ernsthaft, ich habe dem ganzen so gut wie nichts mehr hinzu zu fügen. Wenn überhaupt, dann fällt mir dazu ein, was meine Mutter oft gesagt hat. “Das wäre ja nicht gegangen, dass da keiner ist, wenn du und deine Schwester von der Schule gekommen sind. Du wärst ja geplatzt wegen der ganzen Sachen die du erzählen musst. Das Mittagessen war schon wichtig, aber die Hauptsache war, dass jemand zugehört hat.” (Ätschbätsch, meine Mama ist die Beste.)
Das Ritual eines gemeinsamen Essens pro Tag hat zum einen die starke soziale Komponente – zum anderen die Ernährungstechnische. Schließlich betreibt man für eine Gruppe von Menschen einen ganz anderen Aufwand bei der Zubereitung. Zutaten werden wichtiger, der tatsächliche Wert eines Mahls wird höher. Was für jemanden wie mich eine unglaublich simple und unumstrittene Tatsache ist (Kindheit auf dem Land, sie wissen schon.) muss man jungen Menschen heute vielfach beibringen. Meint auch Herr Rach.

“Allgemeinbildung” gibt es bei uns nicht mehr in der Schule. Ich würde sie subsumieren unter der Rubrik “Wirtschaft”, und darin müsste es unbedingt ein Fach “Steuern” geben, so wie ein Fach “Gesundheit und Ernährung”. […] Wir haben extremste Defizite in dem Verständnis von staatlich-wirtschaftlichen Zusammenhängen, weil sie leider in den Schulen nicht gelehrt werden. Noch eklatanter sind die Defizite in puncto Ernährung.

“Gesundheit und Ernährung”. Darunter fällt für mich auch “wo kommen Nahrungsmittel her” mit der Exkursion “so sieht ein Bauernhof und so eine Massentierhaltung aus”. Womit ich – Überraschung – bei dem aktuellen Buch von Jonathan Safran Foer, Tiere essen bin.
Vorneweg: ich habe das Buch (noch) nicht gelesen. Nachdem ich etliche Artikel und die bemerkenswerten Beiträge einer der Übersetzerinnen, Isabel Bogdan (@twitter) gelesen habe, freue ich mich, dass hier jemand zwar informiert und erzählt, aber dafür nicht belehrt oder missioniert. Viele von uns essen zu viel Fleisch und wissen zu wenig darüber, wo es her kommt. Aber nicht für alle ist Vegetarismus die Antwort darauf.

Liebe Stadtkinder: das sind Kühe

Ich muss nochmal kurz auf die Sache mit der Kindheit auf dem Land zurück kommen. Der Bauernhof meines Onkels am Ende der Straße, war die Bezugsstelle für Milch und Eier, die ich auch schon persönlich aus Hühnernestern sammeln durfte. Auf dem Rückweg kam ich an der Weide vorbei, dort standen die Rinder. Ich wußte relativ bald wohin der Weg der Viecher führte und kannte dann auch den Schlachter. Von dem wiederum (ja gut, Bayern ist klein, das war erweiterte Verwandtschaft) holten wir unser Fleisch. Bis ins Teenageralter war mir nicht klar, dass es Fleisch und Wurst auch in abgepackter Form im Supermarkt gibt.
Sogar die lokalten Gasthäuser hier schlachten entweder selbst, oder bekommen sehr hochwertiges Fleisch von hiesigen Bauern.
Was mir tatsächlich bis dato nicht klar war: ich habe einen sehr traditionellen Bezug zu Lebensmitteln und deren Wert. Dafür bin ich heute sehr dankbar.
Jeder Bericht zu Legebatterien, Tiertransporten und den schwachen gesetzlichen Regelungen zur Massentierhaltung macht mich zuerst traurig und dann wütend. Und die Wut steigert sich, wenn ich die Sonderangebote der Supermärkte lese, wo man Aufschnitt für Centbeträge verkauft. Zum Verständnis: hinter jeder Scheibe Wurst steckt die Aufzucht, Schlachtung und Verarbeitung eines Tieres. Bei artgerechter Haltung heißt das vor allem viel Arbeit, viel Zeit und kurze Wege. Das schlägt sich logischerweise im Preis nieder.
Ergo: nur wenn der komplette Ablauf so kosten-effizient wie möglich gestaltet wird, kann Fleisch derart billig sein. Also werden die Tiere zusammengepfercht, gemästet, durch die Gegend transportiert und in der Fabrik verarbeitet. Dieser Fakt sollte in jeden Kopf der westlichen Wert.

Nicht Fleisch. Aber lecker.

Ich glaube, dass es Foer auch mehr darum geht, als aus uns allen Vegetarier zu machen – wir sollen nur Nahrung wieder wertschätzen. Die Deutschen geben europaweit den geringsten Prozentsatz ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Klar, nicht alle. 2 Aber die Statistiken sind düster: nur 11% (Elf!)eines Haushaltseinkommens werden im Schnitt für Lebensmittel ausgegeben. Weil Essen bei vielen das Erste ist, an dem gespart wird. Noch vor Elektronik, Urlaub oder anderem Schnickschnack. Wir kaufen das beste Motorenöl für das neue Auto, aber kaufen fröhlich unser Olivenöl beim Discounter. Das nehmen wir ja nur zu uns.
Länder, deren Sinn für gutes Leben wir bewundern, wie Frankreich (15,7 %), Spanien (20,3%) und Italien (20,4%) rümpfen da zurecht die Nase. Essen hat Vorrang. Die Mittagspause findet auch nicht am Schreibtisch statt, sondern man sitzt 2 Stunden (!) zusammen und genießt. Eine Wohnung ohne Esstisch? Unvorstellbar.

Essen erhält uns am Leben – in wahrsten Sinne des Wortes. Was wir essen, wie wir essen, mit wem wir essen – all das sagt viel über unser Leben aus. Ich bin kein großer Fan von Kochshows und irgendwelchen Trends beim Essen. Aber ich applaudiere jedem, der ernsthaft versucht unsere Wahrnehmung und unser Verhalten in dieser Hinsicht zu verbessern.

  1. Außerdem habe ich in dem Interview ein neues Wort gelernt. Inkommensurabel = die Theorie von der Unvergleichbarkeit der Dinge. Was für ein großartiges Wort.
  2. Wissen sie noch, damals, als der Sebas noch gebloggt hat und die Leute ein gemeinsames Gesprächsthema hatten? Das war sogar noch vor Twitter. Irre.