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Was gut war: KW 22, 2017

Hot Town, Summer in the City. Holla die braungebrannte Waldfee.
Der Sommer brannte auf Bayerisch-Monaco hernieder und die Bevölkerung spaltet sich mehr als sonst in Befürworter und Gegner.

Auch wenn ich längst nicht mehr der Sommer-Hasser von früher bin (ein Sonnenstrahl und ich war das leidende Kopfschmerz-Elend), trage ich immer noch eine gute Portion Wehmut durch diese Jahreszeit, wie eine zweite Sonnenbrille.
Diese Mischung aus Tatendrang und den Gedanken, die woanders sind, machte den Wochenanfang aus Arbeitssicht so mittel erfolgreich. Weniger geschafft als vorgenommen, aber lange genug auf Dinge gestarrt, um Details zu bemerken und zu korrigieren.

Vielleicht ist es auch einfach das Alter. (Im Hintergrund fängt Lana del Rey an zu singen. Summertime Sadness.) Nie ist die Leichtigkeit der Jugend präsenter als im Sommer. Selbst wenn man selbst nie auch nur einen Funken Leichtigkeit in sich trug. Man fängt an zu vermissen was man so nie hatte. Sehnsucht nach Erinnerungen, die nie passiert sind. Sepiafarbene Ferien-Nostalgie.
Innen drin wieder das Gefühl als würde sich etwas anstauen. Irgendwo zwischen dem großen Roman meiner Generation und einem hysterischen Heulkrampf.
Man will Briefe an Menschen schreiben, die sonst nur noch als Geist in der eigenen Retrospektive auftauchen. In schwachen Moment würde man sich bereit erklären das Herz zu verlieren, den Kopf, gar den Verstand, für einen großen, unvergesslichen Sommer.
Am Ende überwiegen Pollen, Staub und Schweiß gegen Nächte am Lagerfeuer und Tage am See. Wenn man doch nur den eigenen Lebensrhythmus von Juni bis September einfach umstellen könnte. Lang nach Mitternacht zu Bett gehen, am Morgen eine Runde schwimmen und erst am Nachmittag unter den Lebenden weilen, wo wir gemeinsam Beeren in Weißwein simmern lassen und Dinge auf den Grill werfen.
Ach, ach.

Der einzige Trost ist das erfolgreiche stemmen gegen die Hektik. Noch bis Ende nächster Woche ist Schienenersatzverkehr und ich habe es bis auf wenige Aussetzer fast immer mit normalem Blutdruck nach Hause geschafft. Ich kann ja auch spät abends noch auf dem Balkon sitzen, Bier trinken, sinnieren.

Am Mittwochmorgen, nach einem auf allen Ebenen reinigenden Gewitter, ist im Büro der Strom weg und so eine komplett digitale Abteilung ohne Strom ist genau die Sorte Monty Python Sketch, die Sie sich jetzt vorstellen. Wir standen kurz vor Stadt Land Fluss, als es auf den Bildschirmen PLING machte und wir dann doch mal loslegen konnten.
Erst während des Nachmittags fällt mir ein, dass es der letzte Tag meiner Probezeit ist. Die 6 Monate sind geradezu dahin gerauscht, auf eine gute Art. Wie schnell man in so ein Gefüge, ein unternehmerisches Ökosystem reinwächst ist immer wieder erstaunlich. Grade wenn man sich wie ich eher schwer mit neuen Umgebungen und neuen Menschen und neuen Abläufen tut. Wobei man grade auch nach 6 Monaten merkt wo man fachlich jederzeit weiterkommt und wo es eben langsamer geht, weil die Chemie vielleicht nicht ideal ist. Ach ja.
Jetzt bloß nicht sentimental werden.
Nach vorne schauen.

Via Social Media erreichen mich die ersten Einschläge zum Thema #noktoberfest und – bin das ich oder geht das immer früher los?

Beim Anblick einer Kollegin in schulterfreiem Strandkleid und Flip-Flops wieder mal fragen, ob ich zu spießig bin oder manchmal ein Konsens zum Thema Mindestangezogenheit im professionellen Bereich ganz gut wäre. Vielleicht ist es auch die Mode. Später laufe ich hinter einer jungen Frau her, die eine Art asymmetrische Carmen-Bluse trägt. Eine Schulter und ein Arm komplett entblößt, die andere Seite steckt in einem dreiviertel Ärmel. Sowas wirft bei mir irgendwie Fragen auf.

Apropos Fragen. Im Laufe der Woche gleich mehrfach gefragt worden, wie ich Dinge meine. Meistens wird mir Sarkasmus oder Kritik unterstellt, wo keine ist. Wie löst man sowas? Muss ich anders intonieren, betonen, formulieren? Ich versuche doch wirklich nur freundlich zu sein., zugänglich. How to win friends and influence co-workers.
Währenddessen eskaliert der Problemfall aus der letzten Woche auf passiv-aggressive Weise vor sich hin. Entweder werde ich für inkompetent gehalten, nicht gemocht, oder jemand versucht seinen Verantwortungsbereich so auszudehnen. Als wäre nicht genug Arbeit für alle da. Also bitte.
Derlei kratzt auch immer sofort an meinem Ego. Was hab ich jetzt schon wieder falsch gemacht? Wenn dann noch an anderer Stelle der Ton plötzlich kühl wird, auch wenn ich weiß, dass ich daran weniger Schuld bin als aktueller Stress, hadert das ungeliebte Seelchen mal wieder sehr und tritt den Rückzug an. Sich bloß niemandem zumuten.

Am Freitag begann das hiesige Frühlingsfest und in Sachen Trachtenfasching sowie bereits volltrunken anreisende, auswärtige Jugend, bin ich dann schon mal bedient. Jessas. Dieses Balzverhalten. Die Blusenlosigkeit. Die Gesprächsfetzen. Ich würde für kein Geld der Welt nochmal 16 sein wollen.

Samstag hitzebedingt alle Erledigungen schon so früh wie möglich abgehakt, den Rest des Tages mit Erdbeeren und dem Feilen an einer Schnapsidee verbracht. Darüber sogar Duolingo vergessen und meinen kurz-vor-500-Tage-Streak gebrochen. Tjanun, dann halt nochmal. (Dabei gelernt, für 10,99 (!) lässt einen die App den Streak zurückkaufen. Bisschen krank, diese App-Ökonomie.)
Champions League Finale doof. Fußball doof. Alles doof. wenn einen das Lieblings-Eskapismus-Thema so enttäuscht und einfach die Storytelling-Regeln ignoriert, fühlt man sich immer so ein bisschen persönlich gemeint. Uns wurden Helden versprochen, keine Lackaffen. (Sorry, Toni.)

Sonntag gegen den Wetterumschwung angebacken. Die Cranberry-Keks sind zu bröselig, die Banana-Chocolate-Chip-Cookies zu saftig geworden. Das passt momentan sehr gut zu meinem Leben.
Die Konsistenz schwankt, ohne, dass man so recht weiß warum.

Was gut war: KW 21, 2017

Montag ohne Brille, mit leckem Thermobecher und generell verspätet aus dem Haus – im Gegenzug dafür den neuen Schreibtisch im neuen Stockwerk auf Anhieb gefunden. You win some, you lose some.
Lumpige 220 Emails und einen ausgepackten Umzugskarton später, fing es an sich wieder wie mein Büro anzufühlen.
Auf dem Weg zur Kantine auch nur ganz knapp verlaufen. (Gleich nach Brutalismus halte ich mittlerweile runde Gebäude für eines der größten architektonischen Missverständnisse der jüngeren Zeit. )

Gleich mal einen Konfliktherd aufgerissen, weil in meiner Abwesenheit völlig irrsinnige Entscheidungen getroffen worden waren. Ah, wir haben diese Phase erreicht. Einzig und allein in solchen Situationen wünsche ich mir die Fähigkeit Menschen nur mittels Charme in Grund und Boden und Kompromissbereitschaft reden zu können. Ich bin halt eher die Abteilung schroff & ehrlich, dafür weiß man woran man ist.
Wobei ich natürlich merke, dass die meine wilden beruflichen Anfangszeiten ein paar Spuren hinterlassen haben. Erst Rat einholen, nicht auf Konfrontation gehen, die verschlungenen Strukturen eines Konzerns zum eigenen Vorteil nutzen. Ich lerne zwar langsam und auf die harte Tour, aber es wird.

Beim Warten auf die S8 am Dienstagmorgen ein harmloses Sonnenbrillen-Selfie in Schwarz-Weiß gepostet, das im Laufe des Tages roundabout 40 Favs aufsammelt. Ist das der Grund warum manche Leute scheinbar nur noch auf die Art Fotos machen? Sehr langes darüber nachdenken, warum ich Selfies grade ob ihrer momentanen Häufigkeit so nervtötend bis narzisstisch finde und am Ende selber eines poste. Okay, das neue Wischphone hat ein paar praktische Filter, einen gruseligen Verschönerungs-Mechanismus (ich sehe dadurch aus wie eine Real-Life-Porzellan-Puppe. So creepy. ) und ziemlich guten Fokus. Vielleicht muss ich da mal ein bisschen testen. (Es hat sogar einen Kamera-Modus der sich „Spiegel“ nennt. Der quasi die Realität zeigt, damit man ggf. den Lippenstift nachziehen kann. Das ist auf mehreren Ebenen verstörend.) Der vielleicht größte Shift in der Online-Selbstdarstellung der letzten Jahre ist ja der vom worwitzelnden Twitterer/Blogger zur Generation Instagram und Snapchat. Leute die halb so alt sind wie ich (ugh.) kommunizieren selbstverständlich via Facetime und dokumentieren was sie tun nicht mehr durch Schnappschüsse, sondern aufwendig inszenierte und kalkulierte Selfies.

Natürlich spielt da ganz stark mein Selbstbild mit rein. Da ich mich immer mehr im Bereich zwischen abstoßend und erträglich unattraktiv eingestuft habe, empfand ich die Flucht ins Wort im Internet als höchst angenehm – nach meinem Äußeren werde ich bei genug Gelegenheiten beurteilt. Ich bin im Übrigen heute froh, dass ich nicht im klassischen Sinn einer modernen Ästhetik entspreche. Ich glaube es hat mir manches erspart, mich noch ein bisschen zäher gemacht. Womöglich sogar ganz am Ende dafür gesorgt, dass ich vor wenigen Dingen Angst habe und mich im Zweifel auf meine eigenen Fähigkeiten verlasse. Mich wollte nie jemand retten oder beschützen, ich löse diesen Reflex nicht aus. Heute weiß ich, dass ich damit in einer bestimmten Tradition von Frauen stehe, die lang eher am Rand der Gesellschaft standen, weil sie kein typisches Heiratsmaterial waren und ihr Leben anders gestalten mussten / konnten.

Moment, Faden, wo waren wir? Selfies. Herrgott.
Wobei, da gibt es eine Brücke. Eine meiner Replys (Anglizismen im deutschen bekommen zum Plural nur ein s, kein ie, Herrschaften.) meinte sogar, Selfies fallen unter Kunst (und jetzt wo ich es schreibe, könnte ich schwören Anke Gröner hat da schon mal ausführlicher drüber geschrieben.). Und viele der grade erwähnten Frauen waren Künstlerinnen. Manchmal sogar bahn- oder zumindest Konventionen brechende Frauen. Ohne mich tatsächlich dort einreihen zu wollen, empfinde ich mein Hadern mit Selfies in Zeiten von „Influencer“ als „Karriere“ fast schon progressiv. Das Selfie um des Selfies willen, warum tun wir das? Junge, schöne Menschen zelebrieren, dass sie jung und schön sind, schon klar. Aber der Rest von uns? [Einschub: Um mich jetzt nicht zu verheddern: Die Outfit-Bilder unter dem von @Journelle gestarteten Hashtag #609060 zähle ich nicht als typische Selfies. Das ist größer, hat eine Botschaft und tatsächlich positive Effekte. ]

Wenn ich Bilder ins Internet stelle, dann ist das normalerweise buchstäblich meine Perspektive. Etwas das ich sehe und schön / interessant / verwirrend / überraschend finde. (Es gibt einen Grund warum meine Balkon-Aussicht ungefähr 40% meiner Instagram-Bilder ausmacht.) Dadurch stehen die Bilder in einer Linie zu dem was ich schreibe oder teile. Mit einem Selfie teilt man sich selbst, stellt sich auch ein Stück weit selbst zur Debatte. Natürlich, wenn ich hier ins Blog meine Meinung zu etwas schreibe, tue ich das auch, ich stelle meine Gedanken zur Debatte. Trotzdem, für mich gibt es da eine Grenze, eine Simplizität mit der ich Schwierigkeiten habe.

Vor allem der Teil mit der sofortigen Publikation widerspricht den Gründen, aus denen ich sonst Bilder von mir machen würde. Weil das mit Rückblick zu tun hat, mit dem Festhalten eines momentanen Zustandes. Hätte ich heute einen Fixateur und Metallstäbchen in den Zehen, um sie zu begradigen, ich würde das Gestell wohl täglich fotografieren und viel später als Collage aufhängen. (Note to self: das wollte ich mit den damaligen Röntgenbildern eh mal machen. )
Klar, wer heute ein Bild von sich postet, kann sich mittlerweile von Diensten Jahre später daran erinnern lassen und nochmal darauf zurückblicken. Aber da liegt das Ding schon ein paar Jahre auf deren Server. Ist jetzt nicht meine bevorzugte Art, um Bilder zu speichern.

Es ist kompliziert. Ich werde weiter darüber nachdenken müssen. Vielleicht eine kleine Testreihe, mal sehen.

Dienstagabend mit den Gedanken anscheinend woanders gewesen, den Geldbeutel mit allen Karten und Tickets im Büro liegen lassen und nur mit List, Tücke, Charme und Hilfe nach Hause gekommen.
Zu allem Überfluss noch eine schlimme Nacht mit einem entsetzlichen Traum durchgemacht. So entsetzlich, dass ich am nächsten Morgen panisch nachschauen musste, ob der im Traum verstorbene Twitterer Lebenszeichen von sich gab. Tat er. Internet-Menschen, ey. Wachsen dir jetzt schon unbekannterweise derart ans Herz, dass du am nächsten Tag erstmal einen doppelten Espresso brauchst und am liebsten einen Schuss was anderes dazu geben willst.

Mittwoch immer noch auf der Sache von Montag rumgekaut, also Rat und Unterstützung eingeholt. Wie so eine Erwachsene. Zur Belohnung erstmal ein Flutschfinger und dann ab ins lange Wochenende.
Donnerstag außergewöhnlich erfolgreich nichts getan, außer gelesen, gegessen und auf dem Balkon gesessen.

Freitag und Samstag mit netten Menschen und gutem Essen zugebracht – quasi perfekte Tage. Erdbeeren mit Eierlikör, Freunde, probiert es. Dankt mir. Werft Gemüse auf den Grill, schneidet Erdbeeren in Salat und esst bis Mitternacht Baguette. Kohlenhydrate zählen an lauen Sommernächten nur zur Hälfte.

Sonntag ein bisschen rumgenölt – allerdings in der luxuriösen Variante auf dem Balkon. Weil kaum in der Komfort-Zone, gehen mir Dinge nicht schnell genug, habe ich noch keine haargenauen Lösungen für alles. Als hätte ich immer noch nicht gelernt, dass Dinge sich finden. Herrschaftszeiten. Ziel für den Sommer: Lernen, Dinge auf mich zukommen zu lassen.

Was gut war: KW 20, 2017

Mehr oder weniger nix. Mit der Magen-Darm-Disco die Woche Zuhause verbracht und wegen geringer Nahrungszufuhr bei sommerlichen Temperaturen gefroren. Super.
Nebenher Eishockey-WM geguckt, noch mehr gefroren. Suppe gegessen.
Geschäftsidee: Ein Putz-Service den man speziell nach einer Krankheitsphase ordern kann und der einem die ganze Wohnung desinfiziert, Polster wäscht, Bad mit dem Dampfreiniger renoviert und auch sonst für neue Frische sorgt.
Dienstag dann noch Handy geschrottet, kurzfristig jetzt mal das Mate S von Huawei geordert und eigentlich ganz happy. Macht noch bei zu vielen Dingen Geräusche, aber hübsche Fotos. Hach, shiny new Gadgets, das ist schon schön.
Bis Freitag langsam genug Kräfte gesammelt, um mich schon wieder aktiv zu langweilen. Zu putzen angefangen.
Samstag verzweifelt sogar den Backofen geputzt, dann aber besonnen und nochmal Bundesliga geguckt. Tja, Wolfsburg. So kann’s gehen. Der HSV hat irgendetwas gegen die Schicksalsgöttin in der Hand und der Rest muss sehen wo er bleibt.

Lieber FC Bayern, verehrter Herzensverein: Eure Event-Abteilung braucht allerdringlichst frisches Blut, neue Ideen oder jemanden der sich traut mal was zu ändern. So geht diese peinliche Feierei nicht weiter.
Am Ende muss erst wieder eine knappe Meisterschaft oder ein Herzschlag-Finale um die Champions League her, damit da mal wieder Adrenalin und Enthemmung jenseits von französischen Kindsköpfen reinkommt. (Worüber man halt so jammert.)

Außerdem am Samstag auf dem Markt gewesen, traumhafte Erdbeeren und schönes Gemüse gekauft. Glücklich in der Sonne auf dem Balkon gegessen.

Wenn man in München arbeitet und sich ein langes Wochenende nimmt, wird man immer gefragt ob man irgendwo hinfährt. Warum sollte ich für einen Kurztrip Reisestress in Kauf nehmen – ich habe einen Fluss vorm Balkkon, einen Markt in der Altstadt und genug Fantasie, um den blauen Himmel mit schönen Gedanken zu füllen.

Sonntag zugeguckt wie lang Kanada und Schweden ein Eishockeyspiel ziehen können, aber auch schon wieder aufs Büro gefreut. Merkwürdig, dieses neue Wohlfühlen im eigenen Leben.