15/007

Wir müssen endlich über Egon reden. Egon, so habe ich mein neues irrsinnig smartes Wecklicht getauft. Also Lichtwecker. Oder wie auch immer die Dinger heißen.

Wir gewöhnen uns seit ein paar Tagen aneinander und das könnte alles dramatischen Einfluss auf meine zukünftigen Morgen nehmen. Dafür müssen sie wissen: Als ohnehin schon ungern-Frühaufsteher muss ich momentan regelmäßig noch vor 6:00 Uhr Morgens raus. Unchristlich wird dem ganzen als Begriff überhaupt nicht mehr gerecht.

Jedenfalls, um diese Uhrzeit überhaupt zu ertragen, gestaltete ich sie bisher quasi im Dunkeln. Klamotten lege ich am Tag vorher raus – ich habe gar nicht die gedanklichen Kapazitäten um das spontan zu entscheiden. Im Schlafzimmer passierte eh alles in kompletter Dunkelheit. (die ich brauche um überhaupt einschlafen zu können. Mein Melatonin ist da sehr eigen.) Danach wurde es schwieriger, aber lassen sie mich sagen, dass mir die dämmrige Straßenbeleuchtung durchs Badfenster bis zum Zähneputzen vollkommen gereicht hat.

Gut, ab dem Bereich Wimperntusche musste ich dann das Licht anmachen.

Jetzt sagen sie vielleicht, dass das doch gefährlich ist und man sich womöglich ständig blaue Flecken holt. Aber nein, mein Genpool hat genug Katzenanteil, sodass ich mich grundsätzlich mit bemerkenswerter Geschmeidigkeit durch finstere Räume getastet habe. Außer es veränderte sich etwas. Dass ich die Kiste mit der Weinlieferung im Gang direkt neben die Schlafzimmertür gestellt hatte – das konnte ich wirklich nicht ahnen.

Also manchmal waren da blaue Flecken.

Und weil mir und auch allen anderen klar war, dass es nicht so weiter geht, ließ ich mir zu Weihnachten also dieses runde weiße Ding schenken. Nach einem guten Stündchen mit wildem Knopfdrücken war ich hinter die Bedienungsnavigation von Egon gekommen und hatte mich für Klaviertöne statt Vogelzwitschern als Weckton entschieden. (Vögel im Januar, ich würde durch nur an meinem Verstand zweifeln.)

Zuerst hatte ich ganz mutig die größte Helligkeitsstufe eingestellt – es soll ja schließlich ein Sonnenaufgang simuliert werden. Aber schnell stellte sich raus, dass mich das nur zu früh und darob missgelaunt aufwachen lässt. Denn Egon beginnt seine zeremonielle Belichtung eine halbe Stunde vor der gestellten Uhrzeit. Ind diesem Fall um kurz nach fünf. (FÜNF UHR MORGENS).

Aktuell regle ich immer mal wieder diese Helligkeit nach unten, wodurch ich eher von einem Abendrot geweckt werde. Die Erfahrungswerte halten sich noch in Grenzen – aber, das könnte eine Lösung sein. Es ist tatsächlich so, dass ich die Minuten im Dämmerlicht vor der Weckzeit irgendwie mag. Es ist ein Dösen, ein in Sicherheit gewogener, fast meditativer Zustand aus dem Heraus ich zwar weiterhin genervt aber nicht mehr mit grundlegender Aggression auf die gesamte Existenz aufstehe.

Wenn Egon jetzt noch lernt Espresso zu machen, darf er sich eine Bettseite aussuchen.

15/0006

Vielleicht muss ich kurz etwas zu diesem fast schon Tagebuchbloggen erklären. Damit der kaum vorhandene Unterhaltungswert klar wird. Weil, ich muss das erst wieder lernen. Mit dem Bloggen, mit dem Beobachten, mit dem kompakten Aufschreiben.

Und weil ich mich nicht zusammen reißen würde, hätte ich mir nicht vorgenommen jeden Tag etwas zu schreiben, müssen Sie arme Seele da jetzt mit durch.

Damit ich bei Zeiten auch wieder mitbekomme wenn etwas tatsächlich interessantes, relevantes oder wenigstens erzählenswertes passiert. Bloggen ist Handwerk und ich bin faul. Was passieren kann, wenn einem Leute zu früh sagen, dass man doch ein Händchen hätte für den Umgang mit Worten. Lob ist eine schwierige Sache, wenn es motivieren soll.

Also, sorry, betrachten Sie mich bitte als einen sich zierenden Lehrling.

15/004

Quasi gar nicht erst aus dem Bett gekommen und stattdessen gelesen, Gedanken geordnet und Filme gesehen. Idealer Sonntag also.

Unter anderem die Dokumentation Harmontown. Ein Film, der die Tour 2013 zum Podcast von TV-Autor Dan Harmon begleitet. Für alle, die ihn nicht kennen: Er ist der Kopf hinter der sehr schrägen und immer ums Überleben kämpfenden Comedy Community. Nach 3 Staffeln wurde er von Sony gefeuert und weil der Mann eigentlich in Therapie sollte, begann er einen Podcast vor Publikum bei dem er all seine Neurosen, Komplexe, sein Ego und den Hang zu Vodka live zelebriert.

(hier längeren Gedankengang dazu einfügen, ob Serienautoren die Schriftsteller des 21. Jahrhunderts sind, weil es um sie herum, obwohl eigentlich hinter den Kulissen tätig, tatsächlich Fans, Zwistigkeiten und Gossip gibt. Und falls ja, was das über uns aussagt.)

Das ist natürlich wahnsinnig narzisstisch. Aber auch bemerkenswert – denn Harmon hat keinen Filter. Er ist brutal ehrlich und legt alles über sich offen. Verhalten, Beziehungen, seine Probleme mit Autorität und zwischenmenschlichen Dingen, alles kommt auf den Tisch. Das schafft eine intensive Publikums-Bindung und natürlich leidenschaftliche Anhänger.

Aber ich schweife ab.

Es gibt diesen Punkt, an dem Harmon beschreibt, dass er beim Streit mit Freundin Erin plötzlich zu einem anderen wird. Ein kalter, zynischer Mensch der mit ungewohnter Präzision derart verletzende Dinge sagen kann, dass die Tränen seines Gegenübers fast so eine Art Triumphgefühl auslösen.

Als Harmon das sagt, merke ich, dass ich aufgehört habe zu atmen. So ertappt fühle ich mich. Nicht, dass mir das oft passiert. Es ist nicht mal mein grundsätzliches Verhalten bei Streit, dafür explodiere ich viel zu gern. Aber es gibt diesen Punkt, diese Art getroffen zu werden wo man ins dunkelste Eck des eigenen Waffenarsenals schleicht und zur nuklearen Option wechselt. Wo sich die jahrelange Beobachtung von Menschen und die Erkenntnisse daraus als überaus hilfreich erweisen.

Völlig ruhig ist man dann. Kontrolliert. So cool wie man es sich sonst beim Gespräch mit dem Chef wünscht.

Ich dachte jahrelang, dass jeder diese Fähigkeit hat und ich nur verdorben genug bin, um sie zu nutzen. Aber tatsächlich scheint es einen Zusammenhang zwischen social akwardness, Introvertiertheit vs Ego und Freude an Beobachtung zu geben, der diese Munition erst schafft.

Freaks, Nerds und Mauerblümchen. Unsere Pfeile sind genauer als eure.

(Kein Fazit heute. Muss nachdenken. )

P.S.: Wenn hier Dinge seltsam aussehen, dann weil ich Markdown noch nicht kann. Aber immerhin kann ich jetzt wohl dank Publish via Dropbox jederzeit bloggen, yehaaa!