Donnerhall(en)

Menü Schließen

Schlagwort: ism (Seite 5 von 7)

Being a woman is not a punchline, moron

Ja, wir hatten das Thema schonmal angeschnitten.

Auf Twitter versuchen viele Menschen witzig zu sein. Mit wechselndem Erfolg und schwankendem Niveau. Das ist okay, ist ja offline nicht anders. Sowohl On- als auch Offline denkt mancher ein Witz, dessen Pointe das Geschlecht ist, sei vollkommen in Ordnung. Und wer dies nicht versteht eine verhärmte, hysterische Feministin.

Yeah, right.

Bullshit.

Und weil ich die bald täglichen Diskussionen zu dem Thema auf Twitter langsam aber sicher satt habe, arbeite ich mich hier an einem praktischen Beispiel ab. Ich habe mit dem entsprechenden Menschen auch auf Twitter schon diskutiert, erntete aber nur Unverständnis. Warum ich mich so aufrege, wurde ich gefragt. Nun, dann eben in der Langfassung.

Beispiel 1: Frau sein ist Ansichtssache (von Männern?)

https://twitter.com/#!/voegi79/status/75566453247578112

Ich gebe zunächst mal zu Protokoll, wie ich einen solchen Spruch lese. Ein Land, dass vermutlich das Wort Frauenrechte erst noch ins Vokabular aufnehmen muss, verweigert der Maschine unserer Kanzlerin den Überflug. Scheinbar ironisch wird daraufhin davon gesprochen, dass man Mann diese Frau also Angela Merkel ja wohl kaum über sich haben will. Die Konotation ist dabei, wie bei vielen Witzen, eine sexuelle. Das allein ist jedoch nicht das Problem.
Mein Problem beginnt mit den Anführungszeichen. Ohne diese ist es ein dämlicher, aber leider gebräuchlicher Chauvi-Spruch dazu, dass Frauen natürlich1 unten liegen sollen. So weit, so dumm. Mit den Anführungszeichen wird der Schwerpunkt der Pointe aber auf das Frau-Sein von Angela Merkel gelegt.
Als normal denkender Mensch tauchen jetzt Fragezeichen auf. Schließlich ist sie eine Frau, was auch sonst. Dass die Optik unserer Regierungschefin seit Jahren das Ziel mehr oder weniger origineller Phrasen ist, ist bekannt. Und jetzt wird die Sache ein bisschen igitt.
Denn das eine ist das biologische Geschlecht. Das andere ist die Wahrnehmung darüber, wie feminin sie ist. Wie fraulich. Also die subjektive Bewertung von unbegründeten, aber leider gesellschaftlich akzeptieren Eigenschaften wie ihrem Aussehen, ihrem Verhalten, ihrer Berufswahl, ihrer Rhetorik, etc.
Genau diesen Punkt stellt der Verfasser des Tweets mit den Anführungszeichen ins Zentrum. Schließlich wird er kaum das biologische Geschlecht unsrer Kanzlerin anzweifeln. Aber ihre Femininität – etwas, dass man tatsächlich kaum definieren kann.

Diese gefühlte Fraulichkeit stellt für viele Männer einen direkten Indikator dar, für wie begehrenswert sie eine Frau halten. Und natürlich, Ohrfeigen und Geschmäcker sind verschieden. Nicht jeder Mann soll oder muss Angela Merkel begehrenswert finden.
Nur, der obige Tweet soll witzig sein. Für Humor braucht es innerhalb einer Gruppe einen gewissen Wertkonsens. Ich kann weder etwas überzeichnen, verzerren oder ins Gegenteil umkehren (ironisch sein), wenn es andere nicht genauso sehen. Hier werden drei Dinge vorausgesetzt.

  1. Es ist wichtig ob und wie feminin eine Frau ist. Sogar eine Kanzlerin. Als spiele es für die Bewertung dieses Menschen eine Rolle, wie sehr Frau sie ist.
  2. Darauf aufbauend wird vorausgesetzt, dass Angela Merkel als wenig feminin wahrgenommen wird. Also die breite Masse der Gesellschaft ihr nur geringe typisch weibliche Merkmale zuspricht.
  3. Daraus folgt für den Verfasser, dass die breite Masse (der Männer) Frau Merkel als nicht genug begehrenswert empfindet, nicht feminin genug um sie ohne Anführungszeichen als Frau zu bezeichnen.

Wer jetzt überfordert ist, hier die Pointe nochmal in Neandertal:

Angela Merkel ist nicht begehrenswert feminin genug –> Männer (verallgemeinert) würden sie nicht gern flachlegen bzw. sich von ihr flachlegen lassen (über sich haben) –> Damit ist sie eben “nur” biologisch, aber nicht per männlicher Definition eine Frau –> Deswegen steht das in Anführungszeichen und darum ist das lustig, so.

Für, sagen wir mal, langsame Leser: Warum das jetzt problematisch ist?

Weil Frauen damit, selbst wenn sie es an die Spitze einer Regierung schaffen, nicht allein für ihre Fähigkeiten, ihren Charakter und ihre Erfolge geschätzt werden. Sondern dabei bitteschön immer noch weiblich sein sollen. Schön. Begehrenswert.
Setzen Sie, geneigter Leser, an die Stelle von Angela Merkel in dem Tweet doch mal Michelle Hunziker. Oder Megan Fox. Ist dann da überhaupt eine Pointe? Nein, natürlich nicht. Und dabei sind das Frauen, die ohne ihren Grad an vordefinierter Weiblichkeit womöglich entsprechend geringeren Erfolg hätte. Frauen also, deren Optik tatsächlich in ihrer professionellen Bewertung eine Rolle spielen kann. (nicht muss, da beide keine Models sondern Moderatorin bzw. Schauspielerin sind.)

Würde die Allgemeinheit Männer exakt genauso bewerten, wäre es zwar ein Zeichen gesellschaftlichen Irrsinns, aber kein feministisches Problem. Allein, die Allgemeinheit oder besser gesagt Frauen im Allgemeinen, haben keinen derartigen Konsens. (Das ist die Grundlage dafür, dass jemand wie Seth Rogen in Filmen unfassbar attraktive Frauen abstauben kann.) Frauen werten Männer nicht primär nach ihrer Maskulinität bzw. ihrem Aussehen. Natürlich, es gibt diese Frauen, das will ich nicht bestreiten. (Sie sind wohl die Grundlage für Sex and the City.) Aber der Konsens reicht nicht für Humor dieser Sorte.

Damit tragen diese Witze / Bemerkungen zur Diskriminierung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts, und sei es das Wahrgenommene, bei. Dabei habe ich die Diskussion zum Thema was tatsächlich “typisch” weiblich oder männlich ist, noch gar nicht losgetreten. Und ob derlei überhaupt irgendeine Rolle außerhalb der eigenen Sexualität spielen sollte.

Als ich mich über diesen sowie einen weiteren Tweet, der in eine ähnliche Kerbe 2 schlägt ereifferte, stellte ich einmal mehr fest, wieviel Erklärungs- geradezu Bildungsarbeit man (Frau) immer noch leisten muss.

Schließlich kamen Voegi79 genug Geschlechtsgenossen zu Hilfe. Ich hätte nicht genügend bzw. gar keinen Humor. Müsste mich entspannen, das Ganze nicht so eng sehen.

Dabei sind das nicht die Kerle, die Feminismus für den Feind schlechthin halten, sondern Männer die sich der schwierigen Rolle der Frau in der Gesellschaft durchaus bewusst sind.
Aber auf ihre diffamierenden Witze verzichten, das wollen sie nicht.

Und das ist es, was mich so wütend macht. Das ist es, was mich leicht verzweifeln lässt, wenn ich daran denke wie jetzt schon über die anstehende Weltmeisterschaft im Frauenfußball gesprochen wird. Hihi, Mädchen die Fußball spielen, höhö. Schließlich ist es für einen Spieler eine der gröbsten Beleidigungen wenn er wie ein Mädchen spielt. (Mädchen übrigens, die nie ronaldoesk theatralisch liegen bleiben oder sich totti-like bei einem gestoßenen Knie an den Kopf greifen, nur mal so.)

Es sind nämlich nicht zuletzt auch diese ach so lustigen Bemerkungen, die dazu beitragen, dass Frauen versuchen, sich in ein gesellschaftlich definiertes Korsett von Schöhnheit zu pressen. Man will schließlich nicht eine von denen sein, über die Witze gemacht werden.

Damit verpulvert knapp die Hälfte der Menschheit vollkommen sinnlos Zeit, Kraft und Energie mit negativen Gedanken zum eigenen Körper, daraus resultierenden Zweifeln und Unsicherheit die sich eben nicht nur auf den Blick in den Spiegel niederschlägt, sondern auf alle Bereiche des Lebens. Wer weiß, was Frauen schon alles mehr (noch mehr!) geleistet hätten, könnten wir unsere Zeit anders nutzen, als beispielsweise über die Ausmaße unserer sekundären Geschlechtsmerkmale nachzudenken.

  1. Nach mehreren Kommentaren zu dieser Formulierung bei Twitter entschuldige ich mich bei den Herren der Schöpfung wegen der vereinfachten Aussage. Mir ging es darum eine gewollte Passivität darzustellen. Ich unterstelle nicht jedem Mann, er würde dies automatisch bevorzugen.
  2. Ja, ich weiß, Frau Schwarzer ist momentan ein beliebter Punching-Ball. Auch zurecht. Aber Jungs, versucht euch doch mehr einfallen zu lassen als ihre Attraktivität.

Doh’ !

( via is a blog» Blogarchiv » Let’s get this straight.)

das F-Wort – oder wie ich eine Nervensäge wurde

Je länger ich blogge, desto mehr merke ich, wie oft eine gewisse Wut den letzten Funken für einen Eintrag gibt. Das ist nicht unbedingt empfehlenswert, sorgt aber für die Art Motivation die es manchmal braucht.

Prolog:

Die von mir hochgeschätzte Anke Gröner musste sich vor kurzem, mit einer charakterlichen Amöbe einem unfreundlichen DHL-Mitarbeiter herumschlagen. Und das hat sie dann aufgeschrieben.
Vermutlich weil als “Serviceanekdote” einsortiert, erschien ein Link zu diesem Beitrag im Lawblog. Und wurde dort kommentiert. Es zeigte sich die komplette Bandbreite menschlicher Verblendung. Letztendlich hat Frau Gröner dann noch kurz was zum Nachspiel geschrieben.
Ich will gar nicht den x-ten Meta-Eintrag zu dem Vorfall schreiben, ihn aber zum Anlaß nehmen, einen der Einträge die schon sehr, sehr lange auf der to-do-list stehen zu schreiben. Hat was mit Mädchen-sein zu tun.

1. Akt – jedem sein Feminismus
Ich bin Feministin, doch, ja. Zwar hadere ich oft mit dem modernen Feminismus weil ich nicht glaube, dass er die Biologie außer Kraft setzt und ich sehe wie sich die Bewegung bzw. deren Anführerinnen manchmal ein bisschen zu sehr um sich selbst drehen (Madame Schwarzer, I’m looking at you!), aber letztendlich ist mein Weltbild feministisch geprägt.
Was das heißt? Ok, befragen wir mal die (der die das???) allmächtige Wikipedia:

Feminismus ist eine Sammelbezeichnung für heterogene Konzepte, die die Rechte und Interessen von Frauen thematisieren. Von der gesellschaftlichen Ungleichheit zwischen Mann und Frau ausgehend, zielt der Feminismus auf eine verbesserte Lage der Frau und ihre faktische Gleichstellung in der Gesellschaft. Unter dem Begriff Feminismus werden zahlreiche, teilweise auch gegenläufige Strömungen zusammengefasst.

Um also mal ein bisschen allgemeinplatziger zu werden:

Frauen sollen die gleichen Optionen und Wahlmöglichkeiten haben wie Männer. Ihre Entscheidungen sollen die gleichen Konsequenzen haben wie für Männer und all dies akzeptiert und respektiert vom Rest der Gesellschaft. (also auch Männern wie der DHL-Amöbe.)

Ich musste mir schon sagen lassen, meine Einstellung wäre arg Post-feministisch oder aber nicht radikal genug. Das liegt schlichtweg daran, dass ich lange blind für frauenfeindliches Verhalten war, weil ich es für menschenfeindlich gehalten habe. Mein übergebildetes Hirn konnte sich nicht vorstellen, dass die Tatsache eine Frau zu sein heute noch ein Nachteil sein kann. Es wirkte auf mich so rückständig wie das Umerziehen von Linkshändern und verbotene Ehen zwischen Katholiken und Evangelen.

Heute mache ich die Augen auf und bin schwer iritierrt. Über die Zweideutigkeiten, das Chauvitum, die Reduzierung auf Optik von Frauen – und das von eigentlich intelligenten, “modernen” Männern. Sie wissen es nicht besser.

2. Akt – Frauen haben keine Bedienungsanleitung – schade.

Mir ist klar, dass die heutige Männergeneration hin und wieder ein bisschen Konfus in der Gegend rumsteht und nach einem Prinzip, einer einfachen Ordnung sucht. Manchmal glaube ich, diese Sache mit Ordnung und festen Rollenvorstellungen haben sich Männer erarbeitet, weil sie es zur Sicherheit brauchen. So wie Frauen die erhöhte Kommunikation, auch über Gefühle brauchen, um klar zu kommen.

Und jetzt reißen wir euer Sicherheitsnetz ein, weil es unser Zaun geworden ist. Sorry Jungs, muss sein. 1

Damit wären wir dann auch wieder bei Frau Gröner. In den Kommentaren im Lawblog ging es dann irgendwann darum, dass man ja wohl ein bisschen Flirten aushalten muss und überhaupt hätte sie nur anders reagieren müssen.
Jetzt mal langsam und in Großbuchstaben:

MAN (FRAU) MUSS GAR NICHTS AUSHALTEN, SICH GEFALLEN LASSEN ODER ALS WIE AUCH IMMER SCHMEICHELHAFT EMPFINDEN.

Sie kann, wenn sie will. Und das ist dann nämlich Feminismus, ihr Vollpfosten aller Länder.

Manchmal ist man als Frau ein Reh in freier Wildbahn und muss sich mit dem noch netten Kompliment, über den blöden Anmachspruch bis hin zur saublöden (physischen) Attacke mit vielem rumschlagen. Und wehe man reagiert nicht souverän. Ob man nun empfindlich ist oder sich die Wut bahn bricht, das Gegenüber versteht die Welt ja ohnehin nicht mehr. In diesen Hirnen herrscht oft genug noch, soll sie doch froh sein, dass ich (ich! Zentrum des Universums!) sie bemerkt habe.
Wenn einem eine solche Attacke aus der Abteilung saublöd dann noch – wie im Fall von Anke – vor der eigenen Haustür, also im eigentlich geschützten Zuhause passiert, ist es schwer die Beherrschung zu behalten.

Das Stichtwort hier ist geschützt. In Sicherheit. Die Welt lehrt uns, dass wir als Frauen Sicherheitsmaßnahmen treffen müssen, wollen wir Übergriffe jeglicher Art durch einen Mann verhindern. Die Situation in der “unmöglich etwas passieren” kann? Sie existiert nicht.
Wir vermuten nicht in jedem Mann einen Vergewaltiger, um Himmelswillen. Aber jedes mal, wenn ein Mann auf all zu aggressive Art Kontakt sucht, ein Nein beim Date ignoriert oder eben Spielchen spielt wenn er ein Päckchen ausliefern soll, schrillen unsere Alarmglocken. (You’re Schroedinger’s Rapist)

Und da versagt oft jede Schlagfertigkeit.

Ab wann etwas zu aggressiv ist? Das entscheidet jede einzelne Frau für sich. Und damit müsst ihr klarkommen, meine Herren. Wenn ihr eine grobe Anleitung haben wollt: Jede Situation in der euch eine Frau räumlich oder verbal ausgeliefert ist, ist die falsche Situation um sie anzusprechen. Körpersprache, Umgebung, Selbsteinschätzung – einfach mal kurz darauf achten und überlegen wie viel Unwohlsein ihr auslösen könnt.

Im Zweifelsfall das klassische Gedankenspiel, was wäre wenn das nicht irgendeine Frau, sondern die eigene Mutter, Schwester, Freundin, Tochter… wäre. Sollte die Sache einfacher machen.


3. Akt – it’s a womens world, lets critizice them

In der westlichen Welt hat die Emanzipation der letzten 40 Jahre viel Gutes gebracht. 2 Aber auch das ein oder andere zweifelhafte Echo. Frauen haben heute Kaufkraft und die Wirtschaft hat sie als Zielgruppe identifiziert. Nur, anstatt ihnen Honig ums Maul zu schmieren, bietet uns die Werbung 1001 Möglichkeiten uns zu verändern. Verbessern. Weil wir ja nicht gut genug sind. Nicht perfekt aussehen. Mehr Karriere machen sollen. Und Kinder haben und eine Partnerschaft pflegen sollen. Und Hobbies. Und Reisen. Und die Welt verändern. Also mindestens.

Die Entwicklung der Gleichberechtigung hat da einen interessanten Ansatz: die Werbung fängt an Männer genauso unter Druck zu setzen. Man betrachte hierzu die Spots der Kosmetikindustrie und moderne Familiendarstellungen in der Werbung. (der kompetente junge Vater ist das neue Lieblingsmotiv der Werbeagenturen.)

Was ich damit sagen will: Für all die Möglichkeiten die wir uns bereits erkämpft haben (und die noch lange nicht vollständig sind), hat sich auch der Druck auf Frauen von allen Seiten entsprechend erhöht. An dieser Stelle noch mal ein anderer Blick auf die Sache mit dem Paketboten: Anke Gröner gehört zu den viel gelesenen Bloggerinnen in Deutschland. Weil sie sehr ehrlich und humorvoll über sich selbst, ihre Schwächen, Begeisterungen und Amazon-Lieferungen schreibt.
Sie ist, so lose sich das im web definieren lässt, beliebt deswegen. Und eine Bloggerin, die nach eigener Aussage nicht den gängigen Schönheitsidealen entspricht, fröhlich über Alles schreibt was ihr gefällt – dabei auf Klischees pfeift und damit erfolgreich ist? Oh the horror, da kommen die Neider aus den Nestern und werfen ihr am Ende vor, dass sie sogar über ihren Zugang zu den eigenen Gefühlen schreibt. You wish you were that brave.

Als Bloggerin war es vermutlich die natürliche Reaktion ihre Erlebnisse mit ihren Leser_innen zu teilen. Und dafür gebührt ihr Applaus, den wir brauchen genau diese Berichte. Wir brauchen sogar noch viel mehr davon.


Epilog – feministische Nervensägen dieser Welt vereinigt euch!

Denn die kritischen Kommentare, die vielen “hab dich nicht so”, die es als Reaktion gab, zeigen vor Allem eins – mangelnde Sensibilität dem Thema gegenüber. Es geht eben nicht darum wie drastisch ein Vorfall ist. Es geht auch nicht darum wie man als Frau reagiert oder welche Begründung der Mann vielleicht hatte. Es geht darum wie verdammt oft solche Situationen jeden Tag vorkommen. Dass sich quasi jede Frau mindestens einmal im Leben direkt damit konfrontiert sieht.

Dass sie in dieser Häufigkeit Wirkung haben. Bei jungen Mädchen, die ihren Selbstwert zu sehr über diese Art der Aufmerksamkeit definieren – Aufmerksamkeit, die ihrem Aussehen, nicht ihrem Intellekt geschenkt wird. Bei Frauen, die nicht gelernt haben sich zur Wehr zu setzen und den Frust, die Scham die solche Momente auslösen in sich hinein fressen.
Und weil, solange die Haltung der Gesellschaft so wankelmütig ist – so schulterzuckend gegenüber dieser Art Verhalten – die nachwachsende Generation immer und immer wieder gegen den Status quo kämpfen muß.

Also müssen wir mit dem Finger drauf zeigen. Jedes. Einzelne. Mal. Und zwar deutlich. Mit Erklärung für die, die es nicht verstehen. Wenn ein Werbespot sexistisch, eine Anmache herabsetzend und ein blöder Spruch diskriminierend ist. Wir alle müssen fiese, nervtötende Feministinnen und Feministen werden, wenn wir den Feminismus irgendwann als überflüssig betrachten wollen.

Anders gesagt:

httpv://www.youtube.com/watch?v=M6wJl37N9C0

  1. Ich will erst gar nicht davon reden, wie problematisch es ist, dass es sogar Frauen gibt, denen dieses Sicherheitsnetz lieber ist und die weiterhin blind durch die Welt laufen, während sie andere Frauen kritisieren. (Cue to Eva Hermann-Referenz in 3…2…1..)
  2. Wie gesagt, die westliche Welt. Und natürlich wirken unsere Beschwerden gegen die Unterdrückung und Misshandlung von Frauen,die in vielen Ländern noch herrscht, luxuriös. Trotzdem müssen wir uns weiterhin Gehör verschaffen. Die Selbstverständlichkeit der feministischen Bewegung in Europa und den USA ist die Grundlage für den Kampf der in vielen Ländern Asiens und Afrikas noch in den Anfängen steckt. Und die Schnittmengen sind längst vorhanden. Burkadiskussion anyone?

© 2019 Donnerhall(en). Alle Rechte vorbehalten.

Thema von Anders Norén.