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Monat: November 2011

Von der Weiblichkeit des Zupfens

Posted in Allgemein

Angefangen hat es so:

Doch nein: Zu 99 Prozent ist anschließend die Strumphose um mindestens 90 Grad, bis zu 360 Grad spiralverdreht am Bein und ziept. Es dauert Minuten, bis sie geradeaus zurechtgezuppelt ist.

  • Frau Kaltmamsell beklagt die Mühe des Strumpfhosenanziehens. Zurecht.
  • Und auch wenn sie die Vokabel “zurechtgezuppelt” verwendet, musste ich sofort ans Zupfen denken. Und wie typisch diese Zupfende, schon in ihrer Ausführung leicht wehklagende Bewegung ist. Wie typisch weiblich auch, auf eine Art. Denn das Martyrium des Zupfens beginnt im Leben einer Frau schon arg früh. Als kleine Mädchen will die wärmende Strumpfhose unter der eigentlichen Hose zurecht gezupft werden. Auch Mützen und Handschuhe sind ständige Zupfherausforderungen.

    Während das andere Geschlecht bereits hier etwas grober und mit angestrengtem Gesichtsausdruck zu Werke geht – wir zupfen.

    Hinein in die Pubertät und es beginnt die nächste Disziplin im großen Zupf-Mehrkampf. Denn überschüssige Haare über der Nasenwurzel und der Oberlippe wollen entfernt werden. Die Pinzette wird unsere Verbündete im Kampf gegen die Mono-Augenbraue. Wir entwickeln Techniken und informieren uns über unterstützende Helferlein, die den Schmerz und die Entzündungen minimieren sollen. Es wird gekühlt und gepeelt, damit das Zupfen leichter fällt.

    Mittlerweile kommt uns die Industrie zu Hilfe und entwickelt mit dem Epilierer ein Gerät, dessen einzige Spezialisierung das schnelle Zupfen ist. Von wegen Multifunktion. Nichts außer Zupfen. Die jungen Herren? Rasieren. Nass oder elektrisch, bluttriefend oder mit zuviel Rassierwasser. Wir Zupfen.

    Und finden das nicht einmal besonders seltsam.
    Ist Zupfen damit ein Klischee? Ein Stereotyp? Sind wir, auch als moderne Feministinnen, Oper einer großen Zupf-Verschwörung? Andererseits: Zupf-Instrumente. Da kommen plötzlich auch die Herren der Schöpfung zu ihrem Zupf-Grundkurs. Wobei überraschend viele auf Nachfrage das, was sie da mit einer Gitarre tun gerne “Schrammeln” nennen. Warum auch immer. Zupfen ist schließlich aller Ehren wert.

    Wir seufzen, während wir auch als Erwachsene die Strumpfhose zurechtzupfen und schließlich einmal von oben bis unten über das Outfit zupfen – bis es sitzt, wie es soll. Finden wir uns selbst dann ordentlich genug, spitzen wir Daumen und Zeigefinger erneut – schließlich will der Kragen am begleitenden Herren auch zurecht gezupft werden.
    Ganz so, als hätte uns die Natur das Zupfen als übergreifende, kümmernde Fähigkeit mitgegeben. Eine uralte Kulturtechnik, die sprechende iPhones hin und Laserhaarentfernung her , in allen Lebenslagen zur Geltung kommt.

    Schließlich kann Zupfen auch despektierlich sein, herabsetzend.Wenn wir es wollen. Oder aufmunternd, optimistisch.Zupfen als nonverbaler Beziehungsausdruck. Da schlummern doch gleich mehrere Dissertationen, oder nicht?
    Und liebevoll, wenn man der eigenen Tochter am Ende wieder die Strumpfhose zurecht zupft, damit sie rausgehen kann und mit den Lackschuhen und der frischen Strumpfhose in eine Wasserpfütze springen.

    Apropos, Zupfen als verbindendes Element.

    Lesesachen KW 46

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    Seltsame Woche, oder? Nichts passt so richtig, das Timing nicht, die Stimmung nicht und eigentlich würde man sich gern mit einer Decke, einer großen Schachtel Kekse und einem Hektoliter Tee vergraben und nie wieder rauskommen. Und sagt jetzt bitte nicht, dass es nur mir so geht – mein Weltbild ist momentan sehr fragil. Anyway. Onwards!

      Er hatte keine Ahnung und auch keine Antworten. Er war ein Fragezeichen gefüllt mit tausenden anderen Fragezeichen. Fragen über das Leben, über Literatur, über soziale Strukturen, über Gerechtigkeit, Geiz und Gier und über die Liebe. Sie hatte auf alles eine Antwort gehabt. Nun standen sie da, die zwei Fragezeichen, und wussten nicht weiter.

    • Einer dieser Texte über eine Frau und einen Mann und eigentlich der Dramatik der kleinen Dinge.
    • Die Tat blieb nicht lange geheim. Es ist nämlich nicht einfach, mit einem Blech Kuchen durch den recht verschlafenen Vorort zu radeln, ohne gesehen zu werden. Harte Verhöre schlossen sich an. Der eine angestiftete Junge darf nun nicht mehr dem verkommenen Sohn der Bekannten spielen. Der Sohn selbst gab auf Befragen zu, er habe nicht nur diese Missetat zu vertreten. Er habe auch nur wenige Tage zuvor Geld, das ihm seine Großmutter heimlich gegeben, bei real in mehrere Würstchen investiert und diese sofort mit Senf verschlungen.

    • Lesen Sie um Himmelswillen diesen Text! Und essen Sie Kuchen, so viel Sie wollen!
    • Manchmal wissen wir nicht, was wir suchen, bis wir es gefunden haben. Und vermutlich ist das auch ganz okay so, denn die Suche ermöglicht uns ja erst, erkennen zu lernen, was wir nicht wollen. Oder man macht’s wie ich und stolpert blindlings durch die Gegend, bis man dann zufällig über das Glück fällt. Irgendeinisch fingt ds Glück eim, hier im Gegensatz zum Lied ganz ohne Fragezeichen.

    • Ich hatte ja keine Ahnung, dass man Glück in Form von Blogeinträgen transportieren kann. Aber es funktioniert sogar ganz großartig. #mehr_kitsch
    • so unspecktakulär sich diese erkenntnis jetzt in diesem artikel anhört, hat sie sich wahrscheinlich auch in gabriele fischers büro angehört, als sie meinen kopf verliess, aber die eigentliche erkenntnis die daraus erwuchs war eh eine ganz andere. nämlich wie grossartig und inspirierend es ist, sich mit leuten zu unterhalten die a) klüger als man selbst sind, b) neugierig sind und c) aus anderen lebensbereichen kommen als die, in denen man selbst feststeckt.

    • Wenn der ix gut ist, dann ist er ziemlich gut.
    • ab dem punkt ist etwas in mir aufgebrochen. ich hatte plötzlich verstanden, dass ich leben will. nicht als eine überlebende, sondern als eine, die freude am leben hat. und ich verstand endlich, was man mir vorher 100.000fach hätte sagen können, ohne, dass ich es hätte umsetzen können: ich habe immer eine wahl. wenn ich gut leben will, dann bin ich es, die diese entscheidung treffen muss. und wenn ich diese entscheidung treffe, brauche ich mir nicht einzubilden, dass sie keine konsequenzen auf meine lebensführung hätte.

    • Eine Therapie ist mehr als eine Behandlung. Therapeuten sind mehr als Ärzte.
    • Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.

    • Von der AKTION LIBERO haben Sie garantiert schon gehört. Jetzt finden Sie hier auch alle Beiträge. Lesen Sie sie alle – es lohnt sich.

    Na dann kratzen wir mal den letzten Schwung zusammen, was?

    Hier, Dings – Lesesachen KW 45

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    Ach Google Reader, du dummes Ding. Es lief doch so gut mit uns. Und ich konnte alles so praktisch hier automatisch posten. Jetzt kommt alles von Interesse in einen Lesezeichenordner. Lesezeichenordner! Wo kommen wir denn da hin? Weil: ins Instapaper kommt alles und Evernote ist zu kompliziert und, fällt hier jemandem was besseres ein? Ach, Internet. This is why we can’t have good thing.

    Nun, denn.

      Zwischendrin laufen splitternackte, mit Goldfarbe angemalte „Elfen“ mit zarten Flügeln und spitzen Ohren herum, ein Mann und eine Frau, die auf großen Silbertabletts Süßigkeiten anbieten: Lollis, Eiskonfekt, weiße Mäuse, bunte Mäuse, andere Schaum- und Gummi-Süßigkeiten. Ich nehme mir eine bunte Maus.

    • Isabella Bogdan war für ihre Kolumne “Sachen Machen” bei einer Orgie. Toll!
    • Kinder, die Kühlpads kennen, also alle, bestehen in aller Regel bei jedem Wehwehchen auf feierlichem Kühlen, selbst dann, wenn sie das gar nicht aus den Fußballberichten am Wochenende von den Aufnahmen am Spielfeldrand kennen. Denn auch in Kindergärten wird stets jede noch so kleine Schramme hingebungsvoll gekühlt, als wäre dies das wichtigste Erste-Hilfe-Gebot aller Zeiten.

    • Der Herr Budenbohm, mal wieder, grandios.
    • Some fun facts regarding the timeline of the tracks: It was first used by General Pershing in 1938, and less than 30 years after that, in 1965, it was the venue for a party thrown by Andy Warhol (fittingly called The Underground Party).

    • Unter dem Waldorf Astoria gibt es eine verwaiste Bahnstation und, ach, sehen sie sich das an.
    • And then I’m recharged and it all helps. I started doing yoga, too. There, I said it. Yes, I live in L.A. Clearly I live in L.A. Now excuse me while I have my protein shake and my chardonnay. Mixed together. No, that was a horrible idea.

    • Joss Whedon, Gott aller Nerds, spricht mit Rookiemag und redet über Schule, die Avengers und Shakespeare und ist fürchterlich endearing
    • Nein. Mein Traum wäre es, dass mein Körper in einem Häcksler zerkleinert und über ein Marihuanafeld gestreut wird. An meinem Geburtstag würden meine Freunde zusammenkommen und aus den Pflanzen einen großen Haschkuchen backen. Dann hätten alle ein bisschen Larry in sich und würden drei Tage lang tanzen.

    • Larry Hagman, der J.R. aus Dallas ist viel klüger und witziger und untexanischer als man denkt.

    Sie wollen einen Rausschmeißer? Ich hätte da was.