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Monat: Mai 2010

Das Internet mach primitiv. Aber glücklich.

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Die Menschheit teilt sich ja in vielerlei Hinsicht in zwei Hälften. Lakritze-Esser und nicht Lakritz-Esser. Menschen die Mario Barth mögen und Menschen mit Humor. Menschen, die bloggen, twittern und die Freude die das alles bereiten kann, zu schätzen wissen – und Frank Schirrmacher.

Für jede hochgezogene Augenbraue, für jedes “hä?” und “wofür braucht man das?” in meiner nicht so online-affinen Umgebung stoße ich auf kluge Blogeinträge, humorige Tweets, Meinungen, Videos und Opensource – Software und das nicht von Journalisten oder “Profis” sondern von Menschen die Spaß daran haben all diese Dinge im Internet zu teilen.

Würde ich die Blogs und Videos die ich konsumiere in Abos umrechnen – mein Studentenbudget könnte es nicht tragen. Habe ich manchmal aber das Bedürfniss mich erkenntlich zu zeigen, irgendwie? Doch, schon. Eine Mentalität in der es normal, ja sogar gefordert ist, dass alles umsonst zu sein hat, damit konnte ich mich nie recht anfreunden.
Die Verständnislücke die sich hier auftut bringt mich wieder zu Mario Barth.
Mario Barth ist nicht komisch. Und ich glaube auch gar nicht, dass darin sein Erfolg liegt. Seine Pointen sind vorhersehbar, sein Timing nicht gut, seine Perspektive ziemlich eindimensional und seine Themenbreite… ist nicht breit. Nach langem Nachdenken bin ich zu dem Schluß gekommen, dass Mario Barth mehr so ein Moderator ist. Einer, der es seinem Publikum in Ruhe erlaubt über Klischees und deren Wahrheitsgehalt zu sinnieren. Barth ist ein Vorredner, der helfen will der Realität eine charmante, humorige Seite abzugewinnen. Er macht dafür keine neuen Witze, findet keine erstaunlichen sprachlichen Mittel oder zeigt überraschende Parallelen auf. Vermutlich ist er auf die Idee noch nie gekommen.
Er , und seine Erscheinung hilft dabei, ist ungefährlich, harmlos. Das macht ihn für viele Leute sympathisch.1
Trotzdem ist es erstaunlich, dass denkende Menschen für diese Dienstleistung – den es ist nicht wirklich Unterhaltung – doch mit viel Enthusiasmus Geld ausgeben.
Aber nicht für die begeisterten Menschen die stundenlange Arbeit in das Schreiben von Blogeinträgen stecken oder Videos editieren.

Wer dann mit dem Argument kommt, dass das ja keine Profiarbeit ist und freiwillig getan wird, macht einen Denkfehler. Den hier wird Neues kreiert. Es entsteht ein Wert. Natürlich gibt es keine Skala diesen zu Messen und die ewige Leier von der Profesionalisierung des Bloggens verträgt sich damit auch nicht, aber zwischen kein Wert und einem nicht genau definierter Wert besteht ein himmelweiter Unterschied.
Außerdem ist so eine Bewertung hochgradig subjektiv. Schließlich denken viele Menschen, dass das was Mario Barth da tut auch einen Wert hat.

Dass es außerdem Leute gibt, die sich des Werts von Blogs schon lange bewußt sind ist auch nicht neu. (Fragen sie dazu mal Frau Gröner, Amazon und deren Gemeinsames Projekt “Wunschlisten für Blogleser”)
Die Lücke zwischen den Schaffenden hinter gutem Content 2 und “ick find deinen Blog voll Knorke und würd dir gern mal eine Cola ausgeben” will Flattr schließen.

flattr
Den Gründern um das swedische Start-up war klar, dass Wunschlisten, Paypal und Co einfach zu viel Aufwand für ein kleines Dankeschön sind und haben ein Tool entwickelt, mit dem angemeldete User (noch ist das ganze im Beta-Status, aber die Einladungen gehen eigentlich ganz flott raus.) durch nur einen Klick kurz find ich gut sagen können. Und das auch monetär. (wer genauer wissen will wie das Prinzip Flattr funktioniert findet hier ein nettes Erklärvideo dazu. )

Als ich meinen Account endlich hatte (und es eine Paypal-Alternative zum bezahlen gab) habe ich mit viel Begeisterung angefangen dort zu flattern (und schlagt mich, ich mag die Wortschöpfung) wo ich kann. (noch lange nicht alle Lieblingsblogger, aber ich bin jetzt mal optimistisch.) Dass ich den flattr-Button auch hier auf der Seite einbinde ist weniger ichfindichbinsosuper als das gehörtstandardmäßigintegriert. Und zwar mehr als dieser dämliche i-like-facebook-knopf.

Flattr will genausowenig eine Revolution sein, wie Mario Barth politischer Kabaretist. Es schließt einfach eine Lücke. Außerdem ist flattern eine tolle Möglichkeit zu beeinflussen, wovon es vielleicht bald ein bisschen mehr gibt. Und das direkt. Würde es sowas für Comedians geben, vielleicht wäre uns Nancy aus Tempelhof erspart geblieben.

P.S. Zwei Einladungen hab ich noch, wer zuerst hier schreit kriegt sie.

  1. Es ist der große Erfolg der Boulevardmedien, dass man Menschen die klüger, erfolgreicher und oft drastischer sind als der Durchschnitt der Bevölkerung von dieser als unsympathisch, fast schon bedrohlich angesehen werden. Höhepunkt dieser Kampagne war mit Sicherheit Bush Jr. der Kerl “mit dem man ein Bier trinken könnte”. Well done, Privatfernsehen und Kollegen, well done.
  2. Gott, wie ich anfange dieses Wort zu hassen. Dass wollten die Buzzword-Götter so nicht. Wir brauchen neues Vokabular. Wie nenen die Italiener Content und Buzz und social networking eigentlich? Bei denen klingt es bestimmt besser.

Dann doch : Hamburg. Perle und so.

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Die Kennenlernphase hatten Hamburg und ich eigentlich schon hinter uns, als ich ende letzten Jahres den Trip plante. Wobei, gestatten sie mir kurz auszuholen, hier gab es ja sehr spezielle Gründe.

Kleiner Exkurs:
Liebe LOST-Gemeinde, ein bisschen weiß ich wie es euch geht. Ehrlich. Weil, es gibt da diese kleine obskure Serie der ich anhänge. Und so auch meine Hamburger Gastgeberin. Besagte Serie heißt “Supernatural” und läuft in den USA auf dem Sender dessen Kernzielgruppe ganz eindeutig ist. Schick, jung, kauflustig. (The CW sendet auch Gossip Girl und das schlimme 90210 – Remake.)
Darum ist der Cast von Supernatural auch viel zu gutaussehend, klar. Aber: es geht um auch um Monster (Vampire, Geister, Dämonen) und dysfunktionale Familien. Außerdem gibt es die besten one-liner seit der Gang rund um Buffy. (god bless Ben Edlund!) Und bis Anfang diesen Jahres war der Plan, dass besagte Serie mit Staffel 5 zu Ende geht. Als ich also diese Reise plante hatte das viel mit der drohenden Apocalypse im TV zu tun. (Wörtlich gemeint. Erzengel und Lucifer inklusive.) Dieses Ereignis war der endgültige Katalysator hinter der Entscheidung, Jemandem einen Besuch abzustatten.

— Exkurs Ende —

So also kam Mittwoch, der 12. Mai und ich saß sehr, sehr lange in einem Zug nach Hamburg. 1
Das großartige an meiner Gastgeberin Nessy ist, der Moment als ich aus dem Zug steige und wir uns umarmen ist nicht wirklich seltsam. Unter uns Freaks mit grenzwertigen Neurosen gibt es ein bemerkenswert hohes Verständnis. Schon wenig später überfordere ich das “Big easy” (Barmbeck, ha!) mit dem Wunsch nach einem Gimlet. (Ist das wirklich so speziell, ehrlich?)
Donnerstags dann gleich mal Hamburg galore. Hafen. Queen Mary II. Ich stehe da und versuche im Kopf auszurechnen wie oft mein neues Hochschulgebäude wohl in diesem Schiff platz hätte. Verdammt oft, würde ich sagen. Als alte Menschheitsbeobachterin finde ich natürlich die Menschen, die mit weißen Taschentüchern winken hochgradig faszinierend. Und, dass es auf der Queen Mary Passagiere gibt, die als erste Amtshandlung eine HSV-Fahne aufhängen. Wahnsinn.
Apropos Wahnsinn: Es schafft glaube ich nur Hamburg, eine Megabaustelle als quasi touristische Attraktion zu präsentieren. 2

Noch mehr beeindruckt bin ich dann von Lektion Nr. 2: Hamburg hat ein Kino, das hat eine wirklich gute Cocktailbar (Gimletversuch 2 – hervorragend!) und man darf sogar mit seinem Cocktail im Kino sitzen. Ich bin beeindruckt. Und dann kommt Tony Stark. 3

Freitag. Im Bett rumlungern, Brötchen mit Essschokolade essen (Ich bin im Ausland, esse also Brötchen statt Semmeln.) und Serien schaun. Man muss eine spezielle Sorte bescheuert sein, um darin sein Glück zu finden. Gottseidank habe ich hier Gleichgesinnte gefunden. Wir gucken auch noch das hoch unterhaltsame Staffelfinale von Vampire Diaries (auch the CW, auch alle wahnsinnig gut aussehend. Aber mit semi-sozialisierten Vampiren. Und so rasant im Storytelling, dass es eine Riesengaudi ist. Außerdem Ian Somerhalder. You’re welcome.)
Um nicht in kompletter Serienstaffelenddepression zu versinken machen wir uns auf den Weg zu einer Jungfamilie, wo ich lerne wie hart es sein kann als Bayern-Fan dauerhaft in Hamburg zu leben, umgeben von Menschen die sich entweder nicht dafür interessieren oder / und im Zweifelsfall gegen Bayern sind.
Dadurch erschleiche ich mir aber eine Einladung zum Pokalfinale-Schauen am Tag darauf und umgehe die grenzwertige Situation als Bayern-Anhänger in einer Hamburger Kneipe bei einem Spiel gegen Bremen.. nun ja.

Samstag: Lektion Nr. 3, Hamburg ist grün. Wahnsinnig grün sogar. Nessy versucht mich damit zu beeindrucken,dass der Hamburger Stadtpark größer ist als der Central Park. (Ach nee. *hüstel* Englischer Garten *hüstel*). Ich stelle hauptsächlich fest, dass der gemeine Hansestadtbewohner einen ähnlich großen Hang zum Italienerdasein hat wie wir hier im Süden. Draußen sitzen, Kaffee trinken. Dolce vita und so, das kann man hier auch ziemlich gut. Genau darum ist Hamburg nach wie vor die vermutlich einzige Stadt in Deutschland, in der ich es länger als ein paar Wochen aushalten kann. Also jetzt, außerhalb Bayerns. 4

Stichwort Bayern, Stichwort München, Stichwort bester Verein der Welt. Es gab dann eine Käseplatte zum Pokalfinale. Und Basti hat ein Tor geschossen. Und der Herr sah, dass es gut war, quasi. Als Mark van Bommel dann den Pokal in den Himmel reckt seufzen Nessy und Ywee (Gastgeberin des Abends und Mutter des Mimikstärksten Einjährigen den ich je kennengelernt habe. Lächeln und Winken, im Zweifelsfall, scheint sein Motto.) ob es den jetzt endlich vorbei ist, dieses schlimme Spiel.
Mind you, die gleichen Damen werden in 14 Tagen kreischend public viewing betreiben und die Herren Lahm, Schweinsteiger, Müller, Badstuber, Gomez und Co lautstark anfeuern. Aber wem sag ich das.

Es wird wieder sehr spät. Sehr lustig. Trotz des ganzen Bavaria-Bashings. Aber, man ist ja tolerant. Und neidisch, wegen der durgehend fahrenden U-Bahnen. Und eher lockeren Kontrollen im Verkehrsverbund. Ich mag das ganze Wasser, das ganze Grün.

Sonntag. Heiliggeistfeld. Alte Autos schauen. Könnte ja ein Impala dabei sein. 5
Unser Abschied fällt dank der deutschen Bahn ein bisschen hektisch aus. Aber ich seufze noch eine ganze Weile sehr zufrieden vor mich hin. Und im Herbst, habe ich festgestelle, gibt es eine flotte und billige Flugverbindung in den Norden. Hach. 6 Ja, des brauchts alles.7

  1. Standardmäßige Kurzkritik zur Bahn: Feiertage scheinen einen dort immer sehr zu überraschen. Aber dafür holt man dann die netten Herren der Polizei und schmeisst Menschen ohne Reservierung einfach in Stuttgart wieder raus. Natürlich.
  2. Ich erspare euch den Exkurs zu architektonischen Streitfällen wie der neuen Philharmonie, der Hafencity und wer das den bitte alles bezahlt. Wobei: Kindergartengebühren die mal eben um bis zu 130% steigen? Nö. Also wirklich, nö.
  3. Kurzkritik: Iron Man II ist die beste, weil glaubwürdigste Comicverfilmung bis heute. Robert Downey Junior ist so eine Art Gott. Der Film versucht nicht künstliche Tiefsinnigkeit zu erzeugen und ist lieber Unterhaltsam. Wer Philophie sucht findet Samuel Jackson als Nick Fury.
  4. Bevor es hier Vorschläge gibt: Köln findet sich völlig grundlos selber toll, außerdem: Rheinländer. Berlin: Ach hör mir auf mit Berlin. Wehe wenn man da die bayerische Herkunft erwähnt und nicht sofort einsieht wieviel cooler und hipper und überhaupt dreckiger Berlin ist. Pah. Stuttgart, äh… uh. Irgendwie auch nicht.
  5. Einer der Hauptdarsteller in oben erwähner Serie ist der Chevy Impala 1967. Ich konnte diesen Ami-Schlitten früher nicht so wahnsinnig viel abgewinnen. Aber, hach, die haben schon was. Charme. Und Größenwahn. Und irgendwie fordern sie alle zum großen Roadtrip quer durch den Kontinent auf. Kommt auf die Bucket-List.
  6. Bahnfahren nach Hamburg: schwierig. Bahnfahren von Hamburg nach Ulm: AAARGH. Verspätung, Chaos, und das ganze in in den frühen Morgenstunden, also zwischen 3 und 5 Uhr morgens. Mein Biorhythmus, zefix! Außerdem habe ich dadurch große Teile des Montags verschlafen. Was nicht so schlimmer gewesen wäre, wäre da nicht diese Ballack-Sache gewesen… Seufz.
  7. Und für solche Anmerkungen sind Fußnoten großartig. Warum merk ich das erst jetzt? Fußnoten sind toll. Ich werde ganze Einträge nur aus Fußnoten gestalten. Nennt mich Patschbella Foster-Wallace.

Disclaimer: Ich besitze keine Voodoo-Puppe von Herrn Ballack, Bastian Schweinsteiger oder Guido Westerwelle. Ich bin weder mit Jerome noch Kevin-Prince verwandt oder verschwägert. Ich habe kein Geld darauf gesetzt ob es mehr Beckham oder Ballack Heulartikel gibt. Ehrlich. Und nein, ich schreibe keine bösen Blogeinträge auf Anfrage, weder über Guido Westerwelle, HSV-Hoffmann noch Mario Barth. Wobei es mich da in den Fingern juckt. Danke für ihre Aufmerksamkeit, you may now proceed to something completely unimportant.

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Was ne Woche. Und erst Mittwoch.