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Schlagwort: selbstreferenziell

Don’t you forget about me

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Will you recognize me?
Call my name or walk on by
Rain keeps falling, rain keeps falling
Down, down, down, down

Ein bisschen Schwund ist immer, das weiß man, sobald man einmal Bekanntschaft mit dieser walzenden Muräne im eigenen Gemüt geschlossen hat. Menschen bleiben auf der Strecke. Entweder weil sie freiwillig die Flucht ergreifen, auf Abstand gehen – oder, weil sie letztendlich aufgeben, zu oft zurückgewiesen letztendlich resignieren.

Das ist nämlich eine Krux an der Schatten-Krankheit. Der wilde Widerspruch aus maximaler Zurückgezogenheit, den abgesagten Treffen, den vorgeschobenen Beschwerden und dem gleichermaßen dringenden Wunsch danach bemerkt, wahrgenommen und aufgenommen zu werden. Dieses Paradox muss man im Hinterkopf behalten, wenn man verstehen will, warum Menschen mit Depressionen manchmal so seltsam reagieren.

Als ich im Laufe der letzten Wochen von mindestens zwei Gelegenheiten erfuhr, zu denen ich sonst dazugehört hätte, oder zumindest ursprünglich mal eingeladen war, merkte ich wieder, wie sehr mein Blick auf die Realität momentan getrübt wird. Mit nüchternem Verstand betrachtet, gibt es für beide Instanzen vollkommen nachvollziehbare Erklärungen. Bei der ersten, von deren Stattfinden ich überhaupt nur durch Dritte erfuhr, ging man traditionsbedingt vermutlich schlicht davon aus, dass ich – mich noch mehr oder minder in Trauer befindlich – nicht in irgendeiner Gruppe verlustieren wollen würde. Tatsächlich hätte ich, wäre ich formal dazu geladen worden, wohl auch sehr lange überlegt.
Bei der zweiten Sache, überhaupt nur auf Twitter erwähnt, hatte ich in der Planungsphase eine Art Einladung bekommen, aber dann nichts mehr Genaues gehört. Ich hätte in der schlussendlich geladenen Gruppe auch wirklich nichts verloren gehabt, um Gotteswillen. Was mich nicht davon abhält über Schrödingers Partyeinladung zu spekulieren.

Vom unabsichtlichen Vergessen der ursprünglichen Email über vorausseilende Rücksichtnahme zu bewusstem Abstandnehmen ist da alles dabei. Das nämlich, ist der Dämon im Kopf. Vergessen Sie Ockhams Rasiermesser (Von vielen Erklärungen ist immer die nächstliegendste vorzuziehen.), hier befinden wir uns mitten im Gewirr von Aristoteles – “Eine wahrscheinliche Unmöglichkeit ist immer einer wenig überzeugenden Möglichkeit vorzuziehen.”

Als jemand, der dieses dunkle Meer bereits einmal mehr oder minder erfolgreich durchschwommen hat (I’m still here, so that counts, right?), ist man dafür erst recht in einer kalten, zynischen Schleife gefangen. Mit dem Wissen um die Menschen im eigenen Leben, die es vielleicht nicht aushalten, beginnt man derlei Kleinigkeiten als Grundlage für eine Berechnung zu nehmen.

Ist es Vielleicht Person X, in deren Leben gerade gute Dinge passieren und für die ich darum erst recht eine zu aufwändige Anomalie darstelle? Oder Mensch Y, der obwohl aktuelle noch sehr bemüht, am Ende die Segel streichen wird? Diese gefährliche ‘ihr haltet mich eh nicht aus, ich habe völlig recht mich euch nicht aufzudrängen’-Attitüde ist vielleicht der längste Arm der Krakenkrankheit, die sich in alle Lebensbereiche mischt.

Natürlich wird mir nicht Bescheid gesagt, selbstverständlich werde ich übergangen, ich hätte mich auch nicht eingeladen.Den größten Schaden richtet oft nicht das Feuer, sondern das Löschwasser an.

How to care for the depressed person in your life?
Keep bugging them.

Dass ich diese kleine Plattform nutze, um offen – manche nennen es offensiv – über solche Dinge zu schreiben ist für sich selbst genommen die nächste Hürde. Wenn wir sagen, dass zu wenig über psychische Krankheiten gesprochen wird, dann meinen wir nicht, dass kein Interesse daran besteht – zumindest fachlich. Aber die persönlichen Geschichten, oft extrem unterschiedlich aber in sich auch ähnlich zäh und grau, sind nichts mit dem jeder erstmal konfrontiert werden möchte. Ich sage das, weil ich selbst nur bedingt Geduld für Me&My Depression&I Stories habe, in denen sich jemand nicht mal Hilfe holt. (Allein für die Stories sollten viel mehr von uns zum Therapeuten gehen. Trust me, that shit is hilarious.)

Meine quasi öffentliche Auseinandersetzung mit der Malaise wird zusätzlich Menschen abschrecken. Freunde, Bekannte – ein paar werden irritiert und mit leicht rümpfender Nase viel Raum zwischen mich und sie selbst bringen. Man spricht nicht über Krankheiten, außer vielleicht in einem Wartezimmer, aber dann auch nur im Flüsterton.
Bis zu einem gewissen Grad bin ich sogar Fan von dem Konzept, wir behelligen uns alle heute viel zu oft mit Zipperlein und fordern Rücksichtnahme wegen Kleinigkeiten. Ein bisschen mehr Zähne zusammenbeißen würde etliche von uns weniger anstrengend machen – ohne, dass uns etwas fehlen würde.

However – sagte sie, nach 600 Worten über ihren Zustand.

Ich schreibe das hier auf, weil ich nichts anderes referenzieren kann. Weil belehrende Twitter-Threads nicht dasselbe sind wie eine aufgeschriebene Erklärung für widersinniges Verhalten.

Worauf ich hinaus will, ist Folgendes: Vergesst meiner nicht. Auch wenn ich wieder absage, vielleicht nicht auf die Email antworte oder mich anderweitig rar mache. Es hat nichts, aber auch nicht das Geringste mit meiner tatsächlichen Wertschätzung euch gegenüber zu tun. Im Gegenteil.
Aber ich weiß, dass ich die gleiche Logik nicht auf mich selbst anwenden kann, zumindest nicht jetzt. Wenn die Kontakte also ausbleiben, die Feiern ohne mich stattfinden und ich aus der Ferne sehe, dass alle Spaß haben, wenn ich nicht dabei bin – dann werde ich nicht denken, dass es trotz meiner Abwesenheit sondern wegen meiner Abwesenheit so ist.

Das sind die Fake News, die das eigene Hirn auf die Titelseite druckt.

Ich will nicht behaupten, dass ich ohne Depressionen in meinem Leben plötzlich extrovertiert wäre, um Himmelswillen, nein.
Aber objektiv betrachtet weiß ich, dass die guten Zeiten in meinem Leben durch eine geschickten Balance aus allein verbrachter Zeit und anregender Gesellschaft identifizierbar waren.

Es ist nicht nur die Antriebslosigkeit, die fehlende Perspektive, die innere Düsternis. Es ist, und vielleicht steckt hier das größte Schadenspotential, die tiefe Überzeugung nicht gewollt zu werden. Alle Self-Acceptance, jedes Selbstbewußtsein und die größte innere Unabhängikeit ersetzen nicht die beruhigende Wirkung von ehrlich gemeinter Aufmerksamkeit von Außen. Am Ende braucht man die innere Stärke und die äußere Bestätigung.

Am Ende muss aus dem inneren Widerspruch etwas werden, das ineinander greift. Ich hoffe, es dauert dieses Mal nicht so lang.

Aus, Äpfe, Amen

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How does it feel to be wrong
Stuck on stupid for so long
So why you gotta yell, don’t you think I heard
You always gotta have the last word
You say you’re gotta leave but let me be the first
To hit you right where it hurts

völlig grundloses Bild eines alten Autos. Transport-Metapher ausgeschlossen.
völlig grundloses Bild eines alten Autos. Transport-Metapher ausgeschlossen.

“Wir” 1, hier in diesem Internet, sind das wirkliche Beenden von Dingen in gewissem Sinne gar nicht mehr gewohnt. Wir spinnen Dinge gern kontinuierlich weiter, diskutieren und verfransen uns. Ob Unterhaltung wie Bücher und Serien oder die Entwicklungen im “realen” Leben – wir denken schreibenderweise noch sehr lange darüber nach. Eine schöne Sache.
Weil da draußen, so generell, enden Dinge oft ohne, dass alles geklärt ist. Abrupt, brutal und kontextlos.
Und manchmal muss man sie sogar selbst beenden.
Freundschaften, Beziehungen, Arbeitsverhältnisse, Familienbande.

Hilfestellungen, um Dinge stilvoll zu finalisieren gibt es derweil viele. Wie man sich auch nach der Beziehung noch versteht, wie man sich höflich von ehemals besten Freunden distanziert oder elegant aus dem Büro verabschiedet. Schließlich lebt man ja heute auch vom eigenen Netzwerk und um Himmelswillen, jemand könnte noch nützlich sein. Fast egal, wenn derjenige eine untragbare Persönlichkeit sein eigen nennt – er könnte einem doch irgendwann einen Auftrag bescheren.

Aber hin und wieder geht das einfach nicht. So sehr man es versucht. Wirklich. DAS GEHT NICHT NUR MIR SO. Deswegen rede ich jetzt darüber. Das gehört sich nämlich eigentlich auch nicht.

Im Englischen gibt es die schöne Redewendung von “burned bridges” also den Brücken, die hinter einem verbrannt sind und über die man nicht mehr dahin zurück kommt, wo man grade noch war. Cool ist sowas allerdings nur im Film. Wenn jemand alle Zelte abbricht oder mit einer großen Tirade geht. Ein dramatischer Abgang mit allem drum und dran.(Blöderweise fällt mir grade nur Jerry Maguire als Beispiel ein. Es gibt bestimmt hübschere.)

In Wirklichkeit ist es hauptsächlich anstrengend. Es zerrt und pocht noch eine Weile. Wie ein Zahn, der einem gezogen wurde.

Zu meiner Verteidigung: Es ist nicht so, dass mir das dauernd passiert. Ich kann ganz normal Sachen zu ende bringen, durchaus. Abschlüsse machen, mich auf leisen Sohlen aus Verbindungen schleichen, ordentlich von der Abteilung verabschieden.

Nur, und vielleicht, werter Leser, haben Sie das schon gemerkt: Ich neige zur Ehrlichkeit. Zur geradezu brutalen Ehrlichkeit. Und ich habe das genetische Unglück eines starken Rückgrats bekommen, wodurch ich letztendlich auch immer zu dem stehe was ich sage.
Das macht mich zu einer verlässlichen Ratgeberin, einer konstruktiven Kritikerin, einer guten Kameradin auf jeder Art Schlachtfeld und einem Menschen mit bemerkenswert wenig Reue-Momenten.

Aber auch zur falschen Person, wenn man ‘um des lieben Friedens willen’ lieber nichts sagen sollte. Oder gar zur vermittelnden Diplomatin in einem Krisenherd. Not gonna happen. Ich halte meine Klappe nicht. Ich schüre das Feuer, ich lege noch einen nach. Und wenn jemand ungerecht behandelt wird, kann ich auch böse werden.

Es gibt Tage, da danke ich einer nicht genauer definierten überirdischen Macht für Menschen, die mich auf derlei vorbereitet haben. Für Begleiter und Autoriätspersonen, die erkannten, dass mein etwas eigener Kopf mir zwischen den Duckmäusern dieser Welt nochmal Probleme bereiten wird. Die auch erst gar nicht versucht haben mich zu verbiegen, sondern mir einbläuten, dass ich etliche Kämpfe nicht gewinnen würde und besser lerne daraus die Konsequenzen zu ziehen. Mein Lebenslauf hat seine Scherenschnitt-Momente.

Was auch heißen kann einen Schritt zurück zu machen. Distanz gewinnen, Luft holen, Revue passieren lassen, einordnen. Wie viel hat mein innerer Konflikt-Cheeleader angezettelt, bis wohin hab ich nur reagiert? An welcher Stelle wurde es persönlich oder zumindest der Ton zu scharf? Gab es die Möglichkeit Probleme anders, eher, schrittweise zu klären? Habe ich mich leiten oder manipulieren lassen, womöglich eine Auseinandersetzung nur stellvertretend für jemand anderen geführt? Vor allen Dingen: Hätte ich früher, womöglich von vornherein, einsehen müssen, dass es nichts wird?

Nur wenn man sich diese Fragen auch beantworten kann, merkt man nämlich rechtzeitig ob man sich nicht einfach nur zu einer unverträglichen Zicke / einem starrsinnigen Querulanten / paranoiden Verschwörungstheoretiker entwickelt. Das würde ich scgib gern vermeiden.

Worauf ich hinaus will: Das ganze ist nicht unbedingt zu empfehlen – aber man kann es auch überleben. Es gibt – wirtschaftliche Zwänge hin, langjährige Beziehungsarbeit her – nur sehr wenige handfeste Gründe langfristig in einer vollkommen unglücklichen Konstellation zu verweilen. Das vergessen wir manchmal. Teils aus Rücksicht, teils aus Angst. Bedenken wohin man schaut und gerade Frauen empfinden ihre Rolle oft immer noch als irgendwie passiv, in die Ecke gedrängt.

Mich Krach und Randale etwas hinter sich zu lassen, ist für niemanden angenehm. Auch das High der Befreiung hält nicht ewig, aber die Kraft aufbringen und schließlich neues Terrain erobern, sind es am Ende doch wieder wert. Es gibt Wiesen, die sind tatsächlich grüner und Menschen, die sind tatsächlich angenehmer.

Das hier ist kein Trennungsaufruf, nur eine kleine Erinnerung an all die Brücken, die man ja noch gar nicht überquert hat. Auch für mich selbst.

  1. Ja, ich weiß. Es ist unhöflich stellvertretend zu sprechen. Falls Sie sich so gar nicht angesprochen fühlen: Interpretieren Sie es bitte als Pluralis Majestatis.

Zweitausendreizehn

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I want to shoot arrows
I need to swim a mile
When I’ve kissed until my lips are tired
When I’ve been held until I sleep
I’ll promise to try new things
I’ll promise to let myself feel

gefundene Notiz in altem donnerhallschem Notizbuch

2013-10-25 07.46.38

Über 2013 nachdenken, das ist gleichermaßen zufriedenes Abhaken wie genervtes unfertig sein. Eine große Stufe ist geschafft, eine Lücke überstanden, aber die Füllung ist leicht porös. Dafür hat sich der Blick verändert. Die Pragmatismus-Brille macht den dramatischen Blick weniger anstrengend.

Statt “was ich gerne irgendwie mal würde” öfter “ich kann das und ich will das” gedacht. Ohne Schuldgefühle. Daraus Konsequenzen gezogen. Schneller und häufiger JA gesagt. Auch zum ersten Mal mehr oder weniger professionell akzeptiert, dass ich gut genug bin, um mit der Aneinanderreihung von Worten Geld zu verdienen. Überhaupt auch festgestellt, dass Geld verdienen an und für sich keine schlechte Sache ist.

Eine Erkenntnis, die auch anderen Worten mehr Gewicht verleiht. Denen im Blog, denen mit Herzklopfen andernorts veröffentlichten. Andernorts. Noch so eine Sache. Die Fühler ausgestreckt, as they say.
Unter anderem schreibe ich diese Zeilen auf dem Weg zu einer Silvesterparty mit Menschen, die ich bisher nur digital kenne. Und sterbe dabei nur ein kleines bisschen vor Angst. 2013 ist auch Twitter: my love.

Eine Ambivalente Liebe, klar. Darum 2013 auch immer wieder mit mehr Engagement geliebäugelt, dann abgewartet und am Ende gerne einen Bogen um das Drama gemacht. Für selbstzerfleischende Moral-Pedanterie habe ich keine Zeit und keine Nerven. Holt mich, wenn es ernst wird.

Gehört alles dazu, wenn man sich 2013 endgültig eingesteht, dass man, nun ja, eine Einzelgängerin ist und bleiben wird. Zwar mit einem kleinen feinen Kreis aus wahren Kontakten (digital wie analog) aber gerade genug sozialer Interaktion, um nicht als komplett gaga zu gelten. Und vor allem genug, um sehr vorsichtig zu werden, wie viel ich von mir online preis gebe. All die ungeschriebenen Emo-Einträge und Zweifel-Tweets. Am Ende aber allein. allein unterwegs, allein im Kino, allein beim Gedanken rumschubsen. Die Akzeptanz der eigenen Natur als größte Herausforderung ist auch so ein überhöhter, Nabelschaudreck, den man nur als Blogger derart zelebrieren kann. Immerhin.

Die Vorteile daran erkannt. Alleine entscheiden, eigene, nicht beeinflusste Prioritäten setzen und sich am Ende selbst Rechenschaft schuldig sein. Gut so.
Dafür endlich auch mehr Wertschätzung für bestehende Verbindungen. Für die Menschen, die damit klar kommen, dass ich Geburtstage vergesse, mich wochen- oder monatelang nicht melde und sogar mit Emails Schwierigkeiten habe, obwohl ich meine Zeit doch größtenteils an einem Bildschirm mit anhängender Tastatur verbringe.

Trotzdem für 2014 klitzekleine Vorsätze in Sachen Kommunikation gemacht. Baby Steps. Auch hier – von den klugen Menschen meiner digitalen Cafeteria profitieren. Einfach Fragen. Mehr Fragen. Das ist 2013 schon besser geworden. Um Hilfe oder einen Rat bitten, ganz gezielt.

2014 als Beginn einer längerfristigen Planung. Keine Angst mehr vor Plänen und dem unausweichlichen Scheitern. Diese self-fulfilling prophecy kann mir mal den Buckel runterrutschen. Eine Kampfansage im positiven Sinn. Passivität lasse ich mir nicht mehr länger nachsagen. Mach ma bloß koa Schand, 2014 – mia ham Blogleser zu unterhalten.