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Kategorie: Allgemein

Send in the Clowns

Es gibt diese eine Stelle in „Nanette“, dem viel besprochenen Programm der australischen Comedian Hannah Gadsby (läuft auf Netflix und ich werde eventuell in diesem Leben nicht mehr aufhören es Menschen zu empfehlen. Go, watch, I’ll wait.), in der sie darüber redet, wie früh sie lustig war. Survival-Instinct nennt sie das.

Weil Jokes die aufgebaute Spannung auflösen. Und wenn man selbst die Spannung ist, sich so empfindet, löst man die Spannung in dem man Witze über sich selbst macht. (Hannah erklärt das alles viel besser. Go. WATCH. I’ll wait.) Gelächter, das gleichermaßen alle entspannt, während es den Selbsthass bestätigt.

Sie war so früh schon so lustig, dass ihr schließlich jemand empfahl das ganze beruflich zu machen. Sie lernte mit einer Geschichte Spannung aufzubauen und diese durch eine Punchline oder einen trockenen Kommentar zu lösen. Als lesbische Komödiantin, die sich völlig bewusst ist, dass sie durch ihr Aussehen öfter auf den ersten Blick für einen Kerl gehalten wird, herrschte kein Mangel an Material. Lesbian Content. A bit of feedback.

Es ist der Punkt an dem ich immer wieder hängen bleibe. An dem ich kurz stoppen und Luft holen muss. Tief und langsam ein- und ausatmen. Mit Sauerstoff gegen das arbeiten, was sich da von unten versucht nach oben zu graben.

Ich war lustig, bevor ich verstand wie Humor funktioniert, sarkastisch lang bevor mir klar war wie viel Gift darin steckt. Wenn die Erwachsenen lachen, dann gucken sie nicht so besorgt. Wenn die Mitschüler lachen, dann bin ich in Sicherheit. Wenn die Menschen mit denen ich an einem Tisch sitze lachen, dann fällt ihnen nicht auf wie merkwürdig ich bin. Wenn sie lachen, darf ich da sein.

Solange ich witzig bin, darf ich auch existieren, vielleicht sogar Raum einnehmen.

Das war der Faustschlag mit dem mich Hannah Gadsby ausgeknockt hat. In einem Programm das so voller roher Wahrheiten steckt, das den Vorhang aus Jokes vor dem Schmerz wegzieht, war es die Sache die mich bis heute verfolgt.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin nicht so witzig wie Hannah Gadsby oder irgendjemand der das professionell macht. Ich bin die mit den Bonmots, den sarkastischen Antworten, dem trockenen Kommentar zur Situation. Der bitchy Sidekick-Charakter in der Sitcom, dessen kleine Gemeinheiten alle mögen, weil sie auf spezifischen Beobachtungen basieren, ein Nachweis für Aufmerksamkeit sind.

Aber ich bin amüsant genug, dass diese Eigenschaft oft genug die Rechtfertigung, ja geradezu der Grund für meine Teilnahme an etwas war.

Es gibt Menschen, die mich mögen. Und Menschen, die mich unterhaltsam finden.

Mir ist völlig klar welche Gruppe größer ist, ich kann das nachvollziehen. Menschlich bin ich kein ganz so großer Gewinn. Da hakt es in Sachen Empathie und Warmherzigkeit und wiesagtman, generelles Nett-sein. Nett sein ist kein Entertainment und ich hab gelernt mich in die Pointe zu retten.

Dadurch, dass mein Default-Setting gegenüber anderen Menschen Misstrauen ist, hab ich gelernt Personen halbwegs treffsicher zu kategorisieren. Was in diesen Tagen, wo ich die Kreise enger ziehe, die Sache einfacher macht. Manchmal, öfter als gedacht, sind sogar positive Überraschungen dabei und Leute, die ich in die Kategorie „Entertainment“ gepackt hatte, entpuppen sich als Fans des Gesamtpakets. Sind sogar da, wenn ich mehr Aufwand als Unterhaltung bin.

Das erste Publikum als Kind waren neben meinen Bezugspersonen die Ärzte. Immer drückte irgendjemand an mir rum oder setzte wieder eine Spritze an, es gab irgendetwas zu röntgen oder zu ultraschallen. (Das ist kein Wort, richtig? Egal.) Ich war neunmalklug, wissbegierig und hab furchtlos die Klappe aufgerissen. Hat gelangt, um für Erheiterung zu sorgen – und die Spannung im Raum zu lösen.

Später hab ich gelernt zu reden, die Zeit zu überbrücken, in der man auf mich warten musste, weil ich langsamer war als alle anderen. Sie sind weniger genervt, wenn man einen passenden Spruch dazu macht. Dann schaut auch keiner mehr so genau, ob man grade vor Schmerzen das Gesicht verzieht. Witzischkeit kennt keine Wirklichkeit.

Später dann schwarzgetränkter, pubertär wankender Depressions-Humor gegen die Isolation. Ach, ihr mögt mich alle nicht? Ja, nun, ich kann über jede einzelne eurer Schwächen etwas sagen, worüber die anderen lachen können. Ich bin der Freak? Ja, aber wenigstens kann ich Leute ablenken.

Es hat dann noch ein paar Jahre gedauert, bis ich das alles so gezielt einsetzen konnte, wie nötig. Bis ich den Performance-Hebel lokalisiert hatte und ihn umlegen konnte, wenn innerlich alles stockfinster war, aber ich nicht mehr ertragen konnte, wie man um mich herum versucht sensibel zu sein. Pfuideife. Dann lieber Performance.

Wer im Zweifel den Satz am Rande der Pietät sagt, wirkt im Übrigen wohl auch souverän und unabhängig. „Sie ist mehr so der einsame Wolf“ , das war in der 3. Klasse.

Es gibt Menschen, die mich kennen. Und Menschen, die meinetwegen lachen.

Hin und wieder verschätze ich mich natürlich auch in die andere Richtung. Nicht oft, immer seltener. Aber manchmal, entweder weil es Hinweise gab oder diejenigen Menschen es schlichtweg behauptet hatten, dachte ich, jemand könnte da sein, sogar wenn ich grade humormäßig eher am Bodensatz kratze.

Mit mehr oder minder großer Überraschung lerne ich dann, dass genau diese Menschen auf Distanz gehen, sobald ich mehr dunkle Wolke als Showtime bin. Wohl nicht genug gewesen. Nicht witzig, nicht interessant, nicht… genug.

„Du solltest froh sein, wenn man sich mit dir abgibt, anstatt auch noch Forderungen zu stellen.“ , das muss ungefähr mit 13 oder 14 gewesen sein. Einer von denen, der sich eingegraben hat, vielleicht bis in mein Erbgut, jeden einzelnen Zellkern. Ein Teil von mir wird das immer für die Wahrheit halten. Wird glauben, dass ich meine Existenz mit Punchlines begründen und akzeptieren muss, wenn ich weggeschickt werde, sobald die Gags ausbleiben.

„I need to quit comedy“ sagt Hannah Gadsby dann mitten im Programm. Noch bevor sie vollumfänglich erklärt, wie schwierig es ist die eigenen Trauma, den eigenen Schmerz anders zu teilen. „I need to tell my story properly.“, hängt sie dran. (Go. WATCH. I’ll wait. REALLY, I’LL WAIT.)

Sie steht auf dieser Bühne und erklärt, dass sie ihre Geschichte teilen muss, dass wir sie aushalten, mittragen müssen. Weil die Witze darüber, sie heilen nicht. Sie reißen die Wunde wieder und wieder auf, um sie rumzuzeigen, wie eine moderne Freakshow. (Es sollte T-Shirts geben. „This is what Depression looks like ™“, wie die für Feminismus.)

Wenn Menschen sich entgegen meiner Erwartung nicht als alliierte sondern eben „nur“ als, hm, Klatschvieh (too harsh?) entpuppen, reißt das genau die Wunde wieder auf. Wenn du nicht witzig bist, gehen wir. Weil aushalten, deine Geschichte teilen, das tun wir nicht. Dafür bist du nicht gut genug. Aufmerksamkeit gegen Lacher, das war der Deal.

Dieses Mal hab ich Glück. Es sind sehr wenige, sehr spezielle Fälle in denen ich mich getäuscht habe. Immer noch genug, um mich auseinanderzureißen, aber nicht, um deswegen meine Klappe zu halten. Kommen halt in den Schrank, zusammen mit den anderen Geistern.

I need to tell my story properly.

aus “Nanette”

Das bedeutet nicht, dass ich jetzt ernst werde. Es ist 2018, haben Sie sich mal umgesehen? Als wäre das alles anders zu ertragen. Also bitte. Aber manchmal. Vielleicht in diesen Moment, wo ich mich sonst in einen Satz, eine selbstreflexive Pointe rette. Ich sollte versuchen es anders auszuhalten. Zu sehen, ob ich ausgehalten werde.

Ich hab keinen Eintritt genommen, hier kann jeder aufstehen und gehen.

Ja, aktuell ziehe ich die Kreise enger, kein Platz für wankelmütige Lückenfüller. Aber solange ich falle, kann ich mich nur an den Standfesten wieder aufrichten. Neues Publikum findet sich, wenn ich wieder einsteige.

“Laughter is not our medicine. Stories hold our cure

Hannah Gadsby

Ganz egal was die Welt uns suggeriert, Heilung ist mehr Wert als Applaus.

P.S. Für mehr Mythen-Zerstörung in Kunstgeschichte! Go Hannah!

P.P.S. Komm, wir machen hier noch ein bisschen Füllmaterial.

51. Wen hast du das erste Mal geküsst?

Moment, geht’s jetzt um meinen ersten Kuss oder jemanden dessen erster Kuss ich war?  Seltsame Fragestellung. Egal, ich erinnere mich an beides nicht im Detail. Der erste Kuss war eine Party-Bekanntschaft. Er hatte dunkle Haare mit zu viel Gel drin und sehr hübsche braun-grüne Augen. Der Kuss war natürlich fürchterlich. Ungelenk und hektisch und schon damals hab ich nicht verstanden warum viele Kerle so küssen, als wollten sie einen verschlingen.

52.Welches Buch hat einen starken Eindruck bei dir hinterlassen?

So viele. Am nachhaltigsten oft Biographien, weil diese Leben wirklich passiert sind. Oft noch viel mehr als zwischen die Buchdeckel passt. Andererseits. Hotel New Hampshire hat mich damals in so einer Phase erwischt. ( I KNOW.)

53.Wie sieht für dich das ideale Brautkleid aus?

Ahahahahahaha. (Sollte ich mich aus irgendwelchen Gründen damit beschäftigen müssen: Scarlett O’Hara goes woke millenial. Also einfach bei Christian Siriano  in Auftrag geben.)

54.Fürchtest du dich im Dunkeln?

Nein, im Gegenteil.

55.Welchen Schmuck trägst du täglich?

Ohrringe. Ohne gehe ich nicht aus dem Haus. Außerdem seit knapp 12 Jahren dieselbe, überhaupt nicht smarte Armbanduhr.

56.Mögen Kinder dich?

Eher nicht. Aber wir sind uns auch gegenseitig nicht ganz geheuer.

57.Welche Filme schaust du lieber zu Hause auf dem Sofa als im Kino?

Alle.

58.Wie mild bist du in deinem Urteil?

Eigentlich gar nicht, außer jemand anders urteilt bereits scharf. Dann tritt irgendein wilder Reflex auf, der dazu führt, dass ich versuche die Nuancen zu sehen und die menschliche Natur zu verteidigen. Also außer man lässt mich im Stich. In that case – you’re dead to me.

59.Schläfst du in der Regel gut?

Och, naja, langt schon.

60.Was ist deine neueste Entdeckung?

Locken-Produkte. Jaha. Ich versuche das Zeug auf meinem Kopf ja schon lang ohne Silikone, Alkohol und Sulfate zu behandeln, also alles bio. Nach der letzten Kräusel-Krise und mit Hilfe von Instagram habe ich aber eine komplett neue Welt von Marken und Produkten nur und exklusiv für Locken aufgetan. Es ist ein bisschen ein Kulturschock. Es gibt eine Locken-Community. Ich bin nicht allein. Ach, es ist ein Traum. (Ja, ich kann auch sehr oberflächlich wenn’s sein muss. )

61.Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?

Nein? Ich glaube, dass etwas von uns bleibt, in den Herzen und Köpfen derer die wir zurücklassen. Daraus kann eine Energie entstehen, die all diese Dinge erklärt, für die wir sonst keine gute Begründung haben. Die stillstehenden Uhren, die von der Wand fallenden Bilder, die vermeintlichen Schutzengel. Wie alle Generationen vor uns operieren wir unter der Prämisse, dass wir alles, was es zu messen gibt, auch messen können. Nur mal angenommen dem ist nicht so: Vielleicht hinterlassen wir etwas, das nur niemand messen kann.

62.Auf wen bist du böse?

Meistens mich selbst. Ein auf alle die gegangen sind, ohne sich zu verabschieden. Zuviel Raum für Spekulation. Zu viel Platz für die Feststellung, dass ich schuld war. (sieh oberer Blogeintrag.)

63.Fährst du häufig mit öffentlichen Verkehrsmitteln?

Ich  bin Bahn-Pendler und wenn ich aus der Altstadt raus will, muss ich meistens den Bus nehmen. Aber ich mag das Konzept.

64.Was hat dir am meisten Kummer bereitet?

Über die annähernd 33 Jahre meines Lebens – ich schätze mein Aussehen oder besser gesagt meine Physis. Das krumme Lächeln, die strammen Oberschenkel und der Fuß, der nicht tut was er soll. Nicht einfach nur vom ästhetischen Standpunkt, sondern auch vom funktionellen. Ich will, dass Dinge einer Struktur folgen, sich fügen, funktionieren wie bestellt. Das tut mein Körper, mein Aussehen einfach nicht. Diesen Kampf gegen sich selbst aufzugeben, das ist wie eine Niederlage, die man nie los wird.

65.Bist du das geworden, was du früher werden wolltest?

Da ich weder Archäologin noch Astrid Lindgren bin – nein. Aber das kann ja noch werden.

66.Zu welcher Musik tanzt du am liebsten?

Tanzen? Have we met?

67.Welche Eigenschaft schätzt du an einem Geliebten sehr?

Geduld. Zuverlässigkeit. Ungezügelter Optimismus.

68.Was war deine grösste Anschaffung?

Äh. Im Sinne der tatsächlichen Größe? Oder des Preises oder wie jetzt? Trotz meines Hangs zu Luxusartikeln fällt mir spontan nichts exorbitantes in meinem Besitz ein. Vielleicht ein Möbelstück? Mein heißgeliebter Esstisch aus Mangrovenholz war nicht billig und klein ist er auch nicht. Oder der Laptop? WASN DAS ÜBERHAUPT FÜR EINE FRAGE EY.

69.Gibst du Menschen eine zweite Chance?

Mit wenigen Ausnahmen: Ja. Vielleicht aber auch nur in der Hoffnung, dass ich selbst eine bekäme.

70.Hast du viele Freunde?

Nein, oh gott, nein. (Again: See above.)

71.Welches Wort bringt dich auf die Palme?

Aktuell: Der Gebrauch von Almann und Kartoffel im politischen Kontext ist ungefähr genauso bescheuert wie Leute, die denken Gutmensch wäre eine Beleidigung. Wenn man doch auf der richtigen Seite steht, warum verunglimpfende Sprache nutzen? Was soll das? We go high sagt Michelle, WE. GO. HIGH.

72.Bist du schon jemals im Fernsehen gewesen?

Nicht, dass ich wüßte.

73.Wann warst du zuletzt nervös?

Vor dem Versenden einer Nachricht mit unbekanntem Ausgang.

74.Was macht dein Zuhause zu deinem Zuhause?

Die Hausbar…? Oder besser: Dass ich alles was es dort gibt selbst ausgesucht habe. Eine dunkelblaue Wand, ein türkisfarbener Flur, die grünen Vorhänge und ein Schaukelstuhl – ich wollte das alles so. Queen of my domain.

75.Wo informierst du dich über das Tagesgeschehen?

Tagesschau, Twitter bzw. die Twitter-Accounts diverser Zeitungen., New York Times online.

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Zweistadtherz

Das Gefährliche an diesen dunklen Wassern ist die Gleichmut mit der man hineingleitet. Wie man akzeptiert, dass sich um einen herum nichts mehr bewegt und man selbst nur sehr begrenzt die Kraft aufbringt daran etwas zu ändern, wo doch das Versinken so verführerisch wirkt.
Ich weiß nicht, wie lang die restliche Kraft langt, aber noch wird gepaddelt.

So finde ich mich letzten Freitag im Zug nach Ulm wieder. Donaustadt, alte Hütte, alte Hood. Wo du nicht voller Baustellen bist, erkenn ich dich sogar wieder. Du bist noch genauso schwäbisch-brav und gleichermaßen vielsprachig laut wie damals. An manchen Ecken blitzen alte Geister auf.
Aber da ist schon die liebreizende C. und das Donaufest und es gilt kleine Abenteuer zu bestehen. Wir reden weiterhin durchgängig, essen Crepes und trinken Cidre. Das Zillentaxi hängt an einem Stein fest und unsere Fahrerin (Kapitänin? Frau am Paddel?) muss kräftig in das zu niedrig stehende Wasser stoßen, damit wir vom Ufer der Baden-Württemberg-Seite wegkommen. Es spritzt einmal ordentlich auf und meine Füße werden nass.
Die C. erklärt, dass diese kleinen Holzboote aber wirklich nicht umkippen können und ich versuche nicht einen meiner berühmten Stunts hinzulegen. (Dass das Wasser unfassbar niedrig steht und ich maximal nass geworden wäre, erfahre ich erst später. Die mächtige Donau bewegt sich zwischen den Brücken nur ein wenig.)

Wir sitzen mit Softeis am bayerischen Ufer, ich denke an die Sommerabende während der Vorlesungszeit. Ulm kann jetzt Bars, der Negroni hatte es in sich. Reden über soziale Experimente, Arbeitsbedingungen und was man wofür in Kauf nimmt. Großes Wiederfinden.
Ich schlafe viel zu lange, wir frühstücken bis es Zeit für Kaffee und Torte ist. Gemeinsames Konzertticketbuchen für Florence. Ich weiß nicht mehr, wann ich zuletzt gemeinsam mit jemandem Tickets für etwas gekauft habe. Vermutlich noch mit der A., die heute nicht mehr mit mir spricht. (wie ich lernte, was Ghosting ist.)
Ganz hervorragende Torte finden wir auf der anderen Seite der Donau (Punkt Bayern!).
Man könnte doch auch gleich Abendessen…? Kann man, in einem hippen Indochina-Laden mit der besten Erdnusssoße, die mir seit langem untergekommen ist und überhaupt, man will sich durch die ganze Karte probieren.

Ich denke die ganze Zeit wie doof ich bin, den Aufwand zu scheuen, der hinter einer so großartigen Zeit stecken kann. Was es dem Leben für Kräfte verleihen muss, wenn man schon früh von solchen Freundschaften, solchen Momenten getragen wird. Ich bekomme Gin Tonic mit Rosmarin und wir gucken dem sehr jungen David Tennant beim Niedlichsein zu.
Mir fallen die niedlichen Geister aus meiner Zeit an diesem Ort ein. Das Studentenwohnheim in dem ich gelebt hatte, liegt nur einen Steinwurf entfernt. Einen Moment lang frage ich mich, was der kümmernde Mechatronik-Mitbewohner und die nebenher-Barkeeperin aus der Zeit damals machen. Hoffentlich sind sie glücklich.
Sonntagvormittag, im Zug zurück nach München fühle ich mich erholt und nicht einmal die deutsche Bahn könnte mir die Laune verderben – sie versucht es erst gar nicht.

Später räume ich die Reisetasche aus, packe dafür den Rosé in die Handtasche und begebe mich zum Fußballgucken. 20 Jahre Brass auf Kroatien verfliegen recht schnell, als Antoine Griezmann sehr kunstvoll schauspielert. Aber gut, dann eben Frankreich, so gewinne ich wenigstens die Bonusrunde im Tippspiel.
Später singt Jonas Kaufmann italienische Arien. Neben ihm steht Anita Rachvelishvili und sieht fantastisch aus, mit ihren Locken und den großen Ohrringen und der Dramatik, der den neuen Operndiven manchmal fehlt.
Das, denke ich heimlich in mich hinein, könnte ich auch. Nicht subtil und zeitlos elegant, sondern mit einer gewissen Wucht.

Es ist fast Mitternacht, als ich mit einem letzten Glas im Dunkeln auf dem Balkon sitze. Ich beschließe, dass manche Dinge das Universum regeln muss und schicke noch zwei Nachrichten los. Schließlich könnte es den Aufwand wert sein.

Abschließend schmuggeln wir hier nochmal ein paar Fragen rein, weil das so putziges Füllmaterial ist.

26. Warst du ein glückliches Kind?
Nein, zu früh mit dem Nachdenken angefangen. Zu früh nachdenken müssen. Ich befürchte, dass sich ein mit Gedanken gefüllter Kopf und Glück nicht gut vertragen.

27. Kaufst du oft Blumen?
Das lerne ich noch.

28. Welchen Traum hast du?
Ne Nummer Kleiner hatten wir nix? Okay. Dilemma: Ich habe wieder aufgehört Dinge konkret als Wunsch oder Ziel zu formulieren, weil ich daran erinnert wurde, wie das ausgeht. Schlecht. (Nie, nie nie nie nie niemals nicht Dinge verkünden bevor sie nicht in trockenen Tüchern sind.) Irgendwann mal eine Immobilie besitzen wäre schick. Würde beruhigen. Und, nur um das nagende Gefühl irgendwann zu wegzuhaben: Ein Buch schreiben. Muss nicht mal veröffentlich werden, vielleicht posthum, aber mir beweisen, dass ich ein ganzes hinkriege, ja.

29. In wie vielen Wohnungen hast du schon gewohnt?
1985-1986: (also wurde mir erzählt)
1986-1996
1996-2003
2003-2004 (die erste WG!)
2004-2005 (erste eigene!)
2005-2006 (Horror-Winter im Schwarzwälder Studenten-Gefängnis)
2006-2008 (12-Zimmer-Studentenwohnheims-WG)
2008-2009
2009-2011 (dasselbe Studentenwohnheim, aber umgebaut und mit nur noch 6-Zimmer-WG)
20011-2015
2015- jetzt. (You will take this Balkon with Innblick from my cold, dead hands.)

Uff.

30. Welches Laster hast du?
Wein. Zorn. Schokolade. Arroganz. Gin. Nachtragend sein.

31. Welches Buch hast du zuletzt gelesen?
Aus Gründen in diesen Tagen nochmal die Franz Josef Strauß Biographie. (I KNOW.)

32. Warum hast du die Frisur, die du jetzt trägst?
Äh. Das Ding mit diesen Haaren (https://twitter.com/search?q=Montagslocken&src=typd ) ist ja: So viele Möglichkeiten hab ich nicht. Der Traum vom Kurzhaarschnitt oder dem „Rachel“ wird eher einer bleiben und entfärben, um zu färben will ich auch nicht. Also arbeitet man mit dem Material, das man hat. Meistens so altmodisch mit ein paar Strähnen, die am Oberkopf in eine Klammer kommen oder irgendwie hochgesteckt. An Bad Hair Days als Zopf.

33. Bist du von deinem Mobiltelefon abhängig?
Ich dachte bei „abhängig“ als erstes daran, dass ich mich ohne Mobiltelefon ständig verlaufen würde und es allein schon zur Navigation oder für Bahntickets dringend brauche. Ansonsten, och, ja, es ist schon sehr wichtig. Aber noch schaffe ich es auch mal einen Tag ohne. Aber dann muss ich wirklich dringend reingucken.

34. Wie viel Geld hast du auf deinem Bankkonto?
Och ja, geht so.

35. In welchen Laden gehst du gern?
Ich mag Bücherläden, Parfümerien und Antiquitätenhändler. Ich bin also in Wirklichkeit eine 53jährige Charity-Witwe aus Bogenhausen.

36. Welches Getränk bestellst du in einer Kneipe?
Kneipe klingt klein und urig und überhaupt: Bier. Wenn es heiß ist, Radler. Wenn die Kneipe eine Bar ist: Gimlet oder Negroni.

37. Weißt du normalerweise, wann es Zeit ist, zu gehen?
Manchmal denke ich, ja, natürlich. Aber vielleicht bin ich zu vorsichtig, mache zu schnell einen Rückzieher.

38. Wenn du dich selbstständig machen würdest, mit welcher Tätigkeit?
Ich war mit meinem normalen Beruf selbständig und och ja, das hat schon auch was. Aber dasselbe tun wie jetzt, nur mit dem Freelancer-Aufwand ist dann langfristig doch nicht meins. Wenn, dann würde ich etwas gründen. (You don’t say. ) Oder halt Alkohol verkaufen.

39. Willst du immer gewinnen?
Ich versteh die Frage nicht. Toby Ziegler sagt: They like us when we win.

40. Gehst du in die Kirche?
[Hier mehrseitige Abhandlung über das Großwerden in bayerisch katholischer Folklore einfügen] Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen.

41. Trennst du deinen Müll?
Was soll ich denn sonst damit machen?

42. Warst du gut in der Schule?
Mit Ausnahme einer Phase in der Mitte, als man versucht hat mir den Spaß zu nehmen – ja. Aber nicht, weil ich fleißig gewesen wäre. Unfair, aber wahr. Ich mag das Konzept Lernen.

43. Wie lange stehst du normalerweise unter der Dusche?
Ich bin im Besitz einer Badewanne und dusche nur, wenn es wirklich, wirklich schnell gehen muss. Dann knapp unter 10 Minuten. (Hört auf mit den Augen zu rollen, für mich ist das schnell.)

44. Glaubst du, dass es außerirdisches Leben gibt?
Rein statistisch existiert in irgendeiner Galaxie auf irgendeinem Planeten zumindest irgendeine Art von organischer Lebensform. Hochentwickelte Aliens? Unwahrscheinlich.

45. Um wieviel Uhr stehst du in der Regel auf?
Zwanzig vor 7 an Arbeitstagen, ansonsten wird’s 9+x.

46. Feierst du immer deinen Geburtstag?
Ha. Haha. Hahahahaha. Ich organisiere grade meine erste Geburtstagsfeier seit 20 Jahren.

47. Wie oft am Tag bist du auf Facebook?
2, 3 mal die Woche?

48. Welchen Raum in deiner Wohnung machst du am liebsten?
Zählt ein gemauerter Balkon als Raum…?

49. Wann hast du zuletzt einen Hund (oder ein anderes Tier) gestreichelt?
Eine Katze, was auch sonst. Vor ein paar Tagen lungerte beim abendlichen nach Hause gehen eine langhaarige dunkle Diva auf einer Brüstung rum und maunzte mich erstmal an, damit ich auch garantiert herkomme und ihr kurz die Öhrchen kraule. Dann war’s auch wieder gut und sie sprang hochelegant auf die andere Seite der Brüstung. Katzen sind die einzigen Tiere, die ich verstehe.

50. Was kannst du richtig gut?
Herrje. Das klingt jetzt komisch aber: Reden. Menschen in Grund und Boden, Projekte zur Existenz. Mehr als Worte hab ich nicht. Aber in diesen Tagen denke ich oft, dass ich selbst dieses Werkzeug nicht gut genug beherrsche, um mich zu verständigen.

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Trending: Der verlorene Verstand

Manchmal, wenn ich mich in diesen Tagen so umschaue, frage ich mich, ob wir, die Crazies, ein bisschen besser präpariert für den Wahnsinn sind, der sich gerade überall ausbreitet.
Wenn man sich der eigenen Wahrnehmung ohnehin nicht so sicher ist, wenn man seine Kräfte genau einteilen muss, um zurecht zu kommen. Dann sind die politische Unwucht, die wachsende Hysterie und der sich immer noch nach oben drehende Lärmpegel vor allem nur noch weitere Punkte auf der Liste der Dinge, die man kaum aushält.

Gegen die man tätig werden muss.

Weil das Verständnis und die Begründungen für den guten Willen aufgebraucht sind. Weil eine Linie gezogen wurde, liebe CSU. Wenn es also doch erstmal keine bayerische CDU geben wird, der man auf die Beine helfen sollte, schließt man sich halt endlich den anderen an.
Sepp Daxenberger war ein ungewöhnlicher Grünen-Politiker – weil er so traditionell bayerisch war. Er ging zu früh und seine Stimme fehlt bis heute. Als wäre die CSU automatisch das Auffangbecken für all diejenigen von uns, die Tradition erhalten wollen, die begreifen warum sich Dinge auf dem Land langsamer oder sogar anders verändern. An ihn musste ich in diesen Tagen oft denken. Daran, wie sehr so eine Figur, ein Gegengewicht zu den Betonköpfen auf der anderen Seite fehlt. Also nicht länger fragen, wo die Bayern bei den bayerischen Grünen sind, sondern sich die Sache mal von innen anschauen.

Meine Muskeln schmerzen, die Schultern sind ganz hart. Seit Tagen, vielleicht seit Wochen. Etwas zerrt an mir, drückt mich nach unten. Gerade, als ich mich an das Gewicht des schweren dunklen Mantels gewohnt hatte, der aus meinem Kopf heraus fließt. Kommt auch noch die Welt ums Eck und will beachtet werden.
Die Malaise, sie hat den Punkt der Spürbarkeit erreicht. Mit Immunsystem und Hormonen, die Schlitten fahren, ein einziges Gebrülle um meine Aufmerksamkeit.
(Psychosomatisch my ass. Ich habe Pickel, Schmerzen und bin schwächlich. Kann ich nicht einfach so schlaf- und appetitlos sein wie andere? Blass und müde, meinetwegen, aber müssen es immer gleich Dinge sein, die Ärger machen? Keinen Sinn für wahre Theatralik, dieser Körper.)
Natürlich, ich könnte mich all dem widmen, den Rest der Welt ausblenden. Haha. Den Rest der Welt ausblenden. So ein Blödsinn. Um mich herum raubt die Neon-Wirklichkeit denen den Atem, die eigentlich alles richtig machen und nur ein ordentliches Leben führen wollen. Wenn ich denen ein Stück meines Irrsinns leihen kann, um zu helfen, selbstverständlich.

Zwischen all der Wut und Überforderung ist am Ende ohnehin nur noch für ein paar Kleinigkeiten Platz. Für das Adrenalin eines stattfindenden Fußballturniers. (Go Belgien go!) und für die rührigen Absurditäten, die man so findet.
Gott segne Mama Donnerhall, die meine Aufmerksamkeit auf eine dieser Absurditäten in Form einer Todesanzeige lenkte.


Alles, aber auch alles an diesem kleinen Ausschnitt ist faszinierend. Vor allem, was dort alles nicht steht. Keine lange Liste an Verwandten, die sich verabschieden (die Recherche ergab auch keine anderen Anzeigen irgendwo, bei denen sie gelistet wären.), keine emotionale Bindung zu einer geliebten Tante, Schwester oder ähnliches. Der Neffe, wohl alleiniger Auftraggeber überschreibt sich zwar mit Liebe und Dankbarkeit, aber das erst nach dem Hinweis, dass doch bitte von quasi aller sichtbarer Trauer abzusehen sei. Nicht mal ihre, so wird hier angedeutet, vielen Auszeichnungen sollen Erwähnung finden. Nicht einmal in den seriösen Kreisen, in denen sie doch hochgeschätzt war.

Es ist Sonntagnachmittag, als ich die Kuriosität auf Twitter poste, während ich Kaffee trinke und Prinzregententorte (!) esse. Und Twitter is coming through.

Was eine Parte ist? Das hier.

Wer Maria Fernanda war? Darüber wissen wir erstaunlich wenig.

Jahrgang 1927, kommt sie als Tochter der Infantin Elisabeth von Portugal und Franz Joseph, Prinz von Thurn und Taxis zur Welt. Dessen Mutter war Margarete Klementine von Österreich, aus dem ungarischen zweig von Habsburg-Lothringen. Maria Fernanda hat einen älteren Bruder, Gabriel, der in Stalingrad fällt und zwei ältere Schwestern. Elisabeth Helene und Maria Theresia. Helene heiratet den Grafen Rudolf Erwein von Schönborn-Wiesentheid – die Ehe wird geschieden und annulliert. Maria Theresia heiratet Franz Eduard, Graf von Oppersdorf. Ihr Sohn wird später die Traueranzeige für Maria Fernanda schalten.

1950 heiratet sie Prinz Franz Josef von Hohenzollern, bereits 1951 wird die Ehe geschieden und kurz darauf annulliert. (Franz Josef, Prinz von Hohenzollern war wohl keiner für die Ehe. Drei Monate nach der Scheidung heiratet er Diane Marguerite Bouorbon-Parma, lässt sich aber wieder scheiden und die Ehe annullieren.)
Maria Fernanda heiratet nie wieder. 1966 adoptiert sie in New York eine Tochter. Marian Editha Theresia von Thun und Taxis stirbt aber bereits 2012. In ihrer Traueranzeige steht nur ein Name, der von Maria Fernanda.

Und wenn Sie jetzt sagen: Bella, ist das nicht ein bisschen viel Interesse an einer verblichenen Adligen? Aber natürlich ist es das, da haben Sie vollkommen recht. Nur: Die geschiedene Maria Fernanda, eine echte Thurn und Taxis, adoptiert in den 60er Jahren, allein, eine 5 Monate altes Mädchen in den USA und von beiden hört man erst wieder, als sie nicht mehr da sind. Es werfe bitte den ersten Stein, dessen Phantasie da keine Flügel bekommt. (Wenn sie mal ein paar Stunden mit wirklichem Nonsens zubringen wollen, der aber irgendwie historisch ist: http://forum.alexanderpalace.org/ . Hier tauschen sich Menschen über mehr oder minder alle Königshäuser und Adelslinien aus, die man so finden kann. Wahnsinn.)

Aber ich schweife ab, weil am Ende hatte Twitter nochmal einen richtigen Kick für mich. Oben, in der Todesanzeige, wird (für mich selbstverständlich) ein Kontakt zum Erhalt von Gedenkbildchen, also Sterbebildern angeboten.
Als auf Twitter aber mehrere Nachfragen auftauchen, worum es sich bei diesen Gedenkbildchen handelt, scheine ich da einer mittelschweren Entdeckung auf der Spur.
Ein kleiner Thread. (idealerweise liest man auch einige der Antworten.)

Annähernd 33 Jahre musste ich werden, um zu lernen, dass das Standardritual des Sterbebildes mehr so eine Ur-katholisch-alpine Sache ist. Altbayern, das katholische Franken, Baden und der Schwarzwald, Südhessen und die Eifel, Österreich, Italien. Der Rest der Republik? Schüttelt mal wieder den Kopf, weil’s das nicht braucht.
Auch einen Tag später weiß ich noch nicht wohin mit meiner Fassung. Meine Twitter-Mentions eskalierten den Rest des Abends vor sich hin, wie ich das sonst nur von regionalen Unterschieden bei Gebäck kenne.
Als ich mit meiner Schwester beim Beerdigungs-Institut saß und wir durch Kataloge mit Motiven und Versen blätterten, bis es für uns passte. Wie man auch dafür das richtige Foto heraussuchen musste. Würden 250 Stück reichen? Schließlich gibt man der Verwandtschaft einen großen Stapel mit, der im Heimatdorf an die verteilt werden kann, die zu spät davon erfahren haben oder nicht zur Beisetzung kommen konnten.
JA WIE DENN SONST?

Diese Sorte selbstverständliche Kleinigkeit, aus deren Summe am Ende unsere Welt besteht, wenn sich eine solche als überhaupt gar nicht selbstverständlich rausstellt, dann fühlt es sich an als würde jemand einen Faden aus der Realität ziehen, einen, der das ganze Gewebe auftrennen könnte.
Vielleicht bin ich momentan noch empfindlicher als sonst für diese Dinge. Sehe noch schneller, wenn da Fehler in der Matrix sind.
Aber irgendwo zwischen der verlorenen Geschichte von Maria Fernanda, der Lücke die Sepp Daxenberger hinterlassen hat und einem Leben ohne eine Schublade voller Sterbebilder fange ich an mich zu fragen, welche Dinge ich in meinem Leben als gegeben, sogar notwendig ansehe, obwohl sie es gar nicht unbedingt sind.

Ich war so jung und so lange depressiv, dass ich Jahre gebraucht habe, um aus den Ruinen meine tatsächliche Persönlichkeit zusammen zu bauen. Ein Konstrukt, das nicht von Dunkelheit und Trauer zusammengehalten wurde. Jetzt ist beides wieder da und sie fügen sich viel zu einfach in all die Fugen und Risse, füllen Löcher auf und legen sich wie eine Schicht über all die Fragmente aus denen ich über viele Jahre eine Zukunft gebaut hatte.
Wenn ich alles noch einmal aufsammeln und zusammensetzen muss, worauf könnte ich nicht verzichten? Und was würde ich dieses Mal darin haben wollen, das bis jetzt fehlt?
Mir fehlt jetzt schon der Enthusiasmus für all die Umstände, die sich ändern werden müssen.

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